In-Ear Monitoring: Ultimate Ears UE6+ Pro im Test

Ultimate Ears UE6(Bild: Dieter Stork)

Die In-Ear-Kopfhörer von Ultimate Ears setzen seit Jahren Standards für den professionellen Anwender. Angeboten werden die unterschiedlichsten Systeme, zugeschnitten auf verschiedene Einsatzgebiete. Der UE6+ Pro soll als Dreiwegesystem mit zwei dynamischen Membrantreibern für einen besonders kraftvollen Eindruck sorgen

Einen In-Ear-Hörer für Drummer, Bassisten und Percussionisten auf der audiophilen Seite zu optimieren, ist sicherlich eine Herausforderung. Es braucht eine große Frequenzbandbreite und Dynamik, um leise, filigrane Noten ebenso darzustellen wie den kernig gespielten Rock-Backbeat am akustischen Drumset oder die speziellen Sounds aus Hybrid- oder reinen E-Drums für die Hip-Hopund Urban-Beats. Mit dem UE6+ Pro nimmt Ultimate Ears diese Herausforderung an.

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In-Ear-Konzept: drei Treiber, stabilere Stecker

Der UE6+ Pro ist eine besondere Konstruktion, denn das Dreiwegesystem ist mit zwei dynamischen Membrantreibern für die Mitten und Bässe bestückt. Der dritte Treiber ist eine Balanced Armature (ein spezieller Miniaturtreiber, der seinen Ursprung in der Hörgeräte-Akustik hat – die Drehbewegung eines Ankers wird auf die Membran geführt). Drei Bohrungen sorgen für die entsprechende Phasenkorrektur. Für einen InEar-Monitoring-Hörer werden also relativ großen Komponenten verbaut, trotzdem wird die Bauform des Hörers nicht zu groß. Der Tragekomfort ist ausgezeichnet und dürfte mit einem angepassten Hörer sogar noch besser werden.

Dynamische Treiber
Dynamische Treiber sind das Besondere des UE6-Dreiwegesystem (Bild: Dieter Stork)

Der UE6+ Pro besitzt eine Sensitivity von 105 dB (bei 100 mV/1 kHz), eine Impedanz von 12 Ohm (bei 1 kHz) und einen Frequenzgang von 20 Hz – 19 kHz. Ein angepasstes Modell bietet eine Außenschalldämmung von −26 dB. Laut Vertrieb wurde für den UE6+ Pro eine Bassanhebung von 10 dB umgesetzt. Das ist natürlich eine kräftige Anhebung und man hegt den Verdacht, dass der Hörer eher dumpf klingt. Aber dem ist nicht so, denn die zwei dynamischen Treiber machen hier den Unterschied aus. Beim ersten Hören von Musik als Referenz konnte der Klang als warm, sehr transparent und spürbar druckvoll empfunden werden.

Mit der Premiere des UE6+ Pro führt Ultimate Ears zudem ein neues Stecksystem für die Anschlusskabel ein, dass zukünftig auch für alle anderen Hörer Verwendung findet. Der Stecker hat nun ein rundes, besser fassbares Design und ist in der Ausführung robuster. Das nun ebenfalls runde Anschlusskabel fällt dünner und damit dezenter aus, ist aber ebenfalls robuster. Es verfügt über ein neues Y-Stück mit einer Arretierung, mit dem beide Leitungen mechanisch verbunden werden und beim neuen System entfällt auch der Biegedraht im Anschlusskabel.

Kombination mit dem Fischer Amp 2
Komplettlösung für größte Bühnen In vielen Fällen kommt man mit dem UE6 hin – für größte Bühnen ist eine denkbare Komplettlösung die Kombination mit dem Fischer Amp 2, ShakerAmp 400 und Buttkicker (Bild: Dieter Stork)

Testbedingungen In-Ear-Monitoring

Als Kopfhörerverstärker für das In-Ear-Monitoring wurden unter anderem ein System von Fischer Amps (In-Ear Amp 2 und Shaker Amp 400 nebst Buttkicker) sowie Lake People Headphone Amps und ein Porter & Davis System verwendet. Auch wurde der Hörer direkt an Headphone-Ausgänge von E-Drum-Modulen von Roland und Yamaha angeschlossen. Nach Anpassungen von Gain und/oder Lautstärke an den UE6+ Pro konnten wir im Detail zwar kleinere Klangunterschiede in den Systemen feststellen, aber das grundsätzliche Verhalten des UE6+ Pro in Bezug auf Impuls- und Signaltreue bleibt an den unterschiedlichen Systemen gleich.

