Einstieg in die Selbstständigkeit

Welche Versicherung lohnt sich zum Berufsstart?

Wir haben bei Christian Raith, unserem Spezialisten für Versicherungen rund um den Entertainmentbereich nachgefragt, welche Tipps er uns für den Einstieg in die Selbstständigkeit mitgeben kann. Christian Raith selbst engagiert sich schon seit vielen Jahren zum Thema Ausbildung im Eventbereich…

Felix Holzer / Christian Raith
Christian Raith, Geschäftsführer der Eberhard, Raith & Partner GmbH

Welche Versicherungen sind besonders für den Einstieg nach der Ausbildung zu beachten?

Wer meine Artikel und Veröffentlichungen verfolgt, wird schon jetzt wissen was kommt, nämlich mein Lieblingsthema, die Haftpflichtversicherung. Warum ist immer relativ leicht erklärt: Da mich die Haftpflichtversicherung vor den finanziellen Folgen eines Fehlers schützen kann.

Gerade am Anfang der Karriere ist man natürlich noch nicht so sicher, wie ein Kollege mit 10 Jahren Berufserfahrung. Die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers ist damit sicherlich etwas höher. Wenn man dann also vergisst, ein Safety einzuhängen und die Box kommt während der Show herunter, dann kann das gravierende Forderungen nach sich ziehen. Und selbst wenn wir nur von Krankenhauskosten und Verdienstausfall in der Höhe von 30.000 Euro sprechen, kann das das sofortige Aus meiner eben erst begonnenen Selbstständigkeit bedeuten. Und dieser Betrag ist gleich erreicht. Von einer Schwerverletzung mit Dauerfolgen wollen wir gar nicht erst sprechen. Also, bevor ich den ersten Schraubenzieher in die Hand nehme, meinen ersten Event plane oder sonst etwas mache, ist eine Haftpflichtversicherung das absolute „Muss“. Übrigens auch, wenn ich nicht selbstständig bin, aber meine Lehre beendet habe, muss ich mich um meine Privathaftpflichtversicherung kümmern, denn diese läuft mit dem Bestehen der Prüfung und dem damit verbundenen Schritt in die Festanstellung aus. Denn nur bis dahin war man noch über die Eltern versichert. Für den Job hilft mir die Privathaftpflicht aber natürlich nicht weiter, daher brauche ich auf jeden Fall zusätzlich eine Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherung.

Bitte dabei beachten, dass die Berufsbeschreibung der Versicherung auch tatsächlich mit den von mir getätigten Jobs übereinstimmt. Sonst gibt es spätestens im Schadensfall eine böse Überraschung. Denn was hilft mir die Berufshaftpflicht für Veranstaltungskaufleute, wenn ich aber Veranstaltungstechniker bin?

Welche Versicherungen sind in der Selbstständigkeit obligatorisch und welche optional?

Eine Versicherungspflicht besteht in diesem Bereich gar nicht, außer für die KFZ-Haftpflichtversicherung. Somit sprechen wir einfach von einer „Soll-Lösung“.

Wie schon gesagt, ist für mich eine absolut wichtige Versicherung die Haftpflichtversicherung. Alle anderen Versicherungen sind dann erst im zweiten Schritt zu beachten und natürlich muss man auch ein wenig unterscheiden, welche Tätigkeit ich ausübe. Habe ich eigenes Equipment, dann sollte ich dieses natürlich auch versichern, denn ohne Equipment kann ich auch keine Einnahmen generieren, sondern muss mir vielleicht für teures Geld Fremdmaterial anmieten – welches ich übrigens auch versichern kann und auch sollte. Das eigene und fremde, das mobile oder stationäre Equipment versichere ich übrigens über eine Elektronikversicherung, hier besteht eine sogenannte Allgefahren-Deckung. Sprich, bis auf die Vorhersehbarkeit (z. B. Vorsatz) habe ich einen umfassenden Versicherungsschutz.

Man sollte zudem kurz die Rechtsschutzversicherung erwähnen, denn eins haben wir die letzten Jahre alle gelernt, nämlich, dass gerne gestritten wird und die Menschen nicht mehr zu ihren Fehlern stehen. Wenn ich also einen Rechtsstreit habe, dann werden mir im Rahmen dieser Versicherung die Anwaltskosten bezahlt. Egal ob es durch einen Autounfall ist oder einen Streit mit dem Kunden.

Bei all den Gedanken über die Fehler und die Probleme oder Rechtsstreitigkeiten mit Dritten, sollte man aber natürlich auch seine eigene Gesundheit und sein Leben nicht vergessen. Sprich, eine Unfallversicherung macht somit sehr viel Sinn. Diese zahlt dann, wenn ich einen Unfall habe. Die meisten Versicherungen sind 24- Stunden-Deckungen, sprich diese zahlen auch bei Freizeit- oder Haushaltsunfällen. Denn wenn ich z. B. dauerhaft meine Hand oder ein Augenlicht verliere, dann werde ich meinen Beruf nicht mehr so ausüben können wie bisher. Daher ist eine angemessene Unfallversicherung schon relativ früh zu bedenken. Und jetzt fragt mich bitte nicht, was angemessen ist …

Bei so einer Vorlage müssen wir natürlich nachfragen. Christian, was ist denn eine angemessene Summe?

