Classics-Special

Wiener Burgtheater: Neue Tontechnik mit zwei SSL-T-Pulten

Bei der Erneuerung der Tontechnik im Wiener Burgtheater wurden nicht nur die Mischpulte ersetzt, sondern die gesamte Infrastruktur erneuert. Voraussetzung für den Erfolg: Eine genaue Analyse der modernen Workflows in der Tontechnik und eine vorausschauende Planung

Pult in der Hauptregie
Tonchef Müllner am Pult in der Haupt-Regie (Bild: Reinhard Maximilian Werner)

Das Wiener Burgtheater gilt im deutschsprachigen Raum als das renommierteste Sprechtheater. 2017 wurde nun die tontechnische Infrastruktur erneuert, seitdem kommen auch zwei neue SSL-Pulte zum Einsatz. Die gesamte Modernisierung erfolgte unter Einhaltung eines strikten Kostenrahmens und in nur sechs Wochen Bauzeit.

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Nationaltheater mit breit aufgestelltem Spielauftrag

Das Burgtheater, zweitältestes Sprechtheater Europas nach der Comédie-Française in Paris, gehört mit sieben anderen österreichischen Spielstätten der Theaterorganisation „Österreichische Bundestheater“ an, die von der Bundestheater Holding GmbH geleitet wird. Die Holding befindet sich zu 100% im Eigentum des österreichischen Staates. Das Burgtheater steht im Rang eines Nationaltheaters und hat damit einen breitgefächerten Spielauftrag: von unverstärkter Stimme mit wenigen Einspielungen bis zu elektronisch geprägter Avantgarde-Produktion mit über 90 Input-Kanälen. „Als Repertoiretheater spielen wir ohne Ausnahme an sieben Tagen die Woche, vom 1. September bis 30. Juni durchgehend (Ausnahmen: Weihnachten und Karfreitag). Bei über 15 Premieren pro Jahr allein im Burgtheater – das Akademietheater, das Kasino am Schwarzenbergplatz sowie vier externe Probebühnen gehören ebenfalls zu den verantworteten Spielstätten – stellt dies an die Tonmannschaft und die verwendete Technik große Anforderungen“, erklärt Tonchef Müllner.


Tontechnische Anfänge: Vom Schrei-Duell zur 2-Pult-Lösung

In den 80er Jahren wurden sämtliche Ton-Einspielungen bei Theateraufführungen im Burgtheater Wien über ein SiemensMischpult und vier Bandmaschinen aus einem optisch und akustisch getrennten Nebenraum abgewickelt – dem heutigen Tonstudio. Die Anbindung an das Bühnengeschehen geschah über einen Fernsehmonitor. „Das hat immer wieder zu Schrei-Duellen zwischen Regisseuren und Technikern geführt“, schmunzelt David Müllner, Gesamtleiter der Ton & Mul timediaabteilung, „aber das war lang vor meiner Zeit, die 2003 für mich hier begann“. In der Ära von Intendant Claus Peymann setzte sich in den 90er Jahren die Einsicht durch, dass eine akustische Anbindung der Tonregie an den Publikumsraum nicht mehr weiter abgewehrt werden dürfe – ein Epochenwandel wie bei der Medizinentwicklung vom 19. ins 20. Jahrhundert.

Die Tonregie zog nun in eine Publikumsloge im ersten Rang des Zuschauerraumes um. Das läutete den nächsten technologischen Schritt ein: den Wechsel auf ein TOA-Pult, eines der ersten Digitalpulte überhaupt. Seine zwei hohen 19-ZollRacks erinnerten an die Architektur zentraler Großrechner. Alle Signale aus dem Haus wurden analog oder per AES/EBU (2-kanaliges Digitalsignal per 3-pol-XLR) zu den Racks geführt und von da erneut in den gleichen Formaten zurück im Haus verteilt. Es konnte damals unglaubliche 256 physikalische In- und Outputs verwalten und hatte DSP-Kapazität, um gleichzeitig über 90 Input- und 80 Output-Kanäle zu bearbeiten. 2012 wurde der Service für dieses Pult eingestellt. Seither war die Frage „Wie lange funktionieren die Signalwege noch?“ ein täglicher Begleiter bei der Arbeit. Zeitgleich wurden die Produktionen von neuen tontechnischen Ansprüchen gekennzeichnet. Funkmikrofon-Einsätze begannen im großen Stil und elektronisch zu verstärkende Musikensembles auf der Bühne kamen in Mode. Das Mischen dieser komplexeren Signalzusammenhänge aus der akustisch an den Publikumsraum de facto nur halb angebundenen Tontechnik-Loge erwies sich erneut als unbefriedigend („Underbalcony-Phänomen“). Deshalb wurde nun ein echtes, dem TOA vorgeschaltetes FOH-Pult eingerichtet. Zuerst in Form eines analogen Midas-Mischpultes und schließlich mit einem digitalen Yamaha DM 2000. Damit war die Idee des „2- Pulte-Anspruches“ geboren und sollte später als Grundlage für die Ausschreibung dienen: Ein Pult für klassische Zuspiel-Arbeit aus der Loge, ein zweites systemunabhängig als FOH für Live-Mischungen aus dem Saal. 2015 wurde den Etat für ein neues Tonsystem beschlossen, Startschuss für das Team des Hauses, mit der aktuellen Planung zu beginnen. Eine interne Planung – kein Planungsbüro? Tonchef Müllner lacht: „Wir wollten selber ausbaden, was wir geplant haben! Nein, ohne Scherz: Keiner weiß so gut, was das Haus braucht, wie die Kollegen von der Tonabteilung selbst!“

Ausschreibung der Audio-Infrastruktur

Ende 2016 wurde die öffentliche Ausschreibung durch das Tontechnik-Team des Hauses fertiggestellt und europaweit veröffentlicht. Es kam zur Angebotslegung von drei Installationsfirmen mit vier Mischpultprodukten. Unabhängig vom Ausschreibungsvorgang recherchierte die Tonabteilung den Markt. Die Forderung, auf einen zweiten DSP umschalten zu können, hatte den Kreis der möglichen Produkte deutlich eingeengt. Es wurden dutzende Gespräche mit allen relevanten Herstellern auf Fachmessen und bei Hauspräsentationen vor Ort im Vorfeld geführt. Die Ausschreibung bein haltete nicht alleine die Lieferung von Mischpulten. Die Erneuerung der gesamten Toninfrastruktur war ein wesentlicher Teil der geforderten Leistungen: Neuaufsetzen aller Verstärker-Racks: Einbau der bestehenden Verstärker (90% d&b) in Racks samt Neuverkabelung (Strom, Eingang, Last, Remote), Neuaufsetzen der Zuspieler-Racks in gleicher Weise, Installation von redundanten Netzwerkswitches samt GerätePatchfeldern und Input-/Output-Wandler-Modulen für neun Anschlussstellen im Haus, digitale Anbindung aller Komponenten (Zuspieler, Funkmikrofone, Amps, Outboard-FX), Erhalt der analogen Verkabelungsinfrastruktur als „Second Unit“, redundantes Audionetzwerk mit VLAN-Separationen, zweiter DSP für eines der beiden Pulte samt manueller DSPUmschaltung auf dem Pult und ein System zum gleichzeitigen Betrieb zweier Pulte an allen Lautsprecherkreisen. Dieser letzte Punkt ist ein Schritt in eine neue Dimension, denn die geforderten zwei Pulte sollten möglichst völlig unabhängig voneinander agieren können mit Ansteuerung der gleichen Beschallungskreise, als FOH/Mon-Konfiguration fungieren und jeweils einzeln durch eine Remote-Zusatzeinheit von einer beliebigen Stelle aus im Haus fernbedienbar sein („einfache Spiegelung“).

„Nach Prüfung der Angebote nach dem Best-Bieter-Prinzip und Auswertung nach Punkten aus dem im Vorfeld erstellten Evaluierungskatalog lieferte die in Wien beheimatete Firma Klangfarbe von Christian Eibl das beste Gesamtkonzept im Bezug auf die Ausschreibung“, so Tonchef Müllner. Der finale Zuschlag erfolgte im März 2017, sofort danach startete die Detailplanung des Projektes. Damit einher fiel auch die Entscheidung, das gesamte Audiosystem des Burgtheaters kompromisslos auf Dante-Netzwerktechnik aufzubauen. Das SSL-T-System, welches mit der Beauftragung der Firma Klangfarbe den Zuschlag erhielt, war dabei das einzige große Mischpultsystem am Markt, das für die Audioübertragung selbst 100% auf Dante setzt, die Console selbst ist eigentlich nur ein „Teilnehmer“ des Dante-Netzwerkes, die Netzwerk-Stageboxen von SSL und alle anderen angeschlossenen Geräte sprechen alle Dante. Es ist damit das alleinige Audioübertragungsprotokoll im Haus. Dies eröffnet viele Möglichkeiten in einem dezentralen und skalierbaren Audiosystem, welche durch herkömmliche proprietäre Übertragungsprotokolle oder Timeline-basierte Formate (MADI) nicht oder nur sehr schwer, technisch aufwändig und teuer realisierbar gewesen wären. Einen Plan des Signalflusses bekomme wir hier in DIN A2 schwer abgebildet – er findet sich daher auf unserer Website unter www.production-partner.de (Suchbegriff „Burgtheater“).

Sechs Wochen Bauzeit

Von Anfang Juli bis Mitte August 2017 ging es an die konkrete Umsetzung: Die alte TOA-Mischpulttechnik wurde ausgebaut und abtransportiert und im Anschluss die Tonregie einmal grundlegend renoviert. Im Serverraum wurde die veraltete Zwischendecke herausgenommen, um mehr Luftzirkulation zu ermöglichen. Außerdem wurden Zwischenwände und Türen eingesetzt, um einen einsehbaren, aber akustisch getrennten Regieraum zur Platzierung aller geräuschintensiven Geräte zu schaffen. Für das mobile Saalpult wurde extra ein Mischpultgestell angefertigt, Elektroarbeiten führte die hauseigene Elektroabteilung selbst durch. Es mussten Signalwege angebunden, Pulte und Netzwerke installiert und alle Racks neu aufgesetzt werden. Die analoge Infrastruktur wurde als zusätzliche Ebene im ganzen Haus gesichert und auf XLR-Patchfeldern aufgeführt. Außerdem wurden die Anschlussfelder und Processor Engines im zentralen Rechnerraum neuinstalliert. Dann erfolgten Programmierung, Dokumentation, Inbetriebnahme und Endabnahme.

Hilfreich: Projektmanagement und eine bestehende Glasfaser- und Netzwerk-Infrastruktur

Die Arbeit für ein Ausschreibungs-Offert dieser Art beginnt mit der Entscheidung, welches Gerät an welchem Ort technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Diese Verantwortung trug Klangfarbe-Projektleiter Martin Plötzeneder. „Die Zusammenarbeit mit ihm vor Ort war ausgezeichnet. Bei aktuellen Fragen konnten wir eine Entscheidung immer gemeinsam und sehr zeitnah treffen“, resümiert Müllner. Die Fertigung der Steckfelder, Kabelbäume und den Neubau der Racks hat Klangfarbe an die Firma Rautschka Audio von Alexander Rautschka übertragen, Thomann Professional wurde mit Rolf Nebel für die technische Abstimmung in Fragen zum Systemdesign hinzugezogen. Zu danken ist laut Tonchef Müllner und Projektleiter Plötzeneder auch dem Chef von SSL Österreich, Mario Reithofer, für seine technischen Inputs während des Projektes.

Hätte die Burgtheater-Tonabteilung von David Müllner nicht vorausgeplant und durch die hauseigene Elektroabteilung in den Vorjahren schrittweise die Glasfaser- und Netzwerk- Infrastruktur im ganzen Haus komplettiert, wäre der Umbau in sechs Wochen sicher nicht machbar gewesen. Voraussetzung für die Durchführung dieses Projektes war eine in den Jahren davor durchgeführte Bestandserfassung der gesamten Ton-Infrastruktur und eine umfangreiche und in vielen Abteilungsbesprechungen konkretisierte Vorplanung. Diese Unterlagen lieferten die Grundlage für die Vorinstallation der gesamten Netzwerk- und Glasfaserinfrastruktur, dem zu verfassenden Ausschreibungstext als auch für die nach dem Zuschlag sofort begonnene Detailplanung mit dem Lieferanten. Manfred Gruber und Stefan Hirm waren mit Müllner maßgeblich an den viele Monate dauernden Planungsarbeiten beteiligt.

Dante-Diagramm
Die Dante-Vernetzung des Burgtheater Wien – hier als PDF (Bild: Klangfarbe)

Neue Ton-Architektur: Redundantes Netzwerk

Insgesamt neun Anschlussstellen im Haus sind sternförmig über ein redundantes Dante-Netzwerk verbunden. Diese neun Eingabe- und Ausgabe-Stellen für Tonsignale sind dazu doppelt mit kleineren (zehn Ports) oder größeren Switches (20 Ports, Cisco SG 300-Serie) bestückt, die auch die Signalwandlung von CAT auf Glasfaseranschlüsse (SFP-Ports) für die langen Strecken zwischen den Anschlussstellen übernehmen. In der Mitte des Sternes sitzen zwei zentrale Switches, über die die Glasfaserleitungen aller neun Stellen verbunden sind. Verwendet wird in den Glasfasern das einfacher aufgebaute Multimode-Protokoll (im Gegensatz zum aufwändigeren Singlemode-Protokoll). Die damit einhergehende kürzere Reichweite ist für dieses Projekt vollkommen ausreichend.

„Ein streckenaufwändigeres, ringförmiges Netzwerk im Vergleich zu unserem Stern-Netzwerk wäre aus denkmalschutztechnischen Gründen hier nicht machbar gewesen“, erklärt David Müllner. Martin Plötzeneder ergänzt, dass der SternVorteil die Trennbarkeit einzelner Komponenten ohne Verlust der Betriebsfähigkeit sei und die Stern-Form vom Dante-Entwickler Audinate auch als Standard-Netzwerk-Form empfohlen würde.

Stabile Latenz, Maximum von drei Hops

Die längste Dante-Strecke durch das System geht durch drei Switches: Ein erster Switch an der Eingangsstelle, der Zweite ist der zentrale (Core-) Switch, der Dritte befindet sich an der Ausgangsstelle. Passieren die Signale maximal drei Switches („drei Hops“), lässt Dante seine zweitniedrigste Latenz-Stufe von 250 Mikrosekunden zu. In einem Dante-Netzwerk können weitere unterschiedliche Latenzen in verschiedenen Netzwerkbereichen eingestellt werden. Damit lässt sich Rücksicht auf langsamere Geräteteilnehmer nehmen. Die einstellbare Latenz reicht dabei deutlich über mehr als eine Millisekunde. „Das war aber in dieser Anwendung nicht erforderlich. Zudem macht es das System übersichtlicher, wenn in allen Bereichen die gleiche Latenz eingestellt ist. Die Standardlatenz von einer Millisekunde war für alle Dante-Geräte vollkommen ausreichend“, so Projektleiter Plötzeneder und Müllner fügt an: „Nach Abschluss des Projektes führten wir eine unabhängige Latenzmessung durch. Sie sollte einen gemeinsamen Überblick geben über die Gesamtlatenz der Dante-Plattform und der SSL-Systemkomponenten. Bei Einbeziehung der AD-Wandler am Systemeingang und der DAWandler am Ausgang lagen die Ergebnisse zwischen 3,7 und 3,8 ms. Das ist also die Latenz für den Durchlauf eines analogen Signals. Interessanterweise fiel auf, dass sich diese Zeiten in Bezug auf die Anzahl der in der SSL-Konsole aktivierten Effekte nicht änderten. Es spielte keine Rolle, ob wir überhaupt keinen Effekt oder sämtliche Effekte aktiviert hatten. Klammerten wir die AD- und die DA-Wandler in der Messung durch Anspeisung der AES/EBU-Signal-Ein- und Ausgänge aus, verringerte das die gemessene Latenz nur um wenige Mikrosekunden. Mit anderen Worten: die Durchlaufzeiten der Audiosignale werden synchronisiert, egal welchen Processing-Pfad sie durchlaufen.“

Aufgabentrennung über VLAN-Programmierung und Zusatz-Netzwerk

Im beschriebenen Netzwerk sind die Switches auf drei VLANs (Virtuelle Lokale Areal Netzwerke) programmiert:

  • VLAN 1: Dante Protokoll
  • VLAN 2: SSL-Steuerprotokoll zwischen Console und DSP (OCP – Optimal Core Processing)
  • VLAN 3: SSL-Fernsteuer-Software für PC (T-Solsa) und Switch-Programmierung (= interne Konfigurationsebene)

Zusätzlich gibt es aus dem Altbestand ein weiteres physikalisch getrenntes Netzwerk: für den Datenaustausch (z. B. Zuspieldaten) zwischen Rechnern, zur Fernüberwachung der Sennheiser-Funkstrecken und zur Fernüberwachung der d&b-Controller.

Pult-Fernsteuerung ohne Tablet, stattdessen Fader

Ein PC-Tablet könnte für Remote-Zwecke eingesetzt werden, aber der Wunsch der Toncrew war, beim Fernsteuern fühlbare Fader unter den Fingern zu haben. SSL bietet einen Fader-Wing mit 16 Fadern auf USB-Anschluss an. Der Fader-Wing ist inklusive aller weiteren Schalter, Taster und Anzeigen baugleich mit den in den Konsolen verbauten 16erFader-Bänken. Auf einem Touch-PC läuft die Remote-Software, angezeigte Werte auf dem Bildschirm lassen sich per Touchscreen anwählen und verändern, genauso wie auf den Bildschirmen der Konsole.

Über den Netzwerkanschluss des PCs werden die Steuerbefehle in SSLs OCP-Format zur Konsole geschickt. So lässt sich ein beliebiger Teil der Konsole auf der Remote-Einheit spiegeln. „Die Remote Einheit kann überall dort, wo eine Netzwerkbuchse zu einem der neun Netzwerkanschlusspunkte führt, angeschlossen werden – also fast überall im Haus“, erläutert David Müllner.

Remote-Faderwing
Remote-Faderwing mit Touch-PC und Dante Phones-Modul (Bild: Wolf-Christoph Müller)

Fünf verschiedene Input-/Output-Modultypen von SSL und Yamaha

SSL- und Yamaha-Module gemischt? Ja, das geht, denn Dante ist das Audio-Übertragungsprotokoll der T-Serie. Somit steht den Anwendern der gesamte Markt an Dante-Produkten zur Verfügung. Im Haus sind fünf große Anschluss-Module von SSL (SB32.24) mit 32 analogen Mic/Line-Ins / 16 analogen Outs / vier AES/EBU Ins / vier AES/EBU-Outs fix verbaut. Fliegend können zwei mobile Stagebox-Einheiten mit je einem Anschluss-Modul von SSL (SB 16i) mit 16 analogen Mic-/Line-Ins und einem Anschlussmodul von Yamaha (RiO8) mit acht analogen Outs zum Einsatz kommen.

An der zweiten mobilen Saalkonsole befinden sich zwei Anschlussmodule von SSL (SB 8.8) mit je acht analogen Mic-/Line-Ins und acht analog Outs – in Summe also 16 Ins und 16 Outs. Um zusätzliche digitale Anschlüsse und LineOutputs (Zuspieler oder Outboard-Effekte) abzugreifen, die Verstärker digital anzusteuern und einen anderen Teil der Zuspieler-Signale per ADAT übernehmen zu können, sind im Haus fünf Anschluss-Module von Yamaha (RSio 64 D) mit den entsprechenden analogen und digitalen Karten bestückt. Müllner: „Wir haben neben den digitalen auch die analogen Outputs der Mikroportempfänger angebunden, um unterschiedliche Workflows und einen zusätzlichen unabhängigen Abgriffspunkt für externe Dienstleister (TV, Radio) zu ermöglichen.“ Im Tonstudio sind der dortige PC und das Yamaha DM1000-Pult ebenfalls mit einer Dante-Karte in das Gesamtnetzwerk eingebunden. Auf dem PC können jeweils 64 Kanäle von beiden Pulten in beliebiger Zusammenstellung aufgenommen und auch in beide Pulte wieder zurückgespielt werden (virtual soundcheck).

Getrenntes Arbeiten auf den Konsolen – gemeinsamer Zugriff auf Lautsprecher

Aus der früheren Zeit, als ein DM 2000 im Saal als FOH dem TOA-Pult in der Tonregie vorgeschaltet war, entstammte der Wunsch, auf zwei Pulten vollkommen unabhängig arbeiten zu können. Beispielsweise soll im Saal mit dem zweiten mobilen Pult eine Probe betreut werden, während auf dem ersten, fixen Pult in der Tonregie für eine andere Produktion noch schnell ein neuer Zuspiel Sound in die bestehende Szenenabfolge eingefügt wird. In einer Probenpause soll der Sound über die Beschallung zur Kontrolle probegehört werden. Oder beide Pulte werden für eine aufwändige Produktion gleichzeitig verwendet. Da der Zugriff auf alle Inputs und Outputs gleichzeitig gegeben und die Mischpultoberfläche und Struktur beider Pulte absolut identisch ist, erhält der Anwender ein mächtiges und äußerst flexibles Audiowerkzeug. Die Showfiles können auf jedem der beiden Pulte erstellt, editiert, gespeichert und weiterverarbeitet werden, und das ohne umpatchen der I/Os oder eine sonstige eine Änderung. Möglich ist dies durch die Netzwerkarchitektur und die Verwendung von Tielines. Bei Tielines handelt es sich um programmierbare Mischpultpfade, die auf der Mischpultoberfläche nicht erscheinen.

