Audio-/Video-Stagebox

Review: Konvergenz mit Lawo Edge One

Mit Edge One präsentiert Lawo eine neue, konsequent netzwerkbasierte I/O-Plattform, die Audio-, Video- und Steuerungsfunktionen in einem kompakten Gerät zusammenführt

Lawo Edge One

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An einer stärkeren Konvergenz seiner Produktwelten arbeitet Lawo intern bereits seit mehreren Jahren. Edge One ist nun eines der sichtbaren Ergebnisse dieser Strategie.

Die neue Produktfamilie richtet sich dabei nicht nur an klassische Broadcast-Anwendungen, sondern ebenso an Installationsprojekte, wie Theater, Stadien etc., aber auch an den flexiblen Event-Markt. Im Mittelpunkt steht die Idee Audio- und Videotechnik in einem Gerät zu vereinen. Im Gespräch mit dem leat magazine erklärt Lucas Zwicker, Product Manager im CTO Office von Lawo, wie sich aus den Anforderungen moderner Produktionen ein Gerät entwickelt hat, das eine klassische Stagebox zur Signal-Annahme und -Ausgabe mit weiteren praktischen Funktionen ergänzt.

Konvergenz statt Insellösungen

Die Entwicklung von Edge One basiert auf einer Beobachtung, die viele Produktionen aktuell prägt: Budgets sinken, Produktionen werden dezentraler, Personalressourcen knapper. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Flexibilität und Skalierbarkeit. Statt separater Geräte für Audio-, Video- und Steuerungsanwendungen wächst daher der Wunsch nach kombinierten Lösungen.

„Müssen es wirklich immer zwei Geräte sein – eines für Audio und eines für Video?“, beschreibt Zwicker den Ausgangspunkt der Entwicklung. Genau an dieser Stelle setzt Edge One an: Das System kombiniert Audio-I/O, Video-I/O, Routing und Signal Processing innerhalb einer Plattform.

Lawo verfolgt zudem konsequent einen softwarebasierten Ansatz. Viele Signalverarbeitungsfunktionen, die früher rein hardwarebasiert liefen, wurden in den vergangenen Jahren in flexible Softwaremodule überführt und dabei Audio und Video Processing innerhalb derselben Plattform zugänglich. Edge One ergänzt nun diese Entwicklung und vereint Audio- und Videofunktionen erstmals in einer besonders kompakten Form.

Lawo Edge
Kompakter Aufbau zum Beispiel für Kommentator-Lösungen (Bild: Lawo)

Kompaktes Format, flexible Ausstattung

Besonders auffällig ist dabei die Bauform: Edge One kommt im 1-HE-Format mit etwa einer halben Rackbreite und adressiert damit Anwendungen, bei denen Platz eine entscheidende Rolle spielt. Besonders spannend zum Beispiel für Kommentator-Lösungen oder auch als kompakte I/O bei engen räumlichen Verhältnissen. Stageboxen werden so kleiner und leichter und sind auch bei beengten Verhältnissen platzierbar. Edge One wird mit zwei gummierten Hüllen an der Vorder- und Rückseite geliefert, um die Box direkt ohne Case einzusetzen. Optional erhältlich sind aber auch Rackohren, sowie eine Halterung, um Edge One direkt unter einem Tisch oder an einer Wand zu installieren. Praktisch zum Beispiel für dezentrale Schnittplätze oder Sprecherräume.

Auf der Audioseite verfügt das System über modulare Front-I/Os. Nutzer können zwischen verschiedenen Audiomodulen wählen – darunter acht klassische Mikrofoneingänge, eine kombinierte Mic-/Line-Variante mit vier Ein- und Ausgängen oder ein spezielles Commentary-Modul mit drei Mikrofoneingängen, drei Kopfhörerausgängen, sowie zwei Aux Ein- und Ausgängen. Die Module lassen sich auch vor Ort schnell austauschen und an die jeweilige Produktion anpassen.

Ergänzt wird die Audiosektion durch zwei 64CH-MADI-Ports, die entweder separat oder redundant laufen können. Beide inklusive Sample Rate Conversion. Darüber hinaus gibt es ein USB-C-Audiointerface zur direkten Anbindung eines Rechners. In der ersten Version von Edge One wird das Interface vier Ein- und Ausgänge beinhalten. In einer späteren Version soll es voraussichtlich um weitere Kanäle erweitert werden.

Auch videoseitig zeigt sich die Plattform vielseitig. Acht bidirektionale SDI-Ports bilden die Basis, ergänzt durch vier HDMI Ein- und Ausgänge. Gerade dieser Punkt dürfte in vielen modernen Produktionsumgebungen interessant sein: Statt ausschließlich auf klassische Broadcast-Monitore zu setzen, können auch kostengünstigere HDMI-Displays oder kompakte HDMI-Kameras direkt integriert werden ohne weitere Wandler zu verwenden.

Ein besonderes Detail ist dabei die flexible HDMI-Implementierung. Um Platz auf der Frontblende zu sparen, arbeitet Lawo mit zwei elektronisch umschaltbaren HDMI-Ports, die je nach Bedarf als Ein- oder Ausgang fungieren können. Somit können maximal vier HDMIs ausgegeben werden oder zwei Ein- und Ausgänge.

Edge One verfügt zudem über zwei redundante Eingänge für externe Netzteile, einen Sub-D GPIO Port (2 × GPI / 4 × GPO), einen Management Netzwerk Port und für den Uplink ins IP-System, zwei SFP Slots und zwei Ethernet Ports. Last but not least Sync In, Through und Out, sowie einen Wordclock Out.

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Für moderne Commentary-Workflows entwickelt

Ein zentrales Einsatzgebiet sieht Lawo in Commentary und Remote-Produktion. Gerade dort verändern sich Produktionsabläufe derzeit massiv: Immer häufiger übernimmt eine Person gleichzeitig Moderation und Kommentar, während Produktionen zunehmend remote organisiert werden.

Edge One trägt dieser Entwicklung Rechnung. Neben dem speziellen Commentary-Modul integriert das System auch DSP-Funktionen für Monitoring- und Vormischungen direkt im Gerät. Dazu gehören unter anderem EQs, Kompressoren, Limiter sowie ein Automixer. Ziel ist weniger ein vollwertiges Mischpult als vielmehr eine flexible Low-Latency-Monitoring- und Mixing-Plattform direkt vor Ort.

Parallel dazu verfolgt Lawo einen softwarebasierten Ansatz für die Bedienung. Statt klassischer Commentary-Hardware kommen flexible Softwareoberflächen in Kombination mit Stream-Deck-Controllern zum Einsatz.

Gerade im Zusammenspiel mit Remote-Produktionen eröffnet das neue Möglichkeiten: Commentary-Positionen können deutlich kompakter aufgebaut werden und benötigen weniger dedizierte Hardware.

Audio-DSP Workspace
Audio-DSP Workspace

Native IP-Integration

Technisch setzt Edge One vollständig auf offene Standards und native Netzwerkintegration. SMPTE ST 2110 wird ebenso unterstützt wie NMOS-basierte Steuerung. Dadurch lässt sich das System nicht nur innerhalb einer reinen Lawo-Infrastruktur betreiben, sondern problemlos in andere Produktionsumgebungen integrieren.

Die Plattform kann dabei sowohl als Standalone-System als auch als Bestandteil größerer Produktionsnetzwerke genutzt werden. In Kombination mit Lawo-Konsolen oder dem VSM-Steuersystem stehen zusätzliche Integrationsmöglichkeiten zur Verfügung, etwa für die Fernsteuerung von Preamps oder das zentrale Routing.

Perspektivisch plant Lawo zudem weitere Netzwerkfunktionen. Künftig sollen die RJ45-Ports zusätzlich als Switch- beziehungsweise Tunnel-Ports nutzbar werden, sodass beispielsweise AES67-Geräte, Intercom-Systeme oder abgesetzte Bedienteile, wie ein Streamdeck mit Network Dock, direkt angebunden werden können. Ein Streamdeck Plugin für Edge One soll direkt von Lawo erhältlich sein.

Flexibles Lizenzmodell

Auch beim Lizenzkonzept verfolgt Lawo einen flexiblen Ansatz. Kunden können zwischen unterschiedlichen Funktionsumfängen wählen – etwa Audio-only, Video-only oder einer kombinierten Variante. Zusätzliche Features wie Frame Synchronizer oder Commentary-Erweiterungen lassen sich optional ergänzen.

Neben klassischen Kauf-Lizenzen bietet Lawo dabei auch ein flexibles Subscription-Modell an. Funktionen können je nach Produktionsanforderung temporär freigeschaltet und später wieder anderen Geräten zugewiesen werden. Gerade für große Produktionshäuser und Rental-Unternehmen dürfte dieses Konzept interessant sein.

Marktstart ab Herbst

Bestellbar soll Edge One ab Juli sein, die ersten Auslieferungen sind laut Lawo für Oktober geplant. In der Basisvariante startet Edge One bei einem Listenpreis von ca. 8.500 EUR.

Schon jetzt zeigt sich jedoch: Edge One ist deutlich mehr als eine klassische Stagebox. Vielmehr versucht Lawo, auf die veränderten Anforderungen moderner Produktionen zu reagieren – mit einer Plattform, die Audio, Video und Steuerung konsequent zusammenführt und dabei gleichzeitig kompakt, flexibel und netzwerkorientiert bleibt. Nach dem Marktstart werden wir die Hardware hier noch mal ausführlich testen und über erste Praxisanwendungen berichten.

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