Special: Redundanz

Wie viel Backup macht Sinn? – Datenredundanz in der Veranstaltungstechnik

Die Hoffnung „Wird schon gutgehen“ reicht heute nicht mehr aus, um das Gelingen von Veranstaltungen sicherzustellen. Die Lösung liegt aber nicht in ein, zwei isolierten Maßnahmen oder Geräten, sondern einem auf Kundenerwartung, Situation und Budget abgestimmtem Konzept.

Markenzeichen: Chamsys am FOH-Platz
Harald Heckendorf
Markenzeichen: Chamsys am FOH-Platz

 

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit waren Shows aller Art, wie zum Beispiel große Firmenevents, Messestände, große Fernsehshows und aufwändige Tourproduktionen ein mehr oder weniger zusammengewürfeltes Arsenal aus unseren vier Hauptgewerken Ton, Licht, Video und Rigging. Jeder hatte sein eigenes Gewerk, das er zu bedienen und zu betreuen hatte. Wenn Abläufe synchron starten mussten, wurde der Countdown von der Regie insIntercom eingezählt und bei null drückten alle zeitgleich auf ihre Knöpfe. Mittlerweile hat sich einiges verändert. Alle Gewerke sind heute selbstverständlich miteinander vernetzt. Überall liegt der gleiche Timecode an, das gesamte System hat die gleiche Wordclock, der Medienserver wird vom Lichtpult aus gesteuert, das Tonpult triggert das Lichtpult, der Regisseur kann von seinem Platz aus den Auftrittsjingle abfeuern und damit gleichzeitig das Verfahren der Moving-Truss starten. Das ist heutzutage alles kein Problem, bringt aber natürlich auch eine Vielzahl von Geräten ins Spiel, die vorzehn Jahren noch nie in der Veranstaltungstechnik gesehen wurden. Ebenso entsteht dadurch ein sehr hohes Datenaufkommen in den Netzwerken. Oftmals handelt es sich bei den Geräten um Elemente, die aus der IT oder den Fernseh- und Tonstudios stammen und entsprechend für Festmontage in klimatisierten Räumen gedacht sind. Da in unserer Branche doch ein sehr rauer Alltag herrscht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gerät bzw. eine Komponente aus unserem großen Netzwerkverbund mal ausfällt, durchaus gegeben. Neben den transportbedingten Erschütterungen,sehrstaubigen Umgebungen und den zum Teil extremen Temperaturschwankungen gibt es auch noch andere Einflüsse, wie Gabelstapler oder andere Gewerke, die noch mal mit der Kreissäge den Boden aufschneiden müssen und damit unsere Datenverbindungen gefährden. Das heißt, dass eine saubere Planung und geschultes Fachpersonal bei der Umsetzung und dem richtigen Umgang mit den Einzelkomponenten das A und O sind.

Was ist schlimm am Totalausfall?
Was passiert eigentlich, wenn eben eine dieser vielen Komponenten tatsächlich während einer Showsituation ausfällt? Da könnte man sagen, dass erst mal nichts Schlimmes passiert: Das Licht geht aus, der Ton verstummt oder die Videoprojektion wird dunkel. Alles eigentlich kein großer Beinbruch möchte man meinen, schließlich geht es in den meisten Fällen ja nur um reine Unterhaltung.

Monitor
Christiane Bangert

 

