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Case Study

WSDG plant Akustik für Zeiss-Planetarium Jena

Zum 100-jährigen Jubiläum ist das Zeiss-Planetarium Jena technisch umfassend modernisiert worden. Die akustische Planung übernahm WSDG. Das Konzept soll die denkmalgeschützte Kuppel, eine neue Projektionsfläche und ein verdeckt installiertes HOLOPLOT-System zu einem Gesamtsystem verbinden.

Innenraum des Zeiss-Planetariums Jena mit voll besetzter Projektionskuppel. Darauf ist ein Sternenhimmel mit grünem Polarlicht über einer Waldsilhouette zu sehen. In der Saalmitte steht der beleuchtete Sternenprojektor, davor Sitzreihen(Bild: WSDG)

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Auftraggeber war die Ernst-Abbe-Stiftung Jena. Das am 18. Juli 1926 eröffnete Haus mit 25 Metern Kuppeldurchmesser gilt laut WSDG als ältestes erhaltenes Großplanetarium der Welt. Die bisherige Innenkuppel bestand aus perforierten Metallpaneelen. Deren Einfassungen, ungelochte Ränder und ungenaue Fugen blieben bei Sternenshows und Filmprojektionen sichtbar.

Die neue Kuppel sollte daher eine gleichmäßige weiße Fläche für Fulldome-Inhalte bieten, die Lautsprecher verdeckt aufnehmen und die Schallverteilung in der stark gekrümmten Saalgeometrie verbessern. Auch die zylindrischen Wände unterhalb der Kuppel mussten akustisch neu gestaltet werden.

Messungen vor dem Rückbau

Die Ernst-Abbe-Stiftung beauftragte WSDG im Juni 2025, nachdem das Unternehmen bereits 2021 die Akustikberatung für das Volkshaus Jena übernommen hatte. Zum Leistungsumfang gehörten akustische Bestandsmessungen, raumakustische Analysen und Simulationen, die Bewertung des neuen Kuppelmaterials sowie das Konzept für die akustische Behandlung des Saals. Die fachliche Aufsicht lag bei Professor Wolfgang Ahnert, die projektbegleitende Beratung verantwortete Tobias Behrens. Robin Breitbach unterstützte die Erstellung des Simulationsmodells.

Im Oktober 2025 vermaß WSDG den Saal, bevor der Innenausbau vollständig entfernt wurde. Betonkuppel und innere geodätische Struktur blieben unangetastet. „In konkaven Räumen können Reflexionen auf Brennpunkte gelenkt werden, sodass sich Schallenergie in bestimmten Bereichen konzentriert“, erläutert Behrens. „Unsere Aufgabe war es, diese geometrisch bedingten Effekte zu kontrollieren und zugleich eine Nachhallzeit zu erhalten, die sich für Planetarium-Shows, Filmvorführungen, Bildungsangebote und Live-Veranstaltungen eignet.“

Absorber hinter der Projektionsfläche

Die segmentierte Kuppelverkleidung wurde durch eine optisch durchgängige Projektionsfläche vom Typ Endure Screens Micro Pro ersetzt. WSDG prüfte deren Perforation und Schalldurchlässigkeit und bestätigte die Eignung für den Einsatz vor den verdeckt installierten HOLOPLOT X1 und X2 Matrix Arrays. Hinter der Oberfläche liegt zusätzlich eine schallabsorbierende Auflage. Sie soll sowohl die Nachhallzeit als auch problematische Schallfokussierungen kontrollieren, sodass die Kuppel als breitbandiger Absorber wirkt.

Kugelförmiger Sternenprojektor mit zahlreichen runden Linsenöffnungen auf einem dunklen Sockel. Dahinter ist ein dicht mit Sternen und farbigen Nebeln gefüllter Himmel zu sehen
ZEISS hat im Zuge der Modernisierung den Sternenprojektor UNIVERSARIUM überarbeitet (Bild: WSDG)

„Die Projektionsfläche musste ein nahtloses Bild ermöglichen, die dahinterliegenden Akustikmaßnahmen mussten das Raumverhalten kontrollieren, und die Lautsprecher mussten auch durch die Oberfläche hindurch wirksam bleiben“, betont Behrens. „Keine dieser Anforderungen ließ sich isoliert lösen.“

Diffusoren an den Wänden

Für die zylindrischen Wände kombinierte WSDG QRD-Diffusoren (Quadratic Residue Diffuser), Breitbandabsorber und reflektierende Flächen. Die Diffusoren streuen den Schall in mehrere Richtungen und sollen so die Fokussierungen durch die gekrümmte Geometrie aufbrechen. Die Absorber kontrollieren die Nachhallenergie, während gezielt beibehaltene reflektierende Flächen eine Überdämpfung verhindern.

Anordnung und Verhältnis der Maßnahmen optimierte WSDG im Akustikmodell. Ziel war ein umhüllendes, gleichmäßig verteiltes Schallfeld für das breite Programm aus Sternenshows, Fulldome-Filmen, Bildungsveranstaltungen, Konzerten und immersiven Produktionen.

Nahaufnahme eines dunklen Wandelements im Planetariumssaal. Zu sehen ist ein Diffusor aus senkrechten Holzlamellen in unterschiedlicher Tiefe, links und rechts flankiert von stoffbespannten Paneelen. Darüber ist der helle Rand der Projektionskuppel zu erkennen
An den zylindrischen Wänden unterhalb der Kuppel sollen QRD-Diffusoren in Kombination mit Breitbandabsorbern Schallfokussierungen aufbrechen (Bild: WSDG)

Die Akustik war Teil einer umfassenden technischen Erneuerung. ZEISS modernisierte den Sternenprojektor UNIVERSARIUM und installierte elf ZEISS VELVET 4K-Projektoren, die zusammen ein Fulldome-Bild in 8K erzeugen. Im Juli 2026 wurde das Planetarium im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten wiedereröffnet. Stefan Harnisch, Technischer Leiter des Zeiss-Planetariums Jena, resümiert knapp: „In mir macht sich eine gewisse Zufriedenheit breit.“

„Planetarien vereinen Architektur, Bild und Klang auf eine einzigartig immersive Weise“, fasst Tobias Behrens zusammen. „In Jena ging es darum, einem Wahrzeichen gerecht zu werden, das den modernen Planetariumsbau entscheidend geprägt hat, und zugleich die akustischen Voraussetzungen für die nächste Generation der Planetarium-Nutzungen  zu schaffen. Es ist ein ganz besonderes Projekt, weil historische Ingenieurskunst und heutige Technik hier untrennbar miteinander verbunden sind.“

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