JB Lighting Varyscan P4 280 HRI im Test

JB Varyscan P4 280 HRI 31

Mit dem Varyscan P4 bringt JB-Lighting ein konventionelles Moving Light auf den Markt, das die Lücke zwischen den etablierten Spotlights P3 und P6 schließen und gleichzeitig mit erweiterter Funktionalität den Anforderungen an einen aktuellen Scheinwerfer Rechnung tragen soll.

Anzeige

Die letzten Jahre standen bei JB-Lighting hauptsächlich im Zeichen moderner LED-Technik und bescherten dem Markt qualitativ hochwertige sowie nachhaltig in Deutschland entwickelte und produzierte Scheinwerfer wie den A7, A12 oder Sparx 7 sowie Sparx 10 – und dem schwäbischen Unternehmen einen festen Platz in der Premiumliga professioneller Veranstaltungstechnik. Nun war es an der Zeit, auch das aufgrund aktueller Trends und Entwicklungen etwas in die Jahre gekommene, konventionelle Portfolio anzupassen und zu ergänzen. Herausgekommen ist der Varyscan P4 280 HRI, ein Moving Light in der elektrischen Leistungsklasse des P3, der gleichzeitig aber durch eine kombinierte Spot/Beam-Funktionalität den Anforderungen an heutige Spotlights – speziell im Kampf gegen übermächtige LED-Wände – genügen soll.

Hard- und Software des P4

JB Varyscan P4 280 HRI 14
Multifunktional Osram HRI 280 W Leuchtmittel, gepaart mit Kreativwerkzeugen wie Farbrad, je zwei Goboräder und Prismen sowie Fokus, Frost und Zoom, vor allem aber die kombinierte Verwendung als Spot- oder Beamlight ergeben ein reichhaltig ausgestattetes Moving-Light für eine Vielzahl von Anwendungen (Bild: Stefan Junker)

Äußerlich bietet der P4 quasi ein Design-Best-Off aus der JB-Produktpalette und kombiniert das gewölbte Basement von A8 und Sparx 10 mit dem eher kantigen Bügel des neuen LED-Spot P8. Auch der Kopf ist mit seinen optisch in die Länge gezogenen Lüftungsschlitzen designtechnisch stark an den P8 angelehnt und rundet das Bild eines gleichermaßen ansprechend gestalteten wie qualitativ hochwertig verarbeiteten Scheinwerfers ab. Selbst das Öffnen und vor allem wieder Schließen des Kopfes zu Servicezwecken ist aufgrund robuster und passgenau gefertigter Halbschalen ohne die übliche Fummelei schnell und problemlos erledigt. Und wenn man schon beim Thema Service ist: Auch die Entnahme des Farb- und Goboradmoduls zu Reinigungszwecken oder Gobowechsel ist dank der seit Jahren bewährten JB-Einschubtechnik eine Sache von wenigen Sekunden – lediglich zwei ohne Werkzeug zu lösende Rändelschrauben fixieren die Einheit im Rahmen, eine über Sub-D-Steckverbindung realisierte Verkabelung wird automatisch beim Ein- und Ausbau getrennt und wieder hergestellt. Das Basement bietet neben der optischen Verwandtschaft zu seinen Portfolio-Brüdern auch deren bekannte technische Pluspunkte. Acht Camlocks auf der Unterseite ermöglichen nicht nur eine Montage der Brackets in Längs- oder Querrichtung, sondern auch in unterschiedlichem Abstand zueinander – ein kleines, aber feines Detail, das schon so manches Mal bei der Umsetzung vorgegebener CAD-Maße auf Traversen mit unterschiedlichem Bracing hilfreich war. Ebenfalls ein Highlight beim Thema Rigging ist die seitlich angebrachte, dadurch sehr gut zugängliche und ausreichend dimensionierte Öse zum Anbringen einer normgerechten Sicherung. Die Stromversorgung über PowerCon In / Out erfreuen das Herz des Lichttechnikers, lassen sich doch dadurch auf simple Weise mehrere Scheinwerfer in hybriden Daten/Strom-Ketten verkabeln – ein bei einem Gerät mit lediglich 480 VA Leistungsaufnahme sinnvolles Feature. Die DMX-Datenverkabelung erfolgt wahlweise über 3- oder 5- pol XLR-Buchsen. Wer aufgrund ausgeprägter Kupferallergie lieber durch die Luft kommuniziert, hat die Möglichkeit, dies über den serienmäßig eingebauten JB-Lighting W-DMX-Receiver zu tun. Benötigt wird dann aber der optional erhältliche, proprietäre Sender TRX. Eine Ausgabe der wireless empfangenen Daten über DMX-Out zur kabelgestützten Verteilung ist (ebenso wie weitere Datenkommunikation über ArtNet oder RDM) leider nicht möglich. Das grafische Display mit je zwei Richtungs- und Menütasten sowie einer separaten Taste zum Drehen des Displays ist nicht akkugepuffert, durch gleichzeitiges Drücken der rechten Taste und Anschließen einer externen Stromversorgung lassen sich allerdings der Reset-Vorgang und die Pan/Tilt-Initialisierung abbrechen, wodurch ein Setup vorab im Case möglich ist. Anzumerken bleibt an dieser Stelle jedoch, dass – unbenommen der Realität – ein Einstecken unter Last mit einem klassischen PowerCon nicht zulässig, ein gleichzeitiges Einsichern und Tastendrücken im Regelfall aber nicht möglich ist. Hier wäre künftig doch eine Lösung über einen zusätzlichen On/Off-Schalter, PowerCon True1oder ein akkugepuffertes Display in steigender Rangordnung wünschenswert. Das Setup selbst ist für professionelle Anwender absolut intuitiv bedienbar, die Menüstruktur logisch und einfach. Erwähnenswert und praxisgerecht ist dabei, dass unmittelbar auf dem Homescreen die angezeigte DMX-Adresse verändert sowie der eingestellte Betriebsmode kontrolliert werden kann.

