Medienserver

Test: Christie Pandoras Box V8

Mit der achten Version der Pandoras Box beschreitet Christie überraschend neue Wege: die bisherigen sieben unterschiedlichen Produkte sind nun in einer leistungsstarken Lizenz zusammengefasst. Dabei erfreut Christie mit unerwartet frischen Konzepten und mit vielen praktischen Features für die Operator.

Screenshot Pandoras Box(Bild: Harry Heckendorf)

Inhalt:

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Seit der Markteinführung der Pandoras Box im Jahr 2003 galt stets die Maxime, dass die Server-Software nur kombiniert mit zertifizierter Hardware erhältlich war. Das Herzstück des Produkts war dabei immer schon die Software. Alle Hardware-Komponenten waren dabei perfekt auf die Software abgestimmt, um reibungslosen Betrieb zu garantieren – Hardware und Software wurden nie einzeln angeboten. Dieses System war dadurch für seine professionelle Zuverlässigkeit bekannt. Lediglich bei den Playern gab es im Laufe der Zeit eine Software-only-Lösung, die jedoch nicht die komplette Leistungspalette vorhielt: 3D-Funktionalität sowie Anwendungen, für die größer als 4k aufgelöst werden sollten, konnten in dieser „abgespeckten“ und deutlich günstigeren Version nicht umgesetzt werden. Es handelte sich also um eine beabsichtigte Limitierung, die jedoch einem Teil des Kundenstamms ausreichend diente.

Beide „Produktschienen“ stellten über fast zwei Jahrzehnte ein passendes und erfolgreiches Konzept dar. Die Hardware wurde in diesem Konzept ca. alle drei Jahre den immer umfangreicher werdenden Software-Versionen angepasst.

Doch in nunmehr fast 20 Jahren veränderten sich auch die IT-Fähigkeiten und Ansprüche der treuesten Kunden: Zunehmend verlangten Operatoren nach reinen Software-Lösungen, zumal sie im Laufe der Zeit selbst in der Lage waren, leistungsstarke Rechner mit eigenen abgestimmten Komponenten zu bauen und entsprechend professionell auf die jeweils neueste Pandoras-Box-Software anzupassen. Drei Jahre sind gerade im Zusammenhang mit Grafikkarten bzw. Computer-Hardware generell eine sehr lange Zeit. Überdies verlangten Anwender, bei denen bereits leistungsstarke Rechner in den Regalen stehen – mit denen auch andere Programme gesteuert werden könnten – nach einer praxisnahen Lösung, die da lautete: „Am besten wäre, wenn man nur den Dongle tauschen müsste.“ Unter Berücksichtigung solcher Anwenderwünsche entstand für die Version 8 eine neue Produktstrategie.

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Workflow is King

Unter Abwägung dieses sich stark verändernden Marktes gelang es Christie, eine sehr kundenorientierte Lösung zu entwickeln: Der Workflow sollte auf keinen Fall durch ein komplexes Lizenzmodell verkompliziert werden. Wegen eines bestimmten Software-Features das Hardware-Paket kaufen zu müssen, erschien alles andere als zeitgemäß. Spätestes in Ausschreibungsverfahren hätte eine solche Lösung nicht unerhebliche Unsicherheit verursacht. Der Aspekt, dass es sich bei der Hardware-Lösung immer auch um eine 4HE-Einheit handelt, die längst nicht in jeder Umgebung Verwendung finden kann, dürfte die Entscheidung für die neue Lösung begünstigt haben: Alle Kunden sollten zukünftig die volle Power von Pandoras Box möglichst einfach nutzen können. Daher lautete der Entschluss, nur noch eine Lizenz via Dongle anzubieten, die jetzt alle Features beinhaltet.

Screenshot Pandoras Box
Eine einzige Lizenz via Dongle beinhaltet mit Version 8 jetzt alle Features (Bild: Harry Heckendorf)

Software ohne Limitierungen nutzen und Updates günstig durchzuführen: ein lang gehegter Wunsch so manchen Anwenders. Von der neuen Flexibilität dürften nun alle bisherigen Kunden (die bisher die Features nicht hatten) und auch Einsteiger profitieren. Server-Kunden können jetzt den Dongle auch auf ihren anderen Rechnern einsetzen. Jede Lizenz ist zukünftig an einen Dongle gekoppelt, der generell einen Ausgang bedient. Mehrere Dongles können für weitere Ausgänge kombiniert werden, oder multiple Ausgänge gleich auf einen einzelnen Dongle geladen werden.

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Player-Versionen und Manager-Lizenzen ade

Mit diesem Schritt wurden alle weiteren Lizenzen wie Player oder Manager mit den Servern zusammengefasst, sodass jetzt eine einfache und sehr übersichtliche Steuerung ermöglicht wird. Es gibt nun keine Sonderlizenzen mehr für den Manager. Die bisherige Unterscheidung in Steuer- und Abspielgeräte ist nicht mehr nötig, da nun die neue Lizenz auch die Sonderfunktionen des Managers vereinheitlicht und entsprechend verwendet werden kann. Der Nutzer entscheidet sich einfach, ob die Software als Steuer- oder Ausspielvariante genutzt werden soll.

Auf einer Produktion, die nur einen Manager (Master) und vier Ausspielwege verlangt, und überdies einen Back-up-Server vorsieht, waren bisher sechs Lizenzen notwendig. Nun ist es möglich, den Backup-Server bis zur Show zunächst als Multi-User einzusetzen und so eine Lizenz zu sparen. Diese Arbeitsweise verlangt beim Programmieren zwei Manager, aber bis zur Show kein Backup. Während der Show werden wiederum keine zwei Manager, sondern ein Backup benötigt. Dies zeigt die nun entstandene zusätzliche Flexibilität.

Screenshot Pandoras Box
Hohe Bedienfreundlichkeit Unmissverständliche Icons sorgen für intuitives Zurechtfinden im deutlich verbesserten Menü (Bild: Harry Heckendorf)

Die bisherigen sieben unterschiedlichen Produkte sind nun in einer einzigen leistungsstarken Lizenz zusammengefasst. Lediglich die besonders kostengünstige Offline-Lizenz wird es ausschließlich zur Vorproduktion weiterhin noch geben.

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Hardware: immenser Performance-Schritt

Auch bei der Hardware wurde der Ansatz verfolgt, eine klare und einfachere Produktpalette zu bieten. Wie eingangs erwähnt, besaß einzig der Server stets die vollumfängliche Ausstattung. Neben den günstigen Compact- Playern gab es zusätzlich die Hardware-Player. Auch hier gab es bisher verschiedene Ausstattungen in entsprechend gestaffelten Preiskategorien. Dieses große Angebot an Optionen führte allerdings in der Vergangenheit zu einer gewissen Unübersichtlichkeit.

Ab jetzt bietet Christie nur eine 4-HE-Hardware an, die nur noch drei verschiedene Performance-Kits (Ausstattungen) bietet. Eine Unterscheidung zwischen Server und Player gibt es mit der Version 8 nicht mehr. Möchte man sich zukünftig weiterhin auf die Hardware des Herstellers verlassen und nicht auf einen selbständig konfigurierten Rechner setzen, so gibt es jetzt weniger und spezifische, statt unzähliger Konfigurationen sowie den Compact-Player.

Drei Jahre nach R4 sind natürlich ganz andere Bauteile mit einer deutlich gesteigerten Performance im Einsatz. Die Revision 5 (R5) setzt auf die neusten Komponenten und liefert daher nun spielend 4×4k / 60 uncompressed in 10 Bit Farbtiefe. Entsprechend der Datenmengen, die hier bewegt werden können/müssen, bietet die größte Version jetzt 32 TB Speicherplatz. Die drei angebotenen Speicherplätze staffeln sich von 1 TB/24 GB RAM über 7,5 TB/48 GB RAM bis hin zu 32 TB/48 GB RAM. Die kleinste Maschine ist teilweise so leistungsfähig wie die bisher größte Variante der vorhergegangenen Revision 4. In der neuen Hardware finden sich weitere Wahlmöglichkeiten hinsichtlich der physikalischen Ausgänge. Bisher konnte man zwar die Anzahl der DisplayPort-Ausgänge wählen (4 oder 8), nun sind aber auch unterschiedliche Nvidia-Grafikarten wählbar.

