Besserer Sound für mehr Zuhörer

Oh là là: Club-Gig mit SYVA und L-ISA von L-Acoustics

Anlässlich eines Konzerts der Weltmusikformation Yapa wurde im Oktober 2017 das Publikum eines Pariser Jazz-Clubs mit einer objektbasierten Surround-Mischung beschallt. Verwendung fand aktuelle Hard- und Software aus dem Portfolio von L-Acoustics – der französische Hersteller möchte passend zur technologischen Aufrüstung in den Bereichen Licht und Video einen audiophilen „Hyperréalisme immersif“ als neuen Standard für Live-Events etablieren.

YAPA
Ungewohntes Bild Sehr gut ist hier zu sehen, wie nahe die Musiker vor den Lautsprechern sitzen. (Bild: Jörg Küster)

 

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Süßlich riechende Marihuanaschwaden steigen nahe des Gare du Nord in den abendlichen Herbsthimmel. Vor dem veganen Restaurant „Jah Jah“ diskutiert eine Gruppe französisch sprechender Rastafarians lebhaft über Gott und die Welt, während wenige Meter weiter Obdachlose auf dem Trottoir in einem Verschlag aus Brettern und Plastikfolie Zuflucht finden. Inmitten der spärlich beleuchteten Pariser Gassentristesse formiert sich kurz nach 20 Uhr eine längere Menschenschlange und wartet auf Einlass in das hier beheimatete „New Morning“.

Im vielleicht bekanntesten Jazz-Club der französischen Hauptstadt spielt YAPA (www.yapa.fr), die vierköpfige Weltmusikformation hat ihr neuestes Album im Gepäck: „Archipel“ ist nicht nur als konventioneller Hörgenuss verfügbar, sondern wurde darüber hinaus auch in einer speziellen Version für den „Hyperréalisme immersif L-ISA“ produziert – ein neuartiges Wiedergabeverfahren von L-Acoustics, das sich um einen leistungsstarken 19″-Prozessor gruppiert, welcher objektbasierte Audiomischungen unterstützt und in Kombination mit geeigneten Lautsprecheraufbauten hyperrealistische, immersive Hörerlebnisse verspricht.

Objektbasierte Live-Mischung

Anlässlich der Präsentation des aktuellen Yapa-Albums wurde das „New Morning“ am 19. Oktober 2017 nicht mit der hauseigenen Anlage, sondern mit einem neuen Lautsprechersystem von L-Acoustics beschallt. Zum Einsatz kamen Komponenten aus der S-Serie, welche in Teilen hinter den Musikern aufgebaut waren und gleichermaßen als Monitoranlage wie auch zur Beschallung des Publikums dienten. Verwendung fanden die Lautsprechermodelle SYVA, SYVA LOW und SYVA SUB – sowohl auf der Bühne als auch seitlich und hinter den Konzertbesuchern.


Übrigens: einen ausführlichen Testbericht zum Säulenlautsprecher SYVA von L-Acoustics findet ihr
in der Ausgabe PRODUCTION PARTNER 4|2018!


Für den vielkanaligen Mix war Sylvain Biguet verantwortlich, der auf ein konventionelles Mischpult verzichtete und stattdessen einen DAW-Controller bediente: Ein Icon QCon ProX steuerte gemeinsam mit einer kabelgebundenen RME „ARC USB-Advanced USB Remote Control“ die TotalMix-FX-Software von RME: ein MADIface XT Audio-Interface stellte nach einer externen A/D-Wandlung MADI-Streams für Beschallung und Recording bereit. Dreh- und Angelpunkt des vielkanaligen Soundsystems war ein gut versteckt auf dem Podium platzierter L-ISA-Prozessor von L-Acoustics, mit dessen Hilfe Sylvain Biguet eine rundum überzeugende objektbasierte Mischung im Club generierte – zu gefallen wusste ein differenzierter Sound mit außerordentlich guter Lokalisation und einigen überraschenden Surround-Effekten.

L-Acoustics SYVA: Schlanke Schönheit mit viel Temperament

Die neue S-Serie von L-Acoustics wurde sowohl für Festinstallationen als auch für mobile Einsätze entwickelt. Bezüglich der Gestaltung dürfte eine elegante äußere Erscheinung zu den zentralen Vorgaben für das R&D-Team gehört haben, denn die S-Serie soll neben professionellen Anwendern auch den Residential-Markt adressieren.

Jenseits des Aussehens spielte die akustische Performance bei der Entwicklung von SYVA selbstverständlich eine entscheidende Rolle – das neue Topteil aus der S-Serie von L-Acoustics eignet sich uneingeschränkt sowohl für die Reproduktion von aufgezeichnetem Audiomaterial als auch für (musikalische) Live-Aufführungen mit all ihren dynamischen und sonstigen Eigenheiten. Teil des Anforderungskatalogs war darüber hinaus ein möglichst einfacher, in kurzer Zeit realisierbarer Plug-and-play-Aufbau.

Colinear Source

Betrachtet man die Product-Range von L-Acoustics, lassen sich grob drei Kategorien unterscheiden: Point Sources mit koaxialer Bestückung (Pund X-Serie), Constant Curvature Line Sources (ARCS-Linie) und Variable Curvature Line Sources (K-Serie mit K1, K2, KARA, KIVA II). SYVA erweitert das Spektrum um eine sogenannte Colinear Source: Der Throw wird vom Hersteller bei einem relativ gleichmäßigen SPL bis zu 35 Meter beziffert, was die somit für Distanzen von etwa 5 bis 40 Metern geeignete S-Serie irgendwo zwischen den Point Sources und den Constant Curvature Line Sources positioniert.

