P!nk Tour

Pink-Monitor: Horst Hartmann mit Yamaha Rivage PM10

Bei den Openair-Konzerten von P!NK befand sich im Sommer 2017 ein RIVAGE PM10 im Einsatz. Wir sprachen mit Monitormischer Horst Hartmann über seine Erfahrungen mit dem neuen Yamaha Digitalpultsystem.

 

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Horst Hartmann
Horst Hartmann an der Yamaha PM10 für P!NK (Bild: Jörg Küster)

Im Sommer 2017 war US-Superstar P!NK bei zwei ausverkauften Konzerten in der Berliner Waldbühne zu erleben. Die jeweils 22.000 Konzertbesucher wurden nicht enttäuscht: Begleitet von einer exzellenten Band (herausragend: Drummer Mark Schulman und Gitarrist Justin Derrico), sechs Tänzern, allerlei Nadelkissen- Vodoo, einer riesigen Videowall, rhythmisch lodernden Flammen und reichlich Feuerwerk pflegte Alecia Beth Moore ihr Powerfrauen-Image und ließ insbesondere bei den balladesken Parts der Timecode-basierten Show ihr beachtliches Stimmpotenzial erkennen. Wer in der Band de facto die Hosen anhat, wurde während des ersten Konzertabends deutlich, als die Sängerin ihren Keyboarder nach einem eher uninspirierten Klavierauftakt zur neuen Single „What about us“ sichtlich ungehalten vor versammeltem Publikum mit einem deftigen „This sounds like Shit!“ zurechtwies – autsch …

Tonkellner trifft Christel von der Post

Für den Monitorsound war Horst Hartmann verantwortlich, der P!NK bereits seit 2006 begleitet und auf eine jahrzehntelange Karriere in der Proaudio-Branche zurückblicken kann: Die Toten Hosen, die Scorpions, Sade, Cher, Anastacia, Kraftwerk, Tokio Hotel, Nena, Juli und viele andere Künstler sind auf seiner persönlichen Credit-Liste zu finden. Bei P!NK teilt sich Hartmann die Arbeit seit einiger Zeit mit Jon Lewis (u. a. AC/DC, David Gilmore, Paul McCartney), der an einem eigenen Pult ausschließlich die Sängerin betreut: Alecia Beth Moore verwendet bei ihren Shows fast durchgängig ein einzelnes Earpiece und lauscht mit dem freien Ohr ansonsten den Bühnenmonitoren, zu denen in der Berliner Waldbühne 16 Wedges sowie die obligatorischen Sidefills gehörten – rein technisch betrachtet eine nicht ganz optimale Lösung, zumal sämtliche anderen Bühnenakteure inklusive des Schlagzeugers ausschließlich mit In-Ear-Systemen (Sennheiser EM 2050 IEM mit Combiner AC 3200-II und zirkular polarisierter Wendelantenne A 5000-CP) ausgestattet sind. Horst Hartmann kümmert sich an seiner Konsole um die Monitorbedürfnisse der Band sowie die überraschend umfangreichen Kommunikationswege zwischen den Beteiligten: „Ich bin ein großer Fan der Kommunikation untereinander“, erklärte Hartmann in Berlin und verwies auf den Umstand, dass die Crew von P!NK komplett mit In-Ear-Hörern ausgestattet ist und bei Konzerten zudem zwölf Kommunikationsmikrofone an strategisch sinnvollen Positionen verteilt sind. Hartmann bezeichnete sich in Anlehnung an einen deutschen Heimatfilm der 1950er-Jahre scherzend als „Christel von der Post“ – ein Gedankenbild mit Schmunzelfaktor angesichts eines gestandenen Monitormanns, der sich in anderen Zusammenhängen gerne auch „Tonkellner“ nennt.