Screenshot Pandoras Box
Server Management auf einen Blick Übersichtliche Tabellen und Icons: der zeitraubende Umweg, jedes Mal über eine VNC-Verbindung einen Status auszulesen, entfällt (Bild: Harry Heckendorf)

Diese Option anzubieten ist zeitgemäß und sicherlich richtig. Karten wie z. B. eine P 4000 mögen durchaus ausreichend für eine Pandoras Box sein, für das Rechnen komplexer Notch-Szenen dürften sich jedoch Karten wie RTX-6000 als vorteilhafter erweisen. Doch längst nicht jeder Anwender braucht für seinen Arbeitsbereich auch diese Ausstattung! Würde man in jeder Hardware grundsätzlich diese „hochpreisigen“ Karten einbauen, wäre eine günstige Hardware kaum möglich.

Je nachdem, wo also mein Arbeitsschwerpunkt liegt, kann ich die größte Maschine mit der kleinsten Grafikkarte oder vice versa konfigurieren. Benötige ich vorwiegend für Notch-Anwendungen die Renderpower aber nicht die maximale Speicherkapazität, dürfte die Wahl auf eine leistungsstarke Grafikkarte fallen und auf eine große Storage-Möglichkeit kann verzichtet werden. Wenn man jedoch hauptsächlich uncompressed arbeitet, ist die größte Grafikkarte nicht unbedingt notwendig. Die hier gebotene Flexibilität ist praxisnah auf die Parameter des jeweiligen Anwenders angepasst.

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Drei Input-Cards

Deltacard FLEX solution: Einmal eingebaut, bietet diese Karte bisher ungeahnte Flexibilität, ohne dabei spätere Eingriffe in den Rechner vornehmen zu müssen. Der Einbau einer Deltacard FLEX ermöglicht den Anschluss beliebig vieler HDMI-, DisplayPort- und SDI-Signale. Gerade im Rental dürfte dies ein willkommenes Feature darstellen. Die SDVoE Terra bietet quasi einen neuen Industriestandard, um Video-over-Ethernet einzubinden. Vorhergehende Lösungen erwiesen sich immer als stark herstellerabhängig und entsprechend wenig kompatibel. Mit der Christie-Terra-Card ist nun der Empfang von beliebigen SDVoE-Geräten problemlos möglich. Innerhalb von Pandoras Box verhält sich die SDVoE-Karte wie jeder andere Live-Input.

Dritte Möglichkeit bei der Hardware ist eine Dante-In-/Output-Karte mit 256 Kanälen. Überdies ist Dante auch in der V8-Software enthalten. Die Karte, die immer schon auf der Vorgänger-Software lief, jedoch bisher nicht über Christie angeboten wurde, bietet eine große Kanalanzahl und redundante Netzwerkanschlüsse für Betriebssicherheit. Die (ebenfalls vorhandene) Dante-Implementierung in der Software dürfte bei der schnellen und unkomplizierten Einrichtung von zusätzlichen Audio-Anschlüssen dienlich sein.

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Menü: klar, frisch und direkter

Die Oberfläche des Pandoras-Box-Menüs wurde deutlich überarbeitet. Endlich, mag mancher Anwender sagen. Manch anderer wird die mittlerweile „klassische“ Oberfläche im Stil der 90er-Jahre vielleicht aus nostalgischen Gründen vermissen. Fakt ist, dass der grauen Oberfläche über alle Versionen hinweg so gut wie keine gestalterischen Impulse gegönnt wurden, auch wenn sich darunter von Version zu Version beim Feature-Umfang immer einiges tat.

Kurzum: Die Bedienfreundlichkeit wurde hier stark verbessert. Wo man sonst erst „Lesezeit“ aufbringen musste, weisen jetzt unmissverständliche Icons auf der Seitenleiste den schnellsten Weg zum Ziel. Auch die Umwege durch Untermenüs wurden abgestellt und damit die Entdeckbarkeit bzw. Auffindbarkeit und Sortierung verbessert. User dürften dadurch deutlich schneller ans Ziel gelangen. So musste man zuvor jedes Mal umständlich durch zwei Untermenüs, um die Task Bar zu starten. Wichtige, häufig benutzte Funktionen wie die Task Bar wurden nun in den Vordergrund gestellt. Auf überflüssige Submenüs und Pop-ups wurde verzichtet bzw. sie wurden besser strukturiert.

