Bühnenjubiläum

30 Jahre Jubiläumstournee: DJ Bobo Evolut30n

DJ Bobo feierte mit einer umwerfenden Tour sein Bühnenjubiläum, dabei kam auch das neue Follow Me Track it zum Einsatz.

DJ Bobo Evolut3On-Bühne
Imposante Momente Die Köpfe der Schlangen schienen sich regelrecht im 3D-Raum zu bewegen. Die Ausleuchtung der Tänzerinnen fügt sich ins Bild ein, gleichzeitig werden sie geschickt hervorgehoben. Diese angenehme und schwierige Balance zog sich gekonnt durch die komplette Show. (Bild: Harald Heckendorf)

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Übersicht


Anfang der 90er Jahre begann die steile Karriere des Schweizer Künstlers DJ Bobo. Inzwischen ist er längst zur Instanz des Euro-Pop geworden. Seine Songs gingen um die Welt und wurden zu Hymnen einer ganzen Generation. Seine Live-Shows sind audiovisuelle Spektakel, die den Besucher in bunte, beeindruckende Fantasiewelten entfuhren, in denen Bühnenakteure und Publikum tanzend Liebe, Frieden und Freiheit feiern.

Inzwischen besuchen eingefleischte Fans der ersten Stunde mit ihren Kindern und Enkeln die Konzerte. Liebevolle Familienunterhaltung im besten Sinne. Eine kluge und sehr soziale Ticket-Preispolitik macht es möglich.

Die aktuelle Tournee durch die europäische DACH-Region setzt diese erfolgreiche Tradition fort. Dank modernster Technik und ungeahntem Aufwand beeindruckte das Live- Spektakel einer DJ Bobo Show einmal mehr.

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Schwerste Bühne ever für DJ Bobo

Es war die schwerste Bühne, die jemals für eine DJ Bobo Tour gebaut wurde. Eine Rollbühne war daher nicht möglich. Allein diese Tatsache sorgte vor jeder Show für einen straffen Zeitplan, der alle Gewerke forderte. Eine enge und sehr genaue Koordination war somit die Basis für den Erfolg eines jeden Abends.

Ein weiterer prägender Aspekt war, dass bei dieser Jubiläumstournee neue Strukturen, neue Dienstleister und damit auch neues Personal zum Einsatz kamen. Nur wenige, aber wichtige Stammkräfte waren diesmal mit an Bord und sorgten vor allem dafür, dass der traditionelle „Spirit“ einer DJ Bobo Tourproduktion erhalten blieb und an die neuen Teammitglieder weitergegeben wurde.

Die Media Resource Group GmbH & Co. KG aus Crailsheim fungierte erstmals als technischer Dienstleister bei einer DJ Bobo Tour. Thomas Gerdon zeichnete für das Lichtdesign verantwortlich, während die Schweizer Firma Pixelbar aus Thun für den Video-Content sorgte.

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Mitreisender Kran

Eine Besonderheit bei dieser Produktion, die oft back to back stattfand, war ein mitfahrender Kran. Dieser wurde benötigt, um alle Kunststoffteile (z.B. für den Löwenkopf) zu heben und an der dafür vorgesehenen Stelle zu platzieren. Dabei handelte es sich um einen Kran, der normalerweise bei Dachdeckerarbeiten eingesetzt wird. Der Kranführer – als festes Crewmitglied – hatte zuvor eine entsprechende Schulung absolviert. Die vereinbarte Hotline, scherzte Stefan Siebert, unterlag leider nicht den im Tourneegeschäft üblichen 24/7-Gewohnheiten. Das riesige Werkzeug reiste als Anhänger auf einem der Trucks mit.

Insgesamt verteilte sich das Material auf 13 Curtainsider und sechs Kofferauflieger. Eine besondere Herausforderung war die Arbeit in der Kölner Lanxxes Arena. Dank der starken Logistikabteilung floss das Material bedarfsgerecht in die Halle. Alle Auf- und Abbauprozesse wurden im Laufe der Tournee ständig optimiert.

Bühne der DJ Bobo Evolut3On-Tour
Fast nahtlos ging die Bühne in den Zuschauerraum über (Bild: Harald Heckendorf)

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Lichtdesign

Thomas Gerdon entwarf zum ersten Mal das Lichtdesign für eine Tournee von DJ Bobo. Bereits vor einigen Jahren war er als Operator für den Künstler tätig und begleitete ihn in der Vergangenheit mehrfach bei Auftritten in TV-Shows. Auch die von DJ Bobo produzierte Sängerin Andrea Berg begleitete Thomas Gerdon bei zahlreichen Live-Produktionen. Aus diesem Vertrauensverhältnis entstand die aktuelle Zusammenarbeit.

Thomas Gerdon
Lichtdesigner Thomas Gerdon war während der mehrtägigen Vorbereitung in Rust vor Ort (Bild: JULIAN HUKE)

Die Planungen für das Lichtdesign und die damit verbundene technische Betreuung begannen bereits im Frühjahr 2022, kurz nachdem das Bühnendesign seine endgültige Form angenommen hatte. Nach ersten Gesprächen mit dem technischen Dienstleister MRG begann ein reger und regelmäßiger Dialog mit dem Künstler: „Wir haben nahezu wöchentlich Ideen ausgetauscht und regelrecht Ideen Ping Pong gespielt“, verriet Thomas Gerdon und betonte: „Rene (so der bürgerliche Vorname des Künstlers; Anm. d. Red.) arbeitet sehr akribisch und leidenschaftlich an jeder showrelevanten Nuance. Er steht seit 30 Jahren sehr erfolgreich auf der Bühne und weiß immer ganz genau, was er möchte. Dabei steht nie sein Ego im Vordergrund, sondern er möchte immer als Teamplaner die bestmögliche Lösung erreichen.

Dabei kann auch schon mal eine Entscheidung verworfen werden, weil sie nicht das gewünschte Ziel brachte. Songs, die z.B. ursprünglich für die B-Stage geplant waren, können sich bisweilen am nächsten Tag auf der A-Stage wiederfinden und müssen entsprechend umgearbeitet werden.“ Dabei verstehe es der Künstler immer wieder, seine Beweggrunde, Wunsche und Erwartungen so zu formulieren, dass diese vom Team engagiert und motiviert umgesetzt werden, bis schließlich die optimale Lösung gefunden ist.

Um diesen Weg beschreiten zu können, stehen ausgiebige Proben im Europa Park in Rust auf dem Programm. Dank einer langjährigen, freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Yes-Music (der eigenen Produktionsfirma des Künstlers) und dem Betreiber des Europa-Parks finden nach den ersten Proben fast schon traditionell halböffentliche Generalproben vor Ort statt. Diese dienen auch dazu, die Ideen vor Live-Publikum zu testen. Auf Basis dieser Erkenntnisse können dann Feinjustierungen vorgenommen werden. Vermeintliche Kleinigkeiten, wie z.B. ein zu starker Einsatz von Strobes, der die Zuschauer in den ersten Reihen so sehr strapazierte, dass sie nicht mehr optimal mit dem Künstler interagieren konnten, wurden auf Wunsch des Sängers nivelliert.

Ein solch detaillierter Austausch zwischen dem leidenschaftlichen Künstler und seinen Technikern und Kreativen ist sicherlich ein wichtiger Faktor, der jede Show zu dem einzigartigen Live-Erlebnis macht, das die Fans seit Jahrzehnten so lieben.

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Raumgreifende Traversen

Im Zentrum der Hauptbühne stand der überdimensionale, begehbare Löwenkopf. Ausgehend von verschiedenen Höhenniveaus waren rechts und links des Kopfes Treppen und verschiedene Plattformen angeordnet, die allen Bühnenakteuren viel Bewegungsraum boten. Downstage war über die gesamte Breite ausreichend Platz für Tänzer und Sänger, upstage bildete die riesige Projektionsfläche einen imposanten Horizont, auf den fünf leistungsstarke Projektoren atemberaubende Welten projizierten. Die Hauptbühne schien nahtlos (über sanfte Treppen) in den Zuschauerraum überzugehen. In der Mitte des Innenraums befand sich eine quadratische B-Stage und direkt dahinter, hinter dem FOH-Platz, eine weitere, etwas größere Bühne, deren Oberfläche einen überdimensionalen Plattenspieler darstellte.

Drei Bühnen der DJ Bobo Evolut3On-Tour auf einen Blick
Alle drei Bühnen wurden zum Finale der Show zeitgleich bespielt (Bild: Harald Heckendorf)

Der gesamte Innenraum des jeweiligen Venues war somit Spielfläche für das quirlige Ensemble, denn nicht nur die Solisten, sondern auch Chorsänger, Tänzer und Instrumentalisten machten während der zweistündigen Show einige Ausfluge auf die Bühnen. Zusammen bildeten diese drei Bühnen und der Raum dazwischen einen wirklich überdurchschnittlich großen Aktionsraum, ideal für einen Künstler, der gerne und häufig mit seinem Publikum in Kontakt tritt.

Für das Lichtdesign bot diese Bühnenanordnung die Steilvorlage für eine ungewöhnliche, aber nicht minder aufwändige Maßnahme: Statt jeweils mit Traverseninseln über den drei Bühnen zu arbeiten, rahmten zwei parallel verlaufende Traversen den Innenraum von der Hauptbühne bis weit hinter den FOH-Platz. Eine ca. 25m lange Traverse – an der auch die fünf Projektoren hingen – verlief parallel zur A-Stage zwischen B- und FOH-Stage. Diese drei Traversen waren als Containertraversen konzipiert und mit Robe Forte bespannt. Robe Esprit, Robe Spider und Luxibel B-Blinded 4-Lites ausgestattet.

Mit dieser Ausstattung war es möglich, nicht nur das Showgeschehen zu unterstutzen, sondern auch das Publikum auf den Rangen mit einzubeziehen und abwechslungsreich zu beleuchten: Bühne und Zuschauerraum verschmolzen formlich. Damit ging ein lang gehegter Traum des Künstlers in Erfüllung. Ursprünglich war ein ähnliches Konzept für die letzte Michael-Jackson-Tournee geplant und vorbereitet worden, konnte aber nicht mehr realisiert werden. DJ Bobo, ein großer Bewunderer des verstorbenen King of Pop, griff diese Idee – Bühne und Zuschauerraum zu verbinden – gerne auf und führte sie sogar noch weiter: Das raumgreifende (und technisch gut ausgestattete) Konzept wurde genutzt, um die Zuschauer bereits beim Betreten der jeweiligen Halle in eine andere Welt eintauchen zu lassen. Auf die übliche Hallenbeleuchtung wurde konsequent verzichtet, stattdessen tauchte blaues Licht aus den Traversen die Halle bis zur Show in eine wohlige und zugleich spannende Atmosphäre. Es wurde darauf geachtet, dass Treppenbereiche, Notausgange etc. entsprechend beleuchtet wurden. Alle Sicherheitsaspekte wurden vorschriftsmäßig berücksichtigt. Auch nach dem Konzert wurde die normale Hallenbeleuchtung erst wieder eingeschaltet, nachdem die Besucher den Veranstaltungsort verlassen hatten.

Raumgreifende Projektionen auf der Bühne der DJ Bobo Evolut3On-Tour
Raumgreifende Projektionen Immer wieder wurden die Zuschauer in unterschiedlichste Welten katapultiert (Bild: Harald Heckendorf)

Die Jubiläumstournee war bereits die dritte, die mit einer Projektionsbühne bestritten wurde. Eine grundsätzlich in Weis gehaltene Bühne stellte für die Lichtarbeit eine ungewohnte und durchaus anspruchsvolle Aufgabe dar. Dank der Erfahrungen aus den vorangegangenen Produktionen sei die Arbeit jedoch entspannt und immer schnell zum Ziel geführt worden, erklärte Thomas Gerdon. Auch die inzwischen deutlich leistungsstärkeren Projektoren hatten dafür gesorgt, dass die Lichtstimmungen zu keinem Zeitpunkt mit den Projektionen kollidierten. Trotzdem sei die Planung sehr kleinteilig und aufwändig gewesen. Auch am Set war die Arbeit sehr zeitintensiv. Nahezu sämtliche Lampen waren mit Blendenschiebern ausgestattet und, wurden jeden Abend akribisch überprüft, justiert und über mehrere Stunden präzise ausgerichtet, um das optimale Ergebnisse zu erzielen.

Ein weiterer Garant für das gelungene Zusammenspiel von Licht und Projektion war die enge Zusammenarbeit zwischen Choreograph und Lichtdesigner. Selbstverständlich wurden alle Positionen des Ensembles im Vorfeld detailliert besprochen und abgestimmt. Stilistisch orientierte sich das Konzept an der im Musical üblichen Arbeitsweise. Automatische Cues für zeitlich und räumlich exakt vordefinierte Punkte garantierten immer dann herausragende Momente, wenn die Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne waren. Die gleiche Präzision kennzeichnete die Lichtunterstützung aller Solistenpassagen, insbesondere der DJ Bobos.

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Follow me Track it

Niklas Schmitt, der das Follow Me System während der Tournee im Auftrag der Media Resource Group betreute, ist Inhaber der virtual & live Show GmbH und ebenso erfahrener Licht-Operator. Bereits seit einigen Jahren beschäftigt er sich mit der Optimierung der Möglichkeiten von Follow-Me-Systemen. Seit etwa einem Jahr besitzt er ein eigenes System. Sein leidenschaftliches Engagement führte zu einem intensiven und konstruktiven Austausch zwischen den Entwicklern und dem deutschen Vertriebspartner LMP. Mittlerweile gilt er als ausgewiesener Experte und freute sich, eines der ersten Track-it-Systeme bedienen zu dürfen.

Niklas Schmitt
Niklas Schmitt betreute im Auftrag der Media Resource Group das Follow Me während der Tournee (Bild: Harald Heckendorf)

Das Showdesign gab die drei oben genannten Bühnen vor: Die raumgreifende A-Stage, eine Center-Stage sowie eine FOH-Stage. Der gesamte Bereich, der von dem Follow Me abgedeckt werden musste, erstreckte sich von der Back Truss bis zum hintersten Punkt der FOH-Bühne auf eine Stecke von 70m Tiefe. Dazu kam ein Höhenunterschied von fast 10m. Das Plateau auf dem imposanten Löwenkopf bildete den höchsten Punkt, das Publikumsparkett den niedrigsten. Niklas Schmitt erklärte: „Es ist eine ganz besondere Herausforderung einen Künstler in dieser Dimension zu verfolgen, der sich zudem schon mal gern im Publikum aufhält und spontan mit den Zuschauern interagiert“. Aus diesem Grund lag es nahe das vorhanden System um das neue Track it zu erweitern.

Das automatisierte Tracking ist ein Add On, das auf ein bestehendes Follow-Me-System aufgesetzt werden kann. Dies hat den großen Vorteil, dass alle bereits eingepflegten 3D Daten übernommen werden (bzw. bereits vorhanden sind). Die Basisversion bleibt als Backup-System erhalten, mit dem – wenn nötig oder gewünscht – manuell gearbeitet werden kann.

„Jeder Spot und jeder Washer, der an den vier Traversen hing, hatte für das Follow-Me-System arbeiten können“, verrat Niklas Schmitt. Im Prinzip waren alle 160 Scheinwerfer eingebunden. Man beschränkte sich jedoch auf eine Auswahl von Lampen, die jeweils vor einer Show exakt auf die Bedingungen der Spielstatte ausgerichtet wurden, so dass in den Sets mit optimalen Winkeln gearbeitet werden konnte.

Diese Auswahl bestand aus ca. 20 bis 30 Weißlichtspots. Die beiden Lead Vocals liefen als dynamische Targets im System, während die Positionen der anderen Musikerinnen und Musiker als statische Targets gehandhabt wurden. Diese wurden bei Bedarf manuell nachjustiert.

Hinzu kam, dass die Trimmhohe an den Spielorten stark variieren konnte und teilweise von Tag zu Tag zwischen 10 und 19m schwankte. Auch die Tiefe konnte von Tag zu Tag um bis zu 30m schwanken. Eine analytische Vorbereitung war daher kaum möglich, sondern musste täglich vor Ort in einem engen Zeitfenster detailliert vorbereitet werden. Diese schnelle Arbeitsweise war besonders wichtig, da er als letztes Glied in der Kette der Gewerke seine Vorbereitungen treffen konnte: Erst nachdem Ton-, Video-, Licht- und Bühnentechnik standen. Niklas Schmitt optimierte seine Arbeitsweise während der ersten Tourtage und schaffte es, innerhalb einer Stunde Lampen, Kameras und alle Antennen aufzubauen.

Im Gegenzug konnte der Lichtoperator Leon Schwert alle im Follow-Me-System integrierten Fixtures für das Showlicht nutzen. So konnte er z.B. bei Breaks diese Lampen als präzises Hinterlicht nutzen. An jedem Punkt im gesamten Bühnenraum, an jeder von den Kunstlern spontan gewählten Position, stimmte das Hinterlicht während der abendlichen Performance. Das Ziel wurde stets erfasst.

Niklas Schmitt
Niklas Schmitt betreute im Auftrag der Media Resource Group das Follow Me während der Tournee (Bild: Harald Heckendorf)

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Tracking-Aufbau

Follow Me basiert auf einem virtuellen 3D-Modell, das den Arbeitsraum definiert. Kameras tasten die Fläche ab und liefern die X- und Y-Koordinaten. Die Z-Achse – und damit die Hohe, in der sich das Ziel befindet – wird dagegen aus dem Modell berechnet. Für das Add On können die vorhandenen Daten problemlos genutzt werden. Insgesamt waren für die Produktion 250 Kalibrierungspunkte notwendig, um das Modell exakt zu erfassen. Nicht zuletzt der überdimensionale Löwenkopf machte diese aufwändige Abstimmung nötig. Für Track it wurden 18 Antennen installiert, die täglich per Laser eingemessen wurden. Erwähnenswert ist, dass die Antennen auf UWB-Basis (Ultra Wide Band via Pulsfunk) arbeiten. Dies durfte auch die relativ geringe Anzahl der Antennen erklären. Die beiden dynamischen Ziele wurden mit jeweils zwei Tags ausgestattet, die sich auf den beiden Schultern der Protagonisten befanden. Dies diente sowohl der Ausfallsicherheit als auch der optimalen Erreichbarkeit der Targets von beiden Seiten. Aufgrund der Größe wurden zwei Follow-Me-Systeme eingesetzt. Ein System war für die Hauptbühne und das zweite für die beiden anderen Bühnen zuständig. Dazu wurden zwei Systeme über PSN verbunden.

Das zweite System kann als reine Erweiterung betrachtet werden, die sicherstellte, dass der Bereich, der von der ersten Kamera optisch nicht erfasst werden konnte, sichtbar war. In der Summe der beiden Systeme wurde der Raum lückenlos abgedeckt. Ein Problem bestand darin, dass es auf der Hauptbühne keine Fronttruss gab, von der aus die Hauptkamera den Raum optimal erfassen konnte. Die Hauptkamera wurde an der Projektortruss befestigt, die Kamera des Audience-Systems an der Midtruss. Dadurch waren beide Kameras entgegengesetzt ausgerichtet. Dies hatte zur Folge, dass auf der 3D-Maus ‚unten-links’ zu ‚unten-rechts‘ wurde und so weiter. Diese Herausforderung konnte jedoch während der Proben in Rust technisch durch einen Knopfdruck des Operators gelöst werden.

Beide Systeme wurden von Niklas Schmitt kurz nach Beginn der Tournee und nach vollständiger Integration von Track it allein bedient. Zwei Lichttechniker standen bereit, um bei einem Ausfall die Follow-Me-Systeme manuell zu bedienen. Niklas Schmitt lobte ausdrücklich die enge und konstruktive Zusammenarbeit mit LMP als deutschem Vertriebspartner sowie mit den Systementwicklern. Wöchentlich habe man kommuniziert, Erfahrungen aus dem Live-Betrieb abgefragt, neueste Erkenntnisse ausgetauscht, um dann die eine oder andere Anwendung noch optimieren zu können.

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Video bis 48 × 14 Meter

Als Zuspieler diente ein AV Stumpfl Pixera Server mit insgesamt sechs Ausspielwegen. Fünf davon wurden für die Projektion genutzt, der sechste lieferte das Signal für einen Prompter auf der Bühne. Das gesamte Zuspielsystem war vollständig redundant ausgelegt. Die Entscheidung, Pixera für diese Produktion einzusetzen, basierte auf der einfachen und schnellen Warping-Option. Dadurch konnte im Optimalfall eine Aufbauzeit von ca. einer Stunde erreicht werden. Zentraler Knotenpunkt des Systems war ein Barco E2. Dieser wurde sowohl für die Haupt-/Backup-Umschaltung als auch „in letzter Instanz“ für die möglichst latenzfreie Umschaltung der Live-Bilder auf die Signale an die fünf Barco-Projektoren UDX-4K40 eingesetzt. Durch die Anordnung im Hochformat konnte die Auflösung der Projektoren optimal ausgenutzt werden.

Für das Livebild wurde eine Panasonic-Kamera UC4000 mit einem Canon-Objektiv XJ100 verwendet. Die Gesamtauflösung der gigantischen Projektion betrug stolze 11396 × 3840 Pixel, die nativ eingespeist wurden.

Die maximale Projektionsgröße betrug 48 × 14m. Diese Größe konnte jedoch nicht an allen Veranstaltungsorten erreicht werden. Die größte Herausforderung bestand darin, die Projektoren so zu platzieren, dass immer ein schattenfreies Gesamtbild entstand.

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Audio mit Zu-Mix „alter“ Sounds

Die Audio Crew setzte auf bewahrten Industrie- Standard: So kam ein L-Acoustics K2 als Main Hang zum Einsatz. Kara-Einheiten verrichteten als Side Fills sowie bei den Delay Lines ihren Dienst. Hinter dem Main Hang wurden vier Bass-Einheiten geflogen, wovon eine 180 Grad gedreht hing. Auch unter der Bühne befanden sich ebenso viele KS 28 in identischer Cardioid-Anordnung. Sämtliche L-Acoustics- Systeme wurden von Media Resource Group als offiziellem „L-Acoustics Certified Rental Partner“ geliefert und vor Ort betreut.

Andre Mousson (FoH),Benjamin Mengler (Monitor) und Jannik Kieper (PA-Systemtechniker Media Resource Group, v.l.n.r.
Toncrew Andre Mousson (FOH), Benjamin Mengler (Monitor) und Jannik Kieper (PA-Systemtechniker Media Resource Group) (v.l.n.r.) (Bild: Harald Heckendorf)

Die Beschallung hing sehr hoch, um das Bühnenbild nicht zu stören. In Dortmund waren für den Oberrang Delay Lines positioniert worden, nicht zuletzt, um eine gleichmäßige, nicht zu laute Abdeckung für sämtliche Platze zu erreichen.

Klare Ansage des Künstlers war es, nicht nur bestmöglichen Klang auf allen Plätzen zu bieten, sondern auch die Lautstarke familiengerecht zu halten. Viele Fans von früher kommen heute mit ihren Kindern oder gar mit ihren Enkeln zur Show.

Während der Show werde auch deshalb permanent gemessen und die Werte lagen immer zwischen 96 und 99dB. Die Karten für die Konzerte waren – wie schon auf den vorherigen Tourneen – sehr gefragt. An nicht wenigen Spielorten waren die Platze bis hinter die Bühnenkante verkauft worden. Immer dann war die Beschallung auf 270 Grad auslegt.

Der langjährige FOH-Ingenieur Andre Mousson arbeitet während der Show mit 60 Kanälen. Er erklärte, traditionell wurden während der Show die alten Playbacks in der Live-Show hinzu gemixt, denn viele der alten Signature Sounds seien heute kaum oder gar nicht mehr 100%ig zu rekonstruieren. Prägnante Sounds – wie bei dem 1995 Hit Freedom – seien damals aus bis zu acht – damals gängigen – Keyboard Sounds zusammengesetzt worden, die Samples müssen aber inzwischen vom Keyboarder via Playback eingespielt werden. Auch die Stimmen eines Frauenchors kommen lediglich als Einspieler in der Show zum Einsatz.

Eye Catcher Disco-Reminiszenz Spielkugel auf der FoH-Stage
Eye Catcher Disco-Reminiszenz Spielkugel auf der FOH-Stage (Bild: JULIAN HUKE)

Die Percussion Formation Greenbeats, die als Teil des musikalischen Live-Ensembles die Show bereichert, sorgt in einem Show-Element auf der Mittelbühne für ein Highlight. Da in diesem Showteil der optische Überraschungseffekt wichtig ist, musste hier ebenfalls ein Playback eingesetzt werden. Der Künstler selbst lieferte während der Show 99% live. Der Gesang sowie seine Raps werden lediglich punktuell durch einige Effekte und durch kurze Einspielungen hervorgehoben.

Für die Vocals sind Sennheiser 945e im Einsatz. Alle Signalquellen werden mit Sennheiser-Mikrofonen abgenommen, auch alle Funkstrecken kommen ebenfalls von dem Hersteller. Alle Systeme liefen zur vollen Zufriedenheit. Tägliches Scannen und Abgleichen sei zwar ohnehin fester Bestandteil der Arbeit, doch sei es zunehmend schwerer geworden, genügend freie Frequenzen einzurichten, betonte das Team. Als man z.B. in Stuttgart in unmittelbarer Nachbarschaft mit der aktuellen Helene-Fischer-Tourproduktion spielte, habe man im persönlichen Austausch mit den benachbarten Tonkollegen eine für beide Seiten ideale Lösung finden können.

Trommeln aus der Konserve
Einer der wenigen Play-Back-Momente Trommeln aus der Konserve – dafür Funken aus den Kesseln (Bild: JULIAN HUKE)

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Gute Laune garantiert

Es war die erste Tournee, bei der einige enge und langjährige Weggefährten des Künstlers nicht mehr mit im Nightliner saßen, da ruhigere Lebensabschnitte lockten. Neue, engagierte Crewmitglieder, modernste Technik wie das Follow Me Track it, leistungsstarke Barco-Projektoren und intelligente Logistiklosungen sorgten für eine technisch mehr als gelungene Umsetzung der Konzerte.

Schon die Kulisse der Show beeindruckte. Selten durfte ein Künstler aus der DACH-Region einen derartigen technischen Aufwand für eine Arena-Tour betrieben haben, der den Vergleich mit internationalen Produktionen nicht zu scheuen brauchte. Zudem wurde die Show mit unzähligen liebevollen Details zu einem Gesamtkunstwerk verwoben.

Und vor allem begeisterte die professionelle und leidenschaftliche Darbietung aller Akteure auf der Bühne. Das Publikum wird sicher noch lange davon schwärmen.

Rust Feuer und Flammen auf der FOH Stage
Proben in Rust Feuer und Flammen fehlten ebenfalls nicht, hier auf der FOH-Stage (Bild: JULIAN HUKE)

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