SL-Array, zweiter Streich

Cardioides d&b Audiotechnik Line-Array KSL

d&b G-SL und K-SL
Outfills und Main-Hangs (2 x zu Demozwecken) fügen sich akustisch übergangslos zusammen (Bild: Detlef Hoepfner)

Was kann an Beschallungsanlagen heute noch verbessert werden? Sehr viel, wie d&b mit dem GSL bewiesen hat. Als kompakteres KSL stößt diese Technik, die den Raum durch eine in den Tieftonbereich ausgeweitete Bündelung deutlich weniger anregt, nun in typische Anwendungen der J-Serie vor

„KSL ist der kleine Bruder vom GSL“ – na da ist man doch schnell durch hier mit dem Text, jetzt noch ein paar Bilder, ab zur Druckerei. Ist es so einfach? Ja. Und das ist das eigentliche Highlight: Die gleiche, auf den ersten Blick vielleicht banale, in der Wirkung aber verblüffende Technologie des GSL (von uns vorgestellt hier), steht jetzt in einem herunterskalierten Formfaktor zur Verfügung. Nun dreht man in der Entwicklung nicht einfach am Zoom-Regler des CAD-Programms die Skalierung von 100% auf 85% und gibt die Pläne in die Fertigung: Auch bei „großen“ Produkten sind die Komponenten in der Regel schon kompakt gestaltet. Aber vor allem bleiben ja die physikalischen Grundlagen konstant und lassen sich nicht komprimieren. Und hier hat ja das GSL seinen aktuell großen Vorsprung: Die abgestrahlte Coverage mit hoher Rückwärtsdämpfung wird nicht nur über wenige Frequenzen eingehalten, sondern vom Hochton aus bis in den Tieftonbereich ausgeweitet. Was einfach (und für den Laien eher selbstverständlich) klingt, ist in der Praxis eine Herausforderung: Es müssen etliche Treiber auf einem Raum so miteinander arrangiert werden, dass sie sich in der gewünschten Abstrahlachse nach vorne für eine hohe Leistung gut addieren, zur Rückseite hin aber eine möglichst breitbandige Auslöschung bewirken. d&b sieht hier in den letzten 15 Jahren eine Erweiterung der kontrollierten Directivity von damals 450 Hz auf jetzt 45 Hz.

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d&b KSL(Bild: Detlef Hoepfner)

Diesen Vorteil gibt es nun auch mit der KSL, die von der Leistungsklasse (und dem Splay von 0-10 Grad) auf J-Niveau spielt, aber mechanisch tatsächlich noch ein wenig kompakter als J geraten ist. Wir sind uns nicht sicher, wie offiziell die Interpretationen als „Großes Spezielles Line-Array“ und „Kleines Spezielles …“ gemeint sind, sie können jedenfalls als Eselsbrücke dienen. Ganz so tief wie bei der GSL mit ihren drei 10″- plus zwei 14″-Chassis gelingt die kontrollierte Coverage der KSL natürlich nicht: In ihr sind verbaut zwei 8er seitlich, zwei 10″ in der Front plus noch ein 8er für die Mitten, teilweise flankiert von entsprechenden Ports. Das Hochton-Waveguide kombiniert in der KSL zwei Hochtontreiber (statt drei in der GSL). Aber auch hier wird d&b nicht müde darauf hinzuweisen, dass die cardioide Mitten-/Tieftonabstrahlung nicht den Headroom in der Hauptachse beeinträchtige. d&b-typisch bleibt das Amping am Boden bzw. in den Racks und benötigt je Box nur wenige Kanäle, genutzt wird das Standard-Amping mit D80. In heutigen Zeiten, in denen die „Anzahl der Verstärkerkanäle pro Box“ immer neue Rekorde erreicht, ist das KSL-Konzept puristisch: Ein KSL-Top (egal, ob die Variante mit 80 oder 120 Grad) wird trotz der verbauten sieben Treiber mit lediglich zwei Kanälen angesteuert: CH1 pumpt seine Leistung in die beiden 10er, CH2 versorgt die beiden 8er, den Mitteltöner plus beide Hochtontreiber. Ein Schnäppchen ist ein KSL-Array dadurch zwar auch noch nicht, jedenfalls, wenn man im optimalen Betrieb für eine fast perfekte Schallverteilung in der Raumtiefe via Array-Processing zwei D80-Kanäle für „nur“ ein KSL-Top reserviert. Verzichtet man allerdings auf das Array-Processing, können je zwei Tops pro Verstärkerkanal durchverlinkt werden. Ebenfalls ins System passt der Subwoofer SL-Sub mit drei 21″-Chassis für ebenfalls kardioide Abstrahlung, in Varianten für reinen Bodenbetrieb oder als auch flugfähige Variante, zwei Subs laufen an einem D80. Den SL-Sub sieht d&b als eine Art Performance-Kombination aus J-Sub und J-Infra. Auch das 3-Punkt-Rigging ist vergleichbar gestaltet mit Tension-Mode und Compression-Mode (weniger Flächenbedarf beim Aufbau). Ebenfalls neu ist ein Compact Cart (60 cm) für den Transport.

d&b KSL-Listening

Gehört haben wir das KSL im Vergleich und zusammen mit GSL (hier vorgestellt) und J-Serie. Gegenüber einer J8, die auch nicht gerade schwächlich ist, hat die große GSL8 drei bis neun dB mehr Headroom. Die ergänzende kleinere KSL-Variante hält da natürlich nicht ganz mit, liegt aber nur drei, vier dB unter der GSL und überzeugt auch mit einer sehr kraftvollen Performance schon ohne Subwoofer. Besonders deutlich ist die verbesserte Coverage zu hören: Rückseitig herrscht bei der KSL im Vergleich zur J ziemlich Ruhe. Open-Air hätte einen das früher wenig gejuckt, angesichts immer enger platzierter Bühnen und erhöhter Ansprüche an den Nachbarschaftsschutz ist das aber ein gravierender Vorteil: Für die Audioqualität ist heute nicht mehr nur entscheidend, wie das System im Publikum klingt, sondern auch frei nach Helmut Kohl „was hinten rauskommt“.

Wie bei der GSL fällt außerdem auf, dass die Coverage seitlich ohne große Klangverfärbungen bleibt, was die „gefühlte“ Nutzbarkeit der Abstrahlungs-Randbereiche erhöht. Kleiner Nebeneffekt: Auch die KSL scheint breiter abzustrahlen als es die nominale Angabe verspricht, weil sie dort leiser wird, aber nicht unbrauchbar klingt.

In einer Halle macht sich die hohe Rückwärtsdämpfung eines KSL-Arrays dann drastisch bemerkbar. Die sonst in die Halle abgestrahlten rückwärtigen Low-Mids vermatschen nicht weiter den Sound, auf der Bühne bleibt es ruhig, in der Halle ist der Sound sehr klar und direkt. Das Array kann nach vorne schön warme Low-Mids abstrahlen, ohne dass diese sich auf der Bühne aufbauen – das erfreut nicht nur Klassik-Beschaller mit vielen offenen Mikrofonen. Auch bei Rundbühnen zeigt sich der Vorteil: Das Publikum wir hier ja von einem Array frontal beschallt, und dann bekommt man aus der Rundbeschallung noch verzögert die rückseitige Ladung der Arrays gegenüber verpasst.

Ein weiterer Aufbau konnte demonstrieren, wie gut eine seitliche Kombination von KSL/KSL oder GSL/KSL funktioniert, wenn diese nicht direkt, sondern nur mit Abstand nebeneinander hängen – z. B., weil ein großes Display dazwischen hängt: Auch hier überzeugte das KSL mit einem angenehmem, sehr homogenen und präzisen Sound. Wo immer man sich auch zwischen den beiden gehängten Linien positionierte: Off-axis und trotz überlappender Coverage sind das wirklich keine „billigen Plätze“, sondern vollwertige Hörpositionen.

Der System-Launch des KSL erfolgt nach der abgeschlossenen Beta-Phase und der Ende 2018 angelaufenen Produktion zum Januar 2019. Wer das GSL oder KSL nicht bereits in der Vorbereitungsphase irgendwo entdeckte, hatte noch eine weitere Möglichkeit der Begegnung: Das d&b GSL wurde mit einem Internationalen Designpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet und in der Ausstellung zwischen ebenfalls prämierten Umlenkrollen für Notfallbergungen, Dentalgeräten, EEG- Headsets und Elektro-Scootern in Stuttgart ausgestellt.

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