Eines der RPio622 I/O-Racks war ausschließlich mit Inputs ausgerüstet (Bild: Jörg Küster)

In Berlin war der von einem schwarzen Zelt gegen Regen geschützte Monitorplatz mit zwei Konsolen versehen, die ihre Eingangssignale separat voneinander über einen passiven Splitter erhielten: „Ich möchte mit niemandem sharen – mir ist das zu kompliziert“, kommentierte Horst Hartmann. „Ich arbeite gerne mit reichlich Gain, was in dieser Form bei vielen Kollegen nicht unbedingt der Fall ist. Manchmal kommt man dann einfach nicht zusammen …“ Der international erfahrene Monitorspezialist hatte sich für ein Yamaha Rivage PM10 entschieden, während Jon Lewis ebenso wie sein Kollege am FOH-Platz auf eine Digico SD7 (mit gemeinsam genutzten SDRacks) setzte. Für audiotechnisch vorbelastete Betrachter ergab sich daraus am Monitorplatz ein bemerkenswertes Bild, das zwei Pulte mit gleicher Kampfklasse und vergleichbarer Preisgestaltung auf engstem Raum verband.

Bei den Shows hatte Hartmann rund 90 Input-Kanäle zu verwalten; ausgespielt wurden zwölf Stereowege sowie diverse Monowege. Selbstverständlich wurden auf jedem der beiden Monitorpulte aus Sicherheitserwägungen alle Mixes vorgehalten, so dass beim Ausfall einer Konsole sofort eine Havarielösung einsatzbereit gewesen wäre.

Viel hilft viel

Mit dem Yamaha Rivage PM10 war Horst Hartmann im Sommer 2017 parallel sowohl mit P!NK als auch den Toten Hosen unterwegs. Der Monitormann ist ein langjährig erfahrener Yamaha-Anwender, so dass die Frage nach einer Vergleichbarkeit der Handhabung mit anderen Digitalpulten dieses Herstellers auf der Hand lag: „Das PM10 weist bezüglich der Bedienung viele Ähnlichkeiten zu anderen Yamaha-Pulten auf, obwohl bei der Konstruktion natürlich deutliche Unterschiede vorhanden sind“, antwortete Hartmann. „Ich jedenfalls habe mich auf Anhieb zurechtgefunden. Die ergonomische Gestaltung mit ihrer Kombination aus Touchscreens und Hardware-Bedienelementen kommt meinen Wünschen sehr entgegen, und der Überblick ist super!“

RPio622 I/O-Rack für die Ausgänge unter der Monitorkonsole (Bild: Jörg Küster)

Hartmann weiter: „Für P!NK und die Hosen standen bei mir anfangs auch andere Pultkonzepte auf dem Zettel, aber mit dem PM10 habe ich eine Lösung gefunden, mit der ich entspannt zu guten Ergebnissen gelange – zunächst war ich ehrlich gesagt ein wenig skeptisch, aber man kann sich auf dem PM10 sehr gut organisieren, was letztlich doch das Entscheidende ist: Ich weiß, wo alles zu finden ist und muss nicht großartig suchen, wenn auf der Bühne akut Stress herrscht – die Musiker interessiert schließlich nicht, warum ich ein Problem gerade nicht lösen kann, und sie erwarten zu Recht, dass ihre Wünsche schnellstmöglich erfüllt werden.“

Nach eigenem Bekunden betreut Horst Hartmann oft Produktionen, bei denen eine Yamaha CL-Konsole „einen Tick zu klein ist“ und die eigentlich optimale Menge an Ausgängen nicht ganz erreicht wird. „Beim PM10 gibt es von allem genügend!“, fasst Hartmann mit Gedanken an 144 Kanäle, 72 Mixbusse, 36 Matrixbusse und 24 DCA-Gruppen zusammen. Für eine gewisse Entspanntheit sorgt laut Hartmann darüber hinaus, dass Konsolen von Yamaha weltweit für ihre Zuverlässigkeit bekannt sind.

In Berlin setzte sich das Yamaha Rivage PM10 aus der Pultoberfläche CS-R10, der DSP-Engine DSP-R10 und zwei RPio622 I/O-Racks zusammen, wobei die Ein- und Ausgänge vollständig separiert waren: Eines der I/O-Racks war ausschließlich mit Inputs ausgerüstet und befand sich gemeinsam mit dem Splitter, den Digico SD-Racks sowie mehreren Sennheiser EM-6000-Drahtlosempfängern in großen 19″-Schränken, während das zweite, mit insgesamt 96 Ausgängen bestückte I/O-Rack in einem rollenbewehrten Doppel-Case untergebracht war, das als Standfläche für die CS-R10 diente. Die modular aufgebauten Yamaha RPio622-Units lassen sich frei bestücken, so dass beliebige Kombinationen von Inputs und Outputs möglich sind. Bei der A/D-Wandlung setzt Horst Hartmann auf eine hohe Abtastrate von 96 kHz, was möglicherweise dem Klang, ganz sicher aber kurzen Durchlaufzeiten zuträglich ist. „Ich strebe so wenig Latenz wie möglich an!“, sagte Hartmann in Berlin und betonte, dass Laufzeiten in seinem Aufbau auch für diesbezüglich kritische Kandidaten wie Schlagzeuger oder Percussionisten kein Thema sind.

Effekte mit Manieren

Die Monitormischungen erstellt Horst Hartmann bei P!NK ausschließlich unter Einsatz des Yamaha Rivage PM10; externe Analogprozessoren oder Effektgeräte kommen nicht zum Einsatz. Für die Bearbeitung von Stimmen schätzt Hartmann aus dem internen Angebot des Pultsystems insbesondere den „nachgemachten 1176-Kompressor“ (Compressor 276), den „Compressor 260“ (Hartmann: „Eine dbx- Emulation mit Manieren“) sowie die neuen Precise-EQs, welche nach seinen Worten insbesondere im Bassbereich „sehr gut greifen“. Die internen Yamaha-Hallgeräte findet Hartmann „absolut in Ordnung“ und bedenkt die vielgelobten TC-Algorithmen mit dem Prädikat „gut“, sofern speziellere Anwendungen auf dem Programm stehen: „Für Standardaufgaben komme ich mit den Yamaha-Prozessoren bestens zurecht“, so Hartmann.

 

DSP-Engine DSP-R10
DSP-Engine: DSP-R10 mit redundanten Netzteilen (Bild: Jörg Küster)

Die von Yamaha in Zusammenarbeit mit Altmeister Rupert Neve entwickelte Silk-Funktion kommentiert der Monitormann mit „auf Stimmen ganz schön, sofern man die Red- Variante wählt“. Auch zum Andicken von Kickdrum und E-Bass hat sich die Schaltung bei P!NK bereits als nützlich erwiesen. „Silk ist kein Allheilmittel, aber man kann rasch zu brauchbaren Ergebnissen gelangen“, meint Hartmann. „Harsch klingende Signale bekommt man damit schnell ein wenig weicher, während man tendenziell dumpf klingenden Signale mehr Flitter beimischen kann. Ich betrachte Silk als Schmankerl, das in vielen Zusammenhängen eine gute Figur abgibt.“ Während Horst Hartmann für seine Monitormischungen früher gerne auf eine Basisszene zurückgriff und ausgehend von dieser die komplette Show fuhr, setzt er inzwischen auf die vorhandenen Automatisierungsmöglichkeiten: Bei P!NK ist jedem Song eine eigene Szene zugewiesen, welche im Verlauf des Abends per „Next“-Button abgerufen wird. Die Vorgehensweise mag der Komplexität der Timecode- Show von P!NK geschuldet sein, denn bei Konzerten der Toten Hosen bedient Hartmann das Pult in gewohnter Manier überwiegend händisch.