War ja klar. (lacht) Eine einfache Antwort wäre, dass jeder selbst entscheiden sollte, was ihm sein Leben wert ist. Aber um es richtig zu beantworten, muss man schon die persönliche Situation bedenken. Also, wenn jemand Familie und Kinder hat, muss man auch an diese denken, im Gegensatz zum Single, der die Todesfallsumme eher aussparen kann und dafür aber die Invaliditätsleistung erhöhen sollte. Meines Erachtens sollte die Invaliditätssumme die 300.000 Euro übersteigen, aber natürlich nur, wenn es die Einnahmen auch hergeben.

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Was sind die Vor- und Nachteile von den einzelnen Versicherungen?

Wenn man die Bedingungen liest oder sich beraten lässt, gibt es gar nicht so viele Nachteile. Wichtig ist eben, dass ich die Ausschlüsse und die sogenannten Obliegenheiten kenne. Das sind die Auflagen der Versicherer, wann der Versicherungsschutz greift und wann nicht. Ein offensichtlicher Nachteil besteht darin, dass Versicherungen natürlich Geld kosten und meine Einnahmen reduzieren. Auf der anderen Seite bin ich natürlich abgesichert, dass zumindest kein riesiger, ungeplanter Fall auftreten kann. Hier jetzt alle Vor- und Nachteile zu allen Versicherungen aufzuzählen, würde das Format komplett sprengen.

Wie sehen die Haftungsfragen als Selbstständiger aus? Worauf ist zu achten?

Ganz einfach: Wer anderen einen Schaden zufügt, muss diesen ersetzen. Also, mache ich was kaputt, muss ich dafür bezahlen. Umständlicher formuliert, findet man diesen Text im BGB §823. Natürlich gibt es noch einige andere spannende Paragrafen, aber das ist der wichtigste. Wichtig ist, dass man durch Verträge seine Haftung einschränkt oder klar definiert. Wir stellen leider oft fest, dass die AGBs nicht gelesen werden. Zum Beispiel, man mietet sich irgendwo Equipment, einen Saal, einen Stapler und unterschreibt einfach einmal so, ohne zu wissen, dass man nun für sämtliche Schäden an dem Mietgegenstand haftet. Wie in der Branche üblich, ist der unterschriebene Vertrag eh schon traumhaft, meist passiert alles per Telefon. Schon hat man die Haftung, auch für Schäden durch Wetter, Besucher usw. an der Backe. Also, auch hier vorher einmal kurz die Zeit nehmen und sich die ganzen Sachen ansehen, spart viel Ärger. Klingt komisch, ist aber so.

Worauf muss man bei Abschluss einer Versicherung prinzipiell achten?

In erster Linie, dass ich auch das bekomme, was ich mir erwarte. Nur was drauf steht, ist auch drin. Also, wenn ich eben Veranstaltungstechniker bin, muss das sich auch in der Beschreibung wieder finden. Und dann passt eben eine Privathaftpflicht nicht und auch keine Versicherung für einen Veranstaltungskaufmann. Wichtig ist daher das Vertrauen zum Versicherungsmenschen seiner Wahl und ich als Spezialist kann natürlich nur sagen, dass man auch zu einem spezialisierten Unternehmen gehen sollte. Denn die wissen auch mit Begriffen wie Rigging, Traversen, Genies etc. umzugehen. Das sind für die Wald- und Wiesenagenten einfach nur Fremdwörter. Und, der Gang zum Spezialisten ist meist sogar noch günstiger.

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Ihr seid ein Spezialmakler, was kostet mich denn euer Service bzw. generell der Service über Makler?

Nichts direkt. Es ist also nicht so, dass zu den Prämien noch x-Prozent an Provisionen oder Courtage hinzukommen. Wir werden durch die Versicherer bezahlt. Also, keine versteckten Kosten für die Kunden.

Welche Versicherungen sind auch als Angestellter in der Veranstaltungstechnik sinnvoll?

Das Thema Betriebshaftpflicht fällt schon einmal komplett weg, da ich als Angestellter über die Firma versichert bin. Zum einen bei Schäden durch mich, aber zum anderen auch, wenn mir etwas passiert, sprich, dann bin ich über die Berufsgenossenschaft versichert. Ich sollte mir aber trotzdem Gedanken machen, ob ich mich gegen einen Unfall versichere und auf jeden Fall auch in Bezug auf Berufsunfähigkeit oder Tod.

In der heutigen Zeit sind die jungen Leute gewohnt, dass alles per Internet abgewickelt wird, gibt es das schon?

Ja und nein. Wir kennen derzeit nur einen Spezialisten, der derartige Risiken auch über das Internet anbietet und wirklich den kompletten Abschlussprozess darüber macht, bis hin zur Verwaltung der eigenen Verträge. Das ist aber nur eine Ergänzung zum Abschluss per Telefon, Telefax, Termin oder E-Mail. Jeder sollte seinen eigenen Weg wählen und es wäre ein Fehler, dass man den Kunden dies vorgibt.

Bindet man sich bei den Verträgen auf lange Zeit?

Nein, im Normalfall werden Verträge auf ein Jahr abgeschlossen, nur selten findet man längerfristige Verträge. Die sind dann meist für den Vermittler und seine Bezahlung optimiert, nicht aber für den Kunden.

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