Hardware-Encoder von Epiphan

Epiphan Pearl: Streaming ohne Zittern

Die Pearl-Serie von Epiphan gehört seit vielen Jahren zu den etablierten Streaming-Encodern und verspricht hohe Qualität und Zuverlässigkeit. Wir geben einen kurzen Überblick über Modelle und Funktionen.

Epiphan Pearl Mini Front
Die Mittelklasse: Pearl Mini mit übersichtlichem 7″-Confidence-Monitor (Bild: Epiphan)

Durch das Verschärfen der pandemischen Lage und die eingeschränkte Reisefreiheit steht Streaming wieder ganz oben bei den Tätigkeitsfeldern der Medien- und Veranstaltungstechniker.

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Übersicht:

Ausbaustufen und Features

Bedienung über Web-Interface

Management per Cloud

Fazit


Fast täglich ist man als Veranstaltungsdienstleister damit konfrontiert und es gilt inzwischen als selbstverständliches Beiwerk bei aktuellen Veranstaltungen. Damit es auch ein Beiwerk bleibt und nicht zum Hauptproblem eines Events wird, kann es besser sein, auf einen zuverlässigen Hardware-Encoder als auf eine Software zu setzen, bei der ständige Updates (sowohl des Betriebssystems, als auch der Anwendung selbst) zum stetigen Bangen führen, ob heute noch alles so funktioniert wie gestern. Inzwischen geschehen die Updates oft auch im Hintergrund, ohne dass der Benutzer sie initiiert oder etwas davon bemerkt. nur sind die Auswirkungen mitunter fatal. Aus diesem Grund empfehlen sich Hardware-Encoder für Anwender, die einfach nur ein funktionierendes System, ohne ständig neue Features und Weiterentwicklungen haben wollen.

Die kanadische Firma Epiphan ist seit 2003 – schon lange vor Corona – eine der führenden Marken im Bereich Capturing und Digitalisierung von Videostreams. Neben verschiedenen Capture-Devices ist die Serie „Pearl“ ein Standbein des Herstellers. Diese Pearl-Geräte zum Streamen basieren auf einem Ubuntu-Gerüst, welches aber nur im Hintergrund arbeitet und den Anwender unbemerkt unterstützt.

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Epiphan Pearl Nano, Pearl Mini und Pearl 2

Nach den schon länger bekannten Pearl-2-Varianten Single, Rack, Twin und dem Pearl Mini kam schließlich noch das kleinste Mitglied der Familie, der Pearl Nano, hinzu.

Epiphan Pearl Nano
Pearl Nano: Gute Bedienung und Zuverlässigkeit schätzt man auch beim Kleinsten (Bild: Epiphan)

Bei allen Modellen vermittelt die kantige Linienführung eine hohe Robustheit des Metallgehäuses. Auch an einen Einschnitt für das Sichern mit einem Kensington-Schloss wurde gedacht. Die Stromversorgung bei Mini und Nano erfolgt zwar leider durch ein externes Netzteil, aber der DC-Hohlstecker wird in der Buchse verriegelt und gewährleistet so eine sichere Stromversorgung. Bei Verwendung von PoE+ am Netzwerkport kann beim Nano darauf sogar ganz verzichtet werden.

Typisch für die Philosophie der Serie: beim Nano sucht man vergeblich einen Ein- und Ausschaltknopf – was nicht vorhanden ist, kann auch nicht fehlbedient werden. Die größeren Pearl 2 besitzen ein eingebautes Netzteil und werden direkt über einen Gerätestecker C14 versorgt. Die Signaleingänge sind einfach gehalten, aber hierdurch fällt eben auch die Bedienung leichter: Videosignale können als 12G-, HD-SDI- oder als HDMI-Signal eingespeist werden. Wünschenswert wären verriegelbare HDMI-Anschlüsse, aber andererseits hielten beim Test in den hochwertigen Buchsen alle Kabel auch ohne Zugentlastung sicher. Bei den geringen Abmessungen und dem leichten Gewicht zieht man eher das ganze Gerät vom Tisch, als dass sich der Stecker löst. Die USB-Unterstützung für Webcams und das (beim Pearl Nano kostenpflichtige) 4K-Update sind bereits angekündigt, aber bisher noch nicht implementiert.

Epiphan Pearl 2
Pearl 2: Das größte Gerät ist als Tischgerät oder in Rackvarianten erhältlich (Bild: Epiphan)

Der zugehörige Ton kann entweder konventionell analog über XLR- oder Cinch-Buchsen bereitgestellt werden oder direkt digital im SDI- oder HDMI-Signal embedded anliegen. USB-Audio-Interfaces werden auch unterstützt. Die willkürlich aus dem Regal gezogenen Ammoon AGM04 und Focusrite Scarlett 2i2 wurden auf Anhieb erkannt und automatisch zur Auswahl hinzugefügt. Falls zukünftig noch Dante-Signale erkannt würden, wäre ein zweiter Netzwerkport wünschenswert, um hierfür ein dezidiertes LAN zur Verfügung zu haben. Natürlich lassen sich die Tonkanäle alle zeitlich verzögern und man kann das Timing perfekt auf die Videospur synchronisieren.

Auf den Borderseiten finden sich beim Pearl 2 ein 4,3″-, beim Mini ein 7″- und schließlich beim Nano ein 2,2″-Display. Gerade bei den zwei kleinen Displays ist eine Einstellung hierüber sehr kniffelig und es wurden wenigstens für die Bedienung der wichtigsten Funktionen Hardwaretasten zur Seite gestellt. Das ist ausreichend für eine schnelle Änderung weniger Parameter und eine beiläufige Überwachung des Gerätes. Zur vollständigen Einstellung und einen kompletten Überblick kommt man aber um die Bedienung per Web-Interface kaum herum. Dabei ist man Plattform-unabhängig und die GUI hat auch in vier verschiedenen Browsern mit verschiedenen Betriebssystemen einwandfrei funktioniert.

Pearl Nano SSD Slot
Für die Aufnahme steht beim Pearl Nano ein Slot für eine SSD-Festplatte SATA M.2 2280 zur Verfügung. Das Recording auf der SSD deaktiviert allerdings den SD-Karten-Platz als mögliches Ziel für die Aufnahme (Bild: Bernd Fischer)

Aufgezeichnet werden kann im Format AVI, MOV, MP4 und MPEG-TS auf SD-Karte oder einer, beim Nano nicht im Lieferumfang enthaltenen, SSD-Festplatte, die im Boden verbaut werden kann. Ist aber eine SSD-Festplatte integriert, funktioniert der SD-Karten-Slot nicht mehr! Nur der große Pearl 2 besitzt schon vom Werk aus eine interne 500-GB-SSD, beim Pearl Mini kann ausschließlich auf SD-Karte aufgezeichnet werden. Die unterschiedlichen Ausstattungen der Pearls qualifizieren sie für diverse Anwendungen.

Vom Hersteller wird vorgeschlagen, mehrere Pearl Nano als „Satelliten“ im Außeneinsatz an einen Pearl 2 in der Zentrale anzubinden. Mit den AVoverIP-Fähigkeiten der Systeme, insbesondere SRT, sicherlich eine attraktive Konstellation für den ein oder anderen Anwendungsfall.

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Bedienung der Pearl-Serie über Web-Interface

Allen Modellen gemeinsam ist das Bedienen und Einrichten ohne Installation zusätzlicher Software. Nachdem man die IP-Adresse auf dem Display abgelesen hat, weiß man, wie man das Gerät erreichen kann. Auf der sehr übersichtlich gestalteten Benutzeroberfläche findet man sich auch ohne Blick in die Bedienungsanleitung sofort zurecht. Es gibt für die Geräte aber trotzdem noch zusätzlich sehr gute, ausführliche und kostenfreie Tutorials, die in kurzer Zeit alles Wissenswerte vermitteln können. Generell sind Dokumentation und Unterstützung von Seiten des Herstellers vorbildlich und zudem übersichtlich auf der Homepage zur Verfügung gestellt.

Epiphan Pearl Web Interface
Klar strukturiert: Das Web-Interface sorgt gut sortiert für eine intuitive Bedienung (Bild: Bernd Fischer)

Fast wie mit einem Wizard listet das Menü auf der linken Seite die einzelnen wichtigen Punkte auf und man kann sich Schritt für Schritt daran entlang arbeiten, ohne wichtige Punkte zu übersehen. Im Hauptfenster erscheinen dann, gut geordnet, die jeweiligen Auswahlmöglichkeiten. Hier unterscheiden sich auch wieder die verschiedenen Modelle: während im Nano nur zwischen zwei Eingängen ausgewählt und geschaltet werden kann, besitzt der große Pearl 2 jeweils zwei Eingänge SDI, HDMI HD und HDMI 4K. Zusätzlich können hier, neben dem bei allen Modellen verfügbaren SRT- und RTSP-Stream, sogar noch NDI-Signale integriert werden.

Epiphan Pearl-2
Anschlusspanel des Pearl 2: Das größte Modell aus der Reihe liefert auch die meisten Anschluss- und Quellmöglichkeiten (Bild: Epiphan)

Aus diesen Quellen können verschiedene Layouts erstellt und als „Channels“ abgespeichert werden. So können PIPs eingeblendet und Kennungen eingekeyt werden. Zum finalen Mischen einer kompletten Show gibt es sicher bessere Tools, neben diversen Hardware Bild- und Datenmischern auch Software-Alternativen wie z. B. OBS, mimolive oder Wirecast. Mit einer anspruchsvollen Bildmischung ist selbst der „große“ Pearl überfordert; er ist eher als Umschalter zwischen Main- und Backup-System oder als zusätzliche Havarie-Lösung zu betrachten. Auch das Wechseln zwischen verschiedenen Layouts ist momentan bei allen Modellen nur mit harten Cuts möglich.

Epiphan Pearl Web Interface
Layout-Editor: Text, Grafiken und Quellen lassen sich intuitiv hinzufügen, platzieren. Anschließend lässt sich das Layout als „Channel“ speichern (Bild: Bernd Fischer)

Blenden und „Moves“ sollen in der Zukunft noch implementiert werden. Bewegungen und Animationen von Grafiken können beim Pearl 2 als Color Key, oder bei Verwendung einer NDI-Quelle mit einem Alpha-Kanal über das Programmbild gelegt werden. Dieser kann als NDI- oder NDI|HX-Stream von einem externen Titelgenerator über das Netzwerk empfangen werden. Auch hier muss darauf hingewiesen werden, dass dies aufgrund der nur einfach vorhandenen Netzwerkbuchse auch gleichzeitig das Streamingnetzwerk sein muss.

Im Gesamten stehen dem Mini zwei HD-Encoding-Kanäle zur Verfügung; beim Pearl 2 sind durch die Vorbereitung auf 4K-Auflösung sogar sechs individuelle 1080p-Streams bei 30 Hz möglich. Eine Ausgabe über NDI erfolgt ausschließlich in voller Bandbreite und nicht per NDI|HX. Möchte man beispielsweise einen Stream in mehreren Varianten senden, einmal als reines Sendebild, einmal mit Live-Untertiteln und einmal mit Gebärdensprachdolmetschung, so reicht ein einzelnes Gerät zur Signalverwaltung und Senden der Streams.

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Management per Epiphan Cloud

Neuestes Highlight in der Anwendung sind die Fernwartung und die Überwachung aller integrierten Pearls in der Epiphan Cloud. Einmal angemeldet findet man die registrierten Encoder, wo und mit welcher Adresse auch immer sie sich im Internet befinden.

Dies ermöglicht den Administratoren, ein vorkonfiguriertes Gerät an Kunden oder Kollegen auszuhändigen und sowohl die Streamingdaten als auch die Feineinstellungen im Remote-Zugriff zu verwalten und zu ändern, ohne vorher die Netzwerkkonfiguration vor Ort zu kennen.

Epiphan cloud
Die Epiphan Cloud macht den Support aus der Ferne wesentlich einfacher. Das Wissen, die Kollegen mit der größten Erfahrung zur Not aus der Ferne auf die Konfiguration schauen lassen zu können, beruhigt zudem die Nerven (Bild: Bernd Fischer)

Der einfache Zugriff auf die Cloud ist kostenlos. Wünscht man aber E-Mail-Benachrichtigungen, Preset-Management oder ein hochqualitatives Videobild in der Nutzeroberfläche, ist ein Abonnement mit monatlichen Raten erforderlich. Für den Einsatz in der Cloud sind alle Pearl-Modelle geeignet.

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Fazit

Im Vergleich der Geräte untereinander kann der Nano beim Preis von ca. 1.700€ schon sehr viel und die größeren Modelle, die sich preislich ungefähr jeweils verdoppeln, legen in den Leistungen hierzu nicht proportional zu. Der Pearl Mini schlägt mit etwa 3.800€ zu Buche und beim Pearl 2 muss man mit 6.500€ rechnen. Gerade der größte Vertreter Pearl 2 Twin; ein im 19″-/2HE-Rahmen verbautes Doppelpack von zwei Pearl 2, müsste günstiger angeboten werden als zwei unabhängige Pearl 2, die auch einzeln eingesetzt werden können.

Beim Kostenvergleich zwischen Epiphan Pearls und separat aufgesetzten Rechnersystemen kommt man mit Hard-, Software und Arbeitsaufwand auf ähnliche Preise, hat aber mit dem selbst konfigurierten Rechner unter Umständen ein weniger zuverlässiges System für den täglichen Streaming-Einsatz und benötigt mehr Zeit für die Pflege und Einsatzbereitschaft.

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Sehr gute Lösung, da man sonst ohne IT-ler nicht zurande kommt.

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