Zur Auswahl stehen dem Anwender drei Modi, die nichts mehr mit den JB- und Hog-Modes der vergangenen Tage zu tun haben, sondern sich lediglich in der 16-BitAuflösung von Gobo- und Prismenrotation sowie der Implementierung zweier Speed-Kanäle für Pan/Tilt und Effekte unterscheiden und damit 20, 22 oder 25 Channels belegen. Ein gewohnt umfangreicher Stand-Alone-Modus mit bis zu 20 manuell editierbaren oder von externen Controllern gecaptureten Szenen inklusive Master-Slave-Funktionalität bietet in der Praxis alles Notwendige, ohne den Anwender in ausufernden Menüpunkten zu ersticken. Eine Etage höher beginnt die Reise im Kopf mit einem Entladungsleuchtmittel Osram Sirius HRI 280 W mit 7.800 K Farbtemperatur und durchschnittlich 2.000 h Lebensdauer. Die erste Station des von dort emittierten Lichtstrahls ist auch schon eines der Highlights des P4: Die Beam-Formung zur Wandlung von Hotspot-Beam in einen homogenen Spot. Üblicherweise erfolgt dies mittels eines Diffusors, der allerdings auch einen gewaltigen Anteil der Lichtleistung schluckt. JB-Lighting bietet deshalb zusätzlich eine völlig neuartige Streulinse zur Homogenisierung des Beams an, die aufgrund ihrer optischen Beschaffenheit eine nahezu doppelte Helligkeit ermöglichen soll – Näheres dazu im Praxisteil. Es folgen ein Farbrad mit zehn Farben zuzüglich CTB, CTO und UV-Filter, zwei Goboräder mit statischen und rotierbaren Gobos, Shutter/Dimmer-Flügel, Fokuslinse, zwei Prismen, Frostlinse und Zoom, womit der Scheinwerfer eine stattliche Anzahl an Features bietet, die auf der Wunschliste an ein möglichst universell einsetzbares Moving Light stehen dürften.

Der JB Varyscan P4 in der Praxis

JB-Lighting interpretiert den Namen P4 als vierfache Perfektion in Sachen Beam, Spot, Service und Handling – Letzterem lässt sich bereits nach Beginn unseres Praxistests klar zustimmen: Trotz eines kurz vor dem Test eingetretenen, klassischen Hexenschusses und einer damit verbundenen Bewegungseinschränkung war es völlig unproblematisch, den gerade mal 15 kg schweren Spot dank großer Griffe ins Testlabor zu bewegen – wenn auch zugegebenermaßen etwas langsamer und bedächtiger als üblich. Nach einem eher trägen und langsamen Reset, aber schnellen und unkomplizierten Setup, überzeugt der P4 gleich zu Beginn in Sachen Geschwindigkeit: Mit nur knapp 1,9 s für 433° Pan und 1,2 s für 280° Tilt ist der Kopf definitiv als schnell zu bezeichnen und damit gewappnet für beeindruckende Effekte im Bereich der Bewegung. 3-Phasen-Schrittmotoren sprechen dabei angenehm direkt und präzise auf Controllerbefehle an. Der P4 kann in zwei möglichen Arbeitsmodi als Beam- oder Spotlight betrieben werden. Technisch erfolgt dabei eine Homogenisierung des per se sehr hotspottigen Beams mittels Diffusor oder Streulinse, die Auswahl erfolgt indirekt über das zweite Goborad.

JB Varyscan P4 280 HRI 18
Neuartige Streulinse Die Beamformung zur Wandlung von Hotspot-Beam in homogenen Spot erfolgt üblicherweise mittels eines Diffusors, der allerdings auch einen gewaltigen Anteil der Lichtleistung schluckt. JB-Lighting bietet deshalb zusätzlich eine völlig neuartige Streulinse zur Homogenisierung des Beams an (Bild: Stefan Junker)

Steht dies auf dem Wert Null, lässt sich der P4 ohne Beamformung, also als Beamlight nutzen, eine irrtümliche Verwendung der hitzeempfindlichen Glasgobos des Goborades ist dadurch automatisch ausgeschlossen. Weiterhin fährt das gestanzte Goborad 1 eine 6 mm große Blende in den Strahlengang ein, was den Beam auf einen Abstrahlwinkel von 2,5° reduziert. Man könnte nun anführen, dass dies natürlich nur eine mechanische Reduktion des Winkels durch Abschatten äußerer Randbereiche ähnlich einer Iris darstellt und im Gegensatz zu einer echten, über optische Elemente herbeigeführten Lösung zu Leistungsverlusten führt – in der Praxis aber feuert der P4 im Beam-Mode bei minimalem Zoom und scharfgestelltem Fokus einen derartigen Punch aus dem Gehäuse, dass solche Anmerkungen rein theoretischer Natur bleiben. Zu beachten ist, dass in den Fixture-Types der meisten Konsolen bereits ein Wert von 0 für Goborad 1 und 2 eingetragen ist – deshalb sollte in der Praxis für den Beamformungskanal die Basis zwischen 016 und 023 gewählt werden, um den Scheinwerfer bereits per Default im Beammode ohne Homogenisierung zu nutzen. Durch Eingabe eines Wertes von 004 bis 255 für Goborad 2 wechselt man in den Spotmode, das heißt Goborad 1 öffnet seine Blende und die Beamformung fährt die Streulinse als Homogenisierer in den Strahlengang. Dem User steht es nun frei, entweder mit dieser neuartigen JB-Optik zu arbeiten, die eine nahezu doppelte Helligkeit auf Kosten einer nicht ganz homogenen Lichtverteilung bietet, oder mit dem sehr homogenen, aber stark verlustbehafteten Diffusor. Je nach Anwendung und Priorität auf Homogenität oder Helligkeit lässt sich hier die passende Variante wählen, beispielsweise würde wohl ein Logo eher mit dem Diffusor an die Wand projiziert, Prismeneffekte mit Gobo und größerem Zoom aber definitiv mit der Streulinse homogenisiert werden. Trotz dieses Vergleichs sollte aber nicht vergessen werden, dass der P4 als Hybrid-Scheinwerfer nicht primär zur Aufprojektion detailreicher Gobos gedacht ist, sondern als flexibel einsetzbares Werkzeug gleichermaßen hoch energetische Beams sowie möglichst homogene Goboeffekte im Raum erzeugen soll. Im Spot-Mode ist selbstverständlich die Nutzung beider Goboräder möglich, die Auswahl ist äußerst gelungen. Zur Verfügung stehen eine große Anzahl an Aerial- und Beambraker-Effekten sowie vier Donut-Blenden für unterschiedliche Beamdurchmesser, allerdings bietet keines der beiden Goboräder Shake-Effekte oder Wheel-Rotationen.

Ein großzügiger Fokus ermöglicht nicht nur eine gute Schärfe über den nahezu gesamten Projektionskreis, sondern auch ein problemloses Morphing zwischen den beiden Rädern. Allerdings bleibt hier anzumerken, dass alle Gobos auf dem statischen Rad 1 in erster Linie für die Beam-Anwendung und damit deutlich kleiner als die indizier- und rotierbaren Glasgobos auf Rad 2 für den Spotbetrieb dimensioniert sind – ein Morphing also nur einen Teil der Glasgobos durchleuchtet. Das Dimming des P4 ist in allen DMX-Modes nur mit 8 Bit aufgelöst, dennoch verlaufen lange Outfades optisch durchaus linear und gleichmäßig, auch wenn sich je nach gewählter Beamformung und Fokus die Dimmerflügel in den untersten Bereichen bei Projektionen zunehmend deutlich abzeichnen. Um eine ähnliche Inhomogenität, dann aber mit wesentlich störenderem Einfluss, zu vermeiden und gleichzeitig eine möglichst hohe Lichtausbeute zu bewahren, bietet der Scheinwerfer in punkto Farbgestaltung kein Farbmischsystem, sondern ein Farbrad mit zehn Voll- und Halbfarben sowie CTB, CTO, UV-Filter und Rainbow-Effekt. Das Tempo des Rades ist dabei so schnell, dass nahezu unsichtbare Farbwechsel von benachbarten Farben (dankenswerterweise auch von Rot und Blau nach Weiß) möglich sind. Sehr gelungen sind die beiden Prismen, die den Beam entweder 6fach in linearer oder 8fach in kreisförmiger Anordnung aufspalten, sowie der stufenlose Frost, der durch eine extreme Weichzeichnung großflächige Illuminationen in Show oder Architektur ermöglicht. Der extrem schnelle Zoom variiert den Öffnungswinkel je nach gewählter Betriebsart in einem Bereich von 2,5° bis 10° (Beam-Mode) sowie 5° bis 20° (Spot-Mode). Eine kleine Ecke in der insgesamt runden Performance des P4 findet sich in der Tatsache, dass eingefahrene Prismen oder Frost sowohl Fokus- als auch Zoomlinse etwas in ihrem Fahrweg behindern. Im Bereich des Fokus wirkt sich dies nicht negativ aus, lassen sich doch beide Goboräder nach wie vor scharf abbilden. Die Begrenzung des Zooms und damit des minimalen Abstrahlwinkels allerdings vergrößert einen extrem gebündelten Beam bei Einsatz eines Prismas doch merklich.

Fazit: Der Varyscan P4 ist ein reichhaltig ausgestattetes Hybrid Moving Light für eine Vielzahl von Anwendungen

Der JB-Lighting P4 schließt die seit längerem bestandene Lücke zwischen handlichem P3 und den Flaggschiffen P6 und P7 im konventionellen Portfolio des schwäbischen Herstellers. Ein Osram HRI 280 W Leuchtmittel als „Motor“, gepaart mit Kreativwerkzeugen wie Farbrad, je zwei Goborädern und Prismen sowie Fokus, Frost und Zoom, vor allem aber die kombinierte Verwendung als Spot- oder Beamlight ergeben ein reichhaltig ausgestattetes Moving Light für eine Vielzahl von Anwendungen. Eine neuartige, von JB-Lighting entwickelte Streulinse zur Homogenisierung des Beams im Spotmode bietet dabei deutlich mehr Helligkeit als die üblicherweise zum Einsatz kommenden Diffusor-Filter. Ein rein auf optische Präzision getrimmtes Spotlight mag etwas homogener, ein ausschließlich auf Output getrimmtes Beamlight einen Ticken heller sein – aber der P4 vereint beide Disziplinen auf außerordentlich hohem Niveau und das für einen Listenpreis von 3.860,− Euro netto.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: