Produkt: Mischpult Behringer X32
Mischpult Behringer X32
X32 Behringer im Test
Digital-Mixer

Behringer Wing: Digitalmischpult oberhalb des X32

Behringer Wing
Die Handablage vorne ist austauschbar – es kursieren schon diverse Personalisierungs-Ideen (Bild: Detlef Hoepfner)

Das neue 48-Stereokanal-/16-Stereo-Bus-Modell mit 24 konfigurierbaren Fadern und Multi-Touch-Display entwickelt das Konzept eines Digitalmixers im Niedrigpreissegment um 3000 Euro weiter

– Sources statt Channels
– FX-Slots im Wing
– Wing Channel Strip
– Stage Connect: kurze Digitalverbindung via XLR
– Monitormischer Midas DP48
– Wing-Software

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Mit dem „Wing“ entwickelte Behringer den Nachfolger des Digitalmischpultes X32: Während das R&D augenzwinkernd witzelt, mit dem X32 – dessen Verkaufszahlen alle Rekorde brechen – habe man sich damals eigentlich nur ganz eigennützig einen Mischer für die eigenen Zwecke bauen wollen, und er habe dann wohl auch für andere User gepasst, stand bei der „Wing“ nun eher eine Evolution an, insbesondere beim User Interface und in Richtung Multitracks/Recording. Von der Kanalzahl her hätte es auch ein „X48“ werden können: 48 Kanäle incl. vier Stereo-Master auf 24 Fadern und mit 16 Stereo-Bussen. Optisch besonders auffallend ist zuerst, dass sich das Design auf den 87 cm Breite und 58 cm Tiefe der Wing komplett verändert und erneuert hat: Die unterstützende Handschrift von Ivar Iversen bei TC – ebenfalls in der „Music-Tribe“-Holding beheimatet – ist unübersehbar. Erste Reaktionen in den sozialen Netzwerken sind etwas gespalten, sie reichen von Begeisterung über „ist das ein Lichtpult?“ bis zu augenzwinkerndem „Siemens-Tonmeister-Charme“: Die Farbgebung ist heller, eine Armlehne aus Holz vermittelt Wertigkeit und das Hauptdisplay ist nun als von sieben Touch-Sensitive-Reglern flankiertes 10″-Touchscreen ausgeführt.

Behringer Wing
Preproduction Sample, noch mit vorläufigem Logo und anderen Fadern (Bild: Detlef Hoepfner)

Auf dem Touchscreen empfängt einen gleich eine neue Optik, das Behringer-Team hat hier seine Ressourcen bezüglich UI- und UX-Design aufgestockt. Die Frage nach dem „richtigen“ Displaywinkel werden auch gleich entkräftet: der Touchscreen kann mechanisch aufgestellt und im Winkel justiert werden. Ein deutlicher Unterschied zu Konzepten, die auf mehrere und/oder sehr große Bildschirme setzen und dort praktisch das komplette UI abbilden: Beim Wing muss man sich erst mal etwas orientieren, was alles auf die ganzen zusätzlichen kleinen Screens, Regler und Taster gespiegelt wird, wenn man sich aus dem Hauptbildschirm entfernt. Ansonsten ist man erstaunt, wie deutlich und eigenständig sich das Pult weiterentwickelt hat. Auch die bisherige Nähe Midas/Behringer mit parallelen, leicht variierten Hardware-Varianten ist (bisher) nicht zu erkennen. Das Behringer Wing nutzt zwar aus dem Unternehmens-Portfolio jetzt grundsätzlich die höhenwertigen Eingangsstufen, die zuvor den Midas-Versionen vorbehalten waren, geht aber ansonsten einen deutlich eigenen, offenbar von der Produktentwicklung in Deutschland vorangetriebenen Weg.

Regelbare Patchfeld- (und Show- ...) Beleuchtung
Tilt-Screen des Behringer Wing

Sources statt Channels

Etwas verändert hat man die Logik, mit der Signal im Pult verwaltet hat: Das Team hat sich hier gefragt, wie es etwas dichter an den Live-Alltag herankommt und festgestellt, dass es eigentlich unlogisch sei, in „Kanälen“ zu denken. Stattdessen setzt man jetzt „Sources“ mehr in den Mittelpunkt: Ich habe eine Quelle – wie ein Keyboard – und das soll irgendwo hörbar werden. In dieser Source wird nun (neben Name, Logo, Farbe) festgelegt, wie das Gain aussieht, eine Filterung, ist die Quelle mono oder stereo usw. Diese Quelle kann dann im nächsten Schritt auf einen Kanal gelegt werden, wobei auch Stereosignale (oder stereo M/S) dann immer platzsparend auf einem statt zwei gekoppelten Fadern liegen. Das soll auch das Patching auf der Bühne erleichtern. Also ein Instrument auf der Oberfläche verschieben oder statt mono in stereo verarbeiten – im Gegensatz zum X32 ist das hier easy. R/L vertauscht? Lässt sich über den Basisbreitenregler invertieren. Der CH-Fader ist oben, aber ich höre nix? Dann zeigt eine blaue Linie am Fader auf dem Screen, wo der DCA runtergezogen ist. Ein Kanal könnte sogar anders als die von ihm beherbergte Quelle benannt/eingefärbt sein – oder man übernimmt die Quellenparamter per Copy in den Kanal. Statt Pop-Groups aus der Midas-Welt gibt es hier die verschiedenen Fader-Zusammenstellungen, die per Taster am Pultrand aufgerufen werden; entweder in den vorkonfigurierten Settings oder selbst User-definiert

4-Channel-Section für die vier Stereo-Master – oder "Money Channel" mit oben eigenem Zugriff z. B. auf Gain, Gate, Comp, EQ, Pan usw. oder FX-Sends
Fader-Wahl entweder in Layern vorkonfiguriert (1–12 usw.), in 4er-Schritten scrollend oder frei selbst bestimmtes Layout
Auflösung der Channel-Displays in der Wing (noch mit Schutzfolie)

Ein zusätzlicher Mute direkt am Headamp sichert zudem, dass beim Patching nix schiefgeht, beispielsweise beim Zuschalten von 48 V aktiviert er sich automatisch. Weitere sehr moderne Idee: Quellen können mit mehreren Begriffen/Tags versehen werden. Über die Tags lassen sich dann z. B. Mute-Gruppen oder DCAs definieren. Ein DCA-Spill (Aufruf der im DCA zusammengefassten Kanäle) ist derzeit nicht realisiert, aber künftig nicht ausgeschlossen.

Die Wing läuft wie gehabt auf 48 oder 44.1 kHz, extern soll es einen „96k compatibility mode“ geben; die Pult-Durchlauflatenz wird mit 1 ms angegeben (Stagebox-Pult-Stagebox: 1,2 ms). 300 ms sind in der Matrix auf die Ausgänge beaufschlagbar. Signale können direkt oder über das Signalprocessing verbunden werden. Die Invert-Funktion erlaubt in der 8 x 8 Matrix auch eine Mix-Minus-Funktion (Signal post Fader tap, invert on).

 

Im Test: Line-Array SE Audiotechnik M-F3A Pro

SE Audiotechnik M-F3A
SE Audiotechnik M-F3A Pro ist als Line-Array-Element mit acht Tiefmitteltönern und sieben Hochtönern aufgebaut (Bild: Dieter Stork)

 

Die Kombination aus acht Tiefmitteltöner und sieben Hochtönern verspricht besonders cleanen, druckvollen Sound bei kompakten Abmessungen, wie unser Online-Test zeigt

Eine schöne Idee sind auch der „Alternative Channel Input“ je Kanal (z. B. für ein Spare-Mic oder Mischpult-Umschaltung auf virtuellen Soundcheck) oder die „User Signals“ (eine Art virtuelles Patch-Kabel).

Behringer Wing
Talkback, Monitor und Front-USB (Bild: Detlef Hoepfner)

FX-Slots im Wing

Die Anzahl der Effekte wurde auf 16 Stereo-Effect-Slots erweitert, die auch in den je zwei Inserts der Busse, Mains und Channels verwendet werden können (je acht Standard- und Premium-FX). Die Processing-Reihenfolge im Channel ist  verschiebbar und die hochwertigen FX können auch direkt in einem Channel/Bus genutzt werden, nicht nur im FX-Rack. Versprochen wird ein phasenkohärentes Processing von den Eingängen über die umfangreich ausgestatteten Channels bis zu den Ausgängen, mit Ausnahme der beiden zusätzlichen FX-Slots in den Kanälen. Eine Parallel Compression (“New York compression”), wo dies zum Problem werden könnte, erhält man aber einfach (und ohne Phasenprobleme durch paralleles Summieren) durch einen Wet/dry-Regler. „Opfert“ man einzelne FX für einen CH-Insert, hat man in diesem Kanal insgesamt drei alternative Standard-Emulationen für EQ, Compressor, Gate plus diese zwei zusätzlichen FX. Eine schon im X32 eingeführte Automix-Funktion steht im Post-Fader Insert zur Verfügung und kann in bis zu 16 Kanälen (2. Insert) simultan verwendet werden. Auch auf die Modellierung des Processings hat man sich nochmal gestürzt: Dynamics und EQs schöpfen aus einer langen Liste moderner oder historischer Emulationen, zusammen mit den Reverbs, Delays, EQs oder Amp-Models kommt man auf über 70 Typen (einige davon wie der TC Electronic VSS3 zum Produktstart noch in Beta-Stadium). Ein Multiband-Compressor für das Effect Rack ist ebenfalls noch nicht vom Start weg verfügbar, aber ein Single Band Dynamic-EQ. In dem Compressor der Channels, Bussen und Mains lässt sich außerdem statt des Key-Filters auch ein X-Over-Mode aktivieren, mit dem einzelne Frequenzspektren komprimiert werden können.

Behringer Wing FX-Handling

FX-Handling
FX-Handling im Behringer Wing

Etwas tricky ist derzeit das Routing der FX, übergangsweise findet sich in den Behringer-Supportunterlagen dieser Hinweis (PDF). Ein Beispiel eines Effekt-Sends in Wing Copilot: Auf dem ersten Bus (B1) liegt als FX eine Quantec-Simulation. Im Reiter “Outputs” der App würde man auch sehen, auf welchen physischen Output (nur) die rot markierten Monitorwege gehen. In der App (oder auf der Konsole) wurden für den ersten Bus die Tags “FX” (für einen entsprechenden DCA) und “MGRP8” vergeben – die Mute-Gruppe 8. Aktiviert man Mute-Gruppe 8, ist der also Effekt stumm, und zwar wird in diesem Fall der Send in den Effekt gestoppt (eine Hallfahne usw. wird also nicht durch den Mute abgehackt). Dazu am Pult:

  • Taste Bus Master drücken
  • gewünschten Bus per Select wählen (hier Bus 1)
  • auf dem Wing-Touchscreen den FX (im Beispiel den Quantec) in den “unteren” Insert dieses Busses einladen.
Wing Copilot Bus
Auf Bus 1 liegt die Quantec-Simulation, das Mute-verhalten entscheidet sich über den Insert-Punkt im Bus (Bild: Detlef Hoepfner)
Behringer Wing Channel Strip
Sechs Touch-Regler fürs CH-Processing, fünf für den CH-EQ (Bild: Detlef Hoepfner)

Wing Channel Strip

X32-User werden sich etwas umgewöhnen müssen, was die Anordnung der elf EQ-/Dynamics-Regler rechts vom Main-Display angeht. Flankiert werden sie jedoch von einem eigenen, kleinen LCD-Display, das unabhängig vom Haupt-Touchscreen Status-Infos (ist L/R geroutet , Input-Level, Gain-Reduction usw.) oder den Verlauf des EQs anzeigen. Touch auf den Regler visualisiert dessen Funktionen, kurzer Tap auf den Schalter wechselt Funktionen durch, langer Tap deaktiviert z. B. den Compressor – darauf muss man erst mal kommen und sich eingewöhnen. Die untere Reglerreihe ist auf die EQ-Bänder gelegt.