Neben den Sicherheitsaspekten in der Software wurde besonders das Server Management (ehemals VNC-Remote) massiv verbessert. Übersichtliche Tabellen bieten hier erstmals auf einen Blick zeitsparende Informationsmöglichkeiten. Der zeitraubende Umweg, jedes Mal über eine VNC-Verbindung einen Status auszulesen, ist nun überflüssig. Auch das Auslesen der Netzwerkgeschwindigkeit ist jetzt möglich. Etwaige Fehlerquellen können so deutlich schneller gefunden werden. Sämtliche TCP-Geräte (Switcher, Projektoren usw.) – und nicht wie bisher nur die Pandoras- Box-Devices im Netzwerk – können jetzt angelegt und der jeweilige Status angezeigt werden. Dies ist gleichermaßen hilfreich für Tourproduktionen sowie Festinstallationen, mit vielen bzw. weitläufigen Räumlichkeiten, da dieses neue Feature einen gewissen Komfort bietet und für einen schnellen Überblick sorgt. In diesem gesamten Bereich sollen zukünftig noch einige dienliche Ideen eingepflegt werden.

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Software: Input-Kompatibilität

Neben den neuen hardwareseitigen Inputs bietet die V8 auch softwareseitig neue Input-Kompatibilität. So unterstützt die V8 auch NewTek-NDI-Streams. Das NDI-Protokoll war ursprünglich eine Entwicklung, die dazu gedacht war, SDI-Inputs innerhalb eines Netzwerks zu bündeln und Broadcast-Production-Switchern bequemer zuzuführen. NDI benötigt keine zusätzliche Hardware, muss nicht über einen Chip decodiert werden – wie es bei SDVoE aufgrund der Hardware-Verschlüsselung der Signale im Netzwerk geschieht – sondern kann über die CPU codiert werden. Inzwischen ist NDI in vielen Geräten (Kameras, Mischern) auch in Screen Grabbing- und Render Applications (u. a. in Notch) implementiert. Dies bietet z. B. die elegante Möglichkeit, nicht nur Streams, sondern auch finale Renderings in die Pandoras Box zu importieren.

NDI bietet zudem den Vorteil, dass es auf einem 1-GbE-Netzwerk läuft. Mehrere Streams können dabei bequem gleichzeitig geschickt werden. Sogar kabellose Geräte können problemlos einbezogen werden. Letzteres kann sich als praktische Funktion erweisen, wenn z. B. während einer Präsentation Inhalte von mobilen Geräten eingebunden werden sollen. Quellen sowie Auflösung und Frame Rates sind dabei absolut flexibel; embedded Audio und sogar Transparenzen können ebenfalls enthalten sein.

NDI verhält sich technisch in etwa wie eine SDI-Live-Quelle, die in ein Projekt gelangt und auf einem beliebigen Layer verwendet werden kann. Bequem dabei ist, dass sich NDI-Signale automatisch für alle Empfänger sichtbar machen und keine IP-Adresse für die Einrichtung bekannt sein muss. Für z. B. Kreuzfahrtschiffe oder auch Museen, die in den Programmen ihrer geschlossenen Netzwerke gelegentlich (oder spontan) aktuelle Streams einpflegen möchten, dürfte diese Möglichkeit interessant sein.

NDI ist auch im Widget Designer implementiert, sodass beliebige Videoquellen (wie eine Kamera) ohne Konfiguration – und ohne dabei einen zusätzlichen Monitor einzusetzen – auf der Widget-Oberfläche angezeigt werden können. Darüber hinaus wurde das Real Time Streaming Protocol (RTSP) im Widget Designer implementiert: Dies ist bei Public Web und Überwachungskameras gängig und ist vergleichbar mit NDI (H264 codiert, 1-GbE-Netzwerk). Auch diese Quellen können eingebaut werden, allerdings mit dem Unterschied, dass hier die URL bekannt sein muss.

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Dante-Audio

Dante ist als Protokoll für Netzwerk-Audioanwendungen sehr weit verbreitet und die meisten Hersteller haben längst die Vorteile erkannt, die Dante bietet. Die erreichbare Redundanz und die höchstmögliche Kanalanzahl sind jedoch mit dem Einbau einer Hardware verbunden. Die Hardware-Variante funktionierte mit Pandoras Box bereits vor der V8-Software sehr gut. Doch nicht jeder Anwender setzte beim Kauf auf die zusätzliche Hardware, denn die Einbindung von Audio schien nicht relevant.

