Transportversicherung

Logistik richtig versichern

Neben den Versicherungsfragen zu Haftpflicht oder Elektronik gibt es noch eine weitere Sparte: Die Ausfallversicherung, auch Contingency Versicherung genannt.

Ein Klassiker für die Versicherung von Transporten ist die Transportversicherung: Für Verleihfirmen ist sie eigentlich nur dann notwendig, wenn man in der Equipmentversicherung spart und nur eine klassische Lagerdeckung hat. Dann ist natürlich klar, dass man oben drauf die Transporte versichern muss. Viele Standardmakler und -Vertreter greifen zu dieser Lösung, aber einfach nur aus der Gewohnheit und weil sie die Belange der Eventszene nicht kennen. Richtig versichert man sein Equipment komplett über eine sogenannte Elektronikversicherung, dort sind die Lagerrisiken, die Transportrisiken, aber auch der Verbleib auf dem Event, die Fehlbedingung, der Vandalismus, Diebstahl und sogar der einfache Diebstahl mitversichert, zumindest dann, wenn man ein wenig auf sein Bedingungswerk achtet. Es sollte auf jeden Fall so sein.

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Ähnlich ist es mit dem nicht elektronischen Equipment, diese versichert man über eine Ausrüstungsversicherung oder auch Zeltversicherung. Dabei sind auch die Transporte mitversichert. Im Normalfall reden wir von einer Neuwertversicherung, so dass im Schadenfall der Neuwert reguliert wird. Aber auch hier unterscheiden sich die Wordings der verschiedenen Anbieter. Man sollte bei der Bildung der Versicherungssumme nur nicht nach dem Carnet-Wert gehen, das würde zumindest bei den meisten tierisch ins Auge gehen. Auch wenn man das komplette Equipment dort findet, so stimmt dann sicherlich die Versicherungssumme nicht, denn ein wenig spart man beim Zoll ja schon.

Christian-Raith
(Bild: Raith & Partner)

 

Die normalen Versicherungen haben eine EU-Deckung, darüber hinaus kann man natürlich weltweit versichern, was einfach ein paar Euro mehr kostet. Somit hätte man nahezu alle Gefahren überall auf der Welt an der Technik abgedeckt.

Anmerkung: Wenn man Equipment leiht, sollte man wissen, dass der Entleiher gemäß den AGBs in jedem Fall haftet, die Elektronikversicherung daher eine gute Lösung ist. Eine Haftpflicht ist bei der Eventlogistik nicht vordergründig. Es sind zwar Schäden vorstellbar, doch meist werden diese im Rahmen der Nutzung des KFZ passieren, sind somit auch über die KFZ-Versicherung gedeckt.

Hat aber schon jemand etwas von einer Hakenlastversicherung gehört? Hört sich lustig an, ist aber für die Logistik auch von Bedeutung. Wenn also für einen Event z. B. ein Porsche am Dach eines Hotels geparkt werden soll, um dort den Kunden gezeigt zu werden, dann haben wir zumindest dann ein Thema, wenn dieser über einen Kran auf das Dach gehoben wird. Was passiert, wenn der Flitzer vom Haken fällt und dabei, wie man sich vorstellen kann, zu Schrott wird? Genau dieser Part wäre über eine Hakenlastversicherung abgedeckt. Es ist schon sehr spannend, was man alles versichern kann.

Ausfälle versichern

Machen wir gleich mit der nächsten Exotenversicherung weiter: der Ausfallversicherung. Eigentlich eine ganz tolle Versicherungslösung, die sehr klare Versicherungsbedingungen kennt, die sehr kurz sind und sich nicht im Dschungel von Paragraphen und Ein- und Ausschlüssen verlieren. Ja, ich weiß, eher ungewöhnlich für das extrem erotische Thema Versicherung. Wie sieht es also aus, wenn man eine Event – reihe quer durch die Republik oder vielleicht auch quer durch Europa organisiert hat (von der Welt gar nicht zu sprechen, ist aber übertragbar). Der Event in Frankreich war ein absoluter Bringer, alle waren begeistert und als Nächstes steht Köln an. Dumm nur, dass die französischen Fernfahrer einmal mehr streiken. Gut, an dieser Stelle könnten wir auch gerne die Italiener aufzählen oder wie unlängst in Deutschland auch immer wieder geschehen die Fluglotsen, das Bodenpersonal oder die Piloten der Fluggesellschaften. Alles Ereignisse, die den planmäßigen Event beeinflussen bzw. verhindern können.

