Grundlagen

Handling und Lagerung von Projektionsfolien: Gerollt oder gefaltet?

Der Klassiker unter den Projektionsflächen sind immer noch die Projektionsfolien. Aber was passiert mit den Folien nach ihrem Einsatz? Was ist beim Handling und bei der Lagerung zu beachten? Wie kann ich die gängigsten Schäden vermeiden? Und was passiert, wenn eine Folie doch mal unbrauchbar wird? Unser Autor Alexander Heber hat sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt.

Gerollte Lagerung von Projektionsfolien
Gerollt oder gefaltet? Eine der wichtigsten Fragen bei Lagerung und Versand von Projektionsfolien (Bild: Alexander Heber)

Projektionsfolien – das sind mit Weichmachern, Stabilisatoren und Mitteln für Brandschutzanforderungen durchsetzte Kunststoffe, meist PVC. Sie altern, ändern bei wechselnden Temperaturen ihre Eigenschaften und können dauerhaft verformt und zerstört werden. Da lohnt es sich, über einige grundlegende Dinge im Bilde zu sein. Grundsätzlich gilt: Die sachgerechte Handhabung und Lagerung der Folien erhöht die Lebenszeit, ist somit wirtschaftlich und nicht zuletzt auch im Sinne der Umwelt.

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Übersicht:

Versand: gerollt oder gefaltet?
Weißbruch
Kältebruch
Lagerung von Projektionsfolien
Verschmutzungen und Reinigung
Reparatur und Recycling


Versand: gerollt oder gefaltet?

Steht die Anschaffung einer neuen Projektionsfolie an, stellt sich bereits im Vorfeld eine der wichtigsten Fragen: Gerollt oder gefaltet – quasi: Döner oder Dürüm? In der Regel muss man für die gerollte Lieferung einen Aufpreis in Kauf nehmen. Lohnt sich diese Investition? Die Hersteller haben da eine klare Meinung und sprechen mitunter bereits eine Empfehlung in ihren Katalogen und Broschüren aus, denn: Starke Faltenbildung und Weißbruch sind mögliche Gefahren, denen die Folien bei einer gefalteten Auslieferung ausgesetzt sind. Wird eine Folie extra für ein Event angefertigt und direkt zur Produktion geliefert, empfiehlt sich immer der gerollte Versand – denn die Zeit bis zur Show reicht eventuell nicht aus, um die Falten noch aushängen zu können. Außerdem geht man damit dem Weißbruch-Risiko aus dem Weg.

Findet die Veranstaltung zur kälteren Jahreszeit statt und wird hierfür eine Rückprojektionsfolie geliefert, so ist dringend ein gerollter Versand zu empfehlen – denn die Folien sind bei Kälte empfindlicher und es besteht das Risiko eines Kältebruchs. Werden die Folien doch gefaltet versendet, sollten diese flach liegen und nicht etwa in Cases herumrutschen, da sie hier unnötig knittern oder auch gequetscht werden.

Abflussrohre als geschützter Transport und zur Lagerung von Projektionsfolien
Abflussrohre für den Versand Bei AV Stumpfl kann man die Abflussrohre für den Versand gleich mit bestellen. Hier wurden sie zusätzlich mit Verschlüssen versehen und bilden eine ideale Transport- und Lagermöglichkeit (hier im Lager von pms professional media service in Dresden) (Bild: Alexander Heber)

Grundsätzlich gilt: Das Handling mit steifen, erkalteten Folien sollte immer vorsichtig passieren und auf ein Minimum reduziert werden, bis sich die Folie auf Zimmertemperatur akklimatisiert hat.

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Weißbruch

Weißbruch tritt durch eine Überdehnung des Materials auf. Das kann durch plötzliche Belastungen geschehen, wie durch ein fallendes Multitool, aber auch durch Druckstellen bei falscher Lagerung. Bei Tageslicht erkennt man deutlich die weißen Flecken im Material. Auch die Eigenschaften von Reflektion und Lichtdurchlässigkeit leiden erheblich unter einem Weißbruch-Schaden.

Weißbruch bei Projektionsfolien
Weißbruch Man erkennt deutlich die Verformung und die weißen Stellen im Material. Plötzliche Einschläge aber auch langer Druck, zum Beispiel durch Druckknöpfe, können die Ursache sein (Bild: Alexander Heber)

Kältebruch

Je kälter es wird, desto härter werden PV-basierte Materialien und somit auch unsere Projektionsfolien. Werden die Folien in diesem Zustand belastet, kann es zum sogenannten Kältebruch kommen. Dieser hinterlässt auffällige und irreversible Schäden im Material.

Kältebruch bei Projektionsfolien
Kältebruch Auch Schäden durch Kältebruch sind irreversibel. Die Gefahr zu diesem Schaden besteht nicht nur, wenn kalte Folien gehandhabt werden, sondern auch, wenn sich Folien unter Belastung abkühlen (Bild: Alexander Heber)

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Lagerung von Projektionsfolien

Auch bei der Lagerung stellt sich wieder die Frage nach dem „wie“ – gerollt oder gefaltet? Besonders große Folien oder solche, die als Bühnenhorizont genutzt werden, sollten nicht gefaltet sondern gerollt gelagert werden. Hier spielt wieder die Faltenbildung eine große Rolle: Folien, die eher selten zum Einsatz kommen, haben viel Zeit, die Falten tief in das Gewebe wirken zu lassen. Sie brauchen anschließend umso länger, um sich wieder auszuhängen – wenn dies überhaupt noch möglich ist.

Bei großen Bildwänden ist auch die Schwerkraft ein Problem, denn im gefalteten Zustand sorgt das Eigengewicht großer Folien nicht nur für tiefe Falten, sondern durch den hohen Druck auch schnell zu Weißbruch. Kommt hier nun noch ein kaltes Außenlager in die Gleichung, kann das teure Produkt wohl kein zweites Mal verwendet werden. Bereits eine kurze unsachgemäße Lagerung kann zum wirtschaftlichen Totalschaden führen.

Bei der gerollten Lagerung ist das Zwischenlegen von Schaustoffbahnen eine nötige Maßnahme: Ob nun Ösen, Fullwhite-Haken, Druckknopfleiste oder Klett – die Folien sind am Rand deutlich dicker, was entsprechend ausgeglichen werden muss. Ohne die Schaumstoffbahnen würde sich der Durchmesser außen viel schneller erhöhen als innen. Die Folien würden mittig in sich zusammenfallen und dort knittern. Der Schaumstoff schützt die Folie zudem vor Stößen und Abdrücken in der Projektionsfläche durch Fullwhite-Haken & Co.

Beim Kauf einer Folie mit gerollter Lieferung sind die Schaumstoffbahnen und auch das Rohr aus Karton, auf das die Folie aufgerollt wird, bereits dabei. Kommen die Folien häufiger zum Einsatz, kann man zu Abflussrohren in der richtigen Größe und Länge greifen. Die Folie kann darin lichtdicht und vor Feuchtigkeit geschützt gelagert werden und ist auch beim Transport direkt optimal verpackt. Bei unregelmäßigem Einsatz kann die Folie auch mit Stoff und Schutzfolie umhüllt gelagert werden und nur für den Transport in ein schützendes PVC-Rohr gepackt werden.

gefaltete Lagerung von kleinen Projektionsfolien
Fastfold-Folien Gut sortiert, vor Licht geschützt und ohne Belastung – so lagern kleinere Folien für eine lange Haltbarkeit (Bild: Alexander Heber)

Bei der gefalteten Lagerung sollte man darauf achten, dass die Folien flach, ohne Druck, mit möglichst wenig Faltungen und einzeln liegen – also nicht im Stapel von zehn Folien übereinander.

Beim Zusammenlegen der Folie ist wichtig, dass keine Druckknöpfe oder andere feste Bestandteile der Konfektion direkten Kontakt mit der Folie bekommen. Hier reichen eine schmale Schaustoffbahn und geschicktes Zusammenlegen aus, um dauerhafte Abdrücke in der Folie zu vermeiden. Vorsicht gilt auch bei eventuell aufgeklebten Labeln oder Beschriftungen – ein durchgedrückter Barcode auf der weißen Aufprojektionsfolie lässt sich nicht einfach wieder wegwischen. Die Lagerung sollte auch hier trocken und vor direktem Licht geschützt erfolgen, um partielle Verfärbungen und den rasanten Abbau von Weichmachern im Material vorzubeugen.


»Wer Bildwände lange nutzen und vermieten möchte, muss materialgerecht lagern. So einfach ist das.«

Enrico Dreßler | Geschäftsführer pms professsional media service


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Verschmutzungen und Reinigung

Eine Bildwand ohne Fingerabdrücke an den Rändern ist selten. Ein sorgsamer Umgang im Produktionsalltag ist jedoch empfehlenswerter und einfacher, als die Reinigung einer verschmutzten Folie. Grundsätzlich gilt also: Vor dem Aufknüpfen einer Folie auf den Fastfoldrahmen oder dem Spannen zwischen Traversen ist Händewaschen keine schlechte Idee. Besondere Sorgfalt ist bei Fullwhite-Systemen geboten, da hier kein schwarzer Rand die Flecken kaschieren kann. Weiße Handschuhe mit Gummierung (für einen guten Grip beim Spannen und Einhaken der Folie) sind auch eine gute Option zur Vermeidung von Schmutzflecken und um die Einsatzfähigkeit lange zu gewährleisten.

Schaumstoffbahnen zwischen gerollten Projektionsfolien
Safety first Beim Aufrollen von Folien werden Schaumstoffbahnen zwischengelegt. Fingerabdrücke vermeidet man ganz einfach durch das Benutzen geeigneter Handschuhe (Bild: Alexander Heber)

Beim Aufbau ist auf einen sauberen, trockenen und fusselfreien Untergrund zu achten – der Boden der Eventhalle erfüllt jedoch nur selten diese Voraussetzungen. Eine Möglichkeit zum Schutz der Projektionsfolie wäre das Unterlegen einer Baufolie. Diese schützt nicht nur vor Verschmutzung, sondern auch vor scharfen Kanten an Bodentanks und Bühnenplatten. Fullwhite-Folien müssen beim Aufbau „auf dem Gesicht“ liegen und werden aus diesem Grund schon von Haus aus mit einer Unterlegfolie geliefert. Tipp: Wenn man gleich markiert, wo oben und unten ist, kann die Unterlegfolie durchaus mehrfach verwendet werden.

Sollte trotz aller Sorgfalt dennoch eine Verschmutzung auftreten, kann man versuchen, diese vorsichtig mit Microfasertuch und PVC-Reiniger zu beseitigen. Es gibt aber auch Folientypen, die nur mit einer milden Seifenlauge und Wasser gereinigt werden können – hier sind die Herstellerhinweise zu beachten. Es empfiehlt sich ein vorheriger Test an eventuellen Folienresten. Für alle Folien gilt: Wer zu intensiv schrubbt, riskiert Materialschäden und damit einhergehend, die Projektionseigenschaften dauerhaft zu verändern. Auch milchig wirkende Flecken können die Folge sein.

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Reparatur und Recycling

Gut gelagerte und achtsam behandelte Projektionsfolien können über viele Jahre einen guten Dienst erweisen. Nicht jede kleine Verschmutzung oder Beschädigung muss sofort das Ende der Bildwand sein. Kleine Risse lassen sich bei blickdichten Aufprojektionsfolien manchmal schon ganz einfach mit Gewebeband auf der Rückseite schließen. Wer Risse in lichtdurchlässigen Folien hat, muss zum Reparaturkit des Fachhändlers inklusive Spezialkleber für PVC greifen. Diese Reparaturen werden immer sichtbar sein, sind aber je nach Anwendung akzeptabel oder bei der Projektion nicht auffällig.

Ist die Folie als Ganzes nicht mehr einsetzbar, kann man jedoch noch mit Teilen daraus kreativ werden: Auf Holzrahmen gespannt lassen sie sich zum Beispiel prima in ein Bühnenbild fliegen. Sollte die hochwertige Folie dem professionellen Anspruch nicht mehr genügen, findet sich eventuell ein Club, Festival-Verein oder Kunstprojekt, wo eine Weiterverwendung möglich ist.

Tipp: Die Firma Gerriets bietet auch an, Folien zu recyceln. Diese werden geschreddert und für die Produktion weniger spezialisierter Produkte wiederverwendet. Das können zum Beispiel Bau- oder Teichfolien sein. Aus diesem Grund konfektioniert Gerriets ausschließlich mit Plastik. Ösen und Druckknöpfe können also an der Folie bleiben und mit geschreddert werden. Wenn die Folie nicht recycelt werden kann oder die Versandkosten nicht wirtschaftlich erscheinen, so bleibt nur die Altstoffsammlung.

Es bleibt zu hoffen, dass sich nachhaltige Ansätze zur Wiederverwendung von Projektionsfolien langfristig durchsetzen und die Altstoffsammlung erst dann eine Option ist, wenn auch das letzte bisschen Weichmacher die Folie verlassen hat und sie wirklich zu nichts mehr zu gebrauchen ist.

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