Kabel und Stecker optimal auswählen und anwenden

Sichere Verbindungen: Kabel und Stecker

Peter Rieck fertigt individuelle Kabellösungen für den Studio- und Bühneneinsatz und ist Key Account & Distributions Manager bei der Firma Sommer Cable. Aus seiner langjährigen Erfahrung berichtet er über die typischen Stolperfallen beim Einsatz von Kabeln und Steckverbindungen.

Sommer Cable Kabellager

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In welchen Live-/Aufbau-Situationen treten üblicherweise die häufigsten Kabelschäden und Probleme auf?

In einem Case-Deckel zwischen den Schließprofilen einklemmt oder z. B. starken Scherkräften an der Bühnenkante ausgesetzt, gibt jedes gute Kabel mal auf.

Wodurch unterscheiden sich denn die Kabelleitungen selbst in ihren praxisrelevanten Eigenschaften?

Wichtig bei einer guten Leitung für den Live-Einsatz sind sicherlich der mechanische Grundaufbau sowie die Verwendung der richtigen Materialien. So spielen die Materialmischung im PVC und auch die Feinlitzigkeit des Kupfers eine große Rolle für das »Look & Feel« und auch die Langlebigkeit. Wir unterscheiden ja Leitungen für symmetrische (Mikrofone, Mischpultausgänge, Controllerausgänge) und für unsymmetrische Signale (Instrumente, Keyboards etc.). Beide Typen existieren in einer großen Variantenvielfalt am Markt.

Eine unsymmetrische Leitung ist zumeist koaxial aufgebaut, d. h. es gibt einen zentralen Leiter im Zentrum, der von einem sogenannten Dielektrikum umgeben ist, worum sich dann der Schirm legt. Eine Sondertype ist z. B. unser Colonel Incredible von Sommer Cable, welches im Inneren aus einer Koax-Ader sowie einer zusätzlichen Masseader besteht. Dies ist untypisch, bringt aber − je nach Situation − ordentliche Klangvorteile. Eine symmetrische Leitung besteht zumeist aus einem verdrillten Adernpaar, welches mit einem Schirm versehen ist. Es gib Sonderformen, wie z. B. dreiadrige Leitungen (hier wird der Pin 1 des Steckverbinders gesondert vom Schirm in der Leitung »transportiert«) oder der sogenannte Stern-Vierer. Hierbei handelt es sich um eine vieradrige-Leitung, bei der die jeweilig gegenüberliegenden Adern parallel aufgelegt werden.

Der heute übliche »Mikrofonstecker« hat sich bereits vor Jahrzehnten im XLR-Format durchgesetzt. Welche Steckervarianten gibt es, und wodurch unterscheiden sie sich?

XLR-Steckverbinder kann man ja mittlerweile an jeder Straßenecke kaufen. Da gibt es auch eine große Menge in unterirdischer Qualität! Gute Steckverbinder gibt es z. B. von Neutrik, Hicon oder Switchcraft. Die Qualität ist oftmals gut an den Kunststoffen und den Kontakten zu erkennen. Auch an der Präzision, welche man gut beim Steckvorgang »fühlen« kann.

Was man nicht auf den ersten Blick erkennen kann, ist z. B. die Dicke der Kontaktveredelung (Gold oder Silber). Hier hilft meiner Meinung nach nur, auf ein Markenprodukt zu setzen um nicht später − womöglich auf der Bühne − eine böse Überraschung zu erleben.

Der zweite wichtige Stecker-Typ ist die »Klinke«. Worauf muss man bei diesem Steckertyp achten?

Hierbei handelt es sich ja um den meistgenutzten »Instrumentalisten-Steckverbinder«. Also eine Verbindung, die − speziell bei Saiteninstrumenten − durchaus Einfluss auf das Signal haben kann. Insofern sollte man auch hier Wert auf einen hochwertigen Steckverbinder legen.

Bei den Qualitätsmerkmalen ist es genau so wie beim XLR-Steckverbinder. Beim Klinkenstecker kommt jedoch noch ein Faktor hinzu: der Tip (so nennt man die Spitze des Steckverbinders) sollte als Massivpin ausgeführt sein − also möglichst als ein durchgängiges Metallteil von der Spitze bis in den Anschlussbereich (oftmals handelt es sich bei hochwertigen Steckverbindern um ein Automatendrehteil).

Die Galvanik, also Oberflächenvergütung, ist hierbei auch sehr wichtig, da die Kontakte nicht − wie beim XLR − geschützt sind und offen liegen.

Früher war es üblich, dass man sich seine Kabel alle selbst gelötet hat. Lohnt sich das heute noch?

Im Grunde genommen schon − so lange es nicht um große Mengen geht und man seine Zeit nicht in Euro rechnen muss. Bei Sommer Cable im Haus haben wir halt viele Verarbeitungsprozesse automatisiert, was eine immense Zeit- und damit Kostenersparnis bringt. Darüber hinaus ist die Qualität dadurch immer gleichbleibend und lässt sich einfach prüfen.

Veranstaltungstechnik-Unternehmen, die große Mengen an Kabeln benötigen, kaufen diese eigentlich fast nur noch fertig konfektioniert ein. Das unkalkulierbare Risiko beim Bau durch ungelernte Kräfte bzw. hohe Kosten beim Bau durch Fachpersonal lassen wirtschaftlich eigentlich keine Selbstkonfektion zu. Dazu können auch XLR-Steckverbinder mittlerweile auch auf Crimpmaschinen verarbeitet werden. Eine Crimp-Verbindung ist schneller ausgeführt und ist langlebiger als eine Lötverbindung.

Fiber Kabel
Wenn hochwertige Komponenten angeschafft werden, dazu die Kabel immer schonend gewickelt und sicher transportiert werden, kann ein Mikrofon- oder auch ein Instrumentenkabel locker zehn Jahre oder älter werden (Bild: Detlef Hoepfner)

Sofern man einige Kabel selbst anfertigt: Was sind hier die häufigsten Fehler, die einem passieren können?

Der klassische Fehler ist die berühmte Kaltlötstelle. Dabei