Produkt: d&b D20 im Test
d&b D20 im Test
Mit der D20 erweitert d&b Audiotechnik sein Portfolio. Von außen ist die D20 sozusagen eine D80, allerdings mit weniger Leistung und etwas budgetfreundlicher.
Offene Mauern: Besuch beim Hermann-Hesse-Festival mit Udo Lindenberg

„Calwer Klostersommer“ mit Adamson-PA

Udo Lindenberg
Gut gelaunt: Udo Lindenberg beim Mikrofonschwingen (Bild: Nicolay Ketterer)

Ein flacher, breiter Open-Air-Korridor mit Zuschauertribüne, umgeben von Klostermauern – „Klosterhof-Beschallung“ als besondere Herausforderung. Der Calwer Dienstleister MF Sound & Light nutzt ein Adamson-PA-Setup, um die passende Abdeckung zu gewährleisten. Ein Besuch beim Festival mit vier (!) Vorgruppen und schließlich Udo Lindenbergs Panikorchester – im strömenden Dauerregen einer halbwegs lauen Sommernacht.

Wer hier eine große Veranstaltungsreihe ausrichtet, muss mit den Gegebenheiten optimal planen. Über elf Tage findet jährlich der „Calwer Klostersommer“ statt, veranstaltet im Innenhof der – nicht minder malerischen – Ruine des rund 900 Jahre alten Klosters Hirsau. 1.900 Zuschauer findet dort Platz, auf der Rückseite des fast quadratischen Open-Air-Mauerwerks steht eine Zuschauertribüne. Willy Astor, Gregor Meyle, Wolfgang Ambros, Annett Louisan und Jethro-Tull-Frontmann Ian Anderson zählen zum diesjährigen Line-Up – und Udo Lindenberg. Dessen ortsansässige Udo-Lindenberg-Stiftung veranstaltet alle drei Jahre das Hermann-Hesse-Festival, zu Ehren des Dichters, der in Calw geboren war, und den Lindenberg verehrt. Das Festival, bei dem zugleich Preisträger von Lindenbergs Panikstiftung auftreten, wird im Rahmen des Klostersommer-Reihe ausgetragen. Lindenberg, der sonst Arenen füllt, tritt als „Schirmherr“ daher alle paar Jahre mit seinem Panikorchester in Calw auf, zuletzt war er vor drei Jahren bei der Klostersommer-Reihe zu Gast. Davor wurde das Hesse-Festival im Rahmen des benachbarten Open-Airs „Calw rockt!“ ausgetragen, mit einer Kapazität von 5.000 Zuschauern. Das Open-Air existiert nicht mehr, daher wechselte die Stiftung den Rahmen. „Ein sehr exklusive Veranstaltung – müsste der Künstler ‚normal‘ finanziert werden, wäre das nicht bezahlbar“, erklärt Julian Rentschler, der Technische Leiter und einer der beiden Geschäftsführer des Calwer Veranstaltungstechnik-Dienstleisters MF Sound & Light, der die Beschallung übernimmt.

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Udo Lindenberg
Zu Beginn des umfangreichen Konzertabends beim Hermann-Hesse-Festival in Calw spielte Udo Lindenberg einen Song mit Akustikgitarren- und Keyboard-Begleitung – hier prasselte noch Starkregen auf die Besucher ein (Bild: Nicolay Ketterer)

Sound-Abdeckung im „quadratischen“ Klosterhof

Im Ort wurden Firmenparkplätze rekrutiert, direkt gegenüber dem Einlass sind dort die Produktions-Trucks der Bands und Dienstleister eingebettet. Der Weg zum Kloster ist sprichwörtlich „steinig“, führt bergauf über Kopfsteinpflaster. Bereits im Vorjahr war MF vor Ort, damals noch mit einem d&B V-System. Inzwischen hat die Firma eine Anlage der S-Serie des kanadischen Herstellers Adamson angeschafft, die die Gegebenheiten vor Ort noch besser abdecken soll. „Wir haben uns das System auf einem Demo-Tag in Bottrop angeschaut: Die Handhabung ist einfach, es ist sehr leicht zu riggen und spielt sehr gut.“

Elischa Dommer
Elischa Dommer, Systemtechniker und FOH des Beschallungsdienstleisters MF Sound & Light, backstage zwischen zwei Regengüssen (Bild: Nicolay Ketterer)

Rentschlers Kollege Elischa Dommer, der als selbständiger System- und FOH-Techniker arbeitet, fasst den Unterschied des Adamson-Systems knapp zusammen: „Das S10 ist ein sehr schönes System. Wir schaffen hier mit weniger Elementen ein besseres Ergebnis.“ Die Abdeckung gestalte sich bei der Anwendung im Klosterinnenhof sogar optimaler als vorher. Dommer zeigt sich besonders von der Tiefenstaffelung und der gelungenen Bassabdeckung begeistert, „dazu kommt das Lake-Processing der Lab-Gruppen-Endstufen, das sehr gut funktioniert.“

Vor der Anschaffung durch den Beschaller kannte er nur die alten Adamson-Systeme, erklärt der Techniker. „Damit hatte ich schon sehr gute Erfahrungen gemacht. In der Probehalle hatte ich das neue System auch mit Live-Musik gehört, konnte die Coverage und die Bässe beurteilen. Da musste ich sagen – Hut ab, gerade mit wenigen Endstufen – aufstocken kann ich immer noch, um Topteile separat anzufahren – aber mit dem Grundsystem lässt sich mit wenig Hardware viel abdecken. Das habe ich vorher so nicht geschafft, da brauchte ich mehr Processing und Endstufen, um von vorne bis hinten konstanten Pegel zu erreichen, und das geht ins Geld. Das Adamson-System kann ich mit insgesamt sechs Amps fahren. Letztes Jahr hatten wir zwölf Endstufen im Einsatz – das sind deutliche Unterschiede in der Anschaffung oder Zumietung.“

Klosterfassade
Imposante Atmosphäre: Klosterfassade an der Bühnenseite (Bild: Nicolay Ketterer)

Klanglich funktioniere die Adamson-Anlage vielseitig: „Wir hatten gestern einen Chor, ‚filigraneres‘ Material – das hat sehr gut harmoniert. Auf dem ‚Bang Your Head‘-Metal-Festival [in Balingen, d. Red.] haben wir es mit einer 12er S10-‚Banane‘ und mit zwei geflogenen S119 19-Zoll-Bässen pro Seite sowie insgesamt 16 S119-Bässen auf dem Boden eingesetzt – das war ebenfalls amtlich. Eine 5.000er-Metal-Show lässt sich damit ohne Probleme realisieren.“ Für größere Veranstaltungen hat der Hersteller noch E12- und E15-Module der E-Serie im Programm, letzteres als Doppel-15-Zoll-Modul, das Großbeschallungssystem „für 20.000 und mehr Leute.“

Adamson-Arrays
Eines der beiden Arrays: Oben befinden sich zwei S119-Bässe, darunter acht S10-Module – letztere können ohne separaten Flugrahmen direkt an die Bässe montiert werden (Bild: Nicolay Ketterer)

Adamson-PA-Wings mit 20 Meter Abstand

Die Bühne wurde für die diesjährige Veranstaltung geändert. „Letztes Jahr stand im Innenhof eine Megaforce TVG IV-Bühne – die hatte den Vorteil, dass wir die Arrays direkt an der Bühnenkante fliegen konnten, ganz außen“, erklärt Julian Rentschler. „Durch die PA-Wings stehen die Arrays nun rund 20 Meter auseinander.“ Das habe Anpassungen erfordert. „Wir haben dieses Jahr einen Center mit reingeflogen, um Ortungsprobleme zu vermeiden“, meint Dommer.