SYVA ist explizit nicht für einen gekoppelten Betrieb mit mehreren Einheiten vorgesehen, sondern soll stand-alone genutzt werden – ein Gegensatz also zu den Constant/Variable-Curvature-Produkten, bei denen das Coupling die Coverage verändert. SYVA weist oberhalb von 1 kHz ein festes asymmetrisches Abstrahlverhalten auf, das sich durch eine enge vertikale Bündelung von 26 Grad (+5 Grad nach oben, −21 Grad nach unten) sowie eine ausnehmend breite horizontale Abstrahlung von 140 Grad auszeichnet. Spontan könnte man dem Gedanken verfallen, bei Konzerten zwei SYVA als Infills für die vorderen Publikumsreihen aufzubauen, so dass auf entlang der vorderen Bühnenkante verteilte Frontfills verzichtet werden kann – bei nicht weit ausgedehnten Bühnen vermutlich gar keine schlechte Idee, welche weiter vorne sitzenden Gästen ein Stereo-Image samt verbesserter Ortung bescheren würde.

Zeile? Der Schein trügt …

Auf den ersten Blick sieht SYVA wie ein Zeilenlautsprecher aus, die äußere Form erinnert spontan an Produkte wie Bose L1 Compact, LD Systems MAUI 28 G2 oder eventuell auch RCF EVOX 8. Solcherlei Assoziationen vernimmt man bei L-Acoustics erwartungsgemäß nicht gerne und weist mit Nachdruck darauf hin, dass es sich bei SYVA nicht um einen typischen Zeilenlautsprecher handelt.

Bereits die J-förmige Gehäusebauform unterscheidet SYVA von den sonst üblichen Säulenkonstruktionen: Der schwungvoll geformte Bogen beinhaltet die HF-Sektion, welche sich aus drei 1,75″-Kompressionstreibern zusammensetzt. Letztere arbeiten auf drei DOSC-Wellenformern mit L-Fins und bringen somit Line-Array-Technologie samt kohärenter Abstrahlung und einem entsprechenden Throw in einem optisch eher auf Understatement bedachten Gehäuse unter. Ober- und unterhalb der Wellenformer befinden sich in Bassreflexkonstruktionen zwei plus vier 5″-Mitteltöner, die sich – bei seitlicher Betrachtung ihrer Anordnung – nicht auf einer geraden Achse befinden: Das versetzte physische Alignment führt zu einer aus Zuhörerperspektive minimal zeitversetzten Abstrahlung der zwei plus vier Mitteltöner und damit letztlich zu einem leicht nach unten weisenden Directivity-Pattern, das zur vertikalen Abstrahlcharakteristik der HF-Sektion passt. Das Design hat L-Acoustics patentieren lassen.

Low-Frequency-Extensions

Wird SYVA stand-alone als Fullrange-Lautsprecher eingesetzt, beträgt die untere Grenzfrequenz laut Hersteller 87 Hz. Für SYVA sind zwei Low-Frequency-Extensions erhältlich, die bei gleich dimensionierten Gehäuseabmessungen eine komplett unterschiedliche Bestückung aufweisen: Der „Default-Subwoofer“ hört auf die Bezeichnung SYVA Low und ist als Bassreflexkonstruktion mit zwei 12-Zöllern ausgestattet, welche eine Wiedergabe tiefer Frequenzen bis hinab zu 40 Hz (–10 dB) ermöglichen sollen. SYVA Low ist explizit als Basis für das SYVA-Topteil ausgelegt und verfügt auf der Oberseite 0über eine Aussparung, in welcher das Top über vier stabile Pins sicheren Halt findet. Das robust wirkende Connector-Panel stellt darüber hinaus eine elektrische Verbindung zwischen den beiden Boxen her, so dass ein vom Verstärker kommendes Kabel lediglich am Subwoofer angeschlossen werden muss und anschließend beide Boxen versorgen kann.

SYVA und SYVA LOW
Mittlere Stacks aus SYVA und SYVA LOW rechts und links durch je zwei SYVA SUB erweitert. Die hier gut erkennbar erhöhte Aufstellung sorgt dafür, dass der Wellenformer über die Musiker hinweg in Richtung Publikum strahlt (Bild: Jörg Küster)

Im Gegensatz zu SYVA Low ist das Bassreflex-Schwestermodell SYVA Sub mit einem einzelnen 12″-Speaker bestückt. Es handelt sich um einen anderen 12-Zöller als bei den in SYVA Low verbauten Ausführungen, wobei der Antrieb eine Adaption des im KS28 verwendeten Motors für eine 12″-Membran ist. In den allermeisten Fällen – insbesondere bei Live-Anwendungen – sollte SYVA Low die Tieftonergänzung der Wahl sein. Topteile, die gemeinsam mit SYVA Sub betrieben werden, dürften eher im Residential-Bereich anzutreffen sein. Nicht ganz fern liegt am Rande bemerkt die Idee, einen der neuen Tieftöner losgelöst von der S-Serie in ganz anderen Zusammenhängen einzusetzen – einen kompakten Subwoofer mit 12″-Bestückung hatte L-Acoustics bislang nicht im Programm.

