Produkt: Production Partner 08/2019
Production Partner 08/2019
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Grundlagen der Projektionstechnik

Projektion auf Textilien

Projektionen auf textilen Untergründen haben eine lange Tradition. Im Theater wurden sie schon im 16. Jahrhundert eingesetzt. Heute findet man in den großen Live-Produktionen eine Fülle verschiedenster Stoffe, die wiederum für die unterschiedlichsten Projektionsarten geeignet sind. Unser Grundlagenartikel soll hier eine erste Orientierung und Übersicht geben.

HAMLET Yugoslav Drama Theatre(Bild: Sven Jonke)

 

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Übersicht:

Rückblick: Seit wann und wie wurde auf Bühnenstoffe projiziert?

Projektion auf Textilien: Was geht?
Opak | lichtdichte Textilien
Transluzent | lichtdurchlässige Textilien
Transparent | durchsichtige Textilien

Dreidimensionale Räume durch Bühnenstoffe
Beispiele Adele World Tour 2016

Erbstüll vs. Gobelintüll

Stoffe mit besonderen Fähigkeiten
Akustisch transparente Textilien
Outdoor-taugliche Projektionstextilien

Holografische Effekte


Die große Vielzahl an Veranstaltungen, Events, Incentives, Bühneninszenierungen, Open-Airs, Messen, Konzerten, Tourneen, Präsentationen, Kick-Offs etc. bedingt schon lange eine Suche nach besonderen Effekten, um dem immer mehr von der Vielzahl der Veranstaltungen ermüdeten Besucher doch noch ein einmaliges, unvergessliches Erlebnis zu geben. Und das ist in Zeiten von „Augmented Reality“ oder „Virtual Reality“ auf einer (Live-) Bühne noch einmal schwieriger geworden. Mit der Digitalisierung ist die Erwartungshaltung gewachsen, das„Event-Benchmarking“folgt immer höheren Standards. Gleichzeitig werden die Budgets nicht höher, die Verwendung riesiger LED-Wände oder aufwändiger Pyro-Effekte bei Bühneninszenierungen bleibt wenigen, kommerziell sehr erfolgreichen, Künstlern vorbehalten. Es soll aber idealerweise auch bei kleineren Shows ein einmaliger und nachhaltig beeindruckender Effekt erzielt werden.

Viele Theater- und Opernproduktionen sind eingehende Beispiele für einfache, spektakuläre Effekte mit überschaubaren Budgets und dem kreativen Einsatz der möglichen Materialien und Werkzeuge. Projektionen werden im Theater zur Erzeugung visueller Illusionen schon seit geraumer Zeit und mit einer langen Tradition auf der Bühne eingesetzt. Dabei gilt eine unausgesprochene Vereinbarung mit dem Publikum: So lange der Trick technisch nicht leicht durchschaubar ist, akzeptiere ich die Illusion als Wahrheit auf der Bühne – ebenso wie ich die Rollen und nicht die Schauspieler sehe.

Seit jeher projizieren Regisseure, Bühnenbildner, Lichtdesigner und auch spezialisierte Projektionskünstler szenische Hintergründe oder Erscheinungen (vom großen live abgefilmten Gesicht eines Akteurs bis hin zu aufwändig gestalteten, artifiziellen und teils abstrakten Bildern) auf unterschiedliche Bühnenaushänge oder Objekte.

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Rückblick: Seit wann und wie wurde auf Bühnenstoffe projiziert?

Von B. Della Porta wurde 1589 die Zauberlaterne, ein Spiegel-Schattenwurfgerät, erstmals beschrieben. Durch weitere Verbesserungen, wie zum Beispiel einer Sammellinse, entstand 1659 schließlich die berühmte „Laterna Magica“ von Christian Huygens. Schon in dieser Zeit wurde auf Bühnenaushänge aus textilen Materialien projiziert. 1872 ersetzte Marcy aus Philadelphia die Öllampe durch eine Petroleumdochtleuchte, die wiederum Anfang des 20. Jahrhunderts durch erste Projektions-Glühlampen ersetzt wurde. Diese Geräte wurden dann in den verschiedensten Ausführungen gebaut: mit Überblendmöglichkeiten, Endlosprojektionen und einigen Features mehr. Kurz darauf wurden schon die ersten Durchlicht- und Auflichtprojektoren gebaut – dem einen oder anderen sicher noch bekannt als Epidiaskope im Schulunterricht.