Die verwendete Anlage besteht pro Seite aus einem Array mit acht Adamson S10-Modulen, „jeweils mit zwei S119-Bässen darüber geflogen. Unten haben wir ebenfalls zwölf S119-Module im Bass-Array angeordnet“, so Dommer. „Als Center verwenden wir drei S7 – ein Doppel-7-Zoll-Modul, das die gleichen Technologien des S10 bei kleineren Treibergrößen aufweist, sozusagen der ‚kleinere Bruder‘. Ebenso kommt eine S7 im Nahfeld auf der Bühnenvorderkante zum Einsatz, dazu je eine S7P – die Point-Source-Variante – als In- Outfill.“

Die breite Bühne, verbunden mit dem recht „flachen“ Zuschauerbereich, erforderte auch passende Maßnahmen im Bass-Setup: „Wir brauchten eine breite Abdeckung, aber nur mit geringer Reichweite. Daher entschieden wir uns für einen Bass-Array statt einer Links-Rechts- oder Links-Rechts-Center-Aufteilung.  Die meisten Konzerte sind hier komplett bestuhlt; sitze ich als Zuschauer vor einem Zweier-Stack Bässen, bei nur einem Meter Abstand zur Bühne, habe ich keinen Spaß am Konzert.“

Adamson S7P
Als In- und Outfill kommen pro Seite zwei S7P-Module zum Einsatz (Bild: Nicolay Ketterer)

„Herkömmlich“ konfiguriertes Bass-Array statt kardioidem Setup

„Für die Anwendung im Kloster haben wir uns gegen ein kardioides Bass-Setup entschieden; zum einen aus Kostengründen, weil ein weiterer Amp-Kanal nötig gewesen wäre, dazu zusätzliche Bässe. Zum anderen haben wir festgestellt, dass sich auf der Bühne kaum Basssignale aufschaukeln: Dadurch, dass wir breit bauen statt viele Bässe an einer Stelle zu positionieren, entsteht kein ‚Hotspot‘ auf der Bühne durch rückwärtigen Schall.“ Zudem müssen die Bässe unter der Bühne stehen, ergänzt Julian Rentschler – eine Bedingung des Veranstalters, um eine größere Fläche bestuhlen zu können.

Im Vorjahr verwendeten sie ein kardioides Bass-Setup, bei der damals weniger breiten Bühne. Elischa Dommer: „Die kardioide Anwendung hat nicht hundertprozentig funktioniert, wir hatten auf der Bühne trotzdem noch Bass. Jetzt – ohne kardioid – haben wir sogar geringere Nebeneffekte. Klar, der Bühnenboden vibriert immer noch, aber durch die breite Verteilung weniger starke Resonanz.“

FoH
Blick auf den erhöhten FOH-Bereich und die Zuschauertribüne (Bild: Nicolay Ketterer)

Die Bassverteilung auf dem praktisch quadratischen Gelände geht naturgemäß nicht „reibungslos“ vonstatten: „Wir haben manchmal Probleme mit den Mauern, bei denen sich Bassanteile gelegentlich aufschaukeln. Dazu kommen die Resonanzfrequenzen des FOH-Towers und der Tribüne.“ Sie machen den üblichen Kompromiss, die Frequenz leicht zu ziehen – „nicht zu stark, um keine tonalen Abhängigkeiten zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen.“

Ein weiterer Unterschied im Bassbereich fiel ihm im Vergleich zum letzten „Klostersommer“-Jahr auf: „Beim Adamson S119 kommt eine 19-Zoll-Membran zum Einsatz [gegenüber dem im Vorjahr vom Beschaller verwendeten 18-Zoll-Bass des d&B-Systems, d. Red.], den Unterschied merke ich. Das System trennt auch tiefer, bei 80, 90 Hertz. Dadurch habe ich ein solideres Fundament.“

Das oberste Line-Array-Element zielt auf den FOH-Tower, der in 27 Metern Entfernung steht. „Dadurch, dass er etwas höher liegt als die oberste Sitzreihe, schießen wir auf die Mauer und erzeugen dadurch zwar mehr Reflexionen, aber damit lässt sich arbeiten. Durch die zwei geflogenen Bässe entsteht eine sehr gute Schallverteilung, mit einem Pegelverlust von drei Dezibel über die Strecke, ohne Zonen-Processing.“

