Size matters

DPA d:screet Core 6066 Headset im Test

Winziger geht es wohl kaum: Schon bisher beeindruckte die Fertigungs- und Audioqualität der Lavaliermikrofone von DPA. Mit der neuen Generation von 3-Millimeter-Kapseln verschwindet das Mikrofon optisch fast vollständig – und liefert dennoch ganz großen Sound

DPA d:screet CORE 6066
DPA d:screet CORE 6066 (Bild: Dieter Stork)

Kopfbügel- oder Ansteckmikrofone können gar nicht klein und unauffällig genug sein – ob in der TV-Branche oder im Theater, aber auch bei Konferenzen, Produktpräsentationen, Moderationen etc. DPA Microphones, einer der erfolgreichsten Anbieter von Lavalier- und Headset-Mikrofonen, hat sein Produktsortiment nun durch diverse „Subminiatur-Mikrofone“ ergänzt – laut Eigenaussage die „bisher kleinsten professionellen Hochleistungsmikrofone“. Uns lag zum Test das d:screet Core 6066 mit einem Durchmesser von nur drei Millimetern und Kugelcharakteristik vor, konfektioniert als MiniKopfbügelmikrofon. Wobei DPA den Anspruch erhebt: Die neuen Kleinstmikrofone sollen ihren größeren Geschwistern klanglich in nichts nachstehen.

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Ausstattung: da kennt jemand die Bühnenpraxis

Geliefert wird das Mikro in einer robusten aufklappbaren Kunststofftasche, in der nicht nur das Mikrofon selbst (in diesem Fall samt Headset) sondern auch alles im Lieferumfang enthaltene Zubehör zu finden ist. Neben einem XLR-Adapter sind dies mehrere identische Kunststoffwindschutze sowie eine praktische Mikrofonkappe aus rotem Kunststoff, die einfach auf das Mikrofon aufgesteckt werden kann: Sie schützt die Mikrofonkapsel, wenn das Mikro bereits in der Maske während des Schminkens getragen wird – in der TV- und Theaterwelt ein durchaus üblicher Vorgang. Ohne eine entsprechende Schutzvorrichtung kommt es nur allzu leicht vor, dass Schminke, Puder oder andere Ingredienzien in die Mikrofonkapsel geraten und diese verstopfen, also letztlich nutzlos machen. Ein weiteres schönes Detail ist ein in der Innenseite der Tasche angebrachter kleiner Spiegel, mit dessen Hilfe der richtige Sitz des Headsets schnell kontrolliert werden kann (praktischerweise umrahmt von zwei Bildern, wie das Mikrofon richtig getragen werden sollte, bzw. auf gar keinen Fall getragen werden darf). Insgesamt also eine sehr praxisgerechte Ausstattung!

Bestätigt wird dieser erste gute Eindruck durch den Kopfbügel: die DPA-Designer hatten bei der Entwicklung des neuen Headsets vollkommen freie Hand und haben diesen Freiraum nicht nur ausgiebig, sondern auch extrem praxisorientiert genutzt. Als erstes fällt das sehr geringe Gewicht des Kopfbügels auf, das nicht unerheblich zum Tragekomfort beiträgt. Unterstützt wird dieser Vorteil noch durch einen speziell entwickelten Federmechanismus, der nicht nur für einen sehr festen Sitz des Headsets (und somit für erhöhte Sicherheit) sorgt, sondern eben auch für einen erhöhten Tragekomfort. Dank eines sehr flexibel verstellbaren Bügels lässt sich der Kopfbügel leicht und schnell an praktisch jede Kopfgröße von Kind bis Quadratschädel anpassen. Eine ebenfalls neu entwickelte Kabelbefestigung erlaubt es dem Träger, das Kabel am Rücken entlangzuführen, um es dort zu verstecken. Alles in allem also ein bis ins Detail sehr durchdachtes Headset, maßgeschneidert für den oft hektischen Alltag auf Bühnen oder in Fernsehstudios. Sowohl dem Tonmenschen als auch dem Träger garantiert es ein Gefühl von Komfort und Betriebssicherheit.

Winzig: 3-mm-Kapsel

Mehrere Jahre Forschung und Recherche flossen laut DPA in die Entwicklung der neuen Subminiatur-Mikrofone. Während dieser Zeit besuchten die beteiligten Entwickler zahlreiche Theater, Filmsets und TV-Studios, um sich dort direkt mit Nutzern auszutauschen und so zu erfahren, welche Anforderungen an ein neues Miniaturmikrofon gestellt würden. Das Ergebnis ist ein sehr kleines, dem äußeren Eindruck nach sehr robustes und sehr gut verarbeitetes Mikrofon, das für den harten Arbeitsalltag bestens gerüstet sein sollte.

Wahnsinn ein XLR erscheint im Vergleich geradezu gigantisch
Wahnsinn ein XLR erscheint im Vergleich geradezu gigantisch (Bild: Dieter Stork)

Wie bei allen DPA-Mikrofonen, die mit der noch relativ neuen Core-Technologie ausgestattet sind, sollen auch bei unserem Testkandidaten Verzerrungen minimiert und der zur Verfügung stehende Dynamikumfang deutlich erhöht werden. Das Ergebnis soll ein „noch detailreicherer und dynamischerer Sound über den gesamten Frequenzbereich, vor allem im oberen und unteren Grenzbereich des Frequenzspektrums“ sein – so der Eigenanspruch der Entwickler.

Das DPA -Mikrofon im Einsatz

„Wenn es gut klingt, braucht es keine Erklärung. Wenn es schlecht klingt, wird keine Erklärung helfen.“ Mit dieser Feststellung könnten wir den Artikel an dieser Stelle beenden, denn das uns zum Test vorliegende Mikro klingt hervorragend. Und der Kopfbügel ist die praxistauglichste Variante, die wir bisher in Händen hielten. Von der Klangqualität her konnten wir keine negativen Auswirkungen aufgrund der geringen Größe feststellen, im Gegenteil schien uns der Dynamikumfang eher größer als bei Modellen der 4000erSerie aus dem Hause DPA. Ob das nun an der DPA-Core-Technologie liegt oder an anderen Faktoren, ist schwer zu beurteilen.

Insgesamt klingt das 6066 Headset für praktisch jede Stimme sehr offen und detailliert, für Gesang sogar ausgesprochen musikalisch und dynamisch. Verzerrungen oder ein irgendwie wahrnehmbares Grundrauschen waren zu keinem Zeitpunkt ein Problem, egal ob bei Gesang, Schauspielsprache oder Moderation. Auch Rückkopplungen – häufig die Achillesferse von Mikrofonen mit Kugelcharakteristik – waren zu keinem Zeitpunkt festzustellen. Zugegeben: wir hatten nur ein 6066 am Start und es wäre durchaus interessant, einmal mehrere Kandidaten auf einmal auf der Bühne zu haben. Aber wir konnten auf jeden Fall keinerlei erhöhte Rückkopplungsneigung feststellen. Auch im Studio macht das neue DPAHeadset einen hervorragenden Eindruck und liefert beste Ergebnisse, die sich auch in der Postproduktion problemlos weiterverarbeiten lassen.

Schließlich bleibt noch festzuhalten, dass der Kopfbügel tatsächlich nicht nur bombenfest sitzt, sondern sich auch im Bühnenalltag schnell und zuverlässig an praktisch jede Kopfform anpassen lässt.

Kapsel des 6066 ist auch in einer Lavalier-Variante lieferbar
Kapsel des 6066 ist auch in einer Lavalier-Variante lieferbar (Bild: Dieter Stork)

Herstellerangaben zum DPA d:screet CORE 6066

  • Richtcharakteristik: Kugel
  • Kapseltyp: vorpolarisierter Condenser
  • Frequenzbereich ±2 dB: 40 Hz – 20 kHz mit Soft Boost von 4 dB bei 8 – 20 kHz
  • Total Harmonic Distortion (THD): < 1 % bis 128 dB SPL Peak
  • Dynamikumfang: typ. 102 dB
  • Max. SPL-Peak vor Clipping: 144 dB
  • Ausgangsimpedanz: MicroDot 30 – 40 Ω, DAD6001-BC: 100 Ω
  • Kabelantriebsleistung: bis zu 300 m mit XLR-Adapter DAD6001-BC
  • Stromversorgung (für volle Leistung): min. 5 V bis max. 10 V durch DPA-Adapter für Drahtlos-Systeme; Mit DAD6001-BC: 48 V Phantomspeisung ±4 V für volle Leistung. Funktioniert ab 12 V
  • Stecker: MicroDot, TA4F Mini-XLR, 3-poliger Lemo, Miniklinke
  • Farbe: Schwarz oder beige
  • Gewicht: 11 g inkl. Kabel und MicroDot-Stecker
  • Mikrofonkopfgröße (Durchmesser / Länge): 3,4 / 8,9 mm
  • Kapseldurchmesser: 3 mm
  • Kabellänge: 1,3 m
  • Temperaturbereich: -40°C bis 45°C
  • Relative Luftfeuchtigkeit (RH): bis zu 90 %

 


Fazit

Also alles richtig gemacht? Ja. Der erste positive Eindruck, den wir nach dem Öffnen des DPA-Päckchens hatten, wurde mit jedem weiteren Blick und auch auf mehreren Bühnen und im Studio bestätigt. Eine praxisorientierte Ausstattung, ein mehr als nur gut durchdachter Kopfbügel, der im Grunde keine Wünsche offen lässt und schließlich noch eine erstklassige Klangqualität sollten jeden potentiellen Nutzer zufriedenstellen. Solcher Wert hat seinen Preis: Laut Hersteller 675 Euro plus Mwst. für das Headset, 430 EUR für die reine Lavalier-Variante.

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