Bei den 12″-Speakern in SYVA Low handelt es sich um die gleichen Treiber, die auch in den K2-Modellen von L-Acoustics Verwendung finden. Betrachtet man SYVA und SYVA Low unter dem Aspekt der bewegten Membranfläche, darf von einem Äquivalent zu einem einzelnen K2-Cabinet gesprochen werden. Der maximale SPL-Wert der Kombi beträgt laut Herstellerangaben 142 dB; die Wiedergabe soll sich bis hinab zu 40 Hz erstrecken. Das HF-Directivity-Pattern von SYVA ist mit der Abstrahlung von zwei gekoppelten KIVA II vergleichbar, wobei die Tiefmitten-Directivity von SYVA im direkten Vergleich aufgrund der langen Linie noch etwas präziser ausfällt. Koppelt man mehr als zwei KIVA II, kommen hingegen die bekannten Vorzüge der Line-Array-Technologie vollauf zum Tragen.

Wird ein SYVA-Topteil mit einer Low-Frequency-Extension betrieben, wird die untere Grenzfrequenz des Tops per Controller-Preset auf 300 Hz gesetzt (Close-Coupling mit mehr Headroom). Bei einer Nutzung mit anderen Tieftönern, die in der Nähe aufgestellt bzw. geflogen werden, ist eine Trennfrequenz von 100 Hz für die Subwoofer sinnvoll, während das Topteil mit einem leichten Overlapping fullrange bis hinab zu 87 Hz laufen sollte. In der Regel wird man ein Top mit einem Subwoofer kombinieren. Ist deutlich mehr Low-End gewünscht, sollte die 1:1-Ratio gemäß Vorschlag von L-Acoustics vorzugsweise auf 1:1:2 (1 × Topteil, 1 × SYVA Low, 2 × SYVA Sub) erweitert werden.

Beim 8-Ohm-Modell SYVA handelt es sich um ein Zwei-Wege-Design, dessen Speaker über ein internes, passiv aufgebautes Filter angesprochen werden. Entsprechend wird für jede SYVA-Box ein einzelner Verstärkerkanal benötigt – bei einem typischen Aufbau mit 2 × SYVA und 2 × SYVA Low ist der vierkanalige Controller-Amp L-Acoustics LA4X eine perfekte Wahl. Eine Ausführung der neuen Lautsprecher mit integrierten Endstufen (self-powered) ist laut Hörensagen nicht geplant und würde wohl auch der bislang erfolgreich verfolgten Produktphilosophie von L-Acoustics widersprechen. Als Anschlüsse sind an allen Lautsprechern der S-Serie Speakon NL4 für den mobilen Einsatz sowie Polklemmen für Festinstallationen vorhanden.


»SYVA ist kein überall einsetzbares Schweizer Armeemesser, sondern ein perfektes Tool für klar definierte Aufgaben.«

L-Acoustics hat klare Vorstellungen zum Einsatz von SYVA


Mit Beamsteering-Lösungen möchte SYVA nicht in einen direkten Wettbewerb treten – bei L-Acoustics sieht man separate Aufgabengebiete für Lautsprecher mit variablen Beams sowie für die neue S-Linie und verfällt erfreulicherweise auch nicht auf den Gedanken, die S-Produktserie als Lösung für sämtliche denkbaren Beschallungsaufgaben zu propagieren. „SYVA ist kein überall einsetzbares Schweizer Armeemesser, sondern ein perfektes Tool für klar definierte Aufgaben“, lautet die Ansage aus dem Umfeld des französischen Entwicklerteams.

SYVA-Accessoires

SYVA ist 1,30 m hoch, 14,4 cm breit und aufgrund der J-Form 20,9 cm tief. Die Low-Frequency-Extensions sind 84,9 cm hoch, der Gesamtaufbau aus einem Topteil und einem SYVA Low erreicht eine Höhe von 2,15 m. Ab Werk werden die Lautsprecher in den Farben Weiß, Grau und Braun angeboten, eine Lackierung gemäß RAL-Classic-Farbpalette ist ebenfalls möglich. Um das ansprechende Design der Lautsprecher nicht durch potenziell als hässlich empfundene Transportgriffe zu beeinträchtigen, sind speziell für SYVA angefertigte Gigbags (SYVA Cov, SYVA LF Cov) mit Road-tauglicher Polsterung erhältlich. Eine einzelne SYVA-Box wiegt 21 kg.

Das Zubehörangebot ist umfangreich und beinhaltet unter anderem die rund 11 kg schwere SYVA Base, welche eine Neigung der Lautsprecher um bis zu 20 Grad (in der Praxis wohl auch mehr) erlaubt und als solide Baseplate-Metallplatte mit rutschsicheren Gummi-Pads konzipiert ist. SYVA Pole wird dem Produktnamen gerecht und eignet sich für eine Anbringung des Topteils an Distanzstangen, während sich die Lautsprecher mithilfe von SYVA Bar fliegen lassen – eine Lochung gibt den Neigungswinkel zwischen minus zehn und plus fünf Grad vor. Für die Wandmontage (direkt oder mit Spacer) ist SYVA Wall gedacht – die vertikale Abdeckung des Hörerbereichs soll durch die Höhe der Anbringung und nicht durch einen (optisch unvorteilhaften) Tilt der Box definiert werden. Die zur S-Serie gehörenden Low-Frequency-Extensions sind ausdrücklich nicht für den geflogenen Betrieb vorgesehen.

Trendthema: Vielkanalige Live-Beschallung

Besuchte man im Frühjahr 2017 auf der Frankfurter Prolight+Sound renommierte Lautsprecherhersteller, bekam man allerorts vergleichbar klingende Geschichten zu hören: Die technologische Entwicklung schreitet mit großen Schritten voran, und die Video- und Lichttechnik schafft insbesondere bei aufwändigeren Shows/Events stets aufs Neue zuvor ungekannte visuelle Reize. Bezüglich der Audiowiedergabe sind nach der weitgehenden Digitalisierung des Signalflusses sowie des Siegeszugs der Line-Array-Technologie im Gegensatz dazu kaum spektakuläre Neuerungen zu vermelden: Beschallt wird in den allermeisten Fällen weiterhin mit Lautsprechern rechts und links der Bühne sowie gelegentlich mit einem zusätzlichen Centercluster.

Bei einer konventionellen L/R-Beschallung ist es bekanntermaßen so, dass lediglich ein vergleichsweise kleiner Teil der zahlenden Gäste ein optimales Stereo-Hörerlebnis genießt: Der Sweetspot beschränkt sich auf einen eng umrissenen Bereich in der Stereo-Phantommitte, wer sich weiter außen befindet, hört vorrangig die Signale der in der Nähe befindlichen Lautsprecher – und die über die Ohren wahrgenommene Ortung korrespondiert kaum mit dem Bühnengeschehen. Das menschliche Gehirn kompensiert das Missverhältnis zwischen Auge und Ohr zwar in einem gewissen Rahmen, so dass man das Konzert dennoch genießen kann – unterschwellig wird das Erlebnis jedoch nie derart gut und entspannt sein wie in einer optimalen Hörsituation.

L-Acoustics
Obwohl der Aufbau der Lautsprecher hinter den Musikern spontan anderes vermuten lässt: Bei der Show kam es nicht zu Feedbacks (Bild: Jörg Küster)

Unterschiedliche Lautsprecherhersteller wie auch L-Acoustics nehmen sich des Themas mit variierenden Konzepten an – wobei spitze Zungen gelegentlich unterstellen, dass Überlegungen zu vielkanaligen Beschallungsaufbauten wohl auch ein wenig durch den Wunsch nach dem Verkauf größerer Mengen von Lautsprechern und Endstufen forciert werden. Wirtschaftliche Interessen sind sicher nie ganz von der Hand zu weisen, doch wenn man mit Entwicklern sowie den treibenden Kräften in einzelnen Unternehmen spricht, ergibt sich ein anderes Bild: Es geht um Klangvisionen von „Überzeugungstätern“, welche durch die aktuellen Optionen zur digitalen Audiosignalmanipulation heute vom Wunschdenken in den Bereich des Möglichen rücken.

Im Zentrum der Entwicklung steht bei den Firmen meist ein äußerlich unscheinbares 19″-Gerät, das leistungsstarke Prozessoren beinhaltet und Audiosignale quasi in Echtzeit verarbeiten kann. Viele Eingangssignale müssen nach der Bearbeitung auf viele Ausgänge verteilt werden, so dass gängige Audionetzwerkprotokolle für den Signaltransport herangezogen werden. Wünschenswert ist dabei eine Art von Steuerung, welche den ohnehin chronisch überlasteten Menschen am Mischpult nicht durch eine übermäßig komplexe Bedienung befremdet – die bislang separat auf Computermonitoren angezeigten Bedienoberflächen werden daher künftig mutmaßlich Einzug in die mittlerweile meist mit großzügig dimensionierten Screens ausgestatteten Tonpulte halten.

L-ISA: Hyperréalisme immersif

Christian Heil, Gründer und Mastermind von L-Acoustics, befasst sich bereits seit langer Zeit mit der Frage, wie man das Hörerlebnis bei elektroakustisch verstärken Konzerten für einen großen Teil der Gäste verbessern kann. Seit rund sechs Jahren wird am L-Acoustics Hauptstandort in Marcoussis (nahe Paris) sowie in London intensiv zum Thema geforscht. Das Ergebnis der Überlegungen, Versuche und Testaufbauten hat seinen konkreten Niederschlag inzwischen in einem 19″-Prozessor gefunden, der passend zum übrigen Portfolio von L-Acoustics einen weiblichen Namen mit vier Buchstaben trägt: L-ISA (sprich: Elisa) soll in Verbindung mit geeigneten Lautsprecheraufbauten immersive Hörerlebnisse ermöglichen, wobei sich das Konzept vom aktuellen (Studio-)Hype um 3D-Audio unterscheidet und besonders auf Live-Anwendungen zugeschnitten ist.

L-ISA Prozessor
L-ISA Prozessor von L-Acoustics gut versteckt auf dem Podium platziert war dieser Dreh- und Angelpunkt des vielkanaligen Soundsystems. Unten im Bild: Eine vierkanalige LA4X-Endstufe (Bild: Jörg Küster)

L-ISA konzentriert sich vorrangig auf das Geschehen vor den Konzertbesuchern – Erweiterungen zur Seite, nach hinten und nach oben sind als sogenannte „Extensions“ möglich, werden allerdings tendenziell eher als Effekte verstanden. Um vor den Konzertbesuchern eine bessere Auflösung und damit verbunden eine genauere Lokalisation sowie eine weiter verbesserte Sprachverständlichkeit zu erreichen, wird die Zahl der Lautsprecherpositionen bei L-ISA von Links/Rechts auf mindestens fünf Ausgabestellen erweitert, die sich entlang der gesamten Bühnenbreite verteilen. Sieben, neun oder noch mehr Ausgabestellen können das Klangresultat weiter verbessern, dürften unter realen Bedingungen im Tour-Produktionsalltag jedoch eher die Ausnahme als die Regel sein.

Durch die zusätzlichen Positionen besteht die Möglichkeit, Bühnenakteure besser als bisher passend zu ihrer Aufstellung auf dem Podium abzubilden, was Klangbild und Ortung zu Gute kommt – sozusagen das genaue Gegenteil der berüchtigten Talkrunde im Fernsehen, bei der man am heimischen Bildschirm nichts mehr versteht, sobald mehrere Teilnehmer gleichzeitig sprechen. Im Optimalfall ist es bei L-ISA so, dass jede Lautsprecherposition prinzipiell in der Lage ist, jeden Gast im Publikum zu erreichen. Lautsprecher mit extrem breiter Coverage wie etwa SYVA von L-Acoustics sind für eine solche Aufgabe prädestiniert, aber selbstverständlich können auch andere Lautsprechermodelle Verwendung finden.

Für die Audiomischung ergeben sich bei einem Konzept wie L-ISA diverse Vorteile – schließlich stehen deutlich mehr Ausgabestellen zur Verfügung und es müssen nicht mehr sämtliche Signale in lediglich zwei Lautsprecherpositionen „gequetscht“ werden. Einzelne Signale, die sonst vielleicht im Gesamtmix untergehen, lassen sich differenzierter darstellen – wer schon einmal „The dark Side of the Moon“ von Pink Floyd in 5.1-Surround statt nur in Stereo gehört hat, weiß, was es bei einer vielkanaligen Wiedergabe alles zu entdecken gibt. Nicht selten muss bei der Signalbearbeitung weniger intensiv zum Equalizer gegriffen werden und auch die Kompression kann in manchen Fällen geringer als sonst üblich ausfallen.

Es ist keineswegs so, dass Audiosignale bei L-ISA ausschließlich diskret einzelnen Lautsprechern zugewiesen werden sollen, sondern es wird weiterhin auch von Phantomschallquellen Gebrauch gemacht. In die Steuersoftware ist ein Feature implementiert, mit dem sich Schallquellen einem einzelnen Ausgabepunkt zuweisen oder über mehrere Positionen „dehnen“ lassen. Als Anwender muss man dabei keinen Gedanken auf die im Hintergrund stattfindenden Prozesse verwenden, sondern lediglich den entsprechenden Regler gemäß der eigenen Klangvorstellung bedienen.

Ein Tipp zur praktischen Anwendung: Wenn eine Auflösung von 15 Grad zwischen den beteiligten Frontlautsprechern eingehalten wird, ist für ein zwischen zwei Lautsprechern positioniertes Objekt ein Bewegungsspielraum von 7,5 Grad nach links und rechts vorhanden, was im Vergleich zu gängigen L/R-Aufbauten eine extrem präzise Lokalisation ermöglicht. Das menschliche Gehör ist zwar für eine noch deutlich besser aufgelöste horizontale Ortung geschaffen, aber 7,5 Grad erscheinen als gut handhabbarer Kompromiss mit überzeugenden Ergebnissen.

L-ISA-Prozessor

Der L-ISA-Prozessor befindet sich in einem unscheinbaren 19″-Gehäuse (2 HE), dessen dunkle Frontplatte lediglich zwei Status-LEDs zieren. Die digitalen Ein- und Ausgänge befinden sich auf der Geräterückseite und sind als MADI-Ports ausgeführt. Dem Vernehmen nach hat man sich bei L-Acoustics für MADI entschieden, da es sich um ein langjährig bewährtes Protokoll handelt, das keine besondere Konfiguration erfordert und mit einer verschwindend geringen Latenz arbeitet. Über das Innenleben des Prozessors gibt der Hersteller derzeit noch keine Informationen heraus.

Audiosignale erhält der L-ISA-Controller aus dem Mischpult, wo sie über Direct-Outs postprocessing/postfader abgegriffen werden. Der L-ISA-Prozessor nimmt bis zu 96 Eingangssignale („Sources“) entgegen, welche sich nach der internen Bearbeitung an bis zu 64 Outputs ausgeben lassen. Mit Gedanken an eine bessere Bedienbarkeit lassen sich Gruppen bilden, wichtige Einstellungen können als Snapshots gesichert sowie in eine Automatisierung einbezogen werden – auch mit Crossfades frei definierbarer Längen, welche sich sogar an einen Timecode koppeln lassen. Eine Anbindung an Tracking-Systeme oder Controller wie beispielsweise Lemur ist über OSC möglich. Über ein spezielles Plug-in („L-ISA Source Control“ für VST/AAX) lassen sich Automationsdaten dynamisch bis ins letzte Detail in einer DAW aufzeichnen und natürlich später auch von dort wiedergeben. Einzelne Parameter können in der L-ISA Controller-Software auf Wunsch gegenüber Steuerungswünschen von außen „safe“ geschaltet werden, einzelne Kanäle oder auch das gesamte System lassen sich komplett aus der Automation herausnehmen.

L-ISA Controller Software
L-ISA Controller Software im Einsatz während der Show (Bild: Jörg Küster)

L-ISA unterstützt Wortbreiten von 24 Bit bei Abtastraten bis 96 kHz. Die Latenz inklusive sämtlicher Bearbeitungen wird vom Hersteller mit weniger als 5 ms beziffert. Im Moment wird der L-ISA-Prozessor ausschließlich für Festinstallationen verkauft oder vom Hersteller für einzelne Produktionen und ausgewählte Tourneen verliehen – für Rental-Companies besteht derzeit noch keine Möglichkeit zum Erwerb. Dieser Zustand wird sich künftig ändern, L-ISA Systeme sollen als Komplettpakete veräußert werden – es müssen/können also keine Module nachträglich erworben werden, welche den L-ISA Prozessor um zusätzliche Specs erweitern.