Audinate bietet mit der Dante Virtual Sound Card zwar auch eine Software-Lösung an – dazu muss lediglich ein entsprechender Treiber heruntergeladen werden, der dann den regulären Netzwerk-Port als Dante-Port nutzbar macht. Die Lizenz war jedoch immer an einen bestimmten Rechner gebunden. Dies stellt bei Festinstallationen kein Problem dar, führte aber bei Anwendungen im Rental-Stage-Bereich zu unbequemem Mehraufwand und zusätzlichen Kosten. Spätestes in solchen Situationen dürfte mancher Käufer den voreiligen Verzicht bereut haben. Überdies muss bei dieser Lösung das System auch Zugriff auf das Internet haben, um die Lizenz online zu aktivieren.

Seit 2020 bietet Audinate die Dante Application Library an. Viele gängige Programme können damit auf lokale Audiogeräte wie Mikrofone und Lautsprecher zugreifen und die Signale entsprechend verteilen. Diese Programme haben die Möglichkeit, Dante nativ zu unterstützen und brauchen keinen Treiber, wie etwa bei der Virtual Sound Card. Die Lizenz der Library ist jedoch auch immer an einen entsprechenden Rechner gebunden. Mit der Pandoras Box V8 gibt es nun eine Lösung, die Dante nativ ermöglicht. Die Dante-Library-Lizenz ist an den Pandoras-Box-Lizenz-Dongle gekoppelt und macht auch hier die Anwendung einfacher und kraftvoller, da keinerlei Konfiguration oder Aktivierung notwendig ist. Weder müssen Treiber installiert, noch die Rechner registriert werden.

Dadurch ist Dante innerhalb Pandoras Box auf jedem Computer sofort nutzbar, sobald der Dongle eingesteckt wird. Die Pandoras Box dürfte somit der einzige Medienserver sein, der Dante nativ anbietet. Diese Lösung ist auf 32/32 In-/Out-Kanäle begrenzt; dennoch kann dieses Angebot als eine runde Sache bezeichnet werden: Wird tatsächlich eine Audio-Einbindung verlangt, kann man diese ‚Karte‘ aus dem Handgelenk spielen.

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Notch

Notch ist eines der derzeit populärsten interaktiven Rendering-Tools für Realtime FX. Zahlreiche Medienserver bieten bereits seit einiger Zeit eine entsprechende Implementierung an. Die in Notch gerechneten (bzw. gebauten) Blöcke werden in der Regel in die jeweiligen Medienserver importiert, um anschließend dort abgespielt und getriggert werden zu können. Die Notch-Implementierung ging Christie zwar relativ spät an, dafür aber derartig durchdacht, dass Pandoras-Box-Operatoren nun nicht nur einen vereinfachten Zugang zu Notch erleben dürften, sondern auch das Zusammenspiel von Pandoras Box und Notch bis ins kleinste Detail ausreizen können.

Screenshot Pandoras Box
Elegant abgestimmte Einbindung von Notch ermöglicht eine sehr gute Feinabstimmung: Blend Modes, LUT-Shader wurden integriert und verbessert; Share Layer Rendering routet Texturen inklusive aller Effekte (Bild: Harry Heckendorf)

Im Vorfeld hatten sich die Entwickler mit vielen Anwendern ausgetauscht, die intensiv mit Notch arbeiten und bereits auf die Implementierung in Pandoras Box warteten. Die Implementierung wurde daraufhin so ausgerichtet, dass die Notch-Parameter/Anwendungen in den bestehenden Pandoras-Box-Workflow eingebunden wurden, ohne dass Features der interaktiven Notch-Welt mit der bewährten übersichtlichen Timeline-Struktur der Pandoras Box kollidieren würden. Dabei wird ein neuer Notch-Layer kreiert, dessen Parameter exakt denen des exportierten Blocks entsprechen. So bleibt der gewohnte Pandoras-Box-Workflow komplett erhalten. Keyframes können z. B. wie gewohnt gesetzt werden.

Alle Parameter können auch mit dem Widget Designer angesteuert werden, was die volle Flexibilität und Interaktivität im Zusammenspiel von Notch und Pandoras Box ermöglicht. Es macht dabei keinen Unterschied, ob es sich um einen Notch-Block, ein Video oder einen Effekt handelt, der angesteuert werden soll: Die Ansteuerung bleibt identisch.