Das Yamaha Rivage PM10 kam in Berlin aus dem Bestand der Black Box Music Veranstaltungstechnik und war mit Softwareversion 1.21 ausgerüstet – ein Update auf die aktuelle Version 1.5.1 wollte Hartmann während der laufenden Konzerttermine nicht vornehmen. Bei den Sommerauftritten der Toten Hosen wurde ein anderes PM10 bereits mit Softwareversion 1.5.1 betrieben, welche von Hartmann via USB-Stick „in weniger als einer halben Stunde“ eingespielt worden war. Seit der Aktualisierung hat der Monitormann Zugriff auf „einige sehr nützliche neue Features“: Besonders praktisch erscheint ihm eine relativ zum Original eingreifende Overlay-Funktion im Gegensatz zum absolut arbeitenden „Global Paste“ – in seinen Worten „eine schöne, schnelle und gut funktionierenden Sache“. Hartmann weiter: „Sehr nützlich ist auch die neu hinzugekommene Shift-Funktion, welche die Einstellungen eines Kanals unkompliziert auf weitere selektierte Channels überträgt – im Prinzip nutze ich die Funktion für eine Gruppenbildung im Aux-Weg, was wesentlich direkter funktioniert als bei diversen Wettbewerberprodukten.“

Softwareversion 1.5.1

Teil der Produktpolitik von Yamaha ist es, das Rivage PM10 jetzt und in Zukunft mit Firmware-Updates zu pflegen. Neue Softwareversionen werden kostenfrei bereitgestellt und lassen sich vom Anwender in eigener Regie einspielen. Die Vorgehensweise relativiert den für manche Interessenten auf den ersten Blick möglicherweise ein wenig hoch erscheinenden Anschaffungspreis für eine Basisausstattung – andernorts wird man zum Beispiel für neue Effekte gerne zur Kasse gebeten. Ein ganz praktischer Vorteil ist darüber hinaus nicht von der Hand zu weisen: Sofern unterschiedliche PM10- Systeme mit der gleichen Firmware-Version ausgestattet sind, verfügen sie stets über eine identische (Effekt-)Ausstattung, so dass ein zur Show mitgebrachtes Project-File ohne Anpassungen und/oder lästige Dongle- bzw. Lizenzierungsproblematik übernommen werden kann.

Anfang Juli 2017 wurde für das Yamaha Rivage PM10 die Softwareversion 1.5.1 vorgestellt, welche erwartungsgemäß diverse Neuerungen beinhaltet. Zu den zentralen Innovationen gehört die Möglichkeit, mithilfe einer Single fiber-Anbindung über ein Neutrik OpticalCON Glasfaser-Verbindungssystem größere Distanzen als die bislang möglichen 300 Meter zu überbrücken. Passend dazu setzt die neue Systemkarte HY256-TL-SMF („TWINLANe Single Mode Fiber“) nicht mehr auf Multimode- Fasern, sondern gewährt Singlemode-Lichtwellenleitern den Vorzug – zwischen Devices können auf diese Weise nun Verbindungen von bis zu zwei Kilometer Länge hergestellt werden. Interessant dürfte die neu geschaffene Option insbesondere für Largescale-Broadcast-Applikationen sein, aber es mag auch Live-Konzerte geben, bei denen je nach örtlicher Gegebenheit 300 Meter zur Verlegung der Fasern nicht ausreichen. Übrigens wird das Netzwerk auch bei der neu geschaffenen Singlefiber-Option als redundanter Ring angelegt.

Deutlich verbessert hat sich mit der neuen Softwareversion 1.5.1 die Aufrufgeschwindigkeit („Recall Speed“) für Szenen, was von Anwendern fraglos erfreut zur Kenntnis genommen werden wird. Bei der Bewertung der Aufrufgeschwindigkeit sollte man im Hinterkopf behalten, dass das Yamaha Rivage PM10 beachtliche Parametermengen verwaltet, die allesamt von einem Recall tangiert werden.

Vorgesehen ist nun auch eine Unterstützung des PM10 durch den Console File Converter 4.0.0 (Win/Mac), mit dessen Hilfe sich in anderen Yamaha-Pulten erstellte Konfigurationen in das Rivage PM10 übertragen lassen – ein Transfer ist auch in umgekehrter Richtung möglich. Wer international unterwegs ist, wird sich über die Option freuen, bei aufwändigen Shows stets eine „Starthilfe“ zur Verfügung zu haben, selbst wenn das eigentlich für die Show gewünschte PM10 im betreffenden Land nicht verfügbar sein sollte. Theater dürften den File- Converter schätzen, wenn sich eine Produktion aus der festen Spielstätte auf Tournee begibt und statt einem Rivage PM10 beispielsweise eine CL5 genutzt werden soll. Selbstverständlich lassen sich lediglich solche Parameter übertragen, die von den beteiligten Konsolen unterstützt werden, und auch die physisch vorhandene Kanal-/Buszahl setzt der Konvertierungsfreude natürliche Grenzen. Der Console File Converter ist in Form einer eigenständigen Software hier kostenfrei verfügbar.

