Ken DeLoria Sound Design

Beschallungsdesign für TV-Shows

Stage
Beispielhaftes Setup mit Clustern oder Arrays links/rechts, Center und kleinen Nearfills für die wichtigen Gäste in der ersten Reihe (Bild: Ken Deloria)

In einem PRODUCTION PARTNER-Artikel aus dem Jahr 2003 beschrieb Ken DeLoria das Layout und die akustische Abstimmung einer typischen Beschallungssituation für eine TV-Preisverleihung

Die modernen Beschallungslösungen in Theatern, Kirchen, Veranstaltungssälen oder Kongresszentren setzen ganz stark auf den Einsatz einer Vielzahl unterschied- licher Lautsprechergrößen, um die Wiedergabequalität und Eleganz zu erreichen, die mittlerweile von erstklassigen Versamm- lungsräumen erwartet wird. Große Lautsprecher-Stacks oder geflogene Arrays sind zwar großartig und können tatsächlich zur Verstärkung bestimmter Musikstile wie Rock, Rap oder Metal in Sporthallen absolut notwendig sein. Doch selbst in diesen Situationen sind mittlerweile verzögerte Delay- Lautsprecher selbstverständliche Bestand- teile in den Plänen der Toningenieure, um das Gefälle zwischen Direktschall und reflektiertem Schall von den vorderen zu den hinteren Sitzen zu minimieren.

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Vielfalt als Vorteil nutzen

In Theatern und Mehrzweckhallen ist eine Herangehensweise mit brutaler Gewalt normalerweise nicht die beste Lösung. Eine Mischung aus Lautsprechergrößen und -typen, sorgfältig ausgewählt und verteilt, ist in den meisten Teilen der Welt zur üb- lichen Methode geworden. Vorteile gibt es viele. Der SPL kann so justiert werden, dass er innerhalb der Zuschauerfläche nur noch um ein oder zwei dB schwankt und die freie Sicht kommt nicht in Konflikt mit zu großen Stacks oder massiven, geflogenen Arrays. Sektionen des Systems können ausgeschaltet werden, wenn in bestimmten Sitzreihen kein Publikum anwesend ist, wodurch schädliche Schallreflexionen von den leer stehenden Sitzen vermindert wer- den. Die rückkopplungsfreien Pegel liegen ebenfalls höher.

Lassen Sie uns einen Blick auf die moderne Ausführung eines multifunktionalen Systems werfen, das eine Vielzahl von Laut- sprecherformaten verwendet. Die folgende Beschreibung könnte sich auf eine typische Rental-Installation bei einer großen TV- Preisverleihung beziehen. Für diese Aufga- be nehmen wir an, dass der theaterförmige Saal 4.000 Plätze bietet und neben dem Parkett zwei Balkone besitzt, die auftreten- den Künstler reichen von Jazz und Klassik bis zu Rap und Metal.

Als typischen Ausgangspunkt würde man erst einmal leistungsfähige, kohärente Arrays zu jeder Seite der Bühne installieren. Diese Lautsprecher formen das Fundament des Systems, sie bringen den akustischen „Brennpunkt“ zurück auf die Bühnenlinie. Aber auf keinen Fall wird man erwarten, dass sie alle Sitze im Saal abdecken und überall verständlich wahrgenommen werden können. Dieser Job wird von einer Ergänzung aus vielen anderen Lautsprechern übernommen, die auf mehrere unterschiedliche Zonen verteilt sind.

Nehmen wir einmal an, die primären L- und R-Arrays würden aus einem Line-Array-Produkt gebildet. Sie sollten so konfiguriert sein, dass sie die Hauptfläche gut abdecken, vielleicht auch noch den Balkon. Aber sie sollten nicht so ausgerichtet werden, dass sie unschöne Reflexionen von den Oberflächen der Rückwände anregen. Sauber entwickelte Line-Arrays sind außergewöhnlich kohärent und haben ein exzellentes Durchsetzungsvermögen. Daher ist es wichtig sicher zu sein, dass sie nicht übertrieben eingesetzt werden und diskrete Reflexionen von den Rückwänden erzeugen, die dann zur Bühne zurücklaufen und schließlich zerstörerisch im TV-Sendesignal herumvagabundieren. Ob die primären L- und R-Cluster nun Line-Arrays sind oder konventionell horngeladene Concert- Systeme – kritisch sind ihre Positionierung und Ausrichtung. Zu oft schon habe ich ansonsten kompetente Toningenieure ge- sehen, die ihre Riggs schön hoch geflogen und mehr oder weniger gewinkelt hatten, geradewegs auf die Rückwand der Halle zielend – selbst wenn keine aufsteigenden Sitzreihen in dieser Region waren! So arbeitend richten sie den Großteil der akus- tischen Energie eindrucksvoll auf eine mas- sive, reflektierende Wand. Sicher, etwas Sound wird seinen Weg auch zu den Sitz- flächen unten finden, aber das Nachhallfeld des Raums wird unnötig angeregt, was wiederum eine schlechte Verständlichkeit verursacht.