In den letzten beiden Jahrzehnten, vor allem aber in den letzten Jahren, hat die Helligkeit der Projektoren deutlich zugenommen. Im gleichen Zuge sind die Abmessungen und das Gewicht der Projektoren reduziert worden. Auch hat sich, ähnlich wie im IT-Bereich, die Preisspirale bei steigender technischer Qualität der Geräte nach unten bewegt. Die Zunahme an Helligkeit, auch bei günstigeren Projektoren, macht vieles an Projektion im alltäglichen Event- und Kunstbereich erst möglich. Parallel zur Weiterentwicklung der Projektoren konnte aber auch teilweise der Reflexionsgrad der eingesetzten Textilien verbessert werden, so dass die immer höhere Lichtstärke auf der einen Seite auf immer höhere Leuchtdichtefaktoren auf der anderen Seite trifft.

Parallel dazu ist die Erstellung des Contents der Projektion einfacher geworden. Mussten früher gläserne Dias für die mittlerweile legendären PANI-Projektoren bemalt werden oder aufwändige Filme für Effekte auf der Bühne produziert werden, lassen sich heute die Inhalte und Effekte mit unterschiedlichen Programmen und Medienservern deutlich einfacher und schneller gestalten. Der Einsatz von Projektoren als „intelligente“ Scheinwerfer ist heutzutage wesentlich üblicher als noch vor 10 Jahren.

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Projektion auf Textilien: Was geht?

Grundsätzlich können alle Textilien für eine Projektion verwendet werden, denn unabhängig vom Material und der Farbe lässt sich erstmal auf alles projizieren – die entsprechende Lichtstärke natürlich vorausgesetzt. Je nach künstlerischem Anspruch und Aufgabenstellung könnte man also auch auf ein rotes oder schwarzes T-Shirt projizieren.

Leuchtdichtediagramm Schleiernessel CS
Leuchtdichtediagramm gibt Auskunft über die Reflektionseigenschaften eines Stoffes – hier beispielhaft für einen Schleiernessel CS. Weitere Leuchtdichtediagramme zu über 20 möglichen Projektionstextilien gibt es hier (Bild: Gerriets)

Grundsätzlich lassen sich Textilien bezüglich ihrer Projektionseigenschaften in drei Gruppen einteilen:

  1. Opake Textilien (lichtdicht)
  2. Transluzente Textilien (lichtdurchlässig)
  3. Transparente Textilien (durchsichtig)

Richtig eingesetzt kann die Dreidimensionalität eines Bühnenraums mit Hilfe dieser drei Eigenschaften (egal, ob Projektionsfolien oder Textilien) erheblich beeinflusst bzw. akzentuiert werden.

1. Opak | lichtdichte Textilien

Beispiele für opake Textilien sind Verdunkelungsgewebe, beschichtete Gewebe oder mehrlagige Gewebe. Diese Art der Textilien spielen im Projektionsbereich eher eine untergeordnete Rolle, können aber, wie auch eine lichtundurchlässige Aufprojektionsfolie durchaus Sinn machen: Wenn zum Beispiel die Sonne auf die Rückseite der Projektionsoberfläche scheint (Fensterfront oder Open-Air Bühne) und das störende Durchscheinen zur Erhöhung des Kontrastverhältnisses vermieden werden soll. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für störende künstliche Lichtquellen (in diesen Fällen könnten die lichtdichten Varianten der Gerriets Projektionsfolien Scene oder Gammalux oder eben ein Verdunkelungsgewebe zum Einsatz kommen).

2. Transluzent | lichtdurchlässige Textilien

Transluzente Textilien spielen im Projektionsbereich eine wichtige Rolle. Transluzent bedeutet hier: lichtdurchlässig, aber blickdicht. Nicht beschichtete Nesselgewebe und Stretchmaterialien, viele Seidenstoffe, CS Voile, Gobelin- und Erbstülle und unterschiedlichste Baumwoll- oder Polyester-Gewebe gehören dazu. Mit diesen Materialien kann sowohl eine Auf- als auch eine Rückprojektion realisiert werden. Übrigens: Stretchmaterialien haben sehr schöne Reflektionseigenschaften, die durch die eingearbeiteten Elastomermaterialien bedingt werden.

Abhängig von der Webdichte (Kette und Schuss) und der Art der Webung (zum Beispiel Leinwand-, Köper- oder Atlasbindung) wird aber ggf. die Projektionsquelle erkennbar sein. Es kann sich so ein Hotspot, also ein hellerer Bereich um die Mitte der Projektionsachse, abzeichnen.

3. Transparent | durchsichtige Textilien

Transparente Textilien sind sowohl lichtdurchlässig als auch „blickdurchlässig“, also nicht blickdicht. Gegenstände oder Personen können so hinter dem Textil erkannt werden – je nach Lichtverhältnissen und Transparenzgrad des Textils mal besser oder mal schlechter.

Die Grenzen zwischen transluzenten und transparenten Textilien sind fließend. Eine entscheidende Rolle spielen hier, wie schon erwähnt, die Lichtverhältnisse und Projektionsbedingungen vor Ort. Wird ein transparentes Textil von vorne angestrahlt, wird er – unabhängig davon, ob die Lichtquelle ein Scheinwerfer oder ein lichtstarker Projektor ist – blickdichter, solange keine Lichtquelle hinter dem Tüll die Transparenz wieder herstellt. Selbst kleine Lichtquellen werden dahinter sofort sichtbar, wenn auch nur punktuell. Größere Lichtquellen würden die Blickdichtigkeit flächig wieder auflösen.

Der Unterschied von Projektionstextilien zu Projektionsfolien ist, dass eine Projektionsfolie immer die Projektion „abschneidet“, d.h. die Projektion stoppt normalerweise mit dem Auftreffen auf die Projektionsfolie. Eine weitere Abbildung der Projektion im gleichen (Bühnen-)Raum ist nicht möglich. Dadurch können auch keine Projektionsräume geschaffen werden – eine Abbildung auf einer Projektionsfolie ist somit eher zweidimensional, es sei denn es kommt eine aktive oder passive Projektionstechnik mit entsprechenden Hilfsmitteln (Shutter- oder Polarisationsbrillen) zum Einsatz. Eine Projektion auf Textilien bietet also auch gestalterisch weit mehr Möglichkeiten als eine Folie.


Vielleicht auch interessant: 

 » Checkliste für die Auswahl von Projektionsfolien «


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Dreidimensionale Räume durch Bühnenstoffe

Grundsätzlich gilt, dass dreidimensional wirkende Räume auf einer Bühne immer mit dem Spiel von transparenten, transluzenten und opaken Materialien aufgebaut werden. Gobelintülle (Sharkstooth) bilden die Projektion deutlich besser ab als Erbstülle (Vison-Gauzes/Bobbinets), sind dafür aber etwas weniger transparent.

Räume schaffen durch Projektion
Räume schaffen durch Projektion Projektionist Philipp Contag-Lada hat hier mit unterschiedlichen Projektionsquellen und dem Textil Voile aus Trevira CS für ein Projekt mit den beiden Künstlerinnen Eva Paulitsch und Uta Weyrich einen Raum voller Projektionen geschaffen, die durchschritten und erlebt werden sollten. Die einzelnen Bahnen wurden in den Raum gehängt und dienten als Projektionsflächen. Das projizierte Licht fällt dabei zum Teil durch die Flächen auf die dahinter liegenden und dupliziert so die Inhalte. (Bild: Philipp Contag-Lada) (Bild: Philipp Contag-Lada)

Die Farbe des Tülls spielt eine entscheidende Rolle: Dunkel gefärbte Tülle wirken transparenter und sind weniger sichtbar, da sie das Umgebungslicht weniger reflektieren. Darunter „leidet“ allerdings die Helligkeit der Reflektion – wobei dieser Nachteil aufgrund der heute sehr lichtstarken Projektoren nicht so sehr ins Gewicht fällt. Zu beachten ist auch: Je geringer die Transparenz eines Materials, desto zweidimensionaler wird das projizierte Bild (auch abhängig vom Content).

Als Rückprojektionen funktionieren sowohl die transparenten als auch die transluzenten Materialien recht gut. Selbst grobmaschigere Textilien erscheinen mit einem gewissen Betrachtungsabstand als gesamte Fläche, denn das menschliche Auge schließt physikalisch vorhandene Lücken bis zu einem gewissen Grad sehr schnell.

Hat man nun einen Tüll gefunden, der den technischen Anforderungen an Brillanz und Transparenz erfüllt, gilt es, ihn im richtigen Format und an der korrekten Position ins Bühnenbild zu integrieren: Da die bildlichen Inhalte in der Raumtiefe nicht klar zu orten sein werden, bietet es sich zwar an, den Tüll ganz vorne ins Portal zu hängen. Aber Orchesterpulte oder notwendiges Zuschauerlicht können das Material dort teilweise von vorne stark beleuchten, womit die Grundregel der Unsichtbarkeit der Projektionsfläche verletzt werden würde. Oft bietet es sich daher an, etwas weiter in die Bühnentiefe zu gehen, ohne aber den Aktionsradius der Darsteller zu sehr einzuschränken. Ebenso ist es möglich, verschiedene Tüllbahnen über die Bühnenbreite verteilt in verschiedenen Tiefen zu platzieren. Allerdings werden dann unter Umständen die Materialkanten gezeigt und damit die Illusion aufgegeben. Daher sollte ein Tüll eigentlich immer bis hinter die Kanten des Bühnenausschnitts reichen. Andere Materialien, wie etwa CS Voile, lassen einen geschweißten Kantenabschluss zu, der fast nicht sichtbar ist, und könnten hier ergänzend verwendet werden.


Beispiel: Adele World Tour 2016

Projektionstextilien werden seit einigen Jahren verstärkt auch im Event-, Konzert-, und Tourneebereich eingesetzt, so zum Beispiel auch bei der Adele World Tour 2016.

Adele World Tour 2016
Adele World Tour 2016 Bühnenbild: Es Devlin, Fertigung Gerriets Great Britain (GGB London); Bild: ES Devlin (Bild: ES Devlin)

Bei dieser Tour kam der Projektionstüll Isolde (insgesamt 29 Meter breit und 9,5 Meter hoch) zum Einsatz. Projiziert wurde von vorne. Zu Beginn des Konzertes kam Adele auf die Bühne und stand vor dem Projektionstüll, der an einer Raffvorhanganlage befestigt war. Die hinter Adele stehende Band war nicht zu sehen und kam erst zum Vorschein, als die Fläche hinter Adele und dem Projektionstüll ausgeleuchtet bzw. eine rückwärtige Wand bespielt wurde.

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Zu guter Letzt müssen natürlich die projizierten Bilder die Illusion unterstützen. Sie dürfen das Material nicht unnötig beleuchten, sie sollten also möglichst keinen hellen Hintergrund für das Motiv verwenden, denn diese müssen sich nahtlos in die Bühne integrieren. Deshalb ist es wichtig, beim Erstellen oder Filmen dieser Bilder bereits auf die korrekte Beleuchtung, den Winkel, die Temperatur und Intensität zu achten. Im projizierten Bild sollten die gleichen Lichtverhältnisse herrschen, wie auf der realen Bühne auch. Sollte die Projektion durch den Stoff hindurch fallen und wegen des Winkels der Projektion andere Gegenstände im Bühnenhintergrund beleuchten, sollte man dem Rechnung tragen. Solche störenden Fehler fallen oft nur aus extremeren Betrachtungswinkeln auf. Daher empfiehlt es sich, bei der Einrichtung der Projektionen im Saal umher zu gehen und die unterschiedlichen Zuschauerpositionen zu testen.

Einen schönen Eindruck von der Wirkung der Kombination aus Licht/Textil und Projektion vermittelt das Bühnenbild zu „Violetter Schnee“, einer Inszenierung an der Staatsoper Berlin. Die Projektion von vorne auf einen anthrazit und silbern besprenkelten Gobelintüll in Kombination mit einem seitlichen Gassenlicht ergibt eine wunderbare, dreidimensionale Abbildung.

Bühnenbild "Violetter Schnee"
Phantastische Welten Hier sieht man im Vordergrund die Projektion auf den Gobelintüll und das einem Museum nachempfundene Bühnenbild dahinter. Die beleuchteten Gemälde sind ebenso real wie die Schauspieler (Staatsoper Berlin „ Violetter Schnee“ / Bühnenbild: Ettienne Plus / Lichtdesign: Olaf Frese; Bild: Monika Rittershaus) (Bild: Monika Rittershaus)

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Erbstüll vs. Gobelintüll

Es gibt unterschiedliche Ausführungen von Erbstüllen, die nach Dichtigkeitsgrad, Breite und Material unterschieden werden. Erbstülle sind transparenter, dafür aber in der Projektionsqualität etwas weniger brillant als Gobelintülle. Die Transparenz eines Erbstülls ist sehr gut, die Formstabilität eines großen Erbstülls als Projektionsfläche ist aber durchaus diffizil. Ein Erbstüll wird immer, wenn er an einem Bühnenzug gehängt wird, an den Seiten taillieren. Im Theater- und Opernbereich ist dieses Phänomen bekannt.

Zum Beispiel wird ein Portalschleier, der bekanntermaßen im Portal hängt, meistens über Ringe seitlich gespannt und geführt. Alternativ dazu können in allen Bühnenbereichen seitlich Schals gehängt werden, um die Taillierung zu kaschieren.

Szenisches Mittel mit Irritationsgefahr: Für die „Marylin“ Inszenierung an der Staatsoper Hannover war es die Aufgabe, „Blond“ (als Szenentitel, aber auch in seiner ikonografischen Bedeutung) darzustellen. Dies wurde über eine Aufprojektion auf einen grauen Gerriets Erbstüll und einer Rückprojektion auf eine Optitrans-Folie realisiert. Nur am Rande erwähnt: eine echte Herausforderung für die Tänzer, da solche stark bewegenden, hoch kontrastigen Bilder eine große Irritation zur räumlichen Orientierung auf der Bühne sein können (Choreographie: Jörg Mannes / Bühne: Florian Parbs / Kostüme: Alexandra Pitz / Projektionen und Bild: Philipp Contag-Lada)
Transparenz nutzen: Bei einer sogenannten „Stufeninstallation“ wurde von dem Designer Thomas Moschopoulos/ Viewmaster SA mithilfe von 1.200 m² der Erbstülle Carmen und Parsifal in der griechischen Nationaloper Athen ein beeindruckender 3D-Effekt geschaffen. Dieser entstand durch den Versatz und das Ausnutzen der Transparenz der Tülle und des damit verbundenen Durchscheinens und Duplizierens der Projektionen (George Chatzithanasis)

Bei Aufprojektionen ist zu beachten, dass bei den transparenten Materialien ein Teil, bei den sehr transparenten Tüllen der größte Teil, des Lichtes durch den Tüll hindurch fällt – entweder auf die Bühne, die Decke oder den Hintergrund/Backdrop. Wohin das Licht fällt, hängt natürlich vom Projektionswinkel ab. Bei Rückprojektionen fällt das Licht analog dazu ins Publikum, hier muss der Projektionswinkel mindestens so gewählt werden, dass das Publikum nicht geblendet wird. Dadurch entstehende Lichtreflektionen, sowohl auf der Bühne (bei Aufprojektion) als auch im Auditorium (bei Rückprojektionen) können, richtig eingesetzt, inszenatorisch durchaus interessant sein, aber auch sehr störend wirken.

Ein weiterer Anwendungszweck für die höchst transparent wirkenden, schwarzen Erbstülle ist der Einsatz als Projektionsfläche für Lasershows. Durch die modernste Dioden-Technik sind die heutigen Laser nicht nur kompakter, sondern auch wesentlich leistungsstärker. So wird auch der Einsatz schwarzer Projektionstücher möglich, wodurch der Zuschauer die eigentliche Projektionsfläche nicht mehr wahrnimmt, weil diese überhaupt kein Restlicht reflektiert. Es wird der Eindruck erweckt, die Laserprojektion „schwebe“ im Raum.

Schwebende Projektion Tarm Lasershow
Schwebende Projektion Tarm Lasershow beim Jubiläum „100 Jahre OBO Bettermann“ in Höingsen (Bild: Tarm) (Bild: tarm)

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Stoffe mit besonderen Fähigkeiten

Akustisch transparente Textilien

Für viele Anwendungszwecke gibt es auch akustisch transparente Textilien, die wunderbar als Projektionstextilien eingesetzt werden können. Um eine optimale Klangbalance im Raum zu gewährleisten, ist es häufig notwendig, die Frontlautsprecher hinter der Leinwand zu platzieren. In diesem Fall sind schalldurchlässige Projektionsflächen zu verwenden, da ansonsten ein beträchtlicher Teil der Schallenergie nicht in den Zuschauerraum gelangt – vor allem in den hohen Frequenzen. Akustisch transparente Leinwände können dann klassische Projektionsfolien sein, die gelocht oder mikroperforiert sind. Aber auch schalldurchlässige Textilien kommen hier gerne zum Einsatz.

Outdoor-taugliche Projektionstextilien

Bei Outdoor-Veranstaltungen im Winter können keine Projektionsfolien eingesetzt werden, aufgrund ihrer Kälteempfindlichkeit und der damit verbundenen Kältebruchgefahr (s. auch “Handling und Lagerung von Projektionsfolien”). Hier können Projektionstextilien eine sinnvolle Alternative sein. Die Firma Airscreen setzt zum Beispiel bei Outdoor-Wintersportveranstaltungen anstatt einer Aufprojektionsfolie das Ripstop CS Gewebe als Projektionstextil ein.

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Holografische Effekte

Grundsätzlich sind im Veranstaltungsbereich unterschiedlichste Materialien für die Darstellung von virtuellen Inhalten und damit auch zur Schaffung von interaktiven Welten möglich. Bei gewünschten holografischen Effekten ist auf eine hohe Transparenz zu achten.

Als allerersten Schritt in Richtung holographische Projektionen hat John Henry Pepper 1860 den sogenannten „Pepper‘s Ghost Effekt“ erfunden. Dieser Effekt wurde seitdem häufig angewendet und weiterentwickelt, ist allerdings im Aufbau relativ aufwändig:

Peppers Installation war eine Glasscheibe, die im 45°-Winkel auf der Bühne installiert wurde. Die zu projizierende Person wurde in einem Graben hinter der Bühnenkante (analog zum Orchestergraben) angeleuchtet und spiegelte sich so auf der gegenüberliegenden Seite der Glasscheibe – die Spiegelung eines weißen Papieres oder eines Briefumschlages auf dem Armaturenbrett eines Autos ist im Prinzip etwas Ähnliches.

In den letzten Jahrzehnten wurde die lebende Person durch eine Projektion auf eine am Boden liegende Projektionsfolie ersetzt und die Glasscheibe durch eine hochreflektierende und transparente Folie. Eine auf dem Boden liegende LED-Wand und eine darüber im 45°-Winkel gespannte Pepper‘s Ghost Folie funktioniert im Prinzip genauso. Auch Monitore bzw. Flachbildschirme werden in unterschiedlichen Größen gerne für diesen Effekt verwendet.

Ein Nachteil dieser Anwendungsart ist die hohe Einbautiefe auf der Bühne durch die 45°-Neigung der Pepper‘s Ghost Folie – im Prinzip wird der komplette Projektionsbereich als Effektfläche benötigt. Dazu kommt die aufwändige Installation durch die benötigte hohe Spannung und die hohe Kratz- und Knickempfindlichkeit der Folie. Jedoch finden sich am Markt bereits Alternativen (siehe auch „Hologauze und Inviscreen von Gerriets“).

Holografische Projektion
Corporate-Einsatz Bei der abgebildeten Hologauze war die Herausforderung, eine holografische Projektion der neuen G3-Smartwatch von Samsung für die im 270 -Winkel um den Zylinder herum postierten Zuschauer so zu realisieren, dass alle Zuschauer zu jedem Zeitpunkt und aus den unterschiedlichen Sichtachsen heraus das gleiche Bild sehen (Bild: PRG) (Bild: PRG)

Das Erleben und das Eintauchen in digitale Welten und die Darstellung von unterschiedlichen Welten und Ebenen, wird auch in Zukunft die Theater- und Opernbühnen sowie den Eventbereich beschäftigen. So werden immer wieder neue Herausforderungen an die Materialien gestellt, um möglichst realistische virtuelle und digitale Abbildungen zu schaffen, die einen immersiven Content (s. hierzu auch „Exkurs: Immersion und Virtual Reality“) ermöglichen.

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Beteiligte

Philipp Contag-Lada, der als Projektionskünstler an diversen Häusern Europas arbeitet und unter anderem auch einen Youtube-Kanal betreibt, auf dem er die technischen und künstlerischen Hintergründe von Videomapping, Bühnenprojektion und Projektionstechnik im Allgemeinen erklärt.

Henning Schletter, arbeitet international als Lichtdesigner und Mediengestalter in den Bereichen Theater, Konzert, Event und TV.

Markus Bönzli, langjähriger Leiter der Beleuchtungsabteilungen in Hamburg, Zürich und Freiburg, dazwischen Arbeiten als freier Lichtdesigner und Dozent am Mozarteum Salzburg, arbeitet aktuell als Lichtplaner.

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