Mikrofone - das Ergebnis ist wichtig

Mikrofonierung bei der Eisbrecher-Tour

Obwohl es Mikrofone für jedweden Einsatzzweck gibt und selbst wenn das Budget uferlos ist, so haben FOH-Techniker schon ihre Favoriten. Und nicht immer ist das, was gemeinhin gut und teuer ist, auch automatisch das Richtige – nur das jeweils gewünschte Ergebnis ist wichtig.

Die meisten Mikrofone, die auf dieser Produktion Einsatz finden, wurden bereits vor Jahren ausgewählt. Jakob Bernhart (FOH Engineer) erklärte lachend: „Am Anfang der Zusammenarbeit mit einer Band als FOH-Engineer findet man bereits die geeigneten Mikrofone. Mit der Zeit testet man zwar Alternativen, aber ein SM57 ist einfach das Snare-Mikrofon. Der defizitäre Trafo in dem Mikrofon macht meiner Meinung nach den einmaligen Sound – wahrscheinlich sogar auch dann, wenn man ihn in ein anderes Mikrofon stecken würde.“ Doch Mikrofonierung sei immer auch eine Budget-Frage. Beide Techniker haben ihre ersten
Schritte in der Studiowelt gemacht und ausgiebige Erfahrungen mit unterschiedlichen Mikrofonen in allen Preislagen sammeln können. Aber nicht immer sei gut und teuer auch automatisch das Richtige, nur das jeweils gewünschte Ergebnis wichtig. Auf der Bühne finden sich daher neben gängigen Sennheiser-, Shure- und Audio-Technica- Systemen auch Exoten wie ein MXL 609 – ein preiswerter fernöstlicher Nachbau eines Neumann KM 84 (ein KM 184 ohne Übertrager). An der HiHat stehend, sorgt es dort für einen sehr seidigen Klang. Weil der Schlagzeuger nur für diese Band ein eigenes Set spielt, konnte Jakob Bernhart z. B. die Audix D2 direkt in die Toms einbauen: „Diese Mikrofone bleiben dort während und zwischen den Tourneen eingebaut. Das spart Zeit, bietet den gleichbleibenden Abstand zur Schallquelle und ist gut für den optischen Gesamteindruck.“ Für andere Produktionen, die Jakob Bernhart betreut, werden an dieser Stelle auch gern Sennheiser e504 eingesetzt.

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Eisbrecher-Schock-Tour
Drum-Mikrofone waren häufig in den Kesseln verbaut (Bild: Harald Heckendorf)

Audio-Technica AE3000 finden sich sowohl an den Gitarrenboxen und als Overheads und werden immer akribisch positioniert. Bei den Shure-Handsendern hingegen zeigt sich Jakob Bernhart, der zwischen den Tourneen als Pilot arbeitet, weniger kompromisslos: „Ich mag nix außer Beta 58 am Funk. Andere Techniker mögen auch mit anderen Kombinationen gute Ergebnisse bekommen, aber ich kann nicht anders“, schmunzelt der Wahlberliner und fügt hinzu: „Und auch ein Shure Beta 52 in der Kick ist gesetzt.“

Do it yourself Subkick 
Für die Abnahme der Bassdrum kommt jedoch noch eine zusätzliche Komponente ins Spiel: „Gerade Bassdrum-Sounds sind entscheidend für den Bandsound. Ich mag es, wenn über die Bassdrum der Bandsound Charakter bekommt. Meistens werden ja identische Mikros an identische Positionen mit den identischen Prozeduren gestellt. Aber, um etwas anderes oder etwas Beeindruckendes zu bekommen, muss man erst einmal etwas anders machen wie z. B. Mics in die Toms
einbauen oder eine Subkick. Je nachdem wie – oder wie gut – ein Schlagzeuger sein Set gestimmt hat, ist es schwierig die Körperlichkeit abzubilden, und die unteren Frequenzen optimal einzufangen. Um stets zu dem von mir gewünschten Ergebnis zu kommen, habe ich mir auf Anraten eines befreundeten Schlagzeugers eine Yamaha Subkick-Einheit besorgt. Allerdings fand ich die Subkick optisch nicht sehr gelungen: Sie ist schwer, platzraubend und mit einem schlechten Schwerpunkt und somit für die Bühne, meiner Auffassung nach, unpraktisch.“

Das eingespielte Tonteam nahm die Subkick-Idee auf, machte sich an die Arbeit, um einen 6″-Speaker vor der Bassdrum zu positionieren. Das handelsübliche Car-HiFi-Modell brachte also road-taugliche Eigenschaften mit: „Wichtig dabei war, auf die untere Grenzfrequenz zu achten. Das Signal, das der umgebaute elektromagnetische Wandler liefert, liegt nun neben dem Signal des Beta 52 am Pult auf und wird hinzugezogen“, erklärte Jakob Bernhart.

Eisbrecher-Schock-Tour
6″-Speaker zur Abnahme der Bassdrum (Bild: Harald Heckendorf)

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