Um eine extrem abgestimmte Einbindung zu ermöglichen, wurden drei zusätzliche Funktionen eingebaut, die bereits länger geplant waren. Zum einen wurde an den Blend-Modes gearbeitet, sowie LUT-Shader integriert. Letztere waren bisher nicht in der Software enthalten, konnten aber über Fremdanbieter eingebunden werden. Mit der neuen Funktion ‚Share Layer Rendering‘ können jetzt Texturen inklusive aller Effekte weitergeroutet werden. Dieses Paket so geschnürt zu haben, macht besonders im Zusammenspiel mit Notch viel Sinn. Gerade durch die Feinabstimmung dieser Parameter/ Funktionen gelingen überzeugende, stimmige Szenerien.

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Advanced Import

V8 macht den Import regulären Contents deutlich einfacher. Hier wurde das Hauptaugenmerk darauf ausgerichtet, zeitraubende Abläufe möglichst zu automatisieren – also Arbeitsschritte, die ein Operator ausführt, durch Rechenvorgänge zu ersetzen. Spätestens dann, wenn Clips in großen Mengen verarbeitet werden müssen, dürfte der Advanced Import eine Arbeitserleichterung sein.

Solche Timeline- Content-Schlachten führen nicht selten zu zähen Nachtschichten, in denen angelieferter Content fehlerlos erfasst, kopiert, codiert und ins System eingepflegt werden muss. In zeitraubenden, kleinteiligen Schritten mussten bisher alle noch so kleinen Files manuell bearbeitet oder gar neu codiert werden. Hinzu kommt, dass Designer ihren Content gern mal in den unterschiedlichsten Folder-Strukturen, Unterordnern usw. anliefern. Operatoren müssen sich dann immer wieder neu und oft mühevoll auf diese Strukturen einlassen und neu erarbeiten.

Screenshot Pandoras Box
Advanced Import vereinfacht den Import regulären Contents wesentlich – zeitraubende Abläufe wurden automatisiert, mühselige Arbeitsschritte durch Rechenvorgänge ersetzt, „Keep Folder Structure“ übernimmt eine komplette Ordner-Struktur (Bild: Harry Heckendorf)

Überdies kann jetzt auf Ordner mit einer Vielzahl von Bildsequenzen und Unterordnern zugegriffen, diese geöffnet und importiert werden. So ist es mit der Funktion „Keep Folder Structure“ möglich, die komplette Ordner Struktur beim Import zu übernehmen, ohne zuvor in vielen mühsamen Schritten diese Struktur in Pandoras Box für den Import nachgebaut zu haben.

Auch die gleichzeitige Auswahl und Kopie mehrerer Bildsequenzen aus verschiedenen Unterordnern in eine neue Hierarchie in Pandoras Box ist möglich. Dazu muss lediglich der Befehl „Keep Folder Structure“ deaktiviert werden. Auch einzelne Dateien oder Preview-Files können von dem Import ausgeschlossen werden. Aufwändiges Löschen von überflüssigen Dateien im Projekt wird so vermieden.

Dateien werden bei Import analysiert und können dabei als Bildsequenzen erkannt werden. Wenn als Bildsequenz importiert werden soll, können Settings wie die Framerate, vorab für alle oder einzelne Sequenzen angegeben werden. Ebenso kann entschieden werden, ob nach dem Ordner oder nach der Datei benannt werden soll.

Das Handling ist somit deutlich schneller und flexibler geworden und so manche Nachschicht dürfte sich dank dieses neuen Features verkürzen lassen.

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Natives Plug-In für Adobe-Formate

Um auch umständliche und unnötige Schritte bei der Content-Erstellung zu vermeiden, hat Christie ein neues natives Plug-In für die drei gängigsten Adobe-Formate (Premiere Pro, Media Encoder sowie After Effects) geschrieben. Damit ist es möglich, für Pandoras Box optimale Bildsequenzen oder Videos mit HAP-Codecs zu exportieren und direkt das benötigte Format zu erhalten, um unnötiges Umcodieren von Dateien mit dem verbundenen Zeit- und Qualitätsverlust zu vermeiden. Dieses kostenlose Plug-In kann dem Content-Provider zum Export der Daten zur Verfügung gestellt werden. Auch hier wurde eine übersichtliche Lösung kreiert: Für jedes Format gibt es einen eigenen Codec – insgesamt sechs verschiedene Codes, HAP, HAP Alpha, HAP Q sowie die entsprechenden Bildsequenz-Formate DDS, DDSA und YCoCg, stehen bereit. Das Plug-in ist sowohl für Windows als auch für OS X erhältlich, um plattformunabhängig zu sein und möglichst viele Nutzer ansprechen zu können.