Bei den E-Drums standen neben den Modeling-Sounds für Akustik-Drums auch beliebte Drum-Machine-Sounds, wie die der Roland TR-808 oder die legendären Simmons EDrum-Sounds im Fokus. Für den Test mit den akustischen Drums unter Studiobedingungen wurde zuerst eine Mikrofonierung mit einem Beyerdynamic TG D70 für die Bassdrum und zwei Neumann KM184 als Overheads mit neutralen EQ-Einstellung verwendet. Nachfolgend wurde das Setup noch in der Nahabnahme mit z. B. SM 57 für Snaredrum und Sennheiser E904 und 906 für Toms ergänzt. Sowohl beim Test mit den E-Drums also auch Akustik-Drums (Click Track, Sequenzer-Loop) wurden Zuspieler auf den InEar-Hörer geschickt.

Höreindruck mit E-Drums: Shaker überflüssig

Modeling Sounds von E-Drums erfordern ein wenig Programmierarbeit und wer gewillt ist diese zu leisten, kann schon durchaus in die Nähe eines gut produzierten Akustik-Drumsounds kommen. Diesen sollte man dann noch auf unterschiedliche Abhörbedingungen optimieren. Mit diesen Voraussetzungen wurde der Test des In-Ear-Monitorings gestartet.

Der UE6+ Pro konnte mit einer feinen Auflösung in den Höhen, einem warmen und transparenten Mitten-Spektrum und einem soliden Bass überraschen. Die typischen, etwas garstigen Roland TD Cymbals-Sounds wirken sanfter, der Hörer bietet zudem eine feine Trennung zwischen Hi-Hat-Beats und Snaredrum-Ghost-Notes. Die Attacks der Toms sind prägnant und die gern mal genommene leichte Anhebung bei ca. 1,6 kHz ist nicht wirklich nötig. Die Sounds der größeren Toms wirken schon sehr fett, sie sind aber im Sustain auch transparent. Die Bassdrum kommt mit einem satten Punch und Druck an. Und das ist so überraschend gut, dass eine Unterstützung durch ein Wedge oder einen Shaker erst einmal nicht vermisst wurde. Auch das dynamische Verhalten begeisterte im Test: Der UE6+ Pro bildet auch leiser gespielte Noten sauber ab, viel mehr noch zeigt er die dynamischen Untergrenzen der E-Drum-Module prima auf, so dass es sich lohnt, ihn für dezidierte Programmierarbeit an den Sounds zu nutzen. Auch was Anteile an FX-Sound, Compressor oder Hall angeht ist er eine prima Referenz.

Klassische Beat-Box Sound, wie die der Roland TR-808 DrumMachine wirken gern mal im In-Ear-Monitoring etwas blutarm – das ist mit dem UE6+ Pro nicht der Fall. Die sehr tiefe TR808 Bassdrum kommt auch im UE6+ Pro mit einer guten Portion Druck an. Die klassischen Sounds des Simmons SDS V sind für ihren kraftvollen Bass und den hohen White-Noise-Anteil im Attack berüchtigt. Beides stellt der UE6+ Pro sauber und mit einer guten räumlichen Abbildung dar.

Der Wohlfühleffekt ist also in Bezug auf die verschiedenen E-Drum-Sounds mal so richtig hoch. Doch wie ist es, wenn man zu Sequenzen oder Click-Tracks spielt? Auch hier hat der UE6+ Pro ausgezeichnete Qualitäten aufzuweisen: Gerade die üblichen Click-Track-Pattern aus Sounds von z. B. Cowbell, Woodblock und Ähnlichem klingen angenehmer und transparenter. Die Trennung der Signale ist erstaunlich sauber, so dass man eine gute Kontrolle über die Balance zwischen Drum-Sound und Click-Track hat.

Akustik-Drums: schmatzender Punch im In-Ear

Die einzelnen Instrumentenstimmen eines akustischen Drumsets sind – anders als bei klar getrennten Stimmen der E-Drums – nur ein Teil des Klangerlebnisses. In der Spielerperspektive ist es vor allem auch das Übersprechen zwischen den einzelnen Trommeln und Cymbals, das ein Klangerlebnis in seiner Gesamtheit bestimmt und dabei nicht nur hörbar, sondern auch körperlich spürbar macht. Dynamik und Druck sind daher ein wichtiges Thema für viele Spieler. Natürlich schätzt man Kontrolle über die Performance, die viele hochwertige In-Ear-Systeme bieten, und doch blieb dieses körperlich spürbare Gefühl und die Verbundenheit mit dem Instrument bei der Nutzung eines alleinigen In-EarHörers bislang etwas auf der Strecke.

Der UE6+ Pro mit seinen zwei dynamischen Treibern bietet aber genau dieses Gefühl und das zeigte schon der erste Schlag auf die Bassdrum. Klangfülle, Druck und ein schmatzender Punch im Attack sind in einer Art hörbar, wie man es bislang nur von altehrwürdigen Monitoren in der Kombination Wedge und Sub-Bass her kennt. Berücksichtigt man dann noch, dass ein angepasstes System eine noch bessere Dämpfung des Außenschalls bietet, wird das Klangerlebnis sicherlich noch eindrucksvoller sein. Auch Toms und Floor-Tom überträgt der UE6+ Pro mit einem warmen, vollen Klang; nutzt man das close miking lässt sich der Attack noch präzisieren. Auch in den oberen Mitten und Höhen zeichnet der UE6+ Pro sehr sauber und die Dynamik ist ausgezeichnet. So bildet er z. B. auch die leisesten Ghost-Notes auf der Snaredrum ab, zeichnet ein exaktes Bild der HiHat- und Cymbal-Sounds. All das funktioniert wirklich prima und dieses räumliche runde Klangbild bleibt auch dann bestehen, wenn man kerniger auf dem Set zu Werke geht. Der Hörer hat reichlich Reserven, auch für Musiker, die höhere Lautstärken favorisieren.

Bemerkenswert ist auch der Vergleich des rein akustischen Sounds des Sets mit dem übertrage-
nen Sound für den UE6+ Pro: Man gewinnt nicht den Eindruck, dass das Set und die Cymbals rein akustisch eine völlig andere Welt sind. Die Färbung durch den Hörer ist in etwa damit vergleichbar, ob ich mir z. B. das Floor-Tom in der Spielperspektive oder es im Nahbereich (z. B. Close-Miking-Position) anhöre.

Fazit: weg mit abgerockten Wedges

Ultimate Ears präsentiert mit dem neuen UE6+ Pro In-Ear-Kopfhörer für ca. 800 Euro eine gelungene Lösung für das In-Ear-Monitoring von Schlagzeugern und Percussionisten. Das Besondere sind die beiden dynamischen Treiber: Damit liefert der UE6+ Pro die bislang vermisste körperliche Spürbarkeit des akustischen Drum-Set-Sounds oder die Klangfülle gewisser E-Drums-Sounds für In-Ear-Hörer und setzt einen neuen Standard. Mit dem UE6+ Pro muss man zwar auf Shaker, ein zusätzliches Wedge oder eine Sub-Bass-Box nicht verzichten, kann es aber. Und das geht auch bis zu einer schon recht kernigen Bühnenlautstärke. Das dürfte auch für den Semi-Pro äußerst interessant sein, da man z. B. in Clubs nun auf „faule“ Kompromisse mit abgerockten, uralten Wedges und Subs getrost verzichten kann. Für den Pro ist der UE6+ Pro sicherlich auch im Studio eine gute Lösung.


Ralf Mikolajczak

Ralf Mikolajczak ist seit über 25 Jahren Autor für STICKS Play.Drums.Better und arbeitet seit über 30 Jahren als Backliner in Sachen Drums, Gitarre & Bass und mehr. Zu seinen Auftraggebern für den Liveund Studio-Einsatz zählen unter anderen PUR, BAP, Carl Carlton, Jupiter Jones, Silbermond, Fury in the Slaughterhouse und viele mehr.

Ralf “Locke” Mikolajczak (Bild: Stefanie Tonendes)

„Mit den ersten In-Ear-Kopfhörern hatte ich
schon Mitte der neunziger Jahre zu tun. Als
Backliner für die beiden Drummer Martin Stoeck und Roland Bless im Rahmen der PUR „Abenteuerland“-Tour hatte ich die Aufgabe, während der Show ddrum-Sounds und diverse Click-Tracks zu überwachen, zu laden und zu starten. Mit In-Ear-Hörern war das in einer kontrollierten Weise möglich, nur das Audiophile war zu diesem Zeitpunkt noch deutlich weniger im Fokus. Im Laufe der Jahre habe ich die unterschiedlichsten Hörer genutzt, mich intensiv mit diversen Kopfhörerverstärkern beschäftigt und auch einige Systeme für Touren zusammengestellt.“

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