Zusätzlich zu den EQ-Bändern, Hoch-/Tiefpass gibt es einen weiteren Filter, der entweder als Tilt-EQ arbeitet, als Sonic Maxer oder Allpass, um Signale zeitlich kohärent zu bekommen.

Tap links unten im Kanal landet auf der Aux-Seite, dort rechts oben ...
... findet man den Pre-Fade-EQ, z. B. für den Monitorsound des Kanals

In den Bus-Sends gibt es zudem einen weiteren 3-Band-EQ, der nur auf die Aux-Sends (einen der 16 Stereobusse) des Kanals wirkt – hilfreich in Monitoranwendungen. Je nach Position des Tap/Sends-Abgriffes ist dann der „normale“ Kanal-EQ noch vorgeschaltet oder nicht. Man kennt das Problem: Eigentlich wäre ein eigenes Monitor-Pult auf der Bühne sinnvoll, passt aber nicht ins Budget und der Monitor-Mix muss vom FoH mit übernommen werden. Will man jetzt aber eine störende Frequenz auf der Bühne nur aus einem Mikrofon dämpfen, muss man entweder den Kanal-EQ bemühen (und produziert die Änderung ungewollt auch im Saal) oder den kompletten Aux mit Signalen filtern, die gar nicht betroffen sind. Da hilft jetzt dieser zusätzliche EQ am Tap. Jeder Aux besitzt zudem sowieso 8-Band-Parametric EQ, Stereo Imager und Dynamics.

Das „Filterband-Solo“ ist ebenfalls praxisnah: Ein Filterband-Gain auf neutral stellen, dann durchstimmen und im Solo fürs Publikum unbemerkt vorhören, wo eine Frequenz nervt – erst dann dort das Gain runterziehen. Funktioniert auch als Pre-Listen für Key-Signale. Zuletzte erlaubt ein Wet/Dry-Parameter eine „Intensitätsregelung“ des EQs.

Solo in Place ist ebenfalls integriert und findet sich in den Monitoring Setting zwischen den drei Modi Live, Studio und In-Place. Sicherheitshalber wird ein aktiver Solo in Place auf dem Bildschirm oben als SIP-Logo warnend signalisiert.

Behringer Wing Wheel
Den Drehregler gabs schon mal in einem frühen X32-Entwurf; in der Wing kontrolliert er eine DAW oder acht User-Parameter (Send, Delay-Zeit usw.) (Bild: Detlef Hoepfner)

User Assignable Controls

In der User-assignable control section können vier Regler und 20 Buttons in acht Layern belegt werden, auch Parameter des 16-CH-Automixing (vier Gruppen). In der unteren Hälfte liegen vordefiniert Transport- und Show-Control (aktuell erst implementiert: Snaphots, theatergemäße Szenensteuerung ist in Arbeit) und Mute-Gruppen. Die frei belegbaren Tasten können auch zusammen mit dem Wheel Parameter einstellen.

Diese Freiheit findet sich auch im Fader-Layout: Es gibt die üblichen Standardbelegungen, die seitlich durchgeschaltet werden können, oder man „verschiebt“ die Fader in 4er-Gruppen seitlich. Das Fader-Layout kann aber auch völlig frei und „durcheinander“ vom Touch-Screen aus gestaltet werden, beispielsweise den Bus-/Effect-Send eines Instruments direkt neben dem zugehörigen Kanalzug – oder gar einen Effektparamter auf einem Fader liegend. Wer sich verirrt, initialisiert die Faderbelegung neu oder springt von der Metering-Anzeige direkt in den Kanal – wo auch immer man ihn versteckt hatte. Die vier Fader rechts entsprechend eigentlich den vier Stereo-Outs – aber wer muss schon an den Master? Also sind diese vier Kanäle auch unabhängig nutzbar: ein 2. Engineer setzt hier schon einmal Gains, oder wichtige Money-Channels werden dort fixiert mit Direktzugriff auf auf Gain, Gate, Comp, EQ, Pan usw. oder FX-Sends.

Wing Live für zwei SD-Karten mit optionaler Batterie-Pufferung (Bild: Dieter Stork)

Für das Recording auf SD-Karten stattet Behringer das Pult mit der Einschubkarte Wing-Live aus: Audio mit 48 kHz / 32 Bit auf zwei SD-Slots zur Verdopplung der Spuren auf 64 (aktuell noch nicht samplesynchron). Auf ein gleichzeitiges Playback muss dabei nicht verzichtet werden (32 play, 32 rec). Auf der Pult-Front gibt es den gewohnten USB-Port, der aber jetzt sogar vier Spuren (z. B. für Click-Tracks) abspielen kann. Zusätzliche Sicherheit im Recording bei Stromausfällen verschafft eine optional auf der Karte einsetzbare Puffer-Batterie (incl. Clip gegen Herausfallen). Das USB 2.0 Audio/MIDI-Interface erlaubt 48 × 48 CH Recording/Playback. Der interne Player kann nun auch Ausschnitte nur zwischen Markern abspielen oder loopen.

Noch nicht ind er FW 1 unterstützt werden MIDI, gearbeitet wird an einer Implementierung von Mackie HUI und MCU für bis zu drei Devices über eine USB-Verbindung.

Behringer Wing Connector
Acht XLR-In/-Out, 8 Stereo-Aux in /6 Out plus Monitor, AES/EBU In/Out, 3 x AES50, Stageconnect, MIDI, GPIO, 2 x USB 2.0, interner Sockel für 64×64 AoIP, 2 x RJ45, Expansioncard 64 x 64 (Bild: Detlef Hoepfner)

Stage Connect: kurze Digitalverbindung via XLR

Das „luftigere“ Erscheinungsbild des Behringer Wing entsteht auch dadurch, dass das Gehäuse unter der Pultoberfläche reduziert wurde. Das geht, weil die Anzahl analoger I/Os deutlich auf 8/8 herabgesetzt wurde: In der Entwurfsphase ging man davon aus, dass das Pult künftig in den meisten Fällen sowieso mit einer externen I/O-Box betrieben wird. Hier also nochmal z.B. 16 analoge Eingänge am Pult vorzuhalten, ist dann eigentlich überflüssiger Hardware-Aufwand. Apropos Hardware: Auf Dante oder Soundgrid vorbereitet ist das Pult im Prinzip, ein miniPCI-Modul würde ab Werk oder später im Service nachgerüstet. Erste Muster mit dieser Option sind seit Ende 2019 auch bereits live im Einsatz. Ob und wann diese Unterstützung allgemein nutzbar wird, ist aber noch unbekannt. Neben Netzwerkbuchsen oder zwei AES50 gibt es aber nun noch eine neue Buchse namens „Stage Connect“: Das Protokoll, dass das Unternehmen demnächst auch offenlegen will, ersetzt das bisherige Ultranet, mit dem beispielsweise die kleinen Monitormischer P16 angebunden wurden. Stage Connect verbindet nun über ca. 20 Meter Geräte digital via ganz normales XLR-Mikrofonkabel (DMX-Kabel: 40–45 m). Und das jetzt bidirektional (32 CH, 18 Volt Spannung, 24 Bit, 48 kHz bei sehr niedriger Latenz) incl. Übertragungsmöglichkeit von Steuer-/Statusdaten. Das R&D verspricht sich hier ganze neue Verbindungsmöglichkeiten von Stageboxen, Mischpulten, Sideracks, In-Ears usw. und das Ende analoger Unterverteilungen auf der Bühne. Wer Ultranet am Wing weiter nutzen will, schließt seine P16 an den Ultramet-Buchsen seiner Stagebox (wie einer Midas SD8) an. Langfristig wird es auch eine Converter-Box Stageconnect-Ultranet geben.

Behringer Wing Team
Jan Duwe (Brand Innovation Leader), Michael Kemkes (Innovation Software CXCI Specialist) und Thomas Zint (Brand Research Leader) (Bild: Detlef Hoepfner)

Monitormischer Midas DP48

Eine erste Anwendung für Stage Connect ist ein neuer kleiner Monitormischer für die Musiker auf der Bühne. Der DP48 bedient nun zwei Personen in einem Gerät (man kann das Gerät gedanklich in der Mitte teilen) und wurde um ein kleines LCD-Display und viele neue Features erweitert. Beispielsweise lassen sich Konfigurationen vom einen Mischer an den nächsten Mischer weiterreichen, oder es kann ein Mischer von einem zweiten Mischer kontrolliert und ferngesteuert werden, beispielsweise als Hilfestellung durch einen Monitor-Ingenieur. Eine weitere Möglichkeit ergibt sich durch die veränderte Anbindung an das Mischpult: In der Produktentwicklung hat man sich bestehende Lösungen mit solchen Mini-Mischern und Apps angesehen und bemerkt, dass man hier als Musiker mit der Einrichtung oft völlig überfordert ist. Geplant ist daher ein Weg, um vom „Hauptmischpult“ Behringer Wing aus schon die Konfigurationen der angeschlossenen personal Monitormixer vorzubereiten. Soll der Musiker zudem sein Signal drahtlos erhalten, muss der Sender nicht am Line-Out oder Kopfhörerausgang des Mischers, der ja auf der Bühne irgendwo beim Musiker steht, abgegriffen werden: Über einen eigenen 19″-Hub werden nicht nur bis zu vier DP48 mit Signalen und via PoE sternförmig vernetzt, sondern hier zentral zusätzlich alle Ausgänge ausgespielt. Wem die Vielzahl an Klinkenbuchsen dort nicht genehm ist, kann zudem ein XLR-Patchfeld hinzufügen, und so bleibt die Bühne von vielen zusätzlichen Kabeln befreit.

Wing-Software

Hardware und Firmware sind Ende 2019 so weit, dass das Pult bereits in der ersten/zweiten Dezemberwoche 2019 in Stückzahlen ausgeliefert wird. Eine gegenüber den Developer Releases nochmal aufgefrischte Firmware 1.0 gibt es ab dem 6. Dezember auf der Hersteller-Website, Erstbesteller sollten also auf jeden Fall direkt ein Update durchführen, damit z.B. auch der Front-USB aktiviert wird. (Tipp: einen USB-Stick nur entfernen, wenn die Access-LED erloschen ist). Nicht alle GUIs der Effekte sind in dieser FW1.0 fertig geworden, die entsprechenden FX wie VSS3 fehlen also noch – aber Weihnachten steht ja vor der Tür … abwarten 😉

Gegenüber den bereits im Umlauf befindlichen Vorversionen bietet die Wing Firmware 1.0 (bzw. die kurz darauf fehlerbereinigte Wing Firmware 1.01) diese Verbesserungen:

  • subdirectory support for library
  • channel/fx/routing library scores are now recalled/saved
  • several gui issues fixed, gui enhancements
  • front panel usb support (library), only remove USB drive when Access led is off!
  • UTILITY button also opens tools when available (e.g. channel copy)
  • toolbox refined (using library scopes)
  • channel edit section parameter selection issues fixed
  • solo-in-place muting issue fixed
  • 0 dB position snap for GEQ
  • FX: moodfilter, suboctaver, tapemachine, vocal double added with GUI
  • FX: 4 amp models added with GUI
  • auto increment option when routing outputs
  • rta on home page (independent settings)

Bezüglich externer Editoren gibt es noch Zeitbedarf. Weder lassen sich im Moment Shows, Setups oder Presets aus der X32-Welt direkt importieren oder übertragen, noch gibt es einen externen Editor. Geplant für 2020 (und im „Rohbau“ fertig) sind mit dem WING Co-Pilot eine mobile Applikation (iOS/Android, JS/HTML5-basiert) für das Setup/Patching auf der Bühne (Kanalbenennung direkt auf der Bühne usw.), den mobilen Mix und das Monitoring. MX-MIX für die gleichen Plattformen soll alle Modelle X32, M32, X-AIR und M-AIR bedienen und übergreifend einen einheitlichen Look zeigen, außerdem werden häufigere Updates für die aktuellen Betriebssysteme versprochen.

Wing Copilot Routing
Routing von alternativ DAW oder SD-Recorder auf CH 3 der Wing (Bild: Detlef Hoepfner)

Mit einer Ende 2019 aktuellen Vorversion von Wing Copilot sind bereits einfache Vorbereitungen möglich. In diesem Screen sieht man beispielsweise, dass Kanal/Fader 3 mit Spur 3 des per USB an die Wing angeschlossenen Macbooks bzw. der darauf gestarteten DAW Reaper verbunden ist. Idee war hier, Reaper-Multitracks auf den Wing-internen SD-Recorder zu bekommen, ohne sich mit wav-Konvertierungen und dem Session-Format des Recorders herumzuschlagen. Nach erfolgtem “Recording” kommt dann in den Wing-Kanälen der im Copilot-Screen sichtbare Alt-Button zum Einsatz: Nun liegt Spur 3 des internen Recorders auf dem Channel, um die Multitracks von der SD-Karte abzuspielen.

Szenen und Einstellungen von der X32 auf Wing übertragen

Auch wenn Wing nicht unbedingt ein 1:1-Nachfolger des X32 ist – in vielen Anwendungen wird man mittelfristig überlegen, eine X32 um eine Wing zu ergänzen oder gar zu ersetzen. Selbst eine Übernahme von einzelnen Kanal-Presets ist aber nicht möglich, was gleichzeitig einerseits verständlich, aber auch nervig für diejenigen ist, die insbesondere in festen Spielstätten (in den USA z.B. ist das X32 extrem in den dortigen Kirchen verbreitet) arbeiten. Wenn nicht komplette Shows, so haben sie doch für einen Pool an Musikern viele Kanal-Presets erarbeitet. Anfangs zumindest wird es darauf hinauslaufen, die Einstellungen “zu Fuß” zu übertragen. Wer sich die X32-Presets im Texteditor anschaut, wird sich wundern, wie verändert deren Aufbau ist.

Channel-Presets
Channel-Preset von Wing (l.) und X32 (r.) (Bild: Detlef Hoepfner)

Vorsicht auch bei einer Werteübertragung der Filter: Wer sich einen Computer mit X32-Edit neben die Wing stellt, wird feststellen, dass da was nicht passt. X32-Edit gibt den Gütefaktor Q der Bänder an, in der Wing wird aber mit Bandbreite B gearbeitet. Ganz auf dem Schlauch steht man hier natürlich, wenn man auf eine der optisch cooleren Retro-EQ-Emulationen wechseln will, die mit diversen phantasiereichen Einstellungen erfreuen. Immerhin kann man deren Kurvenverlauf in dem kleinen zusätzlichen Channel-Strip-Bildschirm verfolgen.

Als Übergang für die Early Adopters aber bietet sich als Software eine Alternative an: Seine „Mixing Station“ hat David Schumann schon bisher recht flott an diverse Digitalmixer von Allen&Heath über Soundcraft bis Behringer angepasst …

Produkt: Avid S3L-X im Test
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Die modulare und kompakte Avid S3L-X bietet sich gleichermaßen als Live-Sound- und Recording-Console an. Wir haben ein Setup getestet

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Interessant wäre die Möglichkeit, per HTTP (Webserver) auf das Pult zuzugreifen, um es per Smartphone/Tablet fernsteuern zu können.

    Bei einem Mitbewerber ist das Standard und bietet plattformübergreifend das selbe Benutzererlebnis.

    Beim Wildwuchs der Mobilgeräte müssen so auch nicht für jedes System separate Apps gepflegt werden, es profitiert also auch der Hersteller.

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  2. Der Artikel liest sich ja wie eine Aufzählung von Superlativen, auch die wenigen I/O an der Pultrückseite, sind eine Einsparung an der richtigen Stelle. Wie sich die tollen neu eingebrachten Zusatzfunktionen bedienen lassen, wird sich beim Praxiseinsatz zeigen. Das Design finde ich super, alles in allem dürfte das noch den letzten “Behringer-Feind” nachdenklich machen, oder gar dazu zu bringen, sich bei der nächsten anstehenden Neuanschaffung, sich für ein Wing zu entscheiden.

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