Beach-Party am Baldeneysee

Neue Klangdimensionen mit der d&b SL-Serie

Bei den Freiluftkonzerten am Baldeneysee kam die dritte (und letzte) Prototypengeneration der neuen d&b SL-Serie zum Einsatz, welche bezüglich der Hardware bereits weitestgehend den Serienmodellen entsprach. Die Ergebnisse ließen Tonprofis aufhorchen, und auch audiotechnisch unvorbelastete Besucher berichteten in den sozialen Netzwerken über „einen richtig geilen Sound am See“.

Fanta 4 am Baldeneysee
Die Fantastischen Vier am Seaside Beach (Bild: Jörg Küster)

Ungewohnte Klänge am Stadtstrand: Im Rahmen ihrer „Vier und Jetzt“-Tour gastierten Die Fantastischen Vier am Seaside Beach – einem 250 Meter langen und 35 Meter breiten Strand mit hellem Quarzsand, mehr als 100 echten Palmen und diversen Bars. Das ausverkaufte Konzert lockte am 26. August 2017 rund 15.000 Besucher an das Ufer des Essener Baldeneysees, wo die Fantas und ihre Fans bei bestem Spätsommerwetter eine rauschende Beach-Party feierten.

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Für die Beschallung war die TDA Rental GmbH verantwortlich; Lautsprecher und Endstufen stammten aus dem Portfolio von d&b audiotechnik. Tontechnisch interessierte Konzertgäste widmeten ihre Aufmerksamkeit insbesondere Lautsprechern aus der neuen d&b SL-Serie (siehe Kasten), welche die Main-PA formten und passend zur energiegeladenen HipHop-Show mit einem „mächtigen Pfund“ auf sich aufmerksam machten: Extrem satte Bässe, ein aufgeräumter Mittenbereich und crispe Höhen ohne Tendenz zu Schärfe wussten bei der im Gesamteindruck trotz kräftiger Pegel sehr entspannt aufspielenden Anlage zu gefallen. Hinter der Bühne ging es während der Show hingegen überraschend leise zu, so dass man rein akustisch kaum glauben mochte, dass auf der anderen Seite gerade bei voller Band-Power der Stadtstrand mit diversen Fanta-Hits von „Die da!?!“ bis „Populär“ zerlegt wurde – die cardioide Abstrahlcharakteristik der neuen d&b-Systeme fiel Backstage absolut positiv auf.

Freiluft-Praxistest

Optisch beeindruckend in der beschaulichen See-Umgebung wirkte eine Eurotruss PR-10 Stage, deren maximale Dachbelastbarkeit sich auf 20 Tonnen beläuft. Zu beschallen war ein Besucherareal mit einer Tiefe von 120 Metern, das nach hinten von diversen Imbissständen begrenzt wurde. Eine Delay-Line kam lediglich auf der rechten Seite des Platzes zum Zuge und wurde genutzt, um rund 45 Meter vor der Bühne von einem Baum hervorgerufene Abschattungen zu kompensieren. Links und rechts am FOH-Tower waren darüber hinaus in luftiger Höhe zwei Y7P angebracht. Bezüglich der möglichen Pegel waren die bekannten gesetzlichen Bestimmungen zu beachten; darüber hinaus gab es am See jedoch keine besonderen Auflagen mit Ausnahme der Vorgabe, dass der letzte Ton der Show um 22:30 Uhr verklungen sein musste.

Seaside Beach Baldeney die zu beschallende Fläche – plus viele spontane Ankerlieger, die vom Segelboot aus das Konzert verfolgten … (Bild: Jörg Küster)

Das direkt an den See grenzende Gelände wird insgesamt recht gut von Bäumen abgeschirmt und ist von reichlich Grün umgeben – offen ist jedoch die zum See weisende Seite, auf welcher der Wind freies Spiel hat: „Wind ist der Feind jedes Line-Arrays – je weniger wir davon am See haben, desto besser“, so Stefan „Steve“ Todeskino, Geschäftsführer der TDA Rental GmbH, am Nachmittag vor dem Fanta-Konzert. „Letzte Woche waren wir beim Summer Breeze Open Air im bayerischen Dinkelsbühl, dort war es wirklich sehr windig – allerdings konnten wir in diesem Kontext wirklich gute Erfahrungen mit der ,Windstabilität‛ der neuen SL-Serie machen. Bis zur Delay-Line war in Dinkelsbühl eine Distanz von 85 Metern zu überbrücken, der Eindruck aller Beteiligten lautete zusammenfassend, dass das Ergebnis ‚besser als sonst‛ ausfiel.“

 

TDA Rental: Alles aus einer Hand

Auf dem Gelände am Baldeneysee wurde TDA Rental im aktuellen Jahr bereits zum zweiten Mal aktiv: Schon 2016 hatten die Bottroper Veranstaltungstechnikspezialisten dort ein Konzert mit Cro betreut; 2017 stand am vierten Augustwochenende jenseits den Fantastischen Vier auch ein sonntäglicher Auftritt von Rea Garvey auf dem Programm. TDA Rental war als Full-Service-Dienstleister für Bühne, Licht, Video und Ton verantwortlich.

 

„Man benötigt bei Systemen von der Dimension der neuen SL-Serie die Erfahrung von Live-Konzerten, welche man unter Laborbedingungen niemals in allen Aspekten simulieren kann“, erklärte Stefan Todeskino. „Ich verfolge die Entwicklung der SL-Serie bereits seit Januar 2017, da TDA zum Kreis nur weniger ausgewählter Firmen weltweit gehört, denen das System bereits zu einem frühen Zeitpunkt vorgestellt wurde. Es ist ganz erstaunlich, welche Weiterentwicklung das Produkt innerhalb weniger Monate bis zum heutigen Tag erfahren hat!“ Außer beim Summer Breeze und den Shows am Baldeneysee konnte TDA Rental die neuen d&b SL-Systeme während der Sommersaison bei Konzerten von Marius Müller-Westernhagen und den Söhnen Mannheims im SparkassenPark Mönchengladbach auf „Hertz & Nieren“ testen.

Cardioide Abstrahlung

„Ein wirklich großer Vorteil des Systems ist die breitbandige, cardioide Abstrahlcharakteristik der Tops“, konstatierte Stefan Todeskino. „Der sonst übliche, auf der Rückseite eines Arrays zu vernehmende Mittenmulm entfällt komplett – das System spielt einfach extrem sauber und man muss nicht gegen irgendwelche Artefakte ankämpfen, da Letztere schlichtweg nicht auftreten. Dass im Bassbereich mit einer nierenförmigen Abstrahlung gearbeitet wird, ist bereits seit einiger Zeit gang und gäbe – dass aber nun auch Topteile bis ganz weit nach unten eine Cardioidcharakteristik aufweisen, ist im Moment einzigartig und meiner Meinung nach ein riesiger Sprung nach vorne! Die Bühne wird von störenden Einstrahlungen weitgehend freigehalten, so dass die offenen Mikrofone wesentlich cleanere Signale liefern und nicht von einer Mittenblase tangiert werden.“

Stefan „Steve“ Todeskino Geschäftsführer der TDA Rental GmbH (Bild: Jörg Küster)

d&b – J versus SL

TDA Rental gehört seit vielen Jahren zu den zufriedenen d&b-Anwendern, so dass die Frage nach einer Vergleichbarkeit zwischen den neuen Komponenten der SL-Serie und der bewährten J-Serie auf der Hand lag: „Die beiden Systeme lassen sich nicht unmittelbar miteinander vergleichen, da zwischen der Vorstellung der neuen Produkte und der Einführung der J-Serie fast elf Jahre vergangen sind“, kommentierte Stefan Todeskino. „Bezüglich ihrer Bauform ist die SL-Serie größer und gewichtiger angelegt – sie ist in sämtlichen Aspekten die sprichwörtliche ,Schippe obendrauf‛ – und in der Lage, in der allerobersten Liga mit den Top-Modellen anderer Marktteilnehmer in einen direkten Wettbewerb zu treten.“ Todeskino bezeichnet die Lautsprecher der neuen SL-Serie als „Wunschprodukte“, was andere d&b- Anwender sicher ähnlich formulieren würden – das System vervollständigt die umfangreiche d&b-Produktpalette im obersten Leistungsbereich. „Unsere Lautsprecher aus der J-Serie werden wir trotzdem behalten, denn dank ArrayProcessing haben diese schon etwas älteren Systeme eine deutliche Aufwertung erfahren und werden sicher noch lange am Markt gefragt sein“, stellte Todeskino in Essen fest. „Ich gehe davon aus, dass insbesondere die größeren Tourneeproduktionen künftig nach der SL-Serie verlangen werden. Viele Tonleute wissen, dass die neuen d&b-Lautsprecher in Kürze verfügbar sein werden und wer schon einmal live mit der SL-Serie arbeiten konnte, äußert sich stets sehr begeistert – das habe ich sowohl in Karlsruhe bei DAS FEST als auch in Dinkelsbühl beim Summer Breeze erlebt.“

