Retro-Fernlicht

Vari-Lite VL6000 Beamlight im Test

Mit dem VL6000 hat Vari-Lite seit langer Zeit mal wieder für ein großes Gesprächsthema innerhalb der Licht-Community gesorgt. Die letzten Geräte der Texaner waren zwar allesamt ebenso hochqualitativ, konnten aber nicht so zünden, wie die vergleichbaren Geräte des Wettbewerbs.

(Bild: Vari-Lite)

Der Vari-Lite VL6000 fand bei seiner ersten Präsentation direkt Freunde und den Weg in die ersten Produktionen. Beam lights sind sowieso seit Einzug des Sharpys fester Bestandteil vieler Bühnen, obwohl die Flexibilität der Geräte eher beschränkt ist. Mittlerweile finden sich auch die ersten hybriden Moving Lights auf dem Markt, die teils zwei oder direkt drei Funktionen beherrschen sollen. BeamWash, Beam WashSpot – viele Hersteller versprechen die eier – legende Wollmilchsau im Angebot zu haben, doch so einfach ist das nicht. Die meisten derer, die sich auf mehreren Hochzeiten versuchen, bieten zwar den breit aufgestellten Alleinunterhalter, bieten aber im einzelnen Segment nicht die Perfektion. Schauen wir uns an, was der VL6000 zu bieten hat.

Anzeige

Big Body

Der VL6000 besitzt eine 35,6 cm große und klare Frontlinse. Innerhalb dieser Frontlinse ist die Besonderheit des Beamlights zu entdecken. Anstatt das Licht direkt aus dem Lichtkanal in die Frontlinse zu werfen, wird dieses durch einen mittig positionierten Spiegel in einen großen Reflektor gelenkt, der dann das Licht wieder zurück und damit endgültig aus dem Kopf herausbeamt. Vari-Lite nennt den Ansatz Philips- Ellipsoid-Reflector-Array-System. Schon 2010 versuchte Coemar mit dem Reflection einen ähnlichen Ansatz, der sich damals jedoch nicht durchsetzen konnte. Ein Ergebnis dieses Aufbaus ist es, dass der mittig positionierte Spiegel von drei Stegen in Position gehalten wird und sich daraus ein ebenfalls gefälliger Retro-Look ergibt.

Entsprechend der großen Linse, ist auch der Kopf insgesamt natürlich wuchtig. Die Abmessungen des VL6000 sind mit 660 × 605 × 600 mm dagegen für einen Scheinwerfer dieser Leistungsklasse dennoch als kompakt zu betrachten. Das Gewicht von für diese Leistungsklasse nur 28 Kilogramm wird sowieso jeden Techniker begeistern – vor allem weil der VL6000 gleich zwei verschiedene Transportmöglichkeiten anbietet. Zum einen befinden sich große Griffe am Basement, zum anderen werden am Bügel ebenso noch zwei Tragegriffe angeboten. Wirklich sehr praxisnah! Pan und Tilt lassen sich über zwei ebenso erfreulich komfortable Arretierungen fixieren. Das farbige LC-Display ist sehr gut ablesbar und wird über fünf verschiedene Tasten gesteuert – hoch/runter, Wert nach rechts oder links, Enter und Esc. Jeder, der schon mal mit einem Scheinwerfer zu tun hatte, sollte sich im Menü zurechtfinden. Als Bonus ist das Menü Akku-gepuffert, womit sich die obligatorischen Einstellungen schon im Lager vorbereiten lassen. Ein Blick ins Manual bzw. Quick-Start, wie es bei Vari-Lite heißt, gibt leider zu den Einstellmöglichkeiten über das Menü kaum weitere Informationen.

Display und Anschluss Das Menü ist sehr übersichtlich und leicht zu verstehen. Einen Netzwerk-Anschluss sucht man dagegen vergebens. (Bild: Marcel Courth)

 

Dazu mal ein kleiner Kritikpunkt: bei Vari-Lite selbst gibt es verschiedene Download-Informationen. Neben dem schon angesprochenen Quick-Start, gibt es noch weitere verschiedenste Informationen, die alle auch hilfreich sind. Zum Bespiel gibt es ein Programmer Support Pack mit CAD-Dateien oder der genauen DMX-Kanalbelegung. Leider aber gibt es kein detailliertes Handbuch, das alle wichtigen Informationen anbietet. Der Quick-Start gibt zwar viele Informationen preis, die genaue Belegung der DMX-Kanäle, des Menüs mit allen Funktionen sucht man darin aber vergebens. Eine übersichtlichere Informationskette von Vari-Lite wäre sicherlich nicht unbedingt von Nachteil für die User. Dem Display gegenüberliegend sind die Anschlüsse positioniert. Für die Energiezulieferung dient ein Neutrik PowerCon True1- Anschluss, zur Datenverbindung werden DMX 5-Pol In und Out angeboten – einen Netzwerkport sucht man vergeblich. Dafür bietet der VL6000 aber RDM, was die Einrichtung deutlich vereinfachen kann. Das Moving Light wird über 23 Kanäle angesteuert und besitzt auch nur diesen einen Betriebsmode. In Zeiten von „as much as possible“ auch mal ein netter Ansatz.