Die Visualisierung erfolgt bei L-ISA über einen Computermonitor respektive einen Rechner (PC oder Mac) mit der passenden L-ISA-Controller-Software. Mit dem im Netzwerk automatisch erkannten Prozessor (sowie einem bei Bedarf einsetzbaren Fallback-Prozessor) wird über OSC kommuniziert. Audioobjekte werden auf dem Bildschirm als Kreise angezeigt und lassen sich mit der Maus an beliebige Positionen bewegen, wobei die Audioausgabe verzögerungsfrei folgt. Zu den Steuermöglichkeiten gehören Panorama, Width (Erweiterung von punktuell-fokussierter auf eine breitere Wiedergabe zwecks akustisch angenehmerer Integration in den Gesamtmix), Distance (Entfernungssimulation unter Einsatz von Pegel sowie sich dynamisch verändernder EQ-Hüllkurven und Reverb-Effekten) und Aux-Send (monophoner Ausspielweg z. B. für die angepasste Ansteuerung der Subwoofer). Bei Setups mit elevierten Lautsprechern lässt sich die Ratio der Wiedergabe zwischen oben und unten definieren – nicht in einem 3D-Modell, sondern mit einer pfiffigen, von L-Acoustics ausgetüftelten Visualisierung. Die Bildschirmdarstellung wird bei L-Acoustics als „Soundscape“ bezeichnet.

Oberfläche
Beschallungssituation während des Konzerts von Yapa im „New Morning“ (Bild: Jörg Küster)

Eine Kooperation des für L-ISA verantwortlichen Teams mit Digico trägt bereits erste Früchte: Pulte der SD-Serie sind in Kürze zu L-ISA kompatibel. Als so genannte „Desk Link“-Funktion wird im Pult eine Bedienoberfläche („L-ISA Control“) für jeden einzelnen Kanal von L-ISA verfügbar sein und sich über die Hardware-Pots der Konsolenoberfläche bedienen lassen. Die diversen Parameter lassen sich im Digico-Pult darüber hinaus als Snapshots mitsamt diverser Automationsmöglichkeiten ablegen. Eine Übertragung von Daten ist in die eine wie die andere Richtung möglich, weshalb beim Erstkontakt entweder L-ISA oder die SD-Konsole als Master definiert werden muss.

Die für eine Spielstätte geplante Lautsprecheranordnung wird im Simulationsprogramm „Soundvision“ (ab Version 3.0.7 sind SYVA, SYVA Sub und SYVA Low unterstützt) angelegt und anschließend in L-ISA importiert, sofern man ein real vorhandenes Setup nicht händisch eintragen möchte. Da es sich bei L-ISA um ein objektbasiert arbeitendes System handelt, funktionieren einmal getätigte Einstellungen im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten auf unterschiedlichen Lautsprecherkonfigurationen. Von allen Mehrkanalmischungen werden im Prozessor ohne Zutun des Anwenders ein L/C/R- und ein L/R-Mixdown sowie ein Monomix erstellt – praktisch nicht zuletzt für die Ansteuerung von Outfills oder Delays.

Bezüglich der Parameter berücksichtigt werden u. a. die Coverage-Performance, der Hyperrealismus (Zahl der Arrays), die horizontale/vertikale Lokalisierung und die Immersion (Breite des Panoramas). L-Acoustics präsentiert Auswertungen, die belegen sollen, in welcher Größenordnung (Angabe in Prozent) sich für Event-Gäste beim Einsatz von L-ISA ein guter Höreindruck gegenüber einem L/R-Setup einstellt. Diskutieren mag man letztlich immer darüber, welcher Wert wie zu interpretieren ist und was für einen einzelnen Konzertgast als „akzeptabel“ oder „perfekt“ zu gelten hat.

Nicht ganz unerwartet wird L-ISA vom Hersteller als geschlossenes Ökosystem verstanden, das ausschließlich auf Produkte von L-Acoustics zugeschnitten ist. Eine derartige Insellösung muss nicht unbedingt schlecht sein, denn als Anwender hat man die Garantie, dass alle beteiligten Komponenten perfekt miteinander harmonieren. Darüber hinaus gibt es bei eventuell auftretenden Problemen nur einen Ansprechpartner, der die Schuld nicht auf Komponenten eines anderen Herstellers schieben kann.

Der „Proof of Concept“ für die praktische Handhabbarkeit von L-ISA wurde u. a. bereits bei einer Tourneeproduktion geliefert, welche den französischen Chansonnier Renaud Séchan durch mehr als 100 Hallen mit jeweils 5.000 bis 12.000 Besuchern führte. Zum Einsatz kam L-ISA dabei mit fünf Lautsprecher- gruppen aus jeweils zwölf KARA-Units, welche oberhalb der 20 Meter breiten Bühne geflogen wurden.

Rendezvous mit SYVA und L-ISA

Zurück in die Gassen der Pariser Innenstadt: Das „New Morning“ ist ein Club wie aus dem Bilderbuch, und die Patina unzähliger Konzerte ist fester Bestandteil eines urgemütlichen Ambientes, in dem man sich nicht trifft, um multimediale Shows mit visuellem Chichi zu sehen, sondern um mit Freunden einen netten Abend bei „handgemachter“ Musik zu verleben. Muss erwähnt werden, dass in einem Club dieses Typs die niedrige, selbstverständlich schwarz gestrichene Decke mit Traversen und allerlei Leitungen übersät ist und die Beleuchtung auf betagte PAR-Kannen setzt? Wer immer schon wusste, dass Licht und Video eigentlich nur „Drumherum“ sind, welches die Performance der Musiker unterstützen soll, wird sich im „New Morning“ auf Anhieb wohlfühlen – schließlich geht auch 2017 immer noch niemand im Anschluss an ein Konzert nach Hause und hat die Melodie der Lightshow im Ohr …


»Niemand geht nach einem Konzert nach Hause und hat einen Ohrwurm von der Lightshow.«