Ein attraktives Feature für ein Pultsystem in der Preisklasse des Yamaha Rivage PM10 ist das nun verfügbare Tieline- Patching (P2P TWINLANe patch). Mithilfe der neuen Funktion können Querverbindungen zwischen einzelnen Devices eingerichtet werden; die maximale Zahl von acht RPio622 oder RPio222 I/O-Racks wird unterstützt. Um ein Beispiel anzuführen: An Rack 1 wird am zweiten Eingang der dritten Karte ein Signal eingespeist, das in Rack 8 am zehnten Ausgang der fünften Karte wieder entnommen wird – als direkte Verbindung, die nicht vom Patching im Pult beeinflusst wird. Der pultinterne Szenenwechsel ist eine Ebene unter dem Port-to-Port-Patching angesiedelt und tangiert dieses somit nicht – das Ganze kann man sich in etwa so vorstellen, als hätte man ein fest verlegtes Kabel zwischen einem Ein- und einem Ausgabepunkt gezogen. Die Einstellung wird im Project- File hinterlegt. Für Tieline-Patchings wurden Visualisierungen („Patch Indication for Sources not on TWINLANe“) geschaffen, welche durch ihre Farbgebung auf den besonderen Status aufmerksam machen und nervösen „Äh, wieso höre ich jetzt trotz gesetztem Koppelpunkt gerade nichts?“-Fragen vorbeugen.

Nach der Installation von Softwareversion 1.5.1 lassen sich Inserts via TWINLANe schalten, so dass sich beispielsweise ein auf der Bühne befindliches Effektgerät nahtlos in den Signalfluss eines Kanals am FOH-Pult einbinden lässt – vormals war so etwas ausschließlich direkt an der Engine DSP-R10 möglich, welche sich möglicherweise ja in einem solchen Zusammenhang eher ungünstig am FOH-Platz befindet.

Für Begeisterung dürfte eine in Softwareversion 1.5.1 freigeschaltete Emulation des legendären Eventide H3000 Ultra-Harmonizers sorgen – „für lau“ nimmt man ein solches Angebot ohne Frage sehr gerne mit. Weitere Effekte sind im Update ebenfalls kostenfrei enthalten: Der bislang zweikanalig ausgelegte dynamische EQ erweist sich in vielerlei Zusammenhängen als extrem nützliches Werkzeug und unterstützt nun vier (!) Kanäle, die mit Sidechain-Inserts versehen sind, so dass beispielsweise ein frequenzselektives Ducking möglich wird. Hinter der Bezeichnung „Bucket Delay“ verbirgt sich eine VCM-Simulation der berühmt-berüchtigten Eimerkettenschaltung, welche nicht nur Freunden von Reggae und Dubstep gefallen dürfte. Der Buss Comp 369 lehnt sich klanglich an einen extrem beliebten analogen Summenkompressor an, dessen Sound auf zahllosen Rock- und Pop-Produktionen zu hören ist. Nicht nur Theater werden den neuen Dugan Automatic Mixer mit bis zu 64 Kanälen und fünf Funktionsgruppen (z. B. für Diskussionstische) gerne einsetzen.