Winkeln Sie diese Haupt-Cluster sorgfältig! Mit aller Wahrscheinlichkeit sind sie die lautesten Quellen des Systems und können hervorragendes leisten (oder die meisten Probleme verursachen). Schauen Sie zu den Sitzen und richten Sie die Energie der Laut- sprecher auf das Zentrum der Sitzfläche, welche sie abdecken sollen. Gleichzeitig können Sie mit der Winkelung nach unten experimentieren, um Beeinträchtigungen durch die unvermeidlichen Reflexionen zu minimieren.

Um dies zu erreichen, insbesondere wenn Zeit knapp ist, riggt man die Cluster am besten so, dass die Motoren Upstage/ Downstage konfiguriert sind statt Left/ Right. Dies sollte ermöglichen, den Nei- gungswinkel des Clusters vom Boden aus zu kontrollieren, indem man entweder den vorderen oder hinteren Motor senken oder heben lässt. Wie genau auch immer Sie das System auf dem Papier geplant haben mögen: Es gib keine Alternative zum wirklichen Hören des Systems in der Halle und Justieren seiner Winkel in Echtzeit für optimale Coverage und geringstmöglich störende Reflexionen. Wenn ich nur einen einzigen Ratschlag geben könnte, würde ich empfehlen, dass Sie die Lautsprecher in der Halle „dynamisch fokussieren“. Dies bedeutet auf sie zu hören und ihre Übertragungsfunktion zu messen, während man Höhe und Neigungswinkel ändert, bis man das bestmögliche Resultat erzielt hat, statt die optimale Höhe und die Ausrichtung „auf dem Papier“ vorzunehmen (oder im Computer).

Nearfills
Beispielhaftes Setup mit Clustern oder Arrays links/rechts, Center und kleinen Nearfills für die wichtigen Gäste in der ersten Reihe (Bild: Ken DeLoria)

Center-Cluster integrieren

Okay, nun haben wir also unsere Haupt-Cluster links und rechts positioniert und ausgerichtet. Was nun? Vielleicht gibt es noch ein drittes Cluster für den Center, der mit den L- und R-Clustern zusammenarbeitet, weil die Halle sehr breit ist. Oder dieses Center-Cluster zielt möglicherweise auf den vorderen Rand des Balkons. Wenn es von beträchtlicher Größe und Leistung ist, sollte es sorgfältig in die L- und R-Cluster integriert werden, bevor man weitermacht und sich die anderen Zonen anhört.

Wie kann man den Center nun einbeziehen? Indem man auf seinen Effekt im Raum hört, und zwar nicht nur in den bestuhlten Reihen, für deren Beschallung das Cluster vorgesehen ist, sondern auch in den Raumbereichen, die es beschallen soll. Wir wissen alle, dass Richteigenschaften bei tiefen Frequenzen beinahe nicht existieren, also tappen Sie nicht in die Falle, dass dieses Center-Cluster (oder irgendein anderes Cluster) diejenigen Sitze abdeckt, auf die es ausgerichtet ist. Es könnte andere Sitzbereiche ungünstig beeinflussen, und der einzige Weg, das herauszufinden ist dort hinzuhören.

Beim Einstellen eines Mehrzonen-Systems ist es wichtig, jede beschallte Zone einfach ein- und ausschalten zu können, um so- wohl negative wie auch positive Beiträge eines jeden Lautsprechersystems in den unterschiedlichen Zonen des Raums zu er- kennen. Die könnte durch eine hoch entwickelte Verstärkerfernsteuerung erreicht werden, durch Equalizer mit Mute-Schaltern oder durch ein einfaches Steckfeld, an dem eine Zone einfach durch Ziehen eines Steckers deaktiviert wird. Welche Methode man auch immer wählt – man wird sehr davon profitieren klar und genau zu wissen, was jede Lautsprecherzone zum Endresultat beiträgt. In manchen Fällen mag es sogar am besten sein, eine bestimmte Zone gar nicht zu benutzen, wenn sie keinen positiven Beitrag leistet.

Pegelabstimmung

Nun haben wir also die Cluster Links, Rechts und vielleicht Center aktiviert und wissen, was jeder zum gewünschten Er- gebnis beiträgt. Im nächsten Schritt kön- nen wir die relativen Pegel und Filterkur- ven justieren, um jede Zone zu optimieren. Vielleicht leistet der Center-Cluster eine wichtige Unterstützung in den mittleren Sitzreihen, aber er ist auch der erste Übeltäter, der Rückkopplungen auf den Redner- mikrofonen hervorruft. Als Gegenmaßnah- me können wir den Pegel des Mikrofons an der Ausgangsmatrix des Mischpults nur auf dem Center-Cluster etwas zurückneh- men oder prüfen, ob sich das Feedback auf eine bestimmte Frequenz beschränkt. Im letzteren Fall, wenn die Rückkopplung nicht breitbandig ist, könnten wir diese eine Frequenz steil dämpfen, indem wir ein „Loch“ in den Frequenzgang des Center- Clusters einfügen. Auch wenn dies keine schulmäßige Praxis ist, könnte es die prak- tischste Lösung sein. Im späteren Betrieb wird dieses „Loch“ vermutlich völlig unbe- merkt bleiben, wenn auch alle anderen Zonen aktiv sind und laufen.

Nun schauen wir uns die vordersten zwei oder drei Reihen an. Die Hauptcluster sind vermutlich so ausgerichtet, dass sie die Bühnenvorderkante zur Erhöhung der ver- fügbaren Rückkopplungsfreiheit ausspa- ren. Das bedeutet, dass sie die vorderen Sitzreihen vermutlich nicht besonders gut bedienen. Also können wir noch eine Reihe kleinerer oder gar winziger Lautsprecher entlang der Bühnenkante platzieren, die durch ein Delay angesteuert werden und diese kritischen Sitze abdecken. Können Sie sich eine Preisverleihung vorstellen, bei der die Empfänger der Awards ihre aufgerufe- nen Namen nicht hören? Das wäre nicht gerade gut fürs Geschäft.

Diese Front-Fills benötigen vermutlich nicht viele Tieftonanteile, man kann an- nehmen, dass davon genügend von den oberen Clustern kommen. Sie können also von geringer Größe sein, so lange das Pro- dukt eine ausreichende Leistungsfähigkeit in den mittleren und hohen Frequenzen bietet. Sollten sie größeren Formats sein, ist vielleicht ein Hochpassfilter gegen Tief- ton-Rückkopplungen im Rednermikrofon – das vermutlich nur einen oder zwei Meter entfernt steht – eine gute Idee.

Nun ist davon auszugehen, dass Lautsprecher das Parkett unterhalb des Rangs ab- decken. Die Hauptlautsprecher werden vermutlich zu hoch geflogen, um die Sitzreihen hinten im Raum zu „sehen“; Stützen sind in dieser Zone oft nötig. Wie in der Zone der Front-Fills gibt es hier bereits ver- mutlich genügend Tieftonenergie von den Hauptlautsprechern, die Lautsprecher un- ter dem Balkon werden nicht viel eigenen Tieftonanteil beitragen müssen. Das be- deutet aber nicht, dass sie erst von 1 kHz aufwärts arbeiten sollten … eher, dass sie Unterstützung hinunter bis 75 oder 100 Hz leisten. Mit einem FFT-Analyser lässt sich einfach feststellen, wie sie dem gesamten System dienen können, indem man die Wiedergabe der Haupt-Cluster in der Zone der Stützlautsprecher misst, aber mit abge- schalteten Fills. Nun wird man den Wunsch nach einer EQ-Kurve haben, die der inversen gemessenen Wiedergabe der Haupt-Cluster entspricht, so dass die Laut- sprecher unter dem Balkon die Lücken im Spektrum der Hauptlautsprecher „auffül- len“ können.

Aber was ist denn falsch daran, die Laut- sprecher unter dem Balkon einfach breit- bandig laufen zu lassen, und fertig? Nun, man kann es so lassen, aber dann addiert man Tieftonenergie in eine Zone, welche diese vermutlich gar nicht benötigt und die späten Reflexionen von der Rückwand könnten Probleme im Parkett verursachen oder gar auf der Bühne, je nachdem wie reflektierend die Oberflächen des Raums sind. Es ist daher besser nur Energie dort hinzuzufügen, wo sie benötigt wird. Die Lautsprecher werden nicht ganz so hart beansprucht und das Endergebnis wird sauberer und klarer sein, und schließlich ist unwahrscheinlicher, dass sie den Broad- cast-Mix negativ beeinträchtigen.

Gut, wir nähern uns dem Ende dieser Übung. Zusätzliche Cluster, womöglich so groß wie die Haupt-Cluster Links und Rechts, könnten für den Balkon nötig sein. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn die Balkone die Hälfte oder mehr der gesamten Sitzkapazität ausmachen, was für viele große Theater typisch ist. Eine Platzierung der Cluster in etwa bei der Vorderkante des vordersten Balkons gibt einem viel mehr Kontrolle als wenn man versucht, den Bal- kon von den Bühnen-Clustern aus zu errei- chen. Die Balkon-Cluster müssen dann nicht annähernd so laut sein als wenn sie 20 oder 25 Meter weiter entfernt wären, also auch nicht so kräftig arbeiten. Ihre Winkel und Abstrahlmuster lassen sich so ohne übermäßiges Übersprechen auf die Seitenwände des Balkons für die Sitze auf dem Rang optimieren. Nach den gleichen Richtlinien werden sie wie die Lautspre- cher unter dem Balkon mit den Hauptlaut- sprechern integriert. Filtern Sie so, dass nur die in dieser Zone benötigte Energie abge- geben wird. Geben Sie genug Pegel, um Deutlichkeit und Kraft in die Balkone zu bekommen, aber nicht so viel, dass stören- de Reflexionen zurück ins Parkett oder auf die Bühne geworfen werden.

Dieser Prozess kann immer weiter fortgesetzt werden. Beispielsweise könnten zusätzliche Lautsprecherreihen ganz hin- ten im Saal hinzugefügt werden, stützende Lautsprecher könnten seitlich im Saal für Zonen im „Schatten“ der Hauptlautspre- cher platziert werden usw.

Die Entscheidung über die Anzahl der Delay-Zonen hängt von der Raumgeome- trie ab, dem Budget sowie der Zeit, die für Installation und Abstimmung verfügbar ist. Ganz wichtig ist, sich daran zu erin- nern, das System ganzheitlich und synergistisch aufzubauen, so dass das Ganze mehr ist als die Summe der Einzelteile. Wenn Sie sich am Start für qualitativ hoch- wertige Lautsprecher entscheiden, von einem Hersteller, dessen gut ausgewogene Produkte sauber klingen und über die Pro- duktlinie hinweg zuverlässig spielen, wer- den Sie mit einem eleganten und kontrollierbaren System belohnt. Eines, das Ihnen die Anerkennung Ihrer künstlerischen Leis- tung verschafft und das Nachfolgegeschäft generiert.

Ken DeLoria
Ken DeLoria

Ken Deloria: über den Autor

Ken DeLoria begann seine Audio-Karriere, als er im Alter von zwölf Jahren seine ersten PA-Lautsprecher baute. Nach der College-Ausbildung in Elektrotechnik arbeitete er in verschiedenen Studios und On-Location als Aufnahmeingenieur. 1978 kam er zu Harry McCune Sound Service in San Francisco als Road-Toningenieur und Speaker System Designer. 1985 gründete DeLoria Apogee Sound Incorporated und hielt dort die Position des Geschäftsführers und Entwick- lungsleiter, bis er die Firma 1999 an Bogen Communications verkaufte. Bogen benannte die Frma in „Apogee Sound International“ um, und Ken DeLoria amtierte weiter als President und leitender Designer bis August 2002, als er die Firma verließ, um seiner Karriere als Berater, als Autor und in der Musik nachzugehen. DeLorias Aufgaben in der Beschallung reichen von sieben Grammy Awards Shows, sechs Academy Award Shows, zwei Super Bowls, drei Democratic National Conventions über eine Unzahl von Festin- stallationen bis hin zu Tourneen und anderen Events überall auf der Welt. Ergänzend zu seiner Arbeit in der Audioindustrie ist DeLoria ein gewandter Musiker, auf dessen Konto mehrere Alben gehen.

Ken Deloria verstarb nach längerer Krankheit am 17. Januar 2017.

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