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User-Settings

Persönlich favorisierte Einstellungen (wie automatisierte In-/Out-Fades auf der Timeline oder auch Framerates) mussten bisher bei jedem Projekt neu eingerichtet werden. Nun wurde in V8 eine Möglichkeit geschaffen, sein User-Profile in das nächste Projekt mitzunehmen. Diese Einstellungen können nun von Projekt zu Projekt auf dem gleichen Rechner – aber auch z. B. per USB-Stick – importiert bzw. exportiert werden. Die Funktion macht besonders im Multi-User-Betrieb Sinn. Unterschiedliche Arbeitsbereiche erfordern meist auch unterschiedliche Notwendigkeiten.

Gerade wenn z. B. in Schichtarbeit nicht jeder am eigenen Rechner arbeitet (man sich also einen Rechner teilt), kann jeder sein eigenes Profil aktivieren, sobald man seine Arbeit aufnimmt. Diese praktische Option dürfte zukünftig helfen, Meinungsverschiedenheiten zu vermeiden und den Workflow zu beschleunigen.

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Widget Designer und PowerPoint: Status-Meldungen in zwei Richtungen

PowerPoint ist immer noch ein sehr gefragtes Präsentationsprogramm und auch von den modernsten Lösungen nicht ganz zu verdrängen. Immer wieder taucht dieser Evergreen der Bühnenpräsentation auf und muss ‚mal eben‘ integriert werden. Im besten Fall hält ein PowerPoint-Operator am Bühnenrand die Zügel in der Hand, um etwaige Blindflüge zu vermeiden.

Während die Kommunikation in solchen Fällen in der Regel am gleichen Ort stattfindet, wird es in Covid-Zeiten etwas schwieriger: Publikum, Vortragender und Operator befinden sich nicht unbedingt in der gleichen räumlichen Umgebung. Die Kommunikation ist erschwert. Technik überbrückt die Räume. Hier setzt ein neues PowerPoint-Plugin ein, das mit einem Widget Designer verbunden werden kann. Diese kleine Datei wird auf dem Windows-Rechner installiert und kann sich mit dem Widget Designer verbinden, um Trigger-Befehle geben zu können. Es ist auch möglich, die Präsentation auszulesen und sich darin frei zu bewegen. Überdies ist es möglich, an alle, die sich über das Plugin verbunden haben, eine Statusänderung zu senden (z. B. sobald der Befehl ‚Next Slide‘ erfolgt ist).

Screenshot Pandoras Box
Widget Designer PowerPoint Remote wenn Sprecher, Publikum und technischer Dienstleister sich nicht an einem gemeinsamen Ort befinden. Ermöglicht auch, Statusmeldungen in zwei Richtungen zu empfangen und zu senden (Bild: Harry Heckendorf)

Alle Verbundenen (Regie, Operatoren, Vortragender) erhalten so die optimale Orientierung (als Echtzeitinformation), an welchem Punkt sich die Präsentation gerade befindet. Diese Information kann z. B. an das iPad des Redners geschickt werden. Speaker Notes können ausgelesen und übermittelt werden – oder das Aufrufen des Pausenslides könnte automatisiert das Saallicht ansteuern. PowerPoint, Widget Designer und Pandoras Box sind damit untereinander verbunden und eine PowerPoint-Präsentation kann bequem in die Timeline eingepflegt werden. Die Kommunikation ist in beide Richtungen möglich, was allen Beteiligten Sicherheit verschafft.

