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Deine Lakaien

Dresdner Kulturpalast: Beschallung und 3D-Audiorecording mit Yamaha

Die Lakaien(Bild: Jörg Küster)

Zugabe für die Retrospektive: Im Frühjahr 2018 bestritten Deine Lakaien begleitet von einem Ensemble versierter Musiker fünf Auftritte als Fortsetzung ihrer im Vorjahr von Kritikern wie Fans gleichermaßen begeistert gefeierten „XXX. The 30 Years Retrospective“-Konzertreihe.

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Beschallung im Kulturpalast

Am 24. März 2018 gastierte die gemeinhin dem Genre Elektronik/Darkwave zugeordnete Avantgarde-Formation im Dresdner Kulturpalast. Für die Beschallung des Konzerts war die In Phase Event GmbH verantwortlich. Geschäftsführer Ernst Sieber saß in bewährter Tradition persönlich am FOH-Pult (Yamaha CL5), um die von ihm seit 1991 betreute Formationen live zu mischen. Die In Phase Event GmbH gehört zum Kreis der deutschen Nexo-Distributoren, und so überraschte es nicht, dass im Kulturpalast Beschallungskomponenten des französischen Herstellers zum Einsatz kamen.

Ernst Sieber
Ernst Sieber (Bild: Jörg Küster)

Für die Mischung setzte Ernst Sieber ein Yamaha CL5 ein; analoge Audiosignale wurden auf der Bühne über eine Yamaha Rio3224-D I/O-Box auf die digitale Ebene gebracht. „Mit dem Yamaha Pultsystem bin ich mehr als zufrieden – es klingt ganz hervorragend!“, so Sieber. „Als Tontechniker kann ich damit alles machen, und zeitgenössische Digitalpulte bewegen sich bezüglich Klang und Ausstattung in einer ganz anderen Liga als noch vor zehn Jahren.“ Am Monitorplatz fand auf der Tournee ein Yamaha QL5 Verwendung.

Yamaha CL5(Bild: Jörg Küster)

Insgesamt wurden im Kulturpalast von der Yamaha Rio3224-D I/O-Box fünf Devices über Dante gespeist:  FOH-Pult, Monitorpult, der Recording-Rechner am FOH-Platz, ein Tascam Hardware-Recorder sowie ein KLANG:fabrik-Prozessor für das 3D-Audiomonitoring.

3D-Audiorecording: Mittendrin statt nur dabei

Für einen Mitschnitt des Konzerts von Deine Lakaien in 3D-Audio war federführend Sebastian Dieterle verantwortlich, der seinen Bachelor-Abschluss an der HTWK Leipzig erworben hat. Seine von Dipl.-Ing. (FH) Christian Birkner betreute Bachelorarbeit hat Dieterle über das Thema 3D-Audio geschrieben; er nutzt für seine 3D-Aufzeichnungen eine Yamaha QL1 Konsole und eine Rio3224-D. Die Yamaha Komponenten für die HTWK lieferte die VST GmbH aus Saalfeld.

Christian Birkner
Christian Birkner (Bild: Jörg Küster)

Im Dresdner Kulturpalast verwendete Sebastian Dieterle für die Anbringung der insgesamt neun (!) Recording-Mikrofone einen würfelförmigen Gerüstaufbau. Über die genauen Abstände der Mikrofone zueinander entscheidet Sebastian Dieterle nicht auf Basis eines mathematisch berechneten Modells, sondern die konkrete Platzierung ergibt sich durch fortwährendes Hören: „Zunächst suche ich den geeigneten Abstand zur Schallquelle, um ein ordentliches Verhältnis zwischen Direkt- und Diffusschall zu erhalten“, erläutert der Audiospezialist. „Danach richte ich das erste Stereopärchen ein, höre mir den Klang an und entscheide auf dieser Basis, ob die Stereobreite meinen Vorstellungen entspricht. Der für mich idealen Anordnung nähere ich mich anschließend in einem iterativen Prozess, an dessen Ende die richtige Breite für den betreffenden Raum und den musikalischen Content steht. Wenn ich die ideale Breite gefunden habe, übertrage ich den ermittelten Wert mithilfe eines Maßbands auf die anderen Mikrofonabstände im Array.“

Sämtliche für das 3D-Audiorecording verwendeten Mikrofone stammten beim Dresdner Konzert aus dem Portfolio der Microtech Gefell GmbH. Vom an der Saaldecke hängenden Mikronfonarray wurden Anschlusskabel in den Dachboden des Kulturpalasts geführt, wo ein Yamaha Rio3224-D I/O-Rack Vorverstärkung und A/D-Wandlung übernahm. Die Umsetzung auf Glasfaser oblag einem Yamaha SWP1-16MMF Switch. Der Switch war über ein von LWL-Sachsenkabel zur Verfügung gestelltes Glasfaserkabel aus der fast.LANE-Serie mit einem lokal installierten Versatz („Medienkasten“) verbunden und gelangte von dort über eine fest im Haus verlegte Glasfaserleitung in den Zentralen Geräteraum neben der Bühne. Im ZGR wurde das Signal an einem Patchfeld abgegriffen und mithilfe einer weiteren Glasfasertrommel dem 3D-Recordingplatz zugeführt, wo mithilfe eines Yamaha SWP1-16MMF die Umsetzung in elektrische Signale erfolgte. Audioprotokoll der Wahl war erwartungsgemäß Audinate Dante.

Michael Kraft
Michael Kraft (Bild: Jörg Küster)

Als Mehrkanal-Masterrecorder wurde in Dresden ein Tascam DA-6400 gewählt, der mit einer Dante-Schnittstelle (64-kanalige Dante-Interfacekarte IF-DA64) ausgestattet war. Eine zusätzliche Absicherung bot im Kulturpalast die parallel laufende Aufnahme auf einen Rechner mit Dante Virtual Soundcard (DVS).

Sebastian Dieterle
Sebastian Dieterle (Bild: Jörg Küster)

Am für die Aufnahme des Mikrofonarrays eingerichteten Recording-Platz waren zwei KLANG:fabrik-Prozessoren (1 x Spare) der KLANG:technologies GmbH zu entdecken. Weiterhin aus dem Portfolio des Aachener Unternehmens stammte der kompakte Kopfhörerverstärker KLANG:quelle mit Dante-Anschluss. Teil des speziell für das 3D-Monitoring zusammengestellten Setups war weiterhin eine bewährte Yamaha QL1 Digitalkonsole.

Mehrwert ohne großen Mehraufwand

Der Auftritt von Deine Lakaien im Dresdner Kulturpalast war ein voller Erfolg und sorgte bei den zahlreich angereisten Fans für Begeisterung. Man darf gespannt sein, welche Resultate bei der für die nähere Zukunft geplanten 3D-Audiomischung an der HTWK erzielt werden: Die Musik von Deine Lakaien eröffnet viel Raum für kreative Experimente – es darf vermutet werden, dass an geeigneten Stellen der eine oder andere spektakuläre Effekt seine Wirkung nicht verfehlen wird und die besondere Live-Atmosphäre im Kulturpalast dennoch nicht zu kurz kommt.

Das Projekt in Dresden stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass sich 3D-Audioaufnahmen mithilfe eines „Bundles“ aus Yamaha Komponenten sowie Produkten weiterer Hersteller einfacher als jemals zuvor erstellen lassen und mit überschaubarem Aufwand ein immenser musikalischer Mehrwert geschaffen werden kann.

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