Etwas spannender ist diese Frage schon beim Rigging, wenn wir an schwebende Lasten über Menschen denken. Der technische Aufwand, der heutzutage bei fast jeder Show getrieben wird und früher als au- ßergewöhnliche Multimediashow angepriesen wurde, ist heute völlig normal. So ein großer technischer Aufwand bedeutet aber auch deutlich gestiegene Kosten. Der Trend bei Livekonzerten – lieber weniger, dafür aber größere und spektakulärere Shows zu spielen – ist deutlich zu sehen. Das bedeutet, dass Veranstalter und Künstler bisweilen sehr viel Geld in die Hand nehmen, um ihren Fans einen perfekten Abend zu bieten. Bei so großen Summen liegt natürlich ein berechtigtes Interesse darin, dass die Show nicht durch technische Probleme oder Ausfälle gefährdet ist. Fällt mal für fünf Minuten der Ton aus, liest man das mittlerweile am nächsten Tag in der Tagespresse. Da geht es nicht nur um viel Geld, sondern auch um Image. Das ist zum Beispiel auch das große Argument bei den Pressekonferenzen der großen Automobilhersteller auf den Megamessen dieser Welt. Wie groß da ein Imageschaden werden kann und wie der monetär zu bewerten ist, wollen wir uns gar nicht vorstellen.

Ein Bereich, in dem es nicht um Können, Wollen oder Image geht, sondern um gesetzliche Vorgaben, das sind Jahreshauptversammlungen von Aktionärsgesellschaften. Da ist das Thema ausfallsichere Anlagen im Aktionärsrecht geregelt. Jeder Aktionär, der an einer Jahreshauptversammlung teilnimmt, muss zu jedem Zeitpunkt, den er auf dieser Versammlung verbringt, dem Verlauf der Versammlung und dem gesprochenen Wort folgen können. Das führt unter anderem zu so netten Aufgaben wie der lückenlosen Beschallung im gesamten Gebäude – sogar bis auf das WC.

Machine Head
Harald Heckendorf

 

Was versteht man unter Redundanz?
Spätestens jetzt stellt sich aber die Frage: Wie soll ich denn so eine hundertprozentige Funktion gewährleisten? Das kann zwar nicht pauschal beantwortet werden, jedes Projekt muss einzeln betrachtet und einer Analyse unterzogen werden. Das Zauberwort, das fast immer eine wichtige Antwort in sich birgt, ist aber die Redundanz: „Redundanz ist die Fähigkeit eines Systems, bei Ausfall einerseiner Komponenten weiterhin einen uneingeschränkten Betrieb zu gewährleisten.“ Wenn man versucht, das wörtlich umzusetzen, bedeutet das, dass man eigentlich jede Einzelkomponente doppelt verbauen muss. Dass das nicht wirklich praktikabel ist und außerdem auch kein Kunde zu bezahlen bereit sein wird, liegt auf der Hand. Wir wollen daher diese Fragen stellen:

• Wann brauche ich Redundanz?
• Wie viel Redundanz ist möglich?
• Wie viel Redundanz ist in meinem Fall sinnvoll?
• Was gibt es an sinnvollen Lösungen und Denkansätzen in unserer Branche?

Wann brauche ich Redundanz?
In der Veranstaltungstechnik braucht man Ausfallsicherheit entweder, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist oder weilso viel Geld im Spiel ist. Der Imageverlust könnte nämlich so groß sein, dass der Auftraggeber lieber einen erheblichen Mehraufwand finanziert, als die peinliche Situation eines Showabbruchsin Kaufzu nehmen. Vorschrift istsie zum Beispiel bei Jahreshauptversammlungen von Aktionärsgesellschaften. Erhebliches Interesse für einen störungsfreien Showablauf besteht vor allem bei Fernsehshows, die live übertragen werden. Wahrscheinlich kann sich keiner von uns etwas Schlimmeres vorstellen als wenn bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele die Beschallungsanlage ausfällt oder beim Eurovision Song Contest die linke Hälfte der riesigen LED-Wand schwarz wird. Notbeschallungsanlagen sowie Notbeleuchtung zählen auch als Redundanzen, da sie in Betrieb gehen sobald die Hauptanlage ausfällt.

 

“Wenn redundante Kabel parallel verlegt sind, fährt der Gabelstapler beide gleichzeitig kaputt.”

 

Ein separat zu betrachtender Punkt ist das Thema Rigging. Hier gelten eigene, klar definierte Sicherheitsstandards wie in der SIL3 (Sicherheits Integritäts Level 3) festgelegt. Aufgrund der besonders gefährlichen Situation von schwebenden oder sich bewegenden Lasten über Personen werden hier Sicherheitsstandards gefordert, die die Eigensicherheit soweit erhöhen, dass man auf eine redundante Ausführung weitgehend verzichten kann. In den meisten Fällen wäre eine Redundanz auch kaum durchführbar. Die abschließende Frage, wann man in welchem Maße sein System redundant auslegen muss, kann nur in der Einzelfallanalyse geklärt werden. Die Kosten für ein voll redundantes System sind erheblich und somit wohl der ausschlaggebendste Teil bei der Klärung dieser Frage. In der Industrie gibt es natürlich auch noch andere Gründe für diesen Aufwand. Gerade in der Luft- und Raumfahrt sowie im Kraftwerksbau sind so viel Geld, Forschung, Zeit und nicht zuletzt mehr oder weniger viele Menschenleben im Spiel, dass hier auch ein erheblicher Aufwand unternommen wird, um ein Weiterlaufen der Systeme auch bei einem Störfall zu gewährleisten. In der Industrie schafft man Redundanz durch Verwendung unterschiedlicher Prinzipien. Beispielhaft sei hier erwähnt, dass es bei Messinstrumenten in entsprechenden Umgebungen nicht reicht einfach nur zwei Messsonden zu installieren, sondern dass es zwei unterschiedliche Prinzipien sein müssen, zum Beispiel ein elektrisches und ein mechanisches Messgerät. Wenn das eine Prinzip versagt, weil es seine Schwäche bauartbedingt in sich trägt, muss als Redundanz eine Messmethode verbaut werden, die auf einem anderen Funktionsprinzip basiert.

Projektor
Marcel Courth

 

Wie viel Redundanz ist möglich?
Möglich ist vieles, fast alles. Wenn man diesen Gedanken ganz zu Ende denkt, wird man aber feststellen, dass doch weitgehend verzichten kann. In den meisten Fällen wäre eine Redundanz auch kaum durchführbar. Die abschließende Frage, wann man in welchem Maße sein System redundant auslegen muss, kann nur in der Einzelfallanalyse geklärt werden. Die Kosten für ein voll redundantes System sind erheblich und somit wohl der ausschlaggebendste Teil bei der Klärung dieser Frage. In der Industrie gibt es natürlich auch noch andere Gründe für diesen Aufwand. Gerade in der Luft- und Raumfahrt sowie im Kraftwerksbau sind so viel Geld, Forschung, Zeit und nichtzuletzt mehr oder weniger viele Menschenleben im Spiel, dass hier auch ein erheblicher Aufwand unternommen wird, um ein Weiterlaufen der Systeme auch bei einem Störfallzu gewährleisten. In der Industrie schafft man Redundanz durch Verwendung unterschiedlicher Prinzipien. Beispielhaft sei hier erwähnt, dass es bei Messinstrumenten in entsprechenden Umgebungen nicht reicht einfach nur zwei Messsonden zu installieren,sondern dass eszwei unterschiedliche Prinzipien sein müssen, zum Beispiel ein elektrisches und ein mechanisches Messgerät. Wenn das eine Prinzip versagt, weil es seine Schwäche bauartbedingt in sich trägt, muss als Redundanz eine Messmethode verbaut werden, die auf einem anderen Funktionsprinzip basiert. Wie viel Redundanz ist möglich? Möglich ist vieles, fast alles. Wenn man diesen Gedanken ganz zu Ende denkt, wird man aber feststellen, dass doch nicht alles abgesichert werden kann. Redundanz bedeutet bei uns, dass die Show trotz des Ausfalls einer Komponente weiterlaufen kann, ohne dass das Publikum etwas davon merkt. Das Ende des Möglichen wäre da wohl die LED-Wand. Eine LED-Wand als solche kann nicht wirklich redundant gebaut werden, da die Ersatzwand ja an gleicher Stelle hängen müsste. Wenn es unbedingt eine Wand sein muss, müsste man die Ersatzwand an einer anderen Position aufhängen, was dann aber das Bühnenbildmassiv verändern würde. Hier kann nur der Wechselzu einem anderen Prinzip helfen – der guten alten Projektion. Da kann man einen Ersatzbeamer dazu hängen und schon ist das Problem im Griff. Aber was ist, wenn ein unglücklich abgelenkter Pyroeffekt in die Projektionsfläche fliegt und ein Loch hinein schmilzt? An diesem Beispiel kann man gut sehen, wie weit die Analyse gehen kann, wenn man anfängt über echte Redundanz nachzudenken. Für unseren Alltag muss man also die Frage nach dem Möglichen mit „sehr viel, aber nicht alles“ beantworten.

Beispiel: Redundanz mit Rockswitch

Redundanz mit Rockswitch
Martin Conradt

Einfache Redundanz einer Lichtsteuerung mittels eines Rockswitches:Jeder Rockswitch kann zwischen zwei Eingangsquellen zu je acht Universen und einem Netzwerk umschalten. Insgesamt acht dieser Umschalter können zu einem großen Schalter zusammengeschlossen werden. Ähnlich verhält essich, wenn man jedes einzelne Universum auf einen DMX-Splitter steckt, der zwei Eingänge hat. Das Gerät erkenntselber, welcher Eingang gerade mit Daten versorgt wird und kann so den Output entsprechend steuern.

 

Beispiel: Redundanz Lichtsystem

Redundanz Lichtsystem
Martin Conradt

So könnte eine komplette Redundanz eines Lichtsystems aussehen. Zwei Lichtpulte im Full-Backup-Mode, ein redundantes Netzwerk, das auf zwei Wegen die DMX-Daten ausspielen kann und diese in einem DMXSchalter bündelt. Egal, welches Bauteil oder Kabel hier ausfällt, der Datenstrom fließt weiter bis zum Scheinwerfer (was in der Grafik aus Gründen der Übersichtlichkeit fehlt, ist die Stromversorgung). Damit dasin diesem Diagramm vorgestellte Szenario im Ernstfall auch wirklich redundant funktioniert, müssen natürlich alle hier eingezeichneten Gerätschaften mit einer USV gepuffert sein.


Wie viel Redundanz ist in meinem Fall nötig?

Im Laufe der letzten Jahre haben natürlich die Hersteller von professioneller Veranstaltungstechnik die Zeichen erkannt und viele neue Produkte, die aus anderen Branchen bei uns Einzug gehalten haben, auf unsere Bedürfnisse angepasst. Gerade die Produkte aus der Netzwerk- und Videotechnik sind deutlich robuster und mobiler geworden. Auch unsere Hauptarbeitspferde wie Scheinwerfer, Dimmer, Lautsprecher, Verstärker, LED-Wände, Mischpulte aller Artsind mittlerweile sehrzuverlässig. Daraus ergibtsich, dass esim Eventbereich bei„Standard“-Produktionen eigentlich ausreicht, wenn man die Signalwege und ihre Peripherie redundant ausführt und größere Geräte wie Pulte, Scheinwerfer, Amps oder Lautsprecher als Austauschgeräte auf der Produktion vorhält. Interessanterweise fällt hier ein traditionell gewachsenes Phänomen unseres Metiers auf: Die Lichtabteilung hat fast immer unaufgefordert ein Backuppult dabei, die Tonabteilung denkt immerhin schon mal an eine USV und die Videoabteilung sagt, dass bei ihnen nichts kaputt geht und sie deswegen nicht an Redundanz denken müssen. In manchen Produkten gibt es schon eingebaute Notfalllösungen. Im Lichtbereich kennen wir die Hold-Funktion, die bei einem Ausfall der Steuerdaten zumindest den letzten Output der Scheinwerfer hält und somit eine unansehnliche oder gar dunkle Lichtstimmung auf der Bühne verhindert. Wenn der Datenstrom während eines Blackouts abreißt, ist das natürlich sehr unglücklich. Bei LED-Wänden gibt es die Möglichkeit, ein Prestore-Picture bei Datenabriss auf der Wand auszugeben.