Rigging-Modi

Angetan äußerte sich Stefan Todeskino über den Compression-Mode, der beim Rigging neue Optionen eröffnet: „Die Boxen werden bei der SL-Serie als Viererpakete mit 0°-Winkelung gerade in Dollys transportiert“, erklärt der TDA-Geschäftsführer. „Man kann jetzt das ganze Array gerade aufhängen, und die Winkelung erfolgt erst, wenn alles komplett in der Luft ist. Voraussetzung dafür sind ein Compression-Frame am unteren Ende des Arrays sowie ein Motor- oder Handkettenzug. Der große Vorteil besteht darin, dass man jederzeit die Möglichkeit hat, Winkel zu ändern – wenn das Array hängt und man feststellt, dass man vielleicht hier und dort doch die Winkel ein wenig anders setzen möchte, kann man einfach den rückseitigen Flaschenzug öffnen und die Winkelung entsprechend anpassen. Bei der J-Serie musste man die Banane dafür erst komplett herunterlassen, um sie dann anschließend umzuwinkeln. Ein Nachteil des Compression-Modes besteht in der zusätzlichen Hardware, ohne welche diese Art der Aufhängung nicht funktioniert – das ist jetzt alles zwar nicht sooo aufwändig, ist aber beispielsweise bei der J-Serie nicht erforderlich. Es ist wie immer im Leben: Alles hat Vor- und Nachteile!“

Compression-Mode | vereinfacht die nachträgliche Anpassung der Winkelung ohne Herunterlassen des gesamten Arrays (Bild: Jörg Küster)

Sound

Zu seinem subjektiven Klangeindruck befragt, äußerte sich Stefan Todeskino so: „Bei den Lautsprechern der neuen SL-Serie handelt es sich in puncto Sound um typische Vertreter der d&b-Klangphilosophie: Die neuen Systeme klingen sehr offen und haben im direkten Vergleich mit der J-Serie im Hochtonbereich auf alle Fälle weiter hinzugewonnen. Die Auflösung wurde sowohl im Hochtonbereich als auch unterhalb von 1 kHz deutlich überarbeitet und ist nach meinem Dafürhalten um Längen besser geworden. Das soll jetzt überhaupt nicht heißen, dass die Elemente der J-Serie eine schlechte Figur abgeben, aber wenn man einen unmittelbaren A/B-Hörvergleich anstellt, wie wir es in unserem Lager bereits getan haben, treten die Unterschiede deutlich zu Tage. Sämtliche Frequenzbereiche werden von der SL-Serie sehr aufgeräumt wiedergegeben, und was mir bereits beim ersten Open-Air-Einsatz besonders aufgefallen ist, ist die unfassbar gute Stereoabbildung! Bei manchen Beschallungslösungen verliert man in Stereo-Aufbauten sehr rasch die gegenüberliegende Seite, sobald man sich aus der Mitte ein paar Meter nach links oder rechts bewegt. Bei den d&b SL-Systemen kann ich mich hingegen locker zehn Meter aus der Hauptachse eines Arrays bewegen und höre immer noch Anteile der anderen Banane – und zwar sehr gut! Ich bilde mir ein, dass dieser Umstand möglicherweise durch das cardioide Abstrahlverhalten bedingt ist: Unsauberkeiten im Low-Mid-Bereich entfallen hier, man kann Quellen einfach besser orten. Das Stereobild ist super!“ Dass die neue SL-Serie äußerst leistungsstark ist und laut Stefan Todeskino über „unglaublich viel Headroom“ verfügt, verlangt nach einer Bedienung mit Bedacht: „Die neue Treibergeneration lässt es zu, mit den SL-Systemen sehr laut zu werden, was nicht in jedem Kontext Sinn ergibt“, so Todeskino. „Den Headroom muss man tendenziell eher ein wenig zügeln, um ein insgesamt schönes Klangbild zu erzielen.“

 


»Die neue Treibergeneration lässt es zu, mit den SL-Systemen sehr laut zu werden, was nicht in jedem Kontext Sinn ergibt. Den Headroom muss man tendenziell eher ein wenig zügeln, um ein insgesamt schönes Klangbild zu erzielen.«

Stefan „Steve“ Todeskino | über die Bedienung eines so leistungsstarken Systems


 

Setup am Baldeneysee

Am Essener Baldeneysee wurde für das Rigging der GSL-Systeme, den Topteilen der SL-Serie, der Compression-Mode genutzt. Die Oberkante der Line-Arrays befand sich in etwa zwölf Metern Höhe. Die Hauptbeschallung setzte sich aus 2 × 16 GSL-Systemen zusammen, wobei die Arrays aus zwölf GSL8 und vier darunter befestigten GSL12 gebildet waren. Stage left war ein 12er-Sidehang mit per ArrayProcessing angesteuerten V8 angebracht, auf der rechten Seite kam ein 8er-Sidehang zum Einsatz. Als Frontfills fanden acht d&b V7P Verwendung – liegend mit gedrehten CD-Hörnern. Die Vorgruppe (Flo Mega & Band) nutzte für ihr Monitoring d&b M2 Zweiwege-Hochleistungsmonitore; die Fantastischen Vier und ihre Musiker setzten auf In-Ear-Monitoring. Sidefills kamen in Essen nicht zum Einsatz. Die einzelne Delay-Line hinter dem Baum setzte sich aus acht mit ArrayProcessing bearbeiteten V8 zusammen; dem „FOH-Schatten“ wirkten zwei V7P entgegen.

Für die Wiedergabe tiefer Frequenzen waren 20 SL-SUB mit 3 × 21″-Bestückung vorgesehen, die sich in zehn querliegenden Zweierpaketen entlang der vorderen Bühnenkante verteilten. Die neuen SL-SUB weisen geringere Maße als die J-INFRA auf, können aber nichtsdestotrotz mit einer höheren Effizienz punkten – ein SL-SUB ersetzt mehr oder weniger zwei gängige Subwoofer. Die SL-Subwoofer wurden in Essen mit einer oberen Grenzfrequenz von 90 Hz betrieben; die Main-Hangs wurden fullrange eingesetzt.

20 SL-SUBs mit 3 × 21″ Bestückung in querliegenden Zweierpaketen entlang der vorderen Bühnenkante (Bild: Jörg Küster)

Ausstattung und Ergänzungen der SL-Serie

Als Ergänzung für den Tieftonbereich ist bei der SL-Serie ein leistungsstarker Subwoofer vorgesehen: Das Modell SL-SUB ist mit drei 21″-Lautsprechern bestückt, welche sowohl nach vorne (2 × 21″) als auch nach hinten (1 × 21″) abstrahlen – Resultat ist eine nierenförmige Richtcharakteristik. Der SL-SUB wird aktiv mit zwei Verstärkerkanälen angefahren. Teil der Neuerungen rund um die SL-Serie sind passend konfektionierte Ampracks, in denen statt drei nun sechs d&b D80-Verstärker untergebracht sind. Zur Ausstattung gehören weiterhin eine DS10 Audio Network Bridge, ein Anschlussfeld (1 HE), ein Output-Panel (2 HE) und ein Stromverteiler. Die Verbindung zu den Lautsprechern wird über LK25-Multipinverbinder und passende Multicores (zwölf Kanäle) hergestellt, so dass sich über ein einzelnes Multicore bis zu sechs GSL-Systeme ansprechen lassen.

 

Signalfluss, Amping, ArrayProcessing

Die GSL-Systeme sind für den Einsatz mit ArrayProcessing ausgelegt. Bei den auf zwei Amp-Citys verteilten Verstärkern kamen in Essen ausschließlich d&b D80-Modelle zum Zuge – ein GSL-System wird von jeweils zwei D80-Verstärkerkanälen im 2-Weg-aktiv-Modus angetrieben. In Essen wurden die Ausgangssignale der digitalen Audiokonsole über AES/EBU in Lake-Controller geführt. Über die an den Prozessoren vorhandenen AES/EBU-Ausgänge wurden die Signale anschließend in CatCore-Umsetzer geführt und gelangten via Cat-Leitung zur Bühne. Dort befanden sich weitere Umsetzer, deren AES/EBU-Ausgänge mit den entsprechenden Eingängen der D80-Endstufen verbunden waren – somit konnte ein vollständig digitaler Audiosignalfluss realisiert werden. Als Havarielösung wurden am Baldeneysee ergänzend analoge Leitungen verlegt.

Mithilfe von ArrayProcessing wurde die Wiedergabe der Systeme perfekt an die lokalen Gegebenheiten angepasst. Weiter hinten auf dem Gelände war ein Abfall des Gesamtpegels auszumachen, was so auch erwünscht war: „Man sollte es mit den Möglichkeiten von ArrayProcessing nicht übertreiben“, kommentierte Stefan Todeskino. „Es ergibt keinen Sinn, ein komplett unnatürlich wirkendes Klangbild einzurichten – wer als Konzertbesucher weiter hinten steht, möchte einfach nicht derart mit Volldampf beschallt werden wie die Fans in den ersten Reihen.“

Für die Shows in Essen wurde im Vorfeld ein ArrayCalc-File angelegt, auf dessen Basis das Setup dimensioniert und ausgerichtet wurde. Selbstverständlich kam die R1 FernsteuerSoftware ebenfalls zum Einsatz. „Meiner Meinung nach bietet d&b perfekte Komplettpakete aus Hard- und Software, welche über die Jahre hinweg immer weiter verbessert wurden – als Paket funktionieren die Systeme wirklich hervorragend und machen die Arbeit absolut angenehm“, fasste Stefan Todeskino zusammen. „Nicht zu vergessen ist der herausragend gute d&b-Service, welcher die Anwender stets mit ins Boot nimmt.“ Dass Qualität ihren Preis hat, ist Stefan Todeskino selbstverständlich nicht entgangen: „Eine Anschaffung bei d&b tut finanziell immer weh, aber letztendlich zeigen Aspekte wie der Wiederverkaufswert, dass die Produkte eigentlich nicht teuer sind. Teuer werden Produkte erst, wenn sie nach fünf Jahren nur noch die Hälfte wert sind!“

 

Neu bei d&b: Große Spezielle Lautsprecher

„Das Kürzel GSL steht für Große Spezielle Lautsprecher – die anderen Buchstaben waren bereits vergeben“, sagt Werner „4“ Bayer vom d&b Product Management schmunzelnd über die Topteile der d&b SL-Serie. Die neuen Produkte sollen im Frühjahr 2018 anlässlich der prolight+sound offiziell vorgestellt werden. Sie definieren im Portfolio von d&b audiotechnik die Premium-Leistungsklasse und sind oberhalb der weiter im Lieferprogramm verbleibenden J-Serie angesiedelt – es handelt sich also um „das ganz große Besteck“ für Festivals, Tourneen und Festinstallationen. Ein spec sheet mit belastbaren Zahlen/Daten/Fakten rund um die neuen Lautsprecher war zum Zeitpunkt des Gesprächs leider noch nicht verfügbar.

„Die SL-Serie stellt technologisch betrachtet eine vollkommen neue Generation dar“, sagt Werner Bayer nicht ohne Stolz. „Die Entwicklung erstreckte sich über einen Zeitraum von etwa vier Jahren und führte entlang eines Wegs, der von Meilensteinen wie den leistungsstarken D80 DSP-Verstärkern und einem OCA-Netzwerk für die schnelle Datenkommunikation gesäumt ist. Vor etwa einem Jahr haben wir uns darüber hinaus dem Thema ,Mission Imission‛ gewidmet und NoizCalc entwickelt; 2017 kamen kleinere Tools im Rahmen unserer ,Enabling Technologies‛-Maxime hinzu. Alle diese Entwicklungen sowie unsere jahrzehntelange Erfahrung im Lautsprecherbau fließen letztlich in die SL-Serie ein und tragen mit dazu bei, dass die neuen GSL-Komponenten über den weitaus größten Teil ihres Wiedergabespektrums eine gerichtete Abstrahlung aufweisen – wir sprechen von breitbandiger Direktivität. Die GSL-Systeme lassen sich dabei fullrange bis zu einer unteren Grenzfrequenz von 40 Hz betreiben.“


