LED-Technik für Daimler auf der IAA

Inszenierung mit Video und Kinetik

Die technische Planung für den Messestand der Daimler AG auf der IAA für Nutzfahrzeuge in Hannover oblag der Elaborate Events GmbH. Bereits zum vierten Mal zeichnete die renommierte Berliner Firma unter der Leitung von Geschäftsführer Thomas Prahl für die Projektsteuerung und technische Gesamtprojektleitung verantwortlich. Lediglich der Bereich des Lichtdesigns war, wie oft üblich, ausgeklammert und wurde komplett in den Verantwortungsbereich eines Lichtdesigners gelegt: Diese Aufgabe wurde von der RGB GmbH Studio für Lichtgestaltung und technische Konzeption aus Essen geleistet (siehe auch Bericht in PRODUCTION PARTNER 11/16).

IAA Nutzfahrzeuge 2016
(Bild: Harald Heckendorf)

Bewährte Partner und frischer Wind
Die Aufgabe für Thomas Prahl und sein Team lautete somit die Planung und anschließende Ausschreibung für die technischen Gewerke Ton, Video und Kinetik zu übernehmen und später zusammenzuführen. Bei der Auswahl der Gewerke konnten bewährte Partner gewonnen werden: So war Neumann&Müller nach 2014 erneut für den Audio-Part vor Ort, die Schiffini GmbH & Co. KG widmete sich dem Bereich Kinetik und CT Creative Technology Deutschland zeichnete für den Bereich Videotechnik verantwortlich.

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IAA Nutzfahrzeuge 2016
Thomas Prahl, Elaborate Events GmbH Geschäftsführer, war für die Projektsteuerung und technische Gesamtprojektleitung verantwortlich (Bild: Harald Heckendorf)

Frischen Wind brachte ein neues Architektenbüro: Die KTP Generalplaner GmbH nahm die Idee der Kommunikationsagentur Mutabor Design GmbH auf und hatte gleich zu Anfang die Idee zu einem 360-Grad-Videoring ins Rennen geworfen. Woraufhin die ersten drei Monate damit verbracht wurden, technische Lösungen für diese beeindruckende Idee zu finden. Dabei galt es u. a. zu klären, wie ein solcher Medienring von ca. 280 m Umfang bestmöglich mit Content gespielt werden könnte. Erste Ideen spielten noch mit dem Einsatz von Projektoren. Doch rasch war klar, dass im Zusammenspiel der Raumhelligkeit und der Fahrzeugausleuchtung mit ausschließlich hellem Tageslicht die Lichtleistung der Projektionen nicht durchschlagkräftig genug sein würde.

Probeaufbauen und ROE-Weltpremieren

IAA Nutzfahrzeuge 2016
Modernste Videotechnik satt: auch direkt neben den Exponaten (Bild: Harald Heckendorf)

Bei Probeaufbauten wurden unterschiedliche LED-Produkte verglichen, um zu klären, welche die gewünschte architektonische Kontur bestmöglich realisieren würden. Dabei war der Entwurf nicht nur auf den Kegelstumpf beschränkt, sondern der Ring sollte, so die Aufgabenstellung, in verschiedenen Richtungen gewölbt und verschränkt werden. „Im Ergebnis des Probeaufbaus hat sich gezeigt, dass eine vollflächige Umsetzung mit Stripes aus verschiedenen Gründen nicht realistisch war“, erklärte Thomas Prahl. Zudem waren die favorisierten LED-Streifenprodukte in der für das Projekt benötigten Stückzahl nicht erhältlich und auch auf dem Rental-Markt nicht ausreichend vorhanden.

Die Videoregie
Die Videoregie (Bild: Harald Heckendorf)

Die Wahl fiel schließlich auf zwei Produkte, die ebenfalls ideale Möglichkeiten für die Anforderung boten. Zum einen wurden LED-Streifen des Typs ROE-Strip 1812 eingesetzt. Für dieses Produkt war der Einsatz auf der Messe sogar die Weltpremiere. Der Strip ist in drei unterschiedlichen Längen sowie verschiedenen Shadern/Diffusoren erhältlich und IP 65 zertifiziert. Die 986 eingesetzten ROE-Strips bestanden jeweils aus zwei Stücken à 1.200 mm und einem 600-mm-Segment mit einem Pixelabstand von 9/18 mm und wurden auf dem Ring in unterschiedlichen Abständen angebracht. Weiterhin kamen GLUX Carbon10 Module zum Einsatz. Davon gab es drei Flächen auf dem Ring, die jeweils drei ROE-Strip-Zonen segmentierten. Jeder GLUX Carbon10 Streifen bestand aus drei GLUX-Modulen.

LED-Wände auf der IAA Nutzfahrzeuge
Millimetergenau verfahren wurden die LED-Wände (Bild: Harald Heckendorf)

Insgesamt wurden 711 Module verbaut. Die Abstände der ROE-Strips wurden jeweils zu den GLUX-Flächen hin dichter. Zur Orientierung wurden bei der Planung die Bereiche nach Himmelsrichtungen bzw. dem Uhren-Ziffernblatt zugeordnet und in allen kommunizierten Planungsunterlagen, Tabellen und Pixelmaps mit einem durchgängigen Farbcode (umlaufender Farbkreis) versehen. Die GLUX Carbon-Module summierten sich auf eine Fläche von 356 m².

Der Medienring beanspruchte 27 t von den insgesamt 120 t, die für die Inszenierung dieses Messestands im Hallendach hingen. Die Abstimmung der Dachlasten zwischen den Gewerken zugunsten des Medienrings sei eine der großen Herausforderungen bei diesem Projekt gewesen, erklärte Thomas Prahl. Die Leichtbauweise der GLUX mit den ultraleichten Carbon-Rahmen, die jeweils nur 11 kg/m2 wiegen, war bei der Aufteilung der Deckenlasten sehr hilfreich. Auch die modernen ROE-Strips, aus leichten Magnesium-Aluminium-Legierungen, bieten mit knapp 1 kg/m diesbezüglich sehr gute Gestaltungsmöglichkeiten.

Van-Stage
Die Van-Stage wäre anderenorts eine Main Stage gewesen – hier war sie die „kleinere“ (Bild: Harald Heckendorf)

Heiße Ansteuerung
Zwei Wings RAW-Server bespielten den Medienring mit einem zwölfminütigen Loop. Besonders akribisch seien die Herstellung und Abstimmung der Videoinhalte gewesen: Nicht nur, dass wegen der ungleichmäßigen Form die leicht unterschiedlichen Pixelabstände der eingesetzten Produkte berücksichtigt werden mussten, ebenso waren die verschiedenen Abstände der LED-Stripes eingerechnet. Mehrere Content-Designer waren an dem mehrmonatigen Prozess der Entwicklung und Abstimmung beteiligt. Ein eigens entwickeltes Pixelmapping-Script diente dabei als Grundlage für die Renderings.

IAA Nutzfahrzeuge 2016
Neben der Bühne: Sattelauflieger mit einer 30 m² LED-Fläche (Bild: Harald Heckendorf)

Die Steuerung für die Videotechnik war in einem Container untergebracht. Dabei war die Hitzeentwicklung derartig hoch, dass der Container mit einem IndustrieKühlaggregat temperiert werden musste.

Truck-Bühne
Ein weiteres veranstaltungstechnisches Highlight war die Truck-Bühne. Diese verfügte über drei hintereinander gestaffelte und horizontal verfahrbare LED-Wände (mit 87,5 m², 58 m² und 73,5 m² ). Die mittlere LED-Wand verbarg die Fahrzeuge, während diese über eine Auffahrrampe hinter der hinteren LED-Wand die Bühne erreichten und sich auf einer Drehbühne zwischen den beiden Wänden positionierten. Die Fahrzeuge gelangten auf die Bühne, wenn die mittlere Wand noch geschlossen war. Sobald sich die mittlere und die vordere Wand öffneten, konnten die Fahrzeuge bis zum vorderen Bühnenbereich fahren. Hier befand sich sogar eine zweite Drehbühne. Die Präsentation der jeweiligen Fahrzeuge im Rahmen der Pressekonferenz erhielt durch die LED-Tore nicht nur eine enorme Dynamik, vielmehr war in jedem Moment der Präsentation ein Bühnenhintergrund / Horizont vorhanden. Unterstützt wurde die Szenerie überdies dadurch, dass der scheinbar über der Bühne schwebende Medienring einbezogen wurde.

Drei LED-Wand-Ebenen und die Drehbühne
Drei LED-Wand-Ebenen und die Drehbühne (Bild: Harald Heckendorf)

Zur Pressekonferenz war rechts und links neben der Bühne jeweils ein Sattelauflieger positioniert, ebenfalls mit einer 30 m2 LED-Fläche versehen. Insgesamt waren 280 m2 der neuen ROE CB5 LED-Display-Screens erstmals im Einsatz und sorgten somit selbst neben den neu präsentierten Nutzfahrzeugen für eine weitere Weltpremiere. Die Zuspielung der Truck-Bühne erfolgte über 26 DVS Harddisk-Player. Die Spezialisten der Firma Schiffini sorgten hinter der Bühne dafür, dass die LED-Wände millimetergenau verfahren wurden. Die Grundlage dafür bildete eine mehr als ausreichend ausgelegte Bühnenkonstruktion.

Weiterhin waren neun Transparent-OLED-Displays und zahlreiche Displays in verschiedenen Größen an den Exponaten im Einsatz. Vielerorts verfügten die Displays über Touchscreen-Funktionen.

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