Projektleiter Plötzeneder wählte eine beiden Pulten nachgeschaltete Mischmatrix (Converge Matrix von ClearOne), die 88 Ausgänge des ersten und 88 Ausgänge des zweiten Pultes zu 88 Summenausgängen für die derzeit 88 Beschallungswege des Burgtheaters zusammenmischt. Die Matrix gibt es aus Sicherheitsgründen ebenfalls doppelt, ein proprietäres (nur von diesem Hersteller verwendetes) Protokoll kümmert sich um die Umschaltung („G-Link“ via RJ45). Der Umschaltepunkt liegt hinter dem Dante-Netz, sodass jedes Pult seinen Dante-Output-Patchpunkt so sieht, als gäbe es gar keine Signalzusammenführung (Virtual Tie Lines).

Engine-Umschaltung per Knopfruck

Eine ebenfalls eminent wichtige Anforderung an die Audiobetriebssicherheit war, eine 2-DSP-Lösung für das Hauptpult in der Tonregie umzusetzen. Dazu haben beide Processor Engines alle Signale parallel zu sehen und zu rechnen. Im Falle eines Betriebsfehlers haben die Anwender eine Fehlermeldung zu erhalten und bestimmen persönlich den Umschaltzeitpunkt, an dem von einer Processor Engine auf die andere Engine umgeschaltet wird.

Im Falle von SSL wurde für die Signalverteilung auf die zwei Processor Engines (Tempest T 80) ein Zusatzgerät mit einer Höheneinheit entwickelt (Dante HC-Bridge), das intern nochmals redundant aufgebaut ist. Die Funktion zur manuellen Umschaltung (Taste Redundancy) befindet sich auf der Konsole in der Mitte der Center-Sektion. Nach einer Umschaltung sieht die Console ihren Prozessor so, als hätte es keine Umschaltung gegeben.

Eine Processor Engine kann 800 Processing-Kanäle gleichzeitig bedienen, also rechnen. Als ein Processing-Kanal gilt ein Input oder ein Output-Mix. Die maximale Anzahl der Output-Mixes liegt bei 192. Der Output kann ein Mono-Mix oder ein 5.1.-Mix sein. Die Latenz gibt SSL mit einem Sample an. Bei 96 kHz entspricht das 0,01 Millisekunden. Genauer betrachtet arbeiten in den Tempest T80 als rechnende Maschinen keine DSPs, sondern zwei CPUs. Eine CPU für Steuerung und Anzeige, die andere für die Audioberechnung.

Traditionell hohes Sicherheitsbewusstsein beim Audio-Strom

Das Burgtheater ist in der glücklichen Lage, für die Audio-Verstromung bereits traditionell über eigene Abgänge ab der Niederspannungsstation zu verfügen. Die Niederspannungsstation transformiert als letztes Glied der Hochspannungskette die Spannung von 3 × 10 (20) kV herunter auf 3 × 230 V. Eigene Abgänge zu haben ist die effektivste Art, sich vor Beeinflussungen des Netzes durch andere Gewerke zu schützen, wie Oberwellen-Rückstreuung ins Netz durch konventionelle Dimmer ohne effektive Netzfilter. Bei den redundanten Dante-Geräten versorgt Phase L1 alle Primary-Network Geräte und L2 alle Secondary-Network-Geräte. Jede Lautsprechergruppe wird von Verstärkern angesteuert, die auf mehrere Phasen verteilt sind. Fällt eine Phase aus, so mündet das in keinen totalen Funktionsausfall einer Lautsprecher-Gruppe. Das Processor-Engine-Rack und die Zuspieler-Rechner sind USV-gepuffert. Das wird demnächst bei den Konsolen nachgerüstet. Dann ist das Prinzip umgesetzt: Alles, was nach einem Stromausfall nicht innerhalb von zwei Sekunden wieder betriebsbereit ist, wir über eine USV versorgt.

Entscheidungen für den System-Überblick

Für die Beibehaltung der Übersicht in einem großen System sind zwei Grundsätze zu berücksichtigen: 1. Namensgebung aller Geräte mit einem unverwechselbaren Begriff und 2. Beibehaltung der Namensgebung über alle Signal-Instanzen hinweg. In diesem Sinne wurde entschieden, eine manuelle IP-Adressen-Vergabe der Geräte durchzuführen statt einer automatisierten Vergabe durch einen DHCP-Server. Damit spiegelt sich die logische Gruppierung der Geräte auf der Ebene der IP-Adressen-wieder. Geräte aus der gleichen Gerätegruppe erhalten IP-Adressen, die bis auf die letzte Zahlenstelle ident sind. Zum anderen wurde eine Begriffs-Struktur für alle Inputs und Outputs gewählt, die von der Hardware (z. B. Patchfeldern) über die Dante-Architektur bis zu den Pult-Eingängen (bzw. Ausgängen) begrifflich ident ist.

Die Entscheidung, auf welchen Bildschirmen in der Tonregie welches Signal zu sehen ist, sollte variabel bleiben. Ein kleiner Rechner steuert drei externe Bildschirme, die über dem Pult platziert sind. Ein spezieller Switch (KVM) schleust externe Bildsignale in das Pult ein. So lassen sich auch auf den Bildschirmen des Pultes das Bild der Dirigenten-Kamera, einer Aufnahme-Software (DAW) oder der Zuspiel-Software (Ableton Live) anzeigen.

Redundanzen gibt es an vielen Stellen:

  • bei den Netzteilen (Pulte, Engines, Mischmatrix, Engine-Umschalter, Stageboxen)
  • für die Engine des Hauptpultes
  • bei den Konsolen selbst: Saal und Tonregiekonsole bestehen aus zwei identischen Faderbänken (Fader-Tiles) mit je einem Touchscreen
  • im Dante-Netzwerk (Primary/Secondary-Network)
  • bei der Stromversorgung kritischer Gerätebereiche (Pufferung mit USVs)
  • bei den Zuspielungen durch Starten zweier Abspiel-Rechner gleichzeitig
  • durch den Erhalt der analogen Hausleitungen als „Second Unit“

Impressionen von den T-Serie-Pulten

Zwei Pulte der größeren 500er-Serie werden im Haus in Form eines fixen Pultes in der Tonregie und eines komplett identisch ausgestatteten mobilen Pultes im Zuschauerraum betrieben.

Tontechnik im Zuschauerraum
Mobiles Pult im Zuschauerraum (Bild: Reinhard Maximilian Werner)

Die zwei Bildschirme und die Fader-Tiles haben das gleiche Einbauformat. Auch die beiden üblicherweise oben und unten eingebauten und halb so breiten Center-Sektionen las sen sich nebeneinander angeordnet zu einem Modul gleicher Größe wie Fader-Tile und Bildschirm gestalten. So können die Anwender entscheiden, ob ein klassisches Design entstehen soll, oder die Center-Sektion komplett oben angesiedelt wird und unten mehr Raum bleibt für eine weitere Faderbank. Also: mehr Kanäle gleichzeitig regelbar contra die untere Center-Sektion im leichteren Zugriff. Eine Meterbridge im Ausmaß der gesamten Pultbreite ist als Option vorgesehen. Die Burgtheater-Pulte wurden ohne zusätzliche Meterbridge bestellt, damit die drei TouchScreens über dem Pult in der Tonregie tiefer angeordnet werden können und die Sichtbehinderung für die Tontechniker durch heute leider in Mode gekommene viel zu hohe Pultaufbauten (und für das Publikum beim mobilen Pult im Saal) gering gehalten wird.

Viel Platz zwischen den Bedienelementen, einfache Wortwahl bei der Beschriftung, sanfte Farben: das Pult stellt sich unaufgeregt vor und lässt seinen neuen Anwendern Zeit zum Verstehen. Digitale Broadcast-Pulte waren ja unter den digitalen Pulten die ersten, die keine digitalen Kopien analoger Pulte mehr sein wollten. Künstliche Lichtschatten und Spiegelungen auf Bedienelementen in der Bildschirmanzeige zur Imitation der fehlenden physikalischen Haptik wurden weggelassen, genauso, wie die Anordnung der Bedienelemente in analoger Channel-Strip-Optik. Nicht einmal ein physikalisch abgegrenzter Bereich für alle diese restlichen Channel-Strip-Parameter konnte sich in diesem Design-Upgrade erhalten. Bei der T-Serie wirken die Bildschirmdarstellungen und die Regleroberfläche in dieser Hinsicht geradezu nüchtern. Das balanciert die technische Wucht eines so komplexen Instrumentes auf angenehme Weise aus. Keine unbekannte Vorgehensweise, hier auffallend gut gelungen.

Gain-Compensation, Kanalzüge, EffektSektion

Beim Betrieb zweier Pulte an einem Eingangs-Wandlermodul kann pro Kanalzug festgelegt werden, welches der Pulte die Gain-Compensation übernimmt. Die Gain-Compensation funktioniert folgendermaßen: Wird der analoge Gain auf dem 1. Pult um z. B. 3 dB erhöht, kompensiert der zweite (digitale) Gain im gleichen Kanalzug auf dem 2. Pult dies mit einer automatischen Verringerung um 3 dB. Eine unerwünschte Pegelerhöhung auf dem 2. Pult wird damit unterbunden. Gibt es z. B. „hot-channels“ für das FOH-Pult und andere „hotchannels“ für das Monitor-Pult, bekommt jedes Pult für diese individuellen Kanäle den Zugriff auf den analogen Gain. Auf dem jeweils anderen wird die Gain-Compensation eingeschaltet.

Die Reihenfolge der Signalstufen (EQ, Compressor, Gate etc.) eines Eingangs- und Ausgangs-Kanalzuges lässt sich beliebig verändern. Eingänge und Ausgänge sehen bzgl. der Anzeige-Architektur auf der Pultoberfläche gleich aus. Die Reihung der Kanäle innerhalb eines 16er-Layers kann per Drag and Drop am Touchscreen verändert werden. Das „Virtuelle Effekt-Rack“ bietet 96 Effekt-Plätze („Slots“), in einem Slot können 12 einfache Effekte (z. B. dynamische EQs) oder ein komplexer Effekt (z. B. Immersive Sound 7.1.4) betrieben werden. Die T-Serie ist für einen Mix in diesem Format ausgelegt, so SSL. In der Effekt-Auswahl befinden sich EQs, Compressoren, Gates, Denoiser, Enhancer, Delays, Reverbs und Analysetools. Ein Deesser befindet sich ebenfalls in dieser Auswahl und standardmäßig im Kanalzug.

Fader-Tiles, Sends-On-Fader

Die Bedienelemente eines physikalischen Kanalzuges von unten nach oben sind: PFL-Taster, Farbbalken, Fader mit daneben liegender Meter-Anzeige, Mute-, Select-, AFL- und Q(uery)-Taster (siehe weiter unten), ein weiterer Farbbalken und das Anzeigefenster. Darüber schließlich ein Encoder (frei belegbarer Unendlich-Drehregler) mit drei Tasten. Alle Enco der auf der Console haben zudem einen Taster integriert: wird der Drehregler gedrückt, löst das fallweise eine neue Funktion aus. Vier Layer-Umschalt-Tasten befinden sich rechts neben den 16 Fadern. Im Pult kann zum schnellen Aufruf eine große Zahl an Belegungsversionen für diese vier Tasten vorbereitet werden und mittels einer Bediensektion oberhalb der Layer-Umschalt-Tasten abgerufen werden.

Ein Großteil der Sends-On-Fader-Funktionalitäten wird über die Q(ery)-Tasten abgewickelt. Bei Aktivierung der Sends-On-Fader-Funktion nehmen die Fader die Stellung der Aux-Regler eines vorher angewählten Aux-Mixes an. Das ermöglicht einen schnellen Überblick über die eingestellten Reglerwerte. Angenommen, dass auf der linken Faderbank Inputs und auf der rechten Faderbank Outputs angewählt sind. Mit einer an einem Input gedrückten Q(ery)-Taste lässt sich über die Stellung der Output-Fader ablesen: „Wo überall gehe ich hin?“ Mit einer an einem Output gedrückter Q(ery)-Taste lässt sich über die Stellung der Input-Fader ablesen: „Von wo überall kommt etwas hierher?“ Dabei nehmen die Motorfader die Stellung ein, die dem jeweiligen „Absende“-Wert vom Input in diesen Mix entspricht.

Fader-Tile
16er-Fader-Tile mit Bediensektion über den Fadern, darüber der untere Rand eines Touch-Screens (Bild: Reinhard Maximilian Werner)

Center-Sektion

In der „unteren“ Sektion befindet sich links ein frei belegbarer Fader (FocusFader), der den Fader eines selektierten Kanalzuges spiegelt im Sinne einer zentralen Channelstrip-Topologie. Er lässt sich alternativ einem Kanal fix zuordnen und agiert dann losgelöst von der Select-Funktion der Kanäle. Rechts daneben liegen die Tasten für die Szenen-Automatisation, daneben als senkrechte Reihe die zehn Mute-Groups. Der 2. Fader rechts im Anschluss (MainFader) ist vorgesehen für die Bedienung eines Master-Mixes, er kann allerdings genauso wie der Focus-Fader einem Input-Kanal zugeordnet werden. Ganz rechts liegen untereinander fünf Encoder mit Anzeigen, die ganz rechts oben auf verschiedene Funktionalitäten umgeschaltet werden können. Mittig halb und ganz oben liegen die Bedienfelder für die Haupt-Abhöre (Control Room Monitoring) und vier weitere frei konfigurierbare Abhör-Ausgänge (Studio Monitor Outputs).

In der „oberen“ Sektion ermöglicht mittig ein kleinerer Touchscreen mit Encodern links, rechts und unterhalb des Screens die Übersicht über Filter, Dynamics, Inserts und Mixes, so, wie es der Funktionalität einer zentralen Channelstrip-Topologie entspricht. Rechts unten sind in Quadratform vier benutzerdefinierbare Tasten (User Keys) angesiedelt. Außerdem hier zu finden der Processor-Engine-Umschalter, die Starttaste für die Console, die Helligkeitseinstellungen für Consolen-Oberfläche und Displays und schließlich ein USB-Anschluss. Alle Sektionen wirken gut gegliedert und die Anordnung präsentiert sich geräumig im Sinne einer entspannten Bedienung.

Szenen-Automation

Ein Show-Ordner, in dem alle Szenen einer Show abgelegt werden, nennt sich bei SSL „Template“. Bei Szenen-Umschaltung kann für jede Parameter-Gruppe (EQ, Dyn1, Dyn2 etc.) eine eigene Fade-Zeit gewählt werden. Es ist möglich, die Anzahl der Mono-, Stereo-, bis hin zu 5.1- Mixes (STEMs), wie auch die Anzahl der Aux- und Bus- (Tracks) Mixes im Nachhinein zu verändern, ohne die bis dahin erstellten Szenen zu verlieren. Soll hingegen eine Produktion schnell gestartet werden ohne große Anpassung der Mix-Anzahlen, stehen dafür Blank Show Files zur Verfügung.

Verwaltung und Pro-Tools-Integration

Im Pult ist eine Input- / Output-Database vorbereitet, in der alles erfasst wird, was physikalisch mit dem System verbunden ist und individuell mit Namen und Suchbegriffen versehen werden kann. Die Länge dieser Database in den Pulten des Burgtheaters gibt der Implementierung einer Suchfunktion Recht.

Bei der T-Serie werden Audiodaten ja ausschließlich über Dante übertragen. In der Remote-Software T-Solsa von SSL ist eine Möglichkeit integriert, ein Dante-Netzwerk, das einmal am Rechner angesteckt war, auch nach dem Abstecken noch zu sehen und zu bearbeiten. Die Settings der Teilnehmer lassen sich verändern, obwohl die Teilnehmer gar nicht da sind. Der vom Dante-Entwickler Audinate für die Verwaltung eines Dante-Netzwerkes herausgegebene Dante Controller ist ja ein reines Online-Tool. Die SSL-Software mit ihrem integrierten Dante-Controller dient nun als Dante-Offline-Tool, genauso wie die Software des Yamaha PM 10. Somit gibt es die Möglichkeit, im Vorfeld das Pult und das Netzwerk vorzukonfigurieren.

Das System kann auch das HUI-Protokoll lesen, entwickelt zur Kommunikation eines DAW-Controllers mit einer DAWAufnahme-Software entwickelt. Die Firma Mackie war in den 80er Jahren Vorreiter. Dadurch lassen sich Teile der Konsole in einen DAW-Controller für Pro-Tools verwandeln.

10 Anschlüsse an der Konsole

Auf der Rückseite finden sich Verbindungen zur Processor Engine und Dante in festgelegten Kabelfarben. Dieser Farbcode gilt für diese Signale im gesamten Haus. Daneben findet sich der Output des auf der Konsolen-Oberseite angeschlossenen Talkback-Mikrofones: Ein Signal-Wandler ist in einem Broadcast-Pult meistens nicht vorhanden – so auch hier. Im Falle des TB-Mikros und für den Anschluss eines Kopfhörers ist daher die Konsequenz: eigene Dante-Wandler sind erforderlich! Weiter geht es mit dem GPIO-Anschluss (General Purpose Inputs Outputs), gedacht z. B. für automatisierte Evakuierungs-Durchsagen oder programmierbare Fußschalter. Dann Datenanschlüsse für den Rechner der drei externen Bildschirme und den Remote-Rechner. Als letztes finden sich die beiden Kaltgeräte-Anschlüsse für die beiden Netzteile. Bemerkenswert sind die großen passiven Kühlrippen auf der Rückseite der Konsole: Sie ist 100% passiv gekühlt und arbeitet absolut lautlos, kein Lüftergeräusch stört das Arbeiten. Dies ist besonders wichtig bei der Platzierung der mobilen Saalkonsole im Zuschauerraum. Ein Faktum, dass die wenigsten Hersteller erfüllen!

Rückansicht der Konsole
Rückansicht der Konsole in der Tonregie mit Verbindung zur Engine (gelb/blau) und Dante (rot/grün) (Bild: Wolf-Christoph Müller)

Kaum Schwierigkeiten bei der Einrichtung des neuen Setups

Martin Plötzeneder zur Einrichtung: „Das Dante-Setup lief prompt. Schwierigkeiten gab es kaum. Mit ClearOne, dem amerikanischen Hersteller der Converge-Misch-Matrix war eine Kommunikation zur Inbetriebnahme des Gerätes erforderlich. Ich führe das zurück auf den Umstand, dass die Firmware im Gerät eine 1.0-Version ist. Aber das war es dann auch schon.“ Schließlich wollten wir von Tonchef Müllner wissen, wie der Show-File-Transfer von einem SSL-Pult auf das andere gelöst wurde. Eine geforderte Betriebsversion der Pulte war laut Ausschreibung, die Show auf einem Pult zu beginnen und auf dem anderen fortzusetzen. „So eine Lösung läge doch netzwerktechnisch bestimmt nicht einfach auf der Straße herum?“, mutmaßten wir. David Müllner antwortet schmunzelnd: „Mit einem USB-Stick.“

Fazit

Die Neuinstallation des Burgtheater-Tonsystems wurde innerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens und der vorgegebenen Einbauzeit erfolgreich durchgeführt – nicht selbstverständlich in dieser Größenordnung. Die Toncrew bewies bei den Vorarbeiten (wie dem Glasfaser-Einzug) und bei der Formulierung der Ausschreibung Weitsicht. Die Firma Klangfarbe hat gemeinsam mit den Subunternehmungen Rautschka Audio und Thomann Professional die Anforderungen entsprechend umgesetzt. Der Erhalt der analogen Verkabelungen ist beispielhaft – ein Projekt, bei dem die To-doListe bis zum Ende professionell abgearbeitet wurde.

Und wie kommt die Toncrew in der täglichen Arbeit am Pult klar? „Die T-Serie-Pulte sind von allen Pulten, die je hier waren, die übersichtlichsten und selbsterklärendsten“, so Christian Strnad. Jürgen Leutgeb findet „ … schön, dass es viele verschiedene Herangehensweisen gibt. Ich habe meine Workflows, die ich mir auf anderen Pulten angewöhnt hatte, auf dieses Pult mitnehmen können.“ Raimund Hornich findet „… die Automatisation die mit Abstand am einfachsten zu handhabende“ und Philipp Bömberger ergänzt: „Das SSLSystem klingt ausgesprochen musikalisch und lässt bei EQ und Kompressor auch extreme Einstellungen zu. Außerdem ermöglicht uns die Query-Funktion einen sehr schnellen Monitormix.“ Tonchef Müllner macht ein Schluss-Statement: „Ein echter Gewinn an Klangqualität und Flexibilität bei zugleich höchstmöglicher Betriebssicherheit, die tatsächliche Umsetzung stimmt zu 99,9% mit der Planung überein. Und seit dem 1. September 2017 ist das System im Dauereinsatz und funktioniert klaglos!“

Das schönste Kompliment habe man aber durch Außenstehende erhalten: „Ach so, ihr habt umgebaut? Haben wir haben gar nicht bemerkt.“ Es löst damit eine (erhoffte) Planungsprämisse ein: „Das Systemdesign ist so angelegt, das es offen ist und mitwachsen kann. Anforderungen und Arbeitsweisen ändern sich mit der Zeit und das System hat dies in gewisser Weise mitzumachen. Wir entwickeln durch die SSL-Pult- und die Dante-Systemarchitektur neue Arbeitsweisen und Abläufe. Dank Dante sind wir auch in gewisser Hinsicht unabhängiger. Wir können das System problemlos um Komponenten erweitern, die wir für eine Produktion oder einen Workflow am geeignetsten halten.“

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