ESC 2021: Stromversorgung

I’ve got the Power

Damit ein ESC so opulent und attraktiv wirkt, benötigt man Strom — viel Strom. Kein Problem, könnte man meinen — der kommt ja aus der Steckdose. Aber nicht beim ESC.

ESC Stromversorgung
Das eigene Kraftwerk vor der Tür: Würde man ökologischer denken — das nächste Mal bitte mit Wärme/Kraft-Kopplung (Bild: Nathan Reinds)

Zwar befindet sich das Ahoy mitten in Rotterdam, und damit in der Nähe zu einem Bahnhof und einem Einkaufszentrum — dennoch traute man beim ESC der Zuverlässigkeit der lokal vorhandenen Stromversorgung nicht. Zu tief sitzt der Stachel eines 18 Minuten dauernden, weltweiten Fernsehsignal-Verlusts bei der Fußball-Europameisterschaft 2008, als gewitterbedingte Stromschwankungen im Millisekundenbereich und eine fehlerhafte Notstromversorgung für den Ausfall der Computer des Master Control Rooms sorgten. Für eine möglichst solide Basis wurde daher die Firma „The Powershop“ damit beauftragt, für die gesamte Stromversorgung des ESC 2021 Sorge zu tragen.

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Übersicht:

Video-Extra: Nullleiter-Problemen vorbeugen

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Wurden alle Lichter, LED-Flächen und der Sound hochgefahren, so flossen ca. 4.000A gleichzeitig. Das wurde im Vorfeld natürlich auch einmal ausprobiert, dazu kam noch ein „Angstfaktor“ von 500 A. Also eine gegenteilige Situation, als wenn man einen Gleichzeitigkeitsfaktor von 0,6 angenommen hätte. Für diese Leistung wurde auf dem Vorhof eine Generatorfarm aus sechs Doppel-Generatoren von 400 kVA positioniert, die miteinander synchronisiert waren. Das machte ca. 3,8 MW Wirkleistung bei kalkulierten 0,8 Cos Phi Phasenwinkel zur Scheinleistung von 4.800 kVA. Diese Leistung wurde über Schaltcontainer (8.000A) mit redundanter Kabelführung ins Haus geleitet. Die Erdung konnte komfortabel an den Hauserder über 2×90 mm² angeschlossen werden. Das Monitoring fand über die Software GridVis auf der Calculus-Plattform statt. Hier können selbst die Treibstoffversorgungsdrücke angezeigt werden bzw. bei zu niedrigem Stand auch Warnungen ausgegeben werden, so Paul Wittenhorst, Direktor Powershop.

ESC Stromversorgung(Bild: Nathan Reinds)

Alle showrelevanten Gewerke waren so versorgt und das Catering konnte den Hausstrom bzw. das örtliche Stromnetz nutzen, womit diesseits auch keine Überraschungen zu erwarten waren.

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Video-Extra: Nullleiter-Problemen vorbeugen

Während alle Veranstaltungsgewerke mit den Verteilern von Powershop über 20 Unterverteiler (400A) über Powerlock zu weiteren 100 Verteilern auf 125A, 63A und 32 A bzw. 16-A-Schuko herunterbrachen, wurde das Video-Gewerk über StageSmarts C24 abgesichert.

Nullleiter
Strom auf dem Nullleiter: Fast auf allen Drehstromkreisen ist der Strom auf dem Neutralleiter deutlich höher als auf einer Einzelphase. Beim Videosystem hier addieren sie sich auf ganze 240 A, so Ben Augenbroe, Manager Operations von Faber Audiovisuals (Bild: Ben Augenbroe)

Einer der Hauptgründe war das lückenlose Monitoring der Stromversorgung der teuren Video-Wall, wobei mit dem Omnis-Monitoring das ganze System über einen Monitor abgebildet werden kann. Gerade wenn der Nullleiter in den drei Phasen aus irgendeinem Grund seine Leitfähigkeit verliert, können unsymmetrische Belastungen auf den drei Phasen zu erhöhten Spannungen und in Folge dessen zur Zerstörung der angeschlossenen Geräte führen. Der Verteiler C24 schaltet bei Problemen auf dem Nullleiter sofort die ganze Versorgung ab und bietet somit einen großen Schutz des angeschlossenen Equipments.

Dass bei der verwendeten Videowand auch Vorsicht zu walten hat, kann man sehr gut an den Strömen der Nullleiter im Screenshot des Monitorings ablesen: Auf dem Nullleiter addieren sich die Ströme nicht zu Null, sondern zu einer 150-Hz-Frequenz, deren Effektivwert auf dem Nullleiter deutlich höher ist als auf der Einzelphase. Ein häufiger Grund für Überlastung des Nullleiters, insbesondere bei Steckverbinder im Dreileiternetz.

Reizt bzw. dimensioniert man die Zuleitung anhand des Phasenstromes aus, so werden die Kontakte und Leitungen des Neutralleiters überlastet. Weiter bietet der C24 von StageSmarts noch parametrierbare oder sogar deaktivierbare RCD (früher Fehlerstromschutzautomaten genannt), sodass gerade bei kaskadierter Anwendung eine selektive Abschaltung gewährleistet werden kann. Somit bietet der Unterverteiler StageSmarts C24 nicht nur den höchstmöglichen Schutz für das eingesetzte Videomaterial, sondern auch für den Mensch.

RCD
Parametrierter RCD: Wann der RCD auszulösen hat, kann man bei StageSmarts C24 genau definieren (Bild: Nathan Reinds)

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