Eine zusätzliche Maßnahme, um den gesamten Platz trotz der breiten Bühne abzudecken: „Wir haben das System um fünf, sechs Grad eingedreht – das Adamson-Setup ist eines der wenigen Systeme, das sich eindrehen lässt, ohne dass das Ergebnis seltsam klingt – stattdessen bleibt das natürliche Klangbild erhalten. Mit dem Center kann ich das ‚Loch‘ in der Mitte noch ausfüllen. Nächstes Jahr wollen wir die PA noch näher an die Bühne bekommen.“

System-Check „Snare-Fader“

„Der beste System-Check ist für mich eine Snare: Die muss, wenn ich den Fader hochschiebe, ohne EQ-Veränderungen direkt im Gesicht stehen. Kann das System das leisten, sind für mich 70 Prozent der Miete erreicht. Alles weitere wie Transparenz oder Frequenzgang ist natürlich ebenfalls wichtig, aber die Snare darf nicht für sich genommen bereits verzerren oder in den Limiter gehen. Das ‚Erfolgserlebnis‘ hatte ich heute beim Soundcheck der Support-Bands: Snare hochgeschoben, kaum EQ drauf, und sie stand schlicht ‚da‘. Ich möchte nicht, dass das System bei 75 Prozent Auslastung zu zerren anfängt, in einen Limiter geht, oder die Membran nicht mehr hinterherkommt beim Abbilden der Impulse. Die soll direkt reagieren – beim Schlagzeug finden schließlich immer viele Impulssignale statt. Mit einem reinen S7-System würde das nicht ganz so gut funktionieren, weil weniger Membranfläche zur Verfügung steht.“

Einfacher Aufbau

Der Aufbau und die Einmessung des PA-Systems sei erwartungsgemäß recht einfach verlaufen. „Adamson hat sich bei der Konzeption viele Gedanken gemacht: Das Array ließe sich zur Not mit einem Motor-Controller allein riggen. Der Winkel kann über eine Schraube auch unter Last justiert werden, wenn das Array hängt: Oben befindet sich ein sogenanntes Inclinometer der Firma Teqsas,  das den Winkel anzeigt und an der Ausleseeinheit am Boden ausgelesen werden kann. Es lässt sich komplett am Boden – oder schon am Lager – vorwinkeln, das erleichtert die Arbeit auf der Baustelle. Auch der Abbau gestaltet sich einfach: Es existieren Dollys, in die sich das Material reinfahren lässt. Für Bässe und Topteile ist kein separater Flugrahmen nötig, das Array kann direkt unter den S119-Bass gehangen werden. Die Griffe der Bässe und Topteile sind praktisch montiert, sodass sich das Rigging einfach gestaltet. Alles ist farblich markiert – das lässt sich im Notfall mit Hands umsetzen.“

Die Kosten-Nutzen-Rechnung falle für sie unter dem Strich deutlich besser aus, ergänzt Julian Rentschler.

Adamson S7-Module
Ein Center im Dach aus drei S7-Modulen, um die „Lücke“ durch die breite Bühnenfront zu füllen (Bild: Nicolay Ketterer)

Aktive vs. passive Frequenzweiche

Elischa Dommer: „Bei Adamson kann ich bis zu vier S10 parallel anschließen [pro Amp-Kanal, d. Red.]. Diese werden aktiv getrennt, ich brauche also eigentlich zwei Kanäle, allerdings kostet die Endstufe weniger – damit kann ich mich sehr gut anfreunden. Zudem erspare ich mir Probleme, die ich mir durch eine Frequenzweiche im Lautsprecher einhandle: Eine Frequenzweiche verändert ihren Frequenzgang mit der Temperatur. Brennen auf die schwarze Box den ganzen Tag 40 Grad, ist da drin die Hölle los. Fahre ich sie getrennt an, habe ich das Problem nicht. Dazu kann das Bauteil ausfallen – das spare ich mir, und kann das viel sauberer anpassen. Das ist auch hörbar: Der Übergang von Mittel- zu Hochtontreibe ist mit linearphasigen Filtern und Frequenzüberlappung realisiert, das sehe ich, wenn ich mir den Phasenverlauf in der Messsoftware anschaue. Das bleibt allerdings auch eine Philosophiefrage: Aktive Trennung klingt anders als eine passive Trennung.“