 

Die Montage-Möglichkeiten des Vari-Lite VL6000 sind auch durchdacht. Zum Zubehör gehören zwei Haken, die an einer Schiene montiert sind. Die Schiene (Mounting Bracket) kann man über zwei Punkte am Basement adaptieren. Es stehen insgesamt acht Punkte, die im Kreis angeordnet sind zur Verfügung. Mit dieser Hängemethode entsteht eine Vielfalt an Positionierungen der Haken, so dass man kaum Probleme bekommen sollte. Ein spezieller Verschlussmechanismus innerhalb des Mounting Bracket sorgt dafür, dass sich die Schiene nicht lösen kann. Der Vari-Lite VL6000 ist in jeder Ausrichtung zu montieren, die Steuerung innerhalb des Beam lights soll so intelligent sein, dass die Position erkannt wird und die Motoren dementsprechend automatisch angepasst werden. Der Grund ist, die Funktionen, wie Bewegung und Fahrt der Räder innerhalb, immer in geforderter Qualität zu gewährleisten. Bei stehendem Einsatz ohne Montage sollte man den Scheinwerfer jedoch evtl. sichern. Über die Wucht des Kopfes in der Bewegung entstehen am VL6000 ordentliche Kräfte. Die Bewegung des VL6000 prinzipiell ist sehr schön – laut Hersteller wurde auch auf eine gleichmäßig homogene Fahrt Wert gelegt.

 

Farbvielfalt ohne CMY-Farbmischsystem

Die 1.500 W starke Philips MSR Gold 1500 FastFit Lampe bietet eine Farbtemperatur von 6.300K und erzeugt beim Austritt aus dem Kopf eine Lichtleistung von 55.000 lm. Bei den angebotenen Features wird schnell deutlich, um welche Art Gerät es sich hier handelt. CMY-Farbmischung sucht man ebenso erfolglos, wie einen Zoom. Der Vari-Lite VL6000 hat einen festen Abstrahlwinkel von 6,5°. Zu den Features des Beamlights zählen drei Farbräder mit jeweils sechs Farben, sieben rotierbare und indexierbare Gobos, eine Iris, Frostfilter und einen Fokus. Eine Besonderheit der Farbräder liegt in der Bestückung dieser. Insgesamt gibt es 18 einzelne Farben, auf dem ersten Rad aber ist Magenta in 100 %, 60 % und 30 %, auf dem zweiten Farbrad Cyan in 100/60/30 % und auf dem dritten folglich Yellow ebenfalls in 100/60/30 %.

 

Dazu kommt noch ein CTO und ein 1/2 CTO auf dem zweiten und dritten Farbrad. Mit dieser besonderen Anordnung lassen sich dann noch mal deutlich mehr Farben mischen – die Farben sind je nach Wunsch aber auch austauschbar. Ein anderes Problem beim Einsatz von Farbrädern ist jedoch, dass beim Farbwechsel die Farben eines Rads durchfahren werden, sollten die Farben nicht direkt nebeneinander liegen. Die Lösung vieler Operatoren ist es, zwischen den Farbwechseln auf Black zu stellen. Diese Funktion wird beim Vari-Lite direkt als Feature mitgeliefert und nennt sich Color Cloak Transition System. Über einen separaten Macrokanal sind 55 Farben direkt anwählbar. Die Zeit zwischen dem Farbwechsel lässt sich auf 1 und 10 Sekunden einstellen.

Beim 8-Bit-Dimming gibt es ebenso eine Besonderheit zu beachten. Von 0 bis 60 % dimmt der VL6000 über das Farbrad, bei den letzten 40 % wird der Ballast für Dimming genutzt. Der Wechsel von Dimmerrad auf Ballast ist sichtbar, aber erfolgt fließend und verliert sich auf die Entfernung. Auf dem Goborad kommt eine sehr geschickt gewählte Auswahl an Gobos aus der Vari-Lite-Bibliothek zum Einsatz. Alle Gobos sind rotierbar und indexierbar. Zur Auswahl stehen auch noch weitere Gobo-Features, wie der Step-Mode, eine Shake- und Twist- Funktion. Die Gobos lassen sich natürlich auch nach eigenem Gusto austauschen. Obwohl es einen Fokus-Kanal gibt, lassen sich die Gobos im Grunde niemals richtig scharf stellen.

Der Strahlengang hat mit und ohne Gobo bis zum Brennpunkt durch die Bauart ein Loch, dieses verliert sich aber nach wenigen Metern. Der Umstand ist also nicht weiter schlimm, da der VL6000 ein Mid-Air-Effekt ist. Eine Iris und der Strobe vervollständigen den Funktionsumfang des Beam lights. Beim Strobe-Kanal können Random-Effekte wie auch manuell eingestellte Strobe-Frequenzen angesteuert werden.