Aber nicht nur der Streik, sondern auch die Aschewolke, ein liegengebliebener bzw. verunfallter LKW mitsamt des darauf transportierten Equipments für die Veranstaltung und noch viele weitere Gründe mehr beeinflussen die Logistik bzw. die vereinbarte Erbringung der Leistung. Das kann man ganz einfach über die Ausfallversicherung absichern. Der Event findet dann zwar immer noch nicht statt, aber man bekommt die Verlegungskosten (sofern dies möglich ist) oder eben auch den Totalausfall erstattet. Dabei bezahlt die Versicherung die Produktionskosten, evtl. auch den Gewinn. Wichtig dabei ist nur, dass man als Versicherungsnehmer nicht an dem Ausfall schuld ist, sondern der Vertragspartner oder ein Dritter. Diese Ausfallversicherung könnte natürlich auch den ganzen Event abdecken, aber das ist heute hier nicht die Frage, wir beschäftigen uns erst einmal nur mit der Logistik.

Sicherer Transport mit Cargo Carts
Sicherer Transport mit Cargo Carts (Bild: Richard Meusers)

 

Wenn man mich jetzt fragt ob so etwas wirklich passiert, dann kann ich nur sagen: Ja, und zwar gar nicht so selten. Im Laufe der Jahre hatten wir einige Schäden in diesem Bereich und diese wurden anstandslos bezahlt. Es waren genau die oben genannten Dinge die passiert sind, also der Streik der LKW-Fahrer, die Aschewolke, aber auch noch weitere Gründe wie Blitzeis auf der Straße, gesperrte Grenzen oder, oder, oder … Wie immer stellt sich die Frage, wo jetzt der Haken ist? Selten, aber hier kann man es wirklich sagen: es gibt keinen. Ok, den einen oder anderen gibt es vielleicht dann doch, wir können nämlich nicht die finanziellen Schwierigkeiten des Fuhrunternehmers versichern und eben auch nicht die fehlerhafte Planung im eigenen Haus. Sprich, wenn der Termin gar nicht gehalten werden kann, weil man beim Location-Wechsel das Nachtfahrverbot oder sonstige Beschränkungen für die LKWs nicht berücksichtigt hat.

Die nächste Frage betrifft den Preis: Es geht knapp unter einem Prozent der Versicherungssumme los. Diese wird entweder durch die Produktionskosten oder auch incl. des Gewinns definiert. Hat man also eine Eventreihe mit einem Budget von 500.000 Euro, dann reden wir im Einstiegsbereich von knapp unter 5.000 Euro Prämie. Der Versicherungsnehmer kann natürlich auch die Agentur sein, aber auch der Veranstalter oder der Dienstleister für die Technik (Licht, PA, Video etc.) und somit der Auftraggeber der Agentur. Das hat den Vorteil, dass man nicht über sein Honorar diskutieren muss, wenn der Event komplett ins Wasser fällt. Das ist nicht möglich? Ein Beispiel hierzu: Man stelle sich vor, auf dem Weg vom Probeaufbau zur ersten Location findet sich der LKW im Graben wieder. Dem Fahrer ist nichts passiert, aber der Messestand bzw. die Promotion-Deko liegen weit verbreitet im Feld, es regnet und man sieht die Logos des Auftraggebers schön dahinschwimmen. Wie immer natürlich alles Einzelstücke, die speziell für den Event gebaut wurden. Das wäre der worst case – so was kann die ganze Eventreihe zerstören. Auch hierbei ist die Lösung die Ausfallversicherung. Wir sehen also, es kann fast alles versichert werden, ein ganz grandioses Tool mit sehr weitreichender Deckung. Natürlich ist in der Ausfallversicherung auch die höhere Gewalt abgedeckt.

Zum Schluss wie immer: Wendet euch bei Fragen an die wenigen Spezialmakler in der Branche. Nur so kann sicher – gestellt werden, dass man die besten Lösungen bekommt. Und natürlich hilft ein spezialisierter Rechtsanwalt im Vorfeld, dass man die Verträge richtig schließt und die Haftung so weit es geht minimiert. Der Rest ist dann Versicherungssache.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Das Thema Verischerungen ist generell sehr umfangreich. Wichtig ist es, sich in diesem Bereich genau zu informieren und eventuelle Anbieter zu vergleichen, um einen Überblick über Preis und Leistung zu bekommen. Die Zeit dafür sollte man sich unbedingt nehmen.

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