»Seit 2006 hängt das Isobaren-Diagramm der J-Serie über meinem Schreibtisch – ich musste es mir wirklich jeden Tag anschauen und konnte auf diese Weise bestens verinnerlichen, was noch zu tun ist … «
lacht Matthias „Matze“ Christner | Diplom-Physiker und Team Leader R&D Acoustics bei d&b


 

Die neuen Array-Module sind in Varianten mit 80° horizontaler Abstrahlung (GSL8) sowie 120° horizontaler Abstrahlung (GSL12) verfügbar. Bestückt sind die neuen GSL-Systeme mit zwei 14″-Lautsprechern, welche von zwei 10″-Chassis flankiert werden. Letztere sind seitlich angebracht, worauf perforierte, mit wetterfestem Schaumstoff hinterlegte Schallauslässe neben den Griffen hinweisen. Zweck der Konstruktion ist eine kontrollierte Abstrahlung, welche durch erwünschte Auslöschungs- und Additionseffekte letztlich in einer nierenförmigen Richtcharakteristik mit nur geringen Emissionen auf der Lautsprecherrückseite resultiert. Der „Mehr Pegel nach vorne und weniger nach hinten“-Ansatz passt perfekt zum aktuellen d&b Claim „More art less noise.“

d&b Team Matthias „Matze“ Christner, Werner „4“ Bayer und Michael Weiß (Bild: Jörg Küster)

Bei den GSL-Systemen funktioniert die Kontrolle der Abstrahlung über den gesamten Wiedergabebereich bis hinab zu den tiefen Frequenzen – ein klarer Unterschied zur sonst zu den tiefen Frequenzen hin stetig zunehmenden Omnidirektionalität. Die Vorteile einer kontrollierten Abstrahlung liegen auf der Hand: Sinnlos nach hinten abgesonderte Schallenergie, welche Anwohner potenziell belästigen könnte, wird reduziert. Auf und hinter der Bühne herrscht „weniger Alarm“; Mikrofone gelangen später an ihre Rückkopplungsgrenzen, was sich in Kombination mit weiteren Maßnahmen vorteilhaft auf den Gesamtklang auswirkt. Bei Hallenkonzerten mit schallharten Rückwänden dürfte der Effekt noch deutlicher als in Open-Air-Zusammenhängen in Erscheinung treten.

Die GSL-Systeme lassen sich auf unterschiedliche Arten anbringen: Zum einen wird der zum Patent angemeldete Compression-Mode unterstützt, bei welchem das Array zunächst gerade aufgehängt wird. Die Winkelung lässt sich anschließend rückseitig über einen Motor- oder Handkettenzug bis zum gewünschten Curving einstellen. Die Alternative ist der Tension-Mode, bei dem eine bereits gecurvte PA abschnittsweise nach oben gezogen wird. Die GSL-Systeme werden in Vierer-Dollys transportiert; die Lautsprechergehäuse sind an ihren Frontseiten in bekannter Manier gleichmäßig verbunden und werden rückseitig variabel gewinkelt.

„Eine Tournee mit der ersten Prototypengeneration der neuen Serie fand im Herbst 2016 statt und führte unterhalb des Radars einer breiteren Öffentlichkeit durch große deutsche Arenen. Richtig am Start bei diversen Festivals in ganz Europa sind wir mit der neuen SL-Serie seit Mai 2017“, berichtet Werner Bayer. „Wir haben in dieser Zeit viele Erfolge gefeiert und auch einiges gelernt; die Konzerte am Essener Baldeneysee beschließen sozusagen die praktische Open-Air-Testphase. Im Oktober 2017 soll nach Fertigstellung der letzten Software-Optimierungen die erste Auslieferungswelle und eine internationale Preview-Phase für ausgewählte Dienstleister starten. Die verantwortlichen Tontechniker werden dafür bei besonderen Events geschult.“ Chefentwickler Matthias Christner ist zufrieden: „Das Diagramm der neuen GSLSysteme hängt an meinem Arbeitsplatz nun unter dem Isobaren-Diagramm der J-Serie – nach vielen Jahren kann ich nun endlich wieder gut schlafen … (lacht)“.

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