 

Praxis: Nicht für kleine Nummern gedacht

Der Vari-Lite VL6000 ist ein einfaches, rabiates Beamlight. Weitere Einsatzzwecke außerhalb von Mid-Air- und fetten Beam-Effekten sollte man sich im Grunde erst gar nicht ausdenken. Ebenso klar sollte es sein, dass das Gerät nicht für kleine Venues zum Einsatz kommen sollte. Der Brennpunkt des VL6000 liegt bei ca. 4–5 Metern – also dort, wo sich der Beam aus der breiten Frontlinse am engsten bündelt. Erst danach wirkt der VL6000 als Gegenlichteffekt mit seinen Gobos so richtig. Einen wichtigen Vorteil hat das Philips- Ellipsoid-Reflector-Array-System übrigens – der Beam besitzt nicht die gebündelte Energie wie z. B. ein Sharpy. Der Mindestabstand zu brennbaren Materialien beträgt daher auch nur 8 Meter. Der Mindestabstand zwischen zwei Geräten ist mit 0,25 m angegeben.

Groß und laut sollte es dagegen sein, wenn der VL6000 zum Einsatz kommt. Die Lüfter rennen sofort los, sobald Strom anliegt und bieten auch nur einen Funktionsmodus – nämlich volle Pulle. Verschiedene Betriebsmodi, wie einen „Silent“ Mode gibt es nicht. Dieser wäre vielleicht aber über eine Leistungsminderung des Leuchtmittels möglich und für Anwendungen im TV-Show-Bereich praktisch.

Obwohl der Vari-Lite nicht über ein CMY-Farbmischsystem verfügt, ist die Farbvariabilität dennoch gegeben. Durch die geschickte Anordnung der Farben auf den drei Farbrädern lassen sich neben den 18 festen Farben über 55 Variationen herstellen. Richtig schick sehen zwei- oder sogar drei – farbige(!) Beams aus. Bei den Farbrädern lassen sich über jeweils einen eigenen Control-Kanal verschiedene Effekte aufrufen, wie Spins oder auch Color Shakes. Die Einstellungen bei den Color Shakes sind aber zum Teil nicht ganz genau, so dass ab und an auch das nächste Farbrad mit in den Effekt einläuft.

Drei Farbräder die Räder sind besonders geschickt bestückt mit jeweils sechs Farben. Magenta 100/60/30%, Cyan 100/60/30% und Yellow 100/60/30% auf den einzelnen Farbrädern (Bild: Marcel Courth)

 

Im Zusammenspiel mit den Gobos lassen sich besondere Mid-Air-Effekte erzielen. Die Auswahl der Gobos ist für die Anwendung des Geräts wirklich gelungen. Auch die verschiedenen Gobo-Möglichkeiten bieten gestalterisches Potenzial. Besonders gefällt uns der der Step-Mode, bei dem die Gobos nicht smooth, sondern mit kurzen Pausen rotieren. Über den Fokus-Kanal – bei Vari-Lite hier Edge-Kanal genannt – können die Gobos ausreichend scharf gestellt werden. Auch ohne Gobos ist der Edge-Kanal sinnvoll, um den Beam zu schärfen. Den gegenteiligen Effekt erzielt man mit dem Frostfilter. Mithilfe der Iris lässt sich der Beam leicht bearbeiten. Der Effekt, den die Iris hervorruft, ist je nach Einstellung des Edge-Kanals mehr oder weniger stark ausgeprägt. Beim Dimming merkt man, dass es sich beim VL6000 um ein reines Beamlight handelt. Das Dimmerrad ist beim Einfahren in den Strahlengang auf kurze Entfernungen zu sehen, ebenso lassen sich Sprünge in der Intensität beim Wechsel von Dimmerrad auf elektronische Dimmung ausmachen. Inwieweit das am Ende wirklich relevant sein wird, muss natürlich jeder Anwender selbst beurteilen – ein Hauptkriterium wird es sicher nicht sein. Zum Flashen des Scheinwerfers gibt es zusätzlich die Funktion „Dimmer-Snap“, hierbei schaltet der Scheinwerfer selbstständig von Dimmer auf Shutter um, um so ein schnelles Flaschen zu ermöglichen.

Fazit: Retro, Effekt und mehr

Der VL6000 ist Rock’n’Roll! Das radikale Beamlight kennt aber erstaunlicherweise auch sanfte Töne. Nämlich dann, wenn man den Kopf Richtung Blickfeld dreht und herunterdimmt. Durch den Zwischenschritt über Umlenkspiegel und Reflektor erhält man so einen Effekt, durch den der VL6000 auch fast als Deko funktionieren kann. Dabei kommt auch sein Retro-Design zum Tragen, welches momentan eh gerne in Designs integriert wird. Darüber hinaus besteht am Einsatzzweck des VL6000 jedoch kein Zweifel. Der neue Vari-Lite-Sprössling ist als reines Beamlight für große Locations entwickelt worden. Und da kann er sich durch den enormen und breiten Lichtoutput auch positionieren. Mit dem VL6000 hat Vari-Lite jedenfalls schon eines erreicht, die Marke ist wieder in aller Munde und das Interesse an Geräten des texanischen Herstellers kann durch solch ein besonderes Gerät insgesamt geweckt werden. Preislich liegt der VL6000 bei 9.749 Euro zzgl. MwSt. und ist beim deutschen Vertrieb Cast zu beziehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: