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Brücken bauen und politisch kämpfen

Interview: Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft

Am 28. Oktober 2021 feierte die erste Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft in Berlin Premiere. Vor Ort wurden nicht nur elf Vertreter:innen vorgestellt, sondern mit einem Forderungsmemorandum auch die Inhalte, die in Zukunft gegenüber der Politik vertreten werden sollen. Wie geht es nun weiter?

Fachgespräch auf der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft 2021
Fachgespräch auf der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft 2021 (Bild: Alexander Franz)

Eine neue organisationsübergreifende Plattform will die Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft sein. Hier sollen sich die Akteure der Branche, ob Soloselbstständige, Technikdienstleister oder Agenturen, aber auch Verbände und Initiativen vernetzen und in einem Teilhabeprozess ihre Interessen bündeln sowie gemeinsame politische Forderungen formulieren.

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Nach dem Auftakt am 22. Juni 2021 fand in Fokusgruppen die weitere inhaltliche Arbeit statt. Nun wurden die Forderungen sowie der Vertreter:innen-Rat der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft der Öffentlichkeit vor- und zur Wahl gestellt. Der Startschuss für die politische Arbeit ist gefallen.

Wie es nun weiter geht und was zukünftig noch verbessert werden muss, haben Markus Illing, Repräsentant von fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft, die federführend 2021 die Organisation der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft übernommen hat, Christian Eichenberger, Mitglied des Vertreter:innen-Rats, und Christian Dietzel, Pressesprecher der Bundeskonferenz, im Interview verraten.

v.l.n.r.: Christian Dietzel, Markus Illing und Christian Eichenberger
v.l.n.r.: Christian Dietzel, Markus Illing und Christian Eichenberger (Bild: Privat)

Am 28. Oktober fand die Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft fand statt. Was sind nun die nächsten Schritte?

Markus Illing: Bei einer konstituierenden Sitzung sollen zunächst die elf gewählten Vertreter:innen geeint werden. Zwar kennt man sich durch verschiedene Vormeetings und die zur Bundeskonferenz gegründeten Fokusgruppen Politik, Community und Organisation, doch die Personen müssen nun auch politisch auf den gleichen Stand gebracht werden. Zusätzlich muss geklärt werden, welche Vertreter:innen welche Forderungen gegenüber der Politik vertreten, welche Forderungen also am besten zu ihnen und der Community, die sie vertreten, passen. Ebenfalls ein wichtiger nächster Schritt ist die Klärung der jährlich wechselnden Schirmherrschaft der Bundeskonferenz, hier gibt es mehrere Verbände, die ihr Interesse bekundet haben.

Es war in der Außenwahrnehmung nicht immer eindeutig, womit sich die Bundeskonferenz in den letzten Monaten beschäftigt hat und wie ihr zu welchen Ergebnissen gekommen seid. Mit welchen Herausforderungen wart ihr bei der Organisation konfrontiert? Was muss zukünftig noch besser laufen?

Illing: Im Vorfeld der Bundeskonferenz haben wir 150 Verbände, Vereine und Initiativen mehrfach angeschrieben und über die aktuelle Entwicklung und Planung auf dem Laufenden gehalten sowie zur Teilnahme aufgerufen. Unsere Hoffnung war, über diesen großen Verteiler die entsprechenden Mitglieder und Communitys zu erreichen. Gleichzeitig war es unser Wunsch, einen gemeinsamen Austausch und eine partizipative Zusammenarbeit zum Beispiel in den nach dem 22. Juni gegründeten Fokusgruppen zu realisieren. Leider waren die Reaktionen jedoch nicht so wie erhofft.

Wir haben uns hier wirklich sehr viel Mühe gegeben, trotzdem muss man auch selbstkritisch sagen, dass wir die Kommunikation noch verbessern können. Gleichzeitig war unser Anspruch mit der ersten Veranstaltung auch nicht, dass wir alle Verbände, Vereine und Initiativen geeint hinter uns stehen haben. Die Gruppe, die jetzt zusammengekommen ist, ist so kunterbunt wie unsere Branche und dabei noch viel diverser und größer, als wir im Vorhinein gedacht haben. Trotzdem sind wir offen für allen Interessierten und freuen uns über einen, gerne auch kritischen, Austausch.

Christian Dietzel: Wir sind eine vergleichsweise kleine Gruppe von Menschen, die im Prinzip so etwas wie eine grassroots-Bewegung aufgebaut hat. Alle Aktivitäten haben wir zusätzlich zu unserer normalen Unternehmenstätigkeit in der Krise mit knappen Mitteln realisiert. Leider fehlten Zeit und Funding, die diversen Abstimmungs-, Einigungs- und Formulierungsprozesse kontinuierlich nach außen zu kommunizieren. Hier müssen und wollen wir uns in Zukunft die Ressourcen nehmen, um noch besser und offener zu kommunizieren.

Die erste Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft 2021 in Berlin
Die erste Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft 2021 in Berlin (Bild: Alexander Franz)

Wie sind die Forderungen und Themenfelder entstanden, die ihr nun an die Politik übergeben habt?

Christian Eichenberger: Über die Vor-Veranstaltungen sowie unsere öffentliche Kommunikation haben wir zur Mitarbeit in den drei Fokusgruppen aufgerufen. Die Forderungen wurden in der Fokusgruppe Politik erarbeitet. In regelmäßige Calls haben wir uns hier in unterschiedlicher Zusammensetzung – Unternehmer, Soloselbstständige, Verbände und Initiativen – ausgetauscht. Bei der Bearbeitung der Themen sind wir schematisch vorgegangen und haben neben dem Problem auch immer eine konstruktive Lösung formuliert, um hier anschlussfähig zu sein. Dabei wurden sechs Themenschwerpunkte mit 33 Forderungen festgelegt, die nun jeweils von einem bzw. zwei Vertreter:innen behandelt werden. Zukünftig soll es gemäß der Satzung bis zu sieben Schwerpunktthemen und 15 Vertreter:innen geben, die dann themenzentriert politisch arbeiten.

Illing: Im Forderungsmemorandum haben wir außerdem nicht nur Themen formuliert, die akut die Krise betreffen, sondern auch Bereiche aufgezeigt, die davon völlig unberührt sind und die wir oft schon seit Jahren oder Jahrzehnten versucht haben zu verändern. Da die Branche aber keine politische Macht hatte, gab es keine Möglichkeit, diese Themen anzugehen.

Wir sind daher auch überzeugt davon, dass die Bundeskonferenz kein Format ist, das die Krise braucht, um zu funktionieren. Der enge Dialog mit der Politik, der jetzt aufgrund der Krise entstanden ist, muss auch zukünftig fortgeführt werden, um die Anliegen der Branche weiter vertreten zu können.


>> Alle Forderungen im Detail können hier nachgelesen werden.


Was repräsentieren die Vertreter:innen, die in der Bundeskonferenz vorgestellt wurden, überhaupt und inwiefern könnte es hier zu Konflikten mit den Verbänden kommen, die aktuell noch nicht die Bundeskonferenz unterstützen?

Dietzel: Die Vertreter:innen die am 28. Oktober in Berlin gewählt wurden, verstehen wir als Vertreter:innen der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft, und nicht als Vertreter:innen einer ganzen Branche. Wir befinden uns jedoch in einem Dilemma. Einerseits wollen wir der Branche und allen legitimierten Institutionen das klare Signal geben, dass wir Ihnen nichts wegnehmen möchten. Andererseits müssen wir, um für die Menschen unserer Branche politische Ziele erreichen zu können, der Politik das Signal geben, dass wir nicht ein weiterer partikularer Verein sind, sondern die Bedürfnisse der Branche mit ihren 150 verschiedenen Berufsgruppen und Akteursformen repräsentieren.

Eichenberger: Wir verfolgen hierbei jedoch konsequent einen themenzentrierten Ansatz. Uns geht es nicht um Deutungshoheit. Unser Ziel ist es, dass die ausgearbeiteten Forderungen möglichst für alle 150 Berufsgruppen der Branche positiv oder zumindest nicht schädigend wirken. Genau dafür setzt sich der breit aufgestellte Vertreter:innen-Rat ein. Er vertritt die Kernforderungen, die auf der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft beschlossen wurden.


Der Vertreter:innen-Rat der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft

  • Jörg Steffen Balzert, Veranstaltungstechniker
  • Sandra Beckmann, Selbstständige bei Event Kombinat Castrop-Rauxel
  • Christian Eichenberger, Vorstandsvorsitzender der Party Rent Gruppe
  • David Eickelberg, Inhaber der Touchdown! Event Solutions
  • Marcel Fery, Vorstandsmitglied der TSE AG für Veranstaltungstechnik
  • Alexander Franz, Kreistagsfraktionsassistent bei den Grünen
  • Mike P. Heisel, Musik- und Medienmanager
  • Kerstin Meisner, Herausgeberin beim memo-media Verlag
  • Jennifer Mulinde-Schmid, Inhaberin Schwarze Heidi
  • Alexander Ostermaier, Mit-Initiator von #AlarmstufeRot und langjähriger Geschäftsführer von Neumann & Müller Veranstaltungstechnik
  • Bernard vom Bauer, Projektleiter bei Atmosphere Wiesbaden.

Mit dem Forum Veranstaltungswirtschaft und der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft gibt es nun zwei größere Zusammenschlüsse, die beide die Interessen der Branche in der Politik vertreten wollen. Ist eine Zusammenarbeit erwünscht und wie könnte diese realisiert werden?

Illing: Wir müssen weiter an der Beziehung miteinander arbeiten und immer wieder zu Gesprächen zusammenkommen. Es ist jetzt auch eine Aufgabe zu schauen, welche Brücke gebaut werden kann, welche vertrauensbildenden Maßnahmen nötig sind, um auf einen gemeinsamen Weg zu kommen. Da ist es auch förderlich, dass in den Vertreter:innen-Rat Personen gewählt wurden, die bereits sehr stark mit anderen Verbänden in Verbindung stehen. Ich bin optimistisch, dass wir auf einer Sachebene miteinander in den Austausch kommen können.

Eichenberger: Wir stellen die bestehende Verbandslandschaft in keiner Weise in Frage. Die Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft versteht sich als eine neutrale Plattform, bei der alle Verbände der Branche anschlussfähig sind und sich jeder einzelne Branchenakteur einbringen kann. Nur gemeinschaftlich können wir die maximale Wirkung für die Branche erzielen!

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