Jörg Küster | betont den Stellenwert von Musik


Hinter den Musikern waren für die Albumpräsentation fünf Stacks aufgebaut, die sich aus jeweils einem SYVA Low und einem daran angekoppelten SYVA-Topteil zusammensetzten. Die HF-Sektion strahlte über die Köpfe der im Sitzen spielenden Musiker hinweg – Rückkopplungen, die angesichts des Aufbaus zu befürchten waren, traten während der Show nicht auf. Ergänzt wurde die Boxenphalanx auf der Bühne durch 2 × 2 SYVA Sub, die rechts und links des mittleren Stacks hochkant aufgestellt waren. Rechts und links neben der Bühne hatten die Tontechniker je einen weiteren Stack aus SYVA und SYVA Low aufgestellt, um das Panorama bis zu den Rändern der Publikumsfläche zu erweitern. Für Surround-artige Effekte sorgten zusätzlich insgesamt vier auf Hochständern angebrachte SYVA, die sich links und rechts neben der zentralen Zuhörerfläche sowie hinter den Gästen an der Bar und im Technikbereich befanden.

Yapa en concert
Yapa en concert im Pariser Jazzclub “New Morning”, Oktober 2017 (Bild: Jörg Küster)

Angesichts von Größe und akustischer Beschaffenheit des Clubs war der Aufbau fraglos vertretbar – in größeren Venues würden die Laufzeiten gerade der hinteren und seitlichen Lautsprecher vermutlich Probleme aufwerfen. Bei einer Optimierung auf einen bestimmten Punkt in der Halle würde der Grundgedanke, mit L-ISA für möglichst viele Gästen ein überzeugendes Hörerlebnis zu schaffen, ad absurdum geführt, da man erneut einen eng umrissenen Sweet Spot und keine weitläufige „Shared Coverage Zone“ (so der bevorzugte Terminus bei L-Acoustics) erzeugen würde.


»One immediately understands who plays what!«

Yapa | zur aktustischen Ortung via L-ISA


Die Musiker von YAPA scheinen von L-ISA vollauf überzeugt zu sein, wie ein Blick auf die Website der Band beweist: „The L-ISA sound system brings us a unique solution, because the principle is that each instrument can have its own loudspeaker, so there is no mixing of instruments and the sound coming from different speakers allows our ears to locate them very easily: One immediately understands who plays what. In addition there is no need to increase the level, it is therefore more pleasant for everyone, especially for the youngest. Finally by putting speakers on a wide width, we get a sense of immersion in the sound, we have a wide panorama. In short, an experience to discover absolutely to fully enjoy the music of Yapa!“ Nicht unerwähnt bleiben darf, dass Christophe Combet, einer der drei Akustikgitarristen von Yapa, bei L-Acoustics als „Director of Sound System Design“ tätig ist.

Gespräch mit Sylvain Biguet

Das Konzert im „New Morning“ überzeugte mit einem differenzierten Sound, der keine Wünsche offen ließ und die spielfreudige Performance der Musiker bestens zur Geltung brachte. Die Basisbesetzung von Yapa besteht aus drei Gitarristen sowie einem Percussionisten und wurde im Verlauf des Abends durch Kurzauftritte musikalischer Gäste erweitert.

Akustische Gitarren mit Stahlsaiten können bei einer elektroakustischen Verstärkung mitunter nervig klingen, was bei Yapa jedoch keineswegs der Fall war – vielmehr darf von einem natürlich wirkenden Wohlklang frei von blechernen Sound-Anteilen und übermäßigen Griffgeräuschen gesprochen werden. An unterschiedlichen Orten im Publikumsbereich war sehr gut nachvollziehbar, was L-Acoustics unter einer verbesserten Lokalisation versteht: Dank einer geschickten Verteilung der Signale auf unterschiedliche Lautsprecherpositionen war vollkommen anstrengungslos nachvollziehbar, welcher Musiker gerade was spielte – auch wenn alle Gitarren beim Spiel gemeinsam in gleichen Lagen einen dichten Klangteppich webten. Soli setzten sich gut durch, ohne dass das betreffende Signal im Pegel deutlich erhöht wurde. Die Effekte auf Extensions und Rear-Speakern setzte Sylvain Biguet geschmackvoll ein, wobei ein gutes Verhältnis zwischen einer homogenen Erweiterung und plötzlich auftretenden „Überraschungen“ gefunden wurde. Samples mit flächigen Sounds sorgten eher unterschwellig für eine harmonische Umhüllung des Publikums, während plötzlich von der Seite auftauchende Perkussionsinstrumente einen kurzen Moment der Befremdung hervorrufen konnten, bevor sie von den Anwesenden als „Zuckerl für die Ohren“ verstanden wurden. Wer Reggae und Dub etwas abgewinnen kann, freute sich über diverse spacige Delay-Effekte, deren Taps zum Teil auch von hinten kamen und sich rhythmisch sauber in den Groove der Musiker einpassten.

Unmittelbar nach Ende des Konzerts ergab sich die Möglichkeit zu einem kurzen Gespräch mit Sylvain Biguet, der mit seinen Mischkünsten für den exzellenten Sound beim Yapa-Konzert im „New Morning“ gesorgt hatte.

 

Sylvain, bei der Mischung musstest du heute eine ganze Reihe von Entscheidungen bezüglich der Anordnung einzelner Signale treffen. Über das Main-Image hinaus gab es auch diverse effektvolle Passagen, bei denen diverse Leute im Publikum überrascht die Köpfe zur Seite gedreht haben. Gibt es von den Musikern Vorgaben, wie du diesbezüglich verfahren sollst, oder hast du komplett freie Hand?

Sylvain Biguet: Sowohl als auch – ich kenne die Musiker bereits sehr lange und arbeite bereits von Beginn an für Yapa, so dass mir viel Vertrauen entgegengebracht wird. Das neue Album „Archipel“ haben wir in Highgate nahe von London in einer 18.1-Fassung gemischt, so dass perfektes Audiomaterial für Verkäufe von L-ISA-Systemen an Privatkunden vorhanden ist … Im Rahmen dieser Produktion wurden in enger Abstimmung mit den Musikern zahlreiche Entscheidungen getroffen, wie einzelne Quellen in einem vielkanaligen Mix am besten anzulegen sind. Auf Basis der in diesem Zusammenhang entwickelten Ideen habe ich heute Abend meine Mischung gemacht – prinzipiell bin ich bei den Entscheidungen frei, aber während der Proben haben die Musiker dann doch an der einen oder anderen Stelle den Wunsch geäußert, bestimmte Effekte nicht zu verwenden, weil diese sie auf der Bühne zu sehr abgelenkt hätten.

Neben den von L-Acoustics spezifizierten Frontlautsprechern sowie mehreren Extensions hast du auch zwei Rear-Lautsprecher aufgebaut.

Sylvain Biguet: Ja, das war eine rein kreative Entscheidung – das eigentliche Herz von L-ISA sind die fünf bis sieben frontseitig einzurichtenden Lautsprecherpositionen. Eine der zentralen Ideen von L-ISA ist, dass man jedem Instrument einen eigenen Lautsprecher zuordnen kann, was bei kompakten Formationen wie Yapa natürlich hervorragend funktioniert. Im Gegensatz zu üblichen Links/Rechts-Aufbauten fällt der Sweetspot bei L-ISA riesig aus; heute im Club würde ich sagen, dass er um den Faktor fünf größer war als beim Einsatz der hauseigenen Anlage. Die Rear-Lautsprecher habe ich unter anderem für Effekte eingesetzt, die Christophe Combet in Form speziell vorbereiteter 7.1-Samples beigesteuert hat. Auch Reverbs habe ich im 7.1-Format angelegt, und mein Delay unterstützt insgesamt acht Ausgänge, welche ich frei auf einzelne Speaker verteilen kann.

Ich war überrascht, dass keine Rückkopplungen aufgetreten sind, obwohl diverse Lautsprecher direkt hinter den Musikern aufgestellt waren und der Club ja keine kontrollierte Akustik wie beispielsweise ein Tonstudio besitzt. Musikalische Gäste wie der Mundharmonikaspieler haben im Gegensatz zu den anderen Musikern nicht gesessen, sondern befanden sich zeitweise stehend im Abstrahlbereich der Hochtonsektion.

Sylvain Biguet: Das stimmt, und die Einrichtung der Anlage war durchaus eine Herausforderung. Letztlich kommt es bei einem Setting wie heute Abend darauf an, die Lautsprecher hoch genug zu positionieren, da das Abstrahlverhalten konstruktionsbedingt ja fest vorgegeben ist.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Monitoring-Situation für die Musiker eher ungewöhnlich war. Es kamen keine Wedges zum Einsatz, und ich habe auch nur bei zwei Künstlern In-Ear-Hörer gesehen. Wenn ich davon ausgehe, dass du die Instrumente vielfach diskret einzelnen Lautsprechern zugeordnet hast, würde das bedeuten, dass beispielsweise der Gitarrist links außen das Signal seines rechts außen sitzenden Kollegen erst mit einer gewissen Zeitverzögerung wahrnimmt, was einem perfekten Timing abträglich sein könnte.

Sylvain Biguet: Die Überlegung ist korrekt, und zu Beginn fanden es einzelne Musiker nicht ganz einfach, sich in der für sie ungewohnten Monitoring-Situation zurechtzufinden. Die Musiker ohne In-Ear-System haben sich aber daran gewöhnt, und wie man beim Konzert hören konnte, hat das Ganze letztlich auch gut funktioniert.

Beim Konzert hat das L-ISA Konzept nach meinem Dafürhalten seinen Anspruch sehr gut erfüllt. Lässt sich das System deiner Einschätzung nach auch uneingeschränkt für große Hallen nutzen?

Sylvain Biguet: Absolut, wobei man natürlich passend dimensionierbare Lautsprechertypen und deutlich mehr Subbässe als in einem Club wählen würde. Ich denke, dass Aufbauten mit zusätzlichen Lautsprecherpositionen auch bei typischen Tourneeproduktionen absolut im Rahmen des Möglichen sind – das Rigging ist vielleicht etwas aufwändiger, aber rein bezogen auf die Menge der Lautsprecher braucht man auch nicht mehr, als es bei zwei langen Arrays in einem L/R-Setting der Fall wäre.

Wie unterscheidet sich für dich die Mischarbeit gegenüber einer typischen Links/Rechts-Beschallung?

Sylvain Biguet: Das ist schon ein wenig anders, aber ich gewöhne mich zunehmend daran, den L-ISA Controller in meinen Workflow einzubinden. Ich freue mich bereits sehr darauf, wenn Digico das geplante Update für die SD-Konsolen am Start hat und ich bei größeren Shows auf alle wesentlichen Parameter von L-ISA direkt am Pult zugreifen kann. Bei der Mischung ist es so, dass ich die kanalinternen Equalizer komplett anders nutze als bei typischen Stereo-Shows – ich muss nicht so viel mit Verdeckungseffekten kämpfen wie bei einer üblichen Mischung, einzelne Signale kommen deutlich besser zum Vorschein als in einem Stereomix.

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