Unter dem Tisch sieht es bei Horst Hartmann so aus (Bild: Jörg Küster)

Zu den Neuerungen in Softwareversion 1.5.1 zählt eine Event- Liste, deren Szenen sich manuell triggern lassen: Die Notwendigkeit zu einer numerischen Sortierung entfällt, so dass einzelne Szenen direkt abgerufen werden können, wenn etwa der Regisseur oder ein Künstler eine entsprechende Anweisung erteilt – im Prinzip handelt es sich um ein virtuelles Layer, das über der Szenenverwaltung angeordnet ist. In der aktuellen Softwareversion unterstützt das Rivage PM10 ebenso wie die beliebten CL- und QL-Pulte die Funktionen Partial-Load und Partial-Save, was die Festivaltauglichkeit des neuen Yamaha-Systems weiter unterstreichen sollte. Die Libraries für EQ, Effekte usw. verfügen nun statt 300 über insgesamt 600 Speicherplätze. Das Firmware-Update auf Version 1.5.1 stellt eine Vielzahl weiterer Features zur Verfügung, die an dieser Stelle aus Platzgründen nicht erschöpfend erörtert werden können – interessierte Leser können sich bei Detailfragen an das kompetente Proaudio-Team der Yamaha Music Central Europe GmbH in Rellingen wenden.

Back on the Block

In PRODUCTION PARTNER wurde vor etwas mehr als einem Jahr über einen der ersten hiesigen Einsätze des Rivage PM10 beim Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt berichtet. Bei Yamaha dürfte die seither erfolgte Marktakzeptanz als erfreulich bewertet werden: So ist etwa José Carreras mit dem System international unterwegs, und bei Klassik am Odeonsplatz 2017 (mit dem wirklich unglaublichen Martin Grubinger) befand sich ebenfalls ein Rivage PM10 im Einsatz. Die anspruchsvollen Veranstaltungen passen zu einer weit verbreiteten Einschätzung, laut welcher Yamahas neue Konsole ihre Vorzüge insbesondere dann auszuspielen versteht, wenn Detailtreue und filigrane Bearbeitungsmöglichkeiten bei komplexen Darbietungen gefragt sind.

Losgelöst davon stößt die vielbeachtete Silk-Schaltung auch bei arrivierten Tonmeistern auf Gegenliebe, da sich der „analoge Touch“ der Hybrid Mikrofonvorverstärker (RY16-ML-SILK) pro Kanal stufenlos per „Texture“-Regelung zumischen lässt – auch im Klassikkontext ist je nach Instrument eben nicht immer die maximale Klangneutralität gefragt. Überzeugungsarbeit leisten in vielen Fällen die Hall-Algorithmen der virtuellen VSS4HDMaschinen von TC Electronic – frei nach dem Motto: Lieber weniger, aber dafür exzellente Algorithmen als ein unübersichtlicher Wust von Plug-ins varriierender Qualität. Dass beim PM10 eine automatische Latenzkompensation vorhanden ist und die Signalausgabe auch während komplexer Aktionen wie der Parallelkompression bei bis zu acht Plug-ins in jedem Kanal phasenstarr bleibt, macht das Audioengineer-Leben am FOH-Platz trotz zwangsläufig leicht erhöhter Grundlaufzeit einfacher. Für Ende 2017 ist ein weiteres Firmware- Update zu erwarten, das voraussichtlich Versionsnummer 2.0 tragen und unter anderem einen Verbundbetrieb der CS-R10 mit der angekündigten Kompaktoberfläche CS-R10- S („S“ für „small“) unterstützen wird.

In Deutschland ist das Yamaha Rivage PM10 inzwischen (Stand: Sommer 2017) bei mehreren Companies verfügbar: Die Black Box Music Veranstaltungstechnik GmbH hat zwei Systeme erworben, die Babbel & Haeger OHG verfügt ebenfalls über zwei Systeme, und die Profi Musik Handels GmbH beschallte mit einem neu angeschafften PM10 die Hauptbühne beim diesjährigen Elbjazz Musikfestival. Die Staatsoper Berlin wird in der sommerlichen Spielzeitpause mit zwei PM10 ausgerüstet, im Deutschen Theater in Göttingen wird aktuell ein PM10 installiert, und das Schauspiel Frankfurt gehört neben dem Schauspiel Hannover und dem Feierabendhaus der BASF ebenfalls zu den Anwendern. Kurz: Nach einer längeren Auszeit scheint Yamaha mit dem Rivage PM10 inzwischen mehr als nur den sprichwörtlichen Fuß in der Türe zum Markt für zeitgemäße digitale Profipulte zu haben.

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