Simulationssoftware mit zentraler Vermessung

„In der Adamson-Simulations-Software Blueprint lässt sich ein komplettes PA-Setup im Vorfeld simulieren. Ein Vorteil: Der Raum kann damit aus einer Position ausgemessen werden, ohne alle Parameter vorher manuell zu vermessen. Das ist bei anderen Programmen komplexer zu bewerkstelligen.“ Julian Rentschler zeigt sich von einigen Details angetan, darunter die Möglichkeit, das Nahfeld in der Simulation des Hauptsystems ausblenden zu können: „Ich kann bei der Kalkulation berücksichtigen, wenn ich die ersten Meter als Nahfeld mit In- und Outfill abdecke. Dann beginnt die Simulation erst in dem Bereich dahinter mit der Berechnung.“ Zudem sei die Auswertung des Pegelverlaufs in der Adamson-Simulation deutlich besser gestaltet als bei anderen Programmen, darüber hinaus bestünden kaum Unterschiede.

Die Abstimmung und Wechselwirkungen in der Klosterhof-Praxis? Dommer: „Hier habe ich die Nahfelder im Bassbereich stark ausgedünnt. Das habe ich im Vorjahr nicht gemacht – sonst schaukeln sich die Bässe stark auf, und auf der Bühne entsteht ein Wulst auf der Bühne. Dünne ich das aus, muss ich das Ergebnis zeitlich anpassen – aber das ist eher vernachlässigbar. Die Systeme harmonieren untereinander sehr gut.“ Ein Verbesserungsvorschlag fällt ihm ein: „Mir würde eine verbesserte Anbindung von Blueprint an das Lake-System gefallen, sodass ich, wie bei anderen Systemen, das Blueprint-File direkt reinladen könnte – ansonsten finde ich das System vom Handling her ideal gelöst, klanglich finde ich es sehr gut, auch der Support ist klasse.“ Den Eindruck teilt Rentschler, der sich begeistert über das Feedback von Adamson zeigt, die bei Bedarf Aufbauten kommentieren oder Vorschläge machten.

Im Vorfeld der „Klostersommer“-Veranstaltungsreihe hätten andere Produktionen wegen des Umstiegs auf die Adamson-Anlage nach den Gründen für den Wechsel angefragt, seien nach der Erläuterung der gewünschten Abdeckung aber damit einverstanden gewesen. Wie im Vorjahr verwenden sie auf der Veranstaltung als Pult eine Yamaha CL5-Konsole, die die meisten Künstler mitnutzen oder bei Bedarf eigenes Material mitbringen. „Letztes Jahr war Gain Sharing der Pulte kein Problem, dieses Jahr war das allerdings nicht gewünscht, deshalb werden sie separat aufgesteckt“, meint Elischa Dommer. Die Udo-Lindenberg-Produktion hat eine Soundcraft Vi-7000 im Gepäck, sowie zwei weitere Exemplare für das Monitoring. Überhaupt herrscht eine „Materialschlacht“ – beim Konzert kommen 82 Funkstrecken zum Einsatz. „Die kommen direkt aus der Tournee, haben zwei Wochen zuvor noch in Dortmund gespielt, sind mit ihrer Tour-Produktion hierhergefahren“, klärt Julian Rentschler auf.

Udo Lindenberg
Udo Lindenberg zusammen mit „Kids on Stage“ beim Song „Wir ziehen in den Frieden“; für die große Truppe kamen insgesamt 82 Funkstrecken zum Einsatz (Bild: Nicolay Ketterer)

Konzert

Das Konzert verknüpft gleich mehrere Gegebenheiten: Die Udo-Lindenberg-Stiftung verleiht alle fünf Jahre den „Panikpreis“, eine Nachwuchsförderung für Bands. Die vier Preisträger haben neben weiteren Preisen auch einen Gig mit Lindenberg gewonnen, sie treten daher im Vorprogramm nacheinander auf. Passend zum Hermann-Hesse-Festival trägt die Darstellerin Maria Furtwängler Hesse-Gedichte zwischen den Bands vor, teilweise zusammen mit Lindenberg. Im Verlauf des Abends malt parallel ein Künstler ein Bild auf der Bühne, das von den Beteiligten signiert und nachträglich versteigert wird.

Die 1.900 Stehplätze sind lange ausverkauft. Nach einem ersten Regenguss eine gute Stunde vor Konzertbeginn macht sich die vage Hoffnung breit, das Konzert im trockenen zu verbringen – eine Täuschung, wie sich bereits zu Beginn herausstellt. Lindenberg eröffnet den Reigen mit einem Song mit akustischer Begleitung, danach spielen die Preisträger „Fee.“, Sebel, Caro Kunde und 2ersitz. Die Künstler erweisen sich allesamt auf musikalisch sehr hohem, inhaltlich eigenständigem Niveau – 2ersitz beispielsweise bieten, der Sänger erfreut sich am Publikum, das trotz des Regens nahezu vollzählig ausharrt, „um Newcomer-Bands wie uns zu sehen“. Lediglich ein kleiner Rest hat sich durch die Mischung aus matschigem Rasen und Kopfsteinpflaster aufgemacht, um im kleinen Biergartenzelt oder dem nahegelegen Klostercafé, das sonst Museumspublikum des Klosters bedient, auszuharren; das ist freilich überfüllt, das Personal arbeitet im Akkord und am Limit. Das Wetter sei „stabil“, so die lakonische wie treffende Einschätzung des Dauerregens durch einen Besucher. Das Publikum besteht vorwiegend aus älteren Semestern.

Der Klang lässt sich vom Wetter indes nicht beeindrucken – sowohl Singer-Songwriter-Pop wie auch spätere HipHop- und Funkpop-Anklänge werden transparent und druckvoll dargeboten, mit kräftigen Bässen.

Das Hauptkonzert mit Lindenberg und seines Panikorchesters beginnt um 22 Uhr – die große Besetzung erobert das lange „angeheizte“ Publikum im Sturm. Wie sich die Sache am besten angehend lässt? „Notfalls einfach erstmal reinhauen!“, rät Lindenberg seinem Schlagzeuger Bertram Engel kurzerhand, verlegt sich ansonsten auf Anekdoten, schlüpfrige Anspielungen, beschwört Hermann Hesse, die „Regenmaschine“ abzustellen. Die Band bietet derweil Entertainment, bei dem ein Feuerwerk das nächste jagt; der zweite Song „Wir ziehen in den Frieden“ wird mit „Kids on Stage“ vorgetragen – Kinder in Lindenberg-Montur, die mitsingen und tanzen. Hier liegt dann auch einer der Gründe für die erwähnten 82 Funkstrecken. Klanglich transportiert die Anlage auch Lindenberg erwartungsgemäß souverän, mit klarem Hochton- und Bassbereich, samt druckvoller Bassdrum. Stichwort „Regenmaschine“: Nach einer knappen halben Stunde lässt der Regen nach, hört schließlich ganz auf. Dann hält doch noch das unbestechliche Gefühl einer lauen Sommernacht in der Klostermauern Einzug. Das Publikum hätte wohl auch im Regen unbeeindruckt weitergefeiert.

www.klostersommer.de
www.udo-lindenberg-stiftung.de
www.mfsound-light.de
www.adamsonsystems.com
www.unitedbrands.de

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