Produkt: Production Partner 04/2019
Production Partner 04/2019
GRÖNEMEYER – Tumult-Tour 2019 +++ JBL VTX A8 & B18 +++ Robe T1 Profile +++ Follow-Me +++ Neutrik NA2-IO-DLINE +++ ISDV Round-Table +++ MAX GIESINGER Tour +++ Formular A1 Auslandseinsätze +++ Urteil zur Scheinselbstständigkeit
Arte-Programmtipp

ZZ Top: That Lil’ Old Band From Texas

Bandgeschichte ZZ Top: Zwischen Live-„Missverständnissen“ und einer Tour mit eigenem Zoo

ZZ Top neben einem Schlagzeug
Arte-Programmtipp zur Bandgeschichte von ZZ-Top (Bild: Arte)

 

Anzeige

Hier geht es zur Doku: That Lil’ Old Band From Texas

Die verlassene Kleinstadt-Einöde scheint in den ersten Szenen plastisch greifbar: Ein kerzengerades, scheinbar endloses Bahngleis, unterlegt mit Äthergeräuschen eines alten englischsprachigen Radiosenders, der von Mexiko aus Blues-Musik sendete. Anschließend durchkreuzt das Bluesrock-Trio ZZ Top in einem Hot-Rod-Oldtimer die Landschaft, passend zum Song „La Grange“. Seit nunmehr 50 Jahren sind die Musiker in der Besetzung unterwegs, die Doku von Regisseur Sam Dunn will die Geschichte erzählen.

Auf der Tour zum Debüt-Album verlief gleich einer der ersten Gigs recht ungewöhnlich. In Alvin, Texas, so Bassist Dusty Hill, hofften sie zwar auf ein ausverkauftes Haus, wären aber auch mit „halbvoll“ zufrieden gewesen. Gibbons: „Als sich der Vorhang öffnete, stand da genau ein Typ!“ Hill: „Er schaut sich um, als wäre er am falschen Ort und wollte gerade gehen. Wir meinten übers Mikrofon: ‚Warte, bleib doch, wir spielen die ganze Show für dich!‘“ Nach einer Stunde machten sie Pause, kauften ihm eine Cola zum Dank und spielten unaufgefordert eine Zugabe. Der Zuschauer kommt demnach immer noch zu Konzerten der Band, erklärt Gibbons, „er verrät uns nicht seinen Namen, fragt aber immer, ob wir uns noch an ihn erinnern – natürlich!“

Band-Manager Bill Ham plante, die Band als Mysterium bekannt zu machen – indem er den Musikern verbot, Interviews zu geben oder im Fernsehen aufzutreten. Je weniger die Leute wüssten, desto besser – das erzeuge Neugier, sie würden sich herumsprechen. Die Band blieb skeptisch. Beim Memphis Blues Festival zahlte sich die Geheimniskrämerei allerdings aus, meint Hill: Dort traten Muddy Waters, Freddy King oder Albert King auf. Der Promoter hatte sich nie die Rückseite des Albums angesehen, so Gitarrist und Sänger Billy Gibbons, „um festzustellen, dass wir weiß waren. Er stopfte uns ans Ende der Show in der Hoffnung, das Publikum wäre dann gegangen und wir würden nicht weiter auffallen.“ Stattdessen war voll, die Band kam gut an.

1973 sollten sie drei Konzerte für die Rolling Stones auf Hawaii eröffnen. „Als sich der Vorhang öffnete und das Publikum Billy und Dusty mit ihren Cowboyhüten und allem sah, legte sich ein Schleier des Schreckens über die gesamte Arena“, erinnert sich Drummer Frank Beard. „Nach dem Motto: ‚Fuck, eine CountryBand‘.“ Man rockte, überzeugte augenscheinlich und spielte bei jedem Konzert eine Zugabe. Die Presse war begeistert (eine Zeitung schrieb den Stones gar einen Schallpegel von 125 Dezibel zu), erwähnte die Vorgruppe allerdings mit keinem Wort. Die Presse habe sie anfangs nicht verstanden, meint Billy Gibbons – für sie war Texas schließlich ein seltsamer Ort, dazu kam die seltsame Band mit ihrer Musik.

Die Band heuerte einen PR-Berater an, der den texanischen Stolz als zentrales Wesensmerkmal erkannte. In der Folge entstand die „Worldwide Texas Tour“ mit einer 25 Meter breiten Bühne in den Umrissen des Staates. Erstmals war Geld für eine Produktion vorhanden – sie kamen auf die Idee, einen Büffel, einen Stier, Klapperschlangen, Bussarde und ein Nabelschwein auf die Bühne mitzunehmen. Hill: „Die Tour war sehr aufwändig und teuer, wir waren nicht groß genug dafür, was uns auch jeder sagte. Aber wir haben’s durchgezogen.“ Die Tour hat die Band etabliert, so Billy Gibbons. Seinen anschließenden Scheck über 72.000 Dollar hat Drummer Frank Beard allerdings rückstandslos in Drogen investiert, wie er erzählt. Heroin hat er demnach gespritzt. „Clapton hat es nur gespritzt. Das ist so gar nicht kosteneffizient. (lacht) Du musst die fünffache Menge für den gleichen Rausch konsumieren. Aber er hat ja auch mehr Geld verdient!“

Und dann folgen bislang noch knapp 40 weitere Jahre. „ZZ Top spielen den Blues, singen ihn aber nicht. Sie haben den Blues in Partymusik verwandelt“, fasst der Tontechniker Robin Hood Brians die Stilistik zusammen. Die 91-minütige, kurzweilige und liebevoll gestaltete Doku wurde 2018 veröffentlicht und kürzlich auf Arte ausgestrahlt. In der Arte-Mediathek ist sie noch bis zum 18. September 2019 einsehbar – und einen aktuellen Tourbericht gibt es in der nächsten Ausgabe von Production Partner.

Hier geht es zur Doku: That Lil’ Old Band From Texas

Produkt: Helene Fischer Stadion-Tour
Helene Fischer Stadion-Tour
3 Bühnen, 1 Show – 24 Seiten über die spektakuläre Helene Fischer Produktion!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren