Ein Jahr Osram und Clay Paky

Die DNA und Stärke von Clay Paky beibehalten

Vor gut 1,5 Jahren übernahm Osram Clay Paky, den italienischen Hersteller von Beleuchtungslösungen für den Entertainment-Markt. Zum einjährigen Jubiläum hatten wir Hans-Joachim Schwabe von Osram und Pio Nahum von Clay Paky gefragt, wie das Feedback nach einen Jahr Zusammenarbeit aussieht.

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Marcel Courth

Wie fällt Ihr erstes Feedback nach gut einem Jahr Zusammenarbeit aus?

Hans-Joachim Schwabe: Mit der Akquisition von Clay Paky, einem der führenden Unternehmen im Entertainmentbereich, konnten wir unsere auf die Schwerpunkte Technologie und Innovation ausgerichtete Strategie vorantreiben und unsere Position im Bereich der Entertainmentbeleuchtung weiter ausbauen. Dabei war es uns sehr wichtig, die DNA und die Stärke von Clay Paky beizubehalten. Dazu gehörte auch, dass Clay Paky seine operative Unabhängigkeit behielt, als eigenständiges Unternehmen agieren und seine etablierte Marke weiterhin nutzen konnte. Weil wir von Clay Pakys Technologie und dem Erfolg des Unternehmens im Markt überzeugt waren, haben wir uns daher für eine eher „soften“ Integration entschieden. Einschneidende Änderungen hat es nicht gegeben. In einigen Bereichen konnten wir uns komplementierend einbringen. Aber letztendlich führen wir das Unternehmen als separate Einheit – und erfolgreiche Geschäftssparte – weiter.

Pio Nahum: Unser Umsatz ist 2015, dem ersten Jahr nach der Übernahme, stark gestiegen. Teil des Osram-Konzerns zu sein, ist scheinbar nicht nur nützlich für uns, sondern bringt uns auch noch Glück. Doch Spaß beiseite! Die erste Zeit nach der Übernahme hat uns einiges abverlangt, da wir innerhalb eines Konzerns, dessen Organisationsstruktur sich wesentlich von unserer unterscheidet, zunächst ein neues Gleichgewicht finden mussten. Allerdings muss ich sagen, dass uns die Kollegen von Osram mit großer Begeisterung aufgenommen haben und sie noch heute von dem Umfeld, in dem sich Clay Paky bewegt und dem Standing unserer Produkte rund um den Globus begeistert sind. Sie sind sich alle der Tatsache bewusst, dass unser Business ganz anders beschaffen ist und haben uns bisher im Rahmen des Möglichen nach unserer eigenen Fasson arbeiten lassen.

Fiel es schwer sich a) in einem Weltkonzern zu orientieren bzw. b) sich in ein bis dato Inhaber-geführtes Unternehmen einzuarbeiten?

Pio Nahum: In der Tat ist Osram im Vergleich zu Clay Paky ein Großkonzern und darüber hinaus auch noch an der Börse notiert. Aufgrund dieser beiden Gegebenheiten erfolgt die Unternehmensführung nach einem Modell, das sich wesentlich von dem Ansatz unterscheidet, an den wir bisher gewohnt waren. Bis dato hing die Geschäftstätigkeit von Clay Paky allein von den Entscheidungen und Zielen eines privaten Unternehmers ab, so visionär dieser auch gewesen sein mag. Unsere wirkliche Herausforderung bestand nicht darin, mit dem Osram-Konzern zu interagieren, sondern uns daran zu gewöhnen, die Unternehmensführung von Clay Paky nach dem Managerprinzip zu gestalten und die Verantwortung über alle Unternehmensebenen zu streuen. Dies erfordert eine bessere interne Kommunikation, ein gemeinsames Verfolgen von Zielen sowie strukturiertere und zweckmäßigere Entscheidungsprozesse. Bei all diesen Maßnahmen ist uns Osram eine große Hilfe. Der Konzern stellt uns bewährte Modelle und Best-Practice-Prozesse zur Verfügung und leistet enorme Unterstützung auf allen Ebenen: vom Finanzbereich bis hin zur Logistik sowie von Forschung und Entwicklung bis hin zur Rechtsberatung. Zu Beginn waren wir alle etwas eingeschüchtert angesichts dieses gewaltigen Konzerns und der 35.000 neuen „Kollegen“, die uns Leistungen aller Art anboten, gleichzeitig jedoch auch Berichte und Daten über unsere Tätigkeiten einforderten. Allmählich haben wir gelernt, uns zu orientieren und heute ist alles viel einfacher. Unser Fokus richtet sich nun wieder auf unser Kerngeschäft, auf die Anforderungen unserer Kunden und auf unsere Rolle als innovative Akteure.

Hans-Joachim Schwabe: Aus unserer Sicht verlief der Integrationsprozess für die Teams auf allen Ebenen ziemlich unkompliziert, da wir bereits auf einer langjährigen Geschäftsbeziehung zu Clay Paky aufbauen konnten und die Unternehmenskultur unseres Partners schon gut kannten. Auch auf Managementebene war die Zusammenarbeit problemlos, da Pio und ich uns sehr gut kennen. Zum Gründer von Clay Paky, Pasquale Quadri, bestanden ebenfalls schon langjährige, enge Kontakte. Wir haben immer eine sehr respektvolle und enge Partnerschaft gepflegt.

Clay Paky war immer sehr stark interessiert daran, ein Ohr am Puls der Lichtdesigner, -planer und Rentalfirmen zu haben und auf deren Wünsche einzugehen. War das ein Grund für Osram in ein Unternehmen wie Clay Paky zu investieren?

Hans-Joachim Schwabe: Clay Paky ist mit seinen Beleuchtungslösungen und seinen engen Kontakten zu Lichtdesignern, -planern und Rentalfirmen in einem Segment zuhause, das von Osram nicht unmittelbar bedient wurde. Durch die Akquisition haben wir die Möglichkeit erhalten, die Kontakte zu Lichtdesignern weltweit zu intensivieren. Den Lichtdesignern geht es in erster Linie um die Scheinwerfer und nicht um die Technik, die dahinter steckt. Jetzt erhalten wir die Chance, das Bewusstsein dafür zu schärfen. Die Weiterentwicklung von einem Hersteller von Lichtkomponenten zu einem Anbieter von kompletten Beleuchtungslösungen ist Teil unserer Strategie. Mit dem Kauf von Clay Paky konnten wir uns als einer der führenden Akteure für professionelle Beleuchtungslösungen im Entertainment-Bereich positionieren – und dadurch unsere Stärken herausstreichen und weiter ausbauen.

Synergie war sicherlich das Keyword, was jedem sofort einfiel, bei dem Gedanken der Zusammenarbeit zwischen Osram und Clay Paky. Wie sieht die technologische Zusammenarbeit im realen Alltag aus? Gibt es schon Produkte, die aus einer Zusammenarbeit entstanden sind?

Hans-Joachim Schwabe: Synergien sind beispielsweise in unseren Technologie- und Prozesskompetenzen zu finden, mit denen wir das weitere Wachstum von Clay Paky unterstützen. Das erste Jahr nach der Akquisition war hauptsächlich geprägt von der Finanzintegration und dem intensiven Kennenlernen der unterschiedlichen Welten beider Unternehmen. Aber inzwischen profitiert Clay Paky auch von unseren gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und den vielen Services, die wir zur Verfügung stellen können, wie zum Beispiel in den Bereichen Rechtsdienstleistungen, Intellectual Property, Beratung, optimierte Organisationsabläufe, Finanz- und Rechnungswesen etc.

Pio Nahum: Neben der Nutzung der von Hans angesprochenen Leistungen hat sich die Zusammenarbeit mit Osram logischerweise im Bereich der neuen Produkte konkretisiert. Die Scheinwerfer der neuen Generation von Clay Paky – wie Scenius, Spheriscan, Spherilight und Hepikos – verwenden allesamt Osram-Leuchtmittel, die speziell für uns entwickelt wurden. Außerdem haben wir enorm von den neuesten technischen Lösungen von Osram im LED-Bereich profitiert, in dem Osram außerordentlich innovativ und kompetent ist. Für die Umsetzung braucht es noch Zeit, doch bereits bei der Prolight + Sound werden wir die Prototypen einiger Scheinwerfer präsentieren, auf die der Markt seit geraumer Zeit wartet und die 2016 in Produktion gehen. Natürlich haben auch andere Hersteller aus dem Entertainment-Bereich Zugriff auf diese Lösungen. Schließlich ist Osram ein global agierender Anbieter. Allerdings haben nun wir das Privileg, als erste bedient zu werden. Allein dies reicht jedoch zur Sicherung unseres Erfolgs nicht aus. Um unsere führende Marktposition zu stärken, sind Innovationskraft, technische Kompetenz, Motivation und Schnelligkeit unerlässlich. All dies sind Voraussetzungen, die von uns selbst und von unserem Marktverständnis abhängen.

Wo sehen Sie beide zukünftig die Entwicklung der Lichttechnik voranschreiten?

Hans-Joachim Schwabe: Wir beschäftigen uns intensiv mit LED- und Lasertechnologien und einigen neuartigen, digitalen Technologien, die vielleicht noch nicht heute oder morgen, aber doch in Zukunft eine maßgebliche Rolle in der Entertainment-Industrie spielen werden. LED-Spitzentechnologien, darunter auch organische LED-Technologie (OLED), sind sicherlich eher eine längerfristige Vision. Aber solche Entwicklungen können ebenfalls die Entertainment-Industrie prägen. Aber auch im konventionellen Geschäft mit Entladungslampen gibt es noch Anpassungs- und Optimierungsspielraum … in einigen Märkten sind Entladungslampen nach wie vor nicht wegzudenken. Eines steht fest: Wenn wir weiterhin Entladungslampen anbieten wollen, müssen sie mit mehr Leistung ausgestattet werden. Alle wollen mehr Leistung. Ich kann mir vorstellen, dass wir in den nächsten zwei bis drei Jahren beide Technologien (Entladung und LED) im Markt sehen werden.

Pio Nahum: Was die technologische Entwicklung in unserer Branche anbelangt, bewegen sich Clay Paky und Osram auf einer Linie. Anders kann es auch nicht sein. Schließlich wissen wir alle, dass die revolutionärsten Entwicklungen in der Lichttechnik durch die Verfügbarkeit neuer Lichtquellen bestimmt wurden. Das hat sich bis heute nicht geändert. Viele Beleuchtungssysteme werden auf der Grundlage einer neuen Lichtquelle entwickelt. Denken wir nur einmal an die LEDs. Teil eines Großkonzerns wie Osram zu sein, hat unter anderem den Vorteil, dass wir frühzeitig über wissenschaftliche Studien und Forschungen informiert sind. Wir können aus den Erfahrungen lernen, die Osram in Bereichen gesammelt hat und die sich von unseren grundlegend unterscheiden, wie z. B. allgemeine Beleuchtungstechnologie, Lichttechnik im Automobilsektor, Video und Kinoprojektoren. In all diesen Bereichen setzen sich schon heute neue Lösungen durch, die Revolution hat bereits begonnen. In Kürze wird diese Welle auch unsere Branche erreichen.

Gibt es besondere Schwerpunkte bei der Entwicklung von neuen Geräten/Technologien für Osram bzw. Clay Paky?

Hans-Joachim Schwabe: Die durch die Akquisition entstandene neue Beziehung hat unsere, seit vielen Jahren bestehende Partnerschaft nicht wesentlich verändert. Beide Seiten schätzen die Offenheit des anderen. Auf Produktkomponentenseite arbeiten wir natürlich auch mit anderen Unternehmen zusammen. So haben wir zum Beispiel für Robe oder Martin Professional kundenspezifische Lichtdesigns entwickelt bzw. angepasst. Diese Geschäfte führen wir auch weiterhin so fort, da sie entscheidender Bestandteil unseres Komponentengeschäftes sind … und Innovationen weiter vorantreiben. Clay Paky erhält frühzeitigen Zugang zu unseren Produktentwicklungen. Aber wenn man dort diese Idee nicht aufgreifen möchte und lieber mit einem anderen Lieferanten zusammenarbeiten will, ist das für uns natürlich auch kein Problem. Wir lassen dem Unternehmen die Freiheit, die beste Lösung für sich zu wählen.

Pio Nahum: Die technologischen Kompetenzen von Clay Paky liegen in erster Linie in der Planung und Industrialisierung von automatisierten Multifunktionsscheinwerfern. Unser Mehrwert resultiert aus der Tatsache, dass wir wissen, was die Nutzer von Entertainment-Beleuchtung wollen, und ihnen komplexe Systeme liefern, die effizient, zuverlässig, robust und benutzerfreundlich in einem sind. Unsere Rolle auf industrieller Ebene besteht darin, sehr unterschiedliche Technologien harmonisch miteinander zu verbinden: Mikromechanik, Optik und Elektronik. Wir bedienen einen Nischenmarkt, in dem die Stückzahlen eher klein, die Beziehungen zu unseren Kunden jedoch umso wichtiger sind. Im Gegensatz dazu war Osram über viele Jahre hinweg in erster Linie ein Unternehmen, das Bauteile in hohen Stückzahlen produzierte, wobei die Effizienz von entscheidender Bedeutung ist. So bewegen wir uns in unterschiedlichen Welten, erzeugen jedoch gegenseitig unzählige Synergieeffekte.

Was werden wir auf der Prolight+Sound von Clay Paky und Osram für neue Produkte sehen können?

Hans-Joachim Schwabe: 2016 können Sie gleich mehrere neue Produkte von uns sehen. Das Highlight wird sicherlich die erstmalige Anwendung der Lasertechnologie im Entertainment-Bereich sein. Dabei profitieren wir als Pionier dieser neuen Lichttechnologie von unseren Erfahrungen in der Automobilindustrie. Hier sind unsere Lasermodule seit 2014 in Serie auf der Straße zu sehen. Erste Pilotprojekte im Entertainment-Bereich setzen wir mit ausgewählten OEM-Partnern um. Zudem arbeiten wir auch an einer eigenen Leuchte. Des Weiteren präsentieren wir am Osram-Stand die neuen Scheinwerfer Fresnel und Profile aus der Kreios-Familie mit beeindruckender Leistungsfähigkeit, insbesondere in Bezug auf Lichtleistung, Design und Farbwiedergabe. Diese beiden sehr vielseitigen High-Power-LED-Scheinwerfer sind ideal für Theater-, Konzert- und Lichtinszenierungen. Außerdem können Besucher neue Versionen unsere Lok-it-Scheinwerfer Lampensysteme mit einem sehr hohen Farbwiedergabeindex (CRI) sowie neue SSL-Lösungen (Solid State Lighting) im Modulbereich sehen. Und selbstverständlich wird es direkt neben unserem Stand die neuen Produkte von Clay Paky an deren eigenem Stand zu sehen geben.

Pio Nahum: Bei der diesjährigen Messe in Frankfurt werden wir drei neue Scheinwerfer präsentieren, die dann sofort auf dem Markt erhältlich sein werden: Scenius Profile – ein professioneller Beam-Shaper als Ergänzung zum Scenius Spot; Hepikos – ein 700 W Beam/Wash-Modell mit immenser Leuchteffizienz; Sharbar – eine innovative Multibeam-LED-Leiste. Außerdem stellen wir die LED-Scheinwerfer der ODEON-Serie vor, die für architektonische Anwendungen ausgelegt sind. All diese Produkte arbeiten mit Osram-Lichtquellen.

Die immer schnelleren Produktzyklen und das enorm große Angebot machen es kleineren bis mittleren Rental- und Production Companies sehr schwer zu investieren. Oftmals ist ein ROI nicht zu schaffen bis neue Geräte gefragt sind. Gleichzeitig können Großabnehmer andere Margen bei Vertrieben verhandeln und die Geräte zu günstigeren Preisen anbieten. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein und wie will Clay Paky / Osram damit umgehen?

Pio Nahum: Die Strategie, die Clay Paky in den vergangenen Jahren verfolgt hat, bestand darin, jedes Jahr nur einige wenige, dafür aber wirklich innovative Produkte zu entwickeln. Produkte wie Sharpy, B-EYE, Mythos, die wirklich neue Leistungen bieten und mit kreativen Lösungen jene unterstützen, die Shows und Events planen und organisieren müssen. Dank des Erfolgs und der intensiven Nutzung dieser Produkte konnten unsere Kunden einen schnellen und optimalen ROI erzielen. Eine weitere Regel, die wir uns auferlegt haben, ist die, unseren Fokus nicht immer auf die gleichen Produkte und auf die gleichen Anwendungen zu richten. Wir versuchen, jedem Produkt eine „geschäftliche Lebensdauer“ von mindestens fünf Jahren zu gewähren. So wurde Sharpy beispielsweise 2010 entwickelt, sein Nachfolger Mythos kam dann 2015 auf den Markt. Leider ist unsere Branche aus struktureller Sicht noch nicht reif, es besteht noch eine starke Fragmentierung mit wenig Effizienz im System. Allerdings ändern sich die Dinge langsam. Clay Paky und Osram fürchten diese Veränderung nicht, denn die Nachhaltigkeit unseres Geschäfts lastet auf soliden Pfeilern: Innovation, Qualität, Diversifizierung, Time-to-Market und gute Beziehungen zu unseren Kunden und Partnern.

Hans-Joachim Schwabe: Der im Markt zu beobachtende Konsolidierungstrend bedeutet für uns ebenfalls Wachstumschancen. Einige Unternehmen werden ihr Geschäft ganz aufgeben oder verkaufen, weil es zunehmend schwieriger wird, ein derartig hohes Innovations-, Qualitäts- und Leistungsniveau zu halten. Das geht nur mit speziellen Forschungs- und Entwicklungsprogrammen. In den letzten Jahren sind bereits Konsolidierungen erfolgt und nach unserer Einschätzung ist noch kein Ende abzusehen.

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