Welche Lösungen und Denkansätze sind in der Veranstaltungstechnik sinnvoll?
Es gibt wohl ebenso viele Meinungen und Lösungsansätze wie technische Möglichkeiten. Die konsequenteste Lösung wäre wohl, einfach alles zu doppeln – doppeltes Stromnetz Aggregate oder USV), Scheinwerfer, Beschallungsanlage, Videoprojektion, FOH-Plätze, Datenleitungen. Dasist in dieser konsequenten Art natürlich nie machbar, aber wenn man das Unmögliche fordert, kann man daraus das Mögliche destillieren. So ist der Ansatz, alle Scheinwerfer zu doppeln viel zu übertrieben. Wenn man aber genau hinschaut und sich überlegt, welche Lampen unter keinen Umständen ausfallen dürfen, wird man merken, dass es gar nicht so viele sind. Das könnten spezielle Vorderlichter für Rednerpult, Künstler oder ein wichtiges Produkt sein. Da die Menge der Scheinwerfer für diese Aufgabenstellung nicht allzu groß sein wird, kann man da jeweils ein Pendant daneben hängen, welches über eine eigene Verkabelung auf einem eigenen Dimmer oder Stromverteiler gesteckt ist, der auf einem anderen, meist über Aggregat realisiert, Notstromnetzliegt. Der Energieversorger hat Schalter, die automatisch einen Spannungsabfall auf Netz A erkennen und unterbrechungsfrei auf Netz B umschalten. Bleibt die Frage nach den Steuerdaten, im Licht wären das zum Beispiel DMX oder ArtNet – dazu kommen wir später. Ähnlich verhält essich bei der Beschallungsanlage. Auch hier gilt: eine kleine Notfall-PA aufhängen, völlig eigenständig verkabeln, mit eigenen Amps, die auf einem eigenen Notstrom liegen. Auch hier wird interessant sein, wo die redundanten Daten herkommen. In der bildgebenden Abteilung kann man bei Projektionen die Beamer verdoppeln und ebenso mit eigenen Daten und Notstrom versorgen. Beim Einsatz einer LED-Wand muss man sich fragen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Wand als solche ausfällt. Normalerweise sollte esreichen, die Signale und die Stromversorgung redundant zu planen.

Veranstaltungspraxis: Vom Spare-Kabel bis zum Doppelnetzteil
Bevor wir etwastiefer in die technischen Details eintauchen, wollen wir erst noch mal einen Blick auf allgemeine Punkte werfen, die dazu dienen, unser System sicherer zu machen. Auf unsere Branche bezogen gelten die Denkansätze für alle Einzelgewerke mehr oder weniger im gleichen Maß. Pauschal gilt die Devise:„Je mehr Geräte in meinem System verbautsind, umso mehr Geräte können ausfallen.“ Das bedeutet, dass der Aufwand, den man betreiben muss um ein gewisses Maß an Ausfallsicherheit zu erreichen, größer wird.