Dieses Plugin dürfte besonders dann Gefallen finden, wenn (wie zurzeit häufig üblich) Sprecher, Publikum und technischer Dienstleister sich nicht an einem gemeinsamen Ort befinden. Denn das Plugin bietet die Funktion im Zusammenspiel mit dem Widget Designer auch über eine Internetverbindung. So können sogar mehrere Speaker ihre PowerPoint-Präsentationen halten, übermitteln und bequem und sicher von einem Operator zentral steuern lassen. Thumbnails können an den Widget Designer übertragen werden und das Plugin kann zusätzlich einen NDI-Stream der PowerPoint zur Verfügung stellen.

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Viewer-Mode für Widget Designer

Der Widget Designer wird bisweilen gern als technisches Interface zum Beispiel für die Steuerung der Pandoras Box eingesetzt. Als eine Bedienoberfläche, die Interaktionen mit Exponaten durch Museumsbesucher steuert, erhielt der Widget Designer nun durch den Viewer Mode eine erhebliche Verbesserung der Frontend-Sicherheit.

Die Funktionen auf dem Touchscreen können jetzt mithilfe eines Passwortes eingeschränkt und somit gesichert werden. Ein unerlaubter Eingriff wird im Viewer Mode unmöglich. Menüleisten können versteckt bleiben und auch verbliebende Bedienungselemente können für Dritte ausgeschaltet werden. Dabei sind multiple Passwörter für unterschiedliche Sicherheit / Sicherheitsbereiche möglich. Dienstleister/Installer können nun gewiss sein, dass niemand in der Lage ist, etwas zu manipulieren, da zum Beispiel die Berechtigung zum Speichern – ohne entsprechendes Passwort – nicht vorliegt.

Screenshot Pandoras Box
Überarbeitete Oberflächen sind zeitgemäßer, übersichtlicher und machen die Arbeit einfacher (Bild: Harry Heckendorf)

Auf diese Weise kann auch ein Schutz vor unsachgemäßem Zugriff eines Betreibers sichergestellt werden, die im schlimmsten Fall zu unberechtigten Reklamationen führen können. So könnte vereinbart werden, dass ein Betreiber sich mit dem Dienstleister in Verbindung setzen muss, wenn bestimmte Änderungen vorgenommen werden sollen. Zu guter Letzt können jetzt Projekt-Files dank der Encryption-Funktion von Dritten nicht mehr ausgelesen werden.

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Fazit: Einfacher und kraftvoller

Einfacher und kraftvoller, so lautete das Motto der Entwickler für die neue Pandoras Box Version. Einmal mehr zeigt sich dabei, wie gut – und gleichzeitig entschlossen – das Entwickler-Team der Pandoras Box mit den Kunden kommuniziert. Viele Wünsche, Überlegungen und Forderungen von Kunden, Entwicklern sowie internationalen Kooperationspartnern wurden in einem konzentriert geführten Dialog abgestimmt und anschließend in der Version 8 berücksichtigt.

Logo Pandoras Box 8(Bild: Harry Heckendorf)

Hier sind sowohl soft- als auch hardwareseitig wieder viele wertvolle Ideen für die Praxis umgesetzt worden, wie etwa der Advanced Import, um nur eine zu nennen. Viele Operatoren werden sich über diese Features freuen, zumal die Einarbeitung, trotz oder wegen der neuen Oberfläche, besonders leicht fallen wird. Die wohl größte Änderung dürfte aber die Entscheidung sein, die Pandoras-Box-Software nun in nur eine einzige Lizenz zu stecken, die alle Features enthält, und diese an einen Dongle zu koppeln. Die Lizenz ist für 1.400 € erhältlich.

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Produktflyer Chimp-Serie
Infinity Chimp – Nochmal Optimiert
Die Chimp-Lichtpulte kombinieren ein benutzerfreundliches Design mit umfassender Funktionalität. Sie wurden entwickelt, um jedem Lichtdesigner die notwendigen Werkzeuge zu bieten und ihm die Freiheit zu geben, jede beliebige Show zu gestalten. Jede Funktion, jeder Effekt und jede Anwendung wurde speziell dafür entwickelt, um genau dieses Prinzip zu unterstützen. Obwohl der Chimp 300.G2 über erweiterte Universen, Fixtures und Speicherkapazitäten verfügt, bleibt er mit dem Chimp 100.G2 kompatibel. Software, Funktionen, Effekte und Möglichkeiten sind identisch. Programmierte und gespeicherte Shows auf beiden Chimp-Geräten sind austauschbar und laufen reibungslos auf beiden Konsolen.

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