Ferner ist zu bedenken, dass jedes Gerät, das zusätzlich eingebaut wird um die Sicherheit zu erhöhen, selber auch ausfallen und somitzu einer Fehlerquelle werden kann. Deswegen beginnt die Planung der Redundanz mit der Analyse der verwendeten technischen Komponenten hinsichtlich ihrer Eigensicherheit. Diese kann erhöht werden, in dem standardmäßig zwei unabhängige Netzteile verbaut sind, andere weisen bereits eine eingebaute USV auf. Es gibt im Audiobereich fertige Systeme, die von Haus aus schon mit Primary- und Secondary-Netzwerken arbeiten und somit eigentlich schon ein hohes Maß an Eigensicherheit bzw. Redundanz mitbringen. Im Weiteren kann man sich anschauen, welche Erfahrungswerte man mit den Systembauteilen bezüglich ihrer Stabilität hat. Jeder Planer wird Erfahrungen mit der Zuverlässigkeit verschiedener Produkte haben. Ein weiteres Indiz auf die Empfindlichkeit kann sein, wie sehr das Gerät computerbasiert ist. Alles, was eine Festplatte hat oder auf dem eine externe Software installiert ist, gilt es vor allem gegen Stromausfälle zu schützen, da diese Geräte in der Regel etwaslänger brauchen, um wieder hoch zu fahren. Moderne Mischpulte aller Artsind heutzutage meist nichts anderes als ein Computer mit hoch spezialisierter Bedienoberfläche. Da jeder weiß, dass Computer nicht immer so stabil laufen wie sie eigentlich sollten, liegt es nahe an dieser Stelle besonders genau hinzuschauen und Maßnahmen zu ergreifen. Ein Schritt wäre zum Beispielso ein Pultzu doppeln, ein anderer wäre auf jeden Fall eine USV einzuplanen. Regieplätze sind so gesehen die Herzstücke jedes Systems. Das heißt, wenn hier etwas ausfällt, erhält eine komplette Kette anderer Gerätschaften keine Signale mehr. Hier zu sparen kann also teuer werden!

Andere Komponenten wie Switches, Stageboxen, ArtNetKnoten, Amps usw. sind natürlich mikroprozessorgesteuert, funktionieren aber ohne so sensible Bauteile wie Festplatten. Deshalb sind solche Geräte bei weitem nicht so „launisch“ und anfällig wie Computer und können dadurch auch eine gewisse Eigensicherheit aufweisen. Schließlich weiß jeder aus Erfahrung, dass die meisten Bauteile nicht einfach so im laufenden Betrieb kaputt gehen. Damit sind wir schon beim nächsten wichtigen Punkt: dem Zustand des Materials. Wenn man weiß, dass man top gepflegtes und gewartetes Equipment zur Verfügung hat, weiß man auch automatisch, dass es eher weniger Ausfälle geben wird. Ein gewissenhafter Transport spielt da natürlich auch eine große Rolle. Wenn beim Laden des LKW ein Case mit empfindlicher Elektronik aus Versehen umfällt, tut man gut daran sofortzu prüfen, ob es bei dem Gerätzu Beschädigungen gekommen sein kann. Erste Indizien können gebrochene Gehäuseteile oder Bildschirme sein. Am besten schaltet man das Gerät ein und nimmt einen schnellen Check vor. Diese Arbeiten kann man sich sparen, wenn man Stoßindikatoren auf die Transportverpackungen klebt. Das können zum Beispiel die Shockwatch-Label von TCI sein.

In unserer alltäglichen routinierten Arbeit erledigen wir schon Aufgaben, die die Redundanz betreffen. In den meisten Fällen handelt essich hierbei um Spare-Kabel. Die haben erst mal nichts mit Redundanzzu tun, aber der Gedanke dahinter ist der gleiche. Wenn ein Kabel ausfällt, existiert bereits ein Ersatz. Erst wenn man im Schadensfall das Zweitkabel nicht manuell umstecken muss,sondern es bereits mit dem System verbunden ist und von diesem automatisch in Betrieb genommen werden kann, spricht man von Redundanz. Damit das zweite Kabel im Ernstfall auch funktioniert, darf es natürlich nicht auf dem gleichen Weg verlegtsein wie das erste. Wenn beide Kabel parallel verlegt sind, fährt der Gabelstapler immer über beide oder sägt die Säge beide Kabel durch. Wenn man in der Netzwerktechnik von Ringleitungen spricht, meint man zwar nicht unbedingt, dass man die Cat- oder Glasfaserkabel einmal um das Haus herum legen soll. Für eine funktionierende Redundanz ist es aber sinnvoll, wenn in der Halle ein Kabel rechts herum verlegt wird, das andere links herum.

Sicherheit kann nur entstehen, wenn alle verbauten Komponenten einwandfrei funktionieren. Die verwendeten Hauptund Redundanzbauteile müssen vergleichbare Eigenschaften aufweisen. Wenn man zum Beispiel Steuerpulte doppelt, muss die Software, die auf beiden Pulten installiert ist, auf gleichem Versionsstand sein. Von der Hardware könnte man, um Kosten zu sparen, Abstriche machen. So kann man als Hauptpult eine große Version einsetzen, als Havarie-Lösung aber eine kleinere Variante oder auch eine reine Softwaresteuerung. Dabei muss man bedenken, dass man dann im  Falle einer Störung nicht mehr vollen Direktzugriff auf alle Kanäle hat oder in seiner Arbeitsweise sehr eingeschränkt ist. Das kann die Show unter Umständen deutlich einschränken, verhindert aber einen Abbruch der Veranstaltung.

“Was hilft ein redundantes Netzwerk, wenn man nur ein Steuerpult daran anschließt?”

Das „Bindegewebe“ unserer komplexen Anlagen sind die Kabel. Hier muss man auch einiges beachten und wissen, wenn man ein funktionierendes System haben will, die Redundanz hat ihre seine Grenzen. Wenn z. B. eine 100-Meter Netzwerkstrecke im Redundanzsystem um einen halben Meter zu kurz ist und das fehlende Stück mit einer 50-m Trommel verlängert wird, wird das Signal im Notfall nicht funktionieren. Cat-Kabel sollten nicht länger als 100 m lang sein, und jedes Datenkabel hat eine Abschirmung. Ob der Schirm auch bei jedem DMX-Kabel wirklich angelötet ist, weiß man nicht immer. Bei Cat-Kabeln zum Beispiel kann man aber auf den ersten Blick schon erkennen, ob der Schirm in einer Steckverbindung ohne Unterbrechung weiter laufen kann, denn es gibt RJ45-Stecker ganz aus Plastik. Oder der Schirm ist im Kabel schön um die Litzen gewebt, leider aber nicht angeschlossen – keine Funktion. Solche Kabel sind billig, der Schaden, den sie verursachen können, ist es sicher nicht. So ein Draht auf 20 m zu nah am Powerlock verlegt, und schon passieren im Netzwerk ganz merkwürdige Dinge. Was man lernen muss ist, dass auch Redundanz nur dann funktioniert, wenn sie bis ins Detail korrekt ausgeführt ist.

Wenn man dann sein System fertig gebaut, theoretisch die Redundanz komplett oder nur in einigen Abschnitten geplant und gebaut hat, muss man sich die Zeit nehmen und das alles auch auf Funktion testen. Schnell ist mal eine Cat-Leitung auf einen falschen Port gesteckt, oder das redundante Datenrack am FOH steckt aus Versehen auf dem gleichen Strom wie das Main-Rack. Solche Fehler können vorkommen, man muss sich aber die Zeit nehmen, um alles genau zu testen. Was passiert, wenn man die Stromversorgung A zum FOH kappt? Schaltet alles auf Strom B um oder fällt ein Switch aus, weil er falsch gesteckt wurde? Sind die USVs geladen und richtig eingebunden? All diese Fragen sollten im Vorfeld geklärtsein. So ein Test braucht natürlich auch seine Zeit, welche man im Bauzeitenplan mit einkalkulieren muss. Ein Auftraggeber, der Redundanz bestellt, aber keine Extrazeit dafür zur Verfügung stellt, bekommt kein redundantes System, sondern ein System, das im Störfall nur vielleicht funktioniert. Das ist genau nicht das, was Redundanz sein soll: Alle müssen an einem Strang ziehen und es muss bis ins Detail akkurat geplant und gearbeitet werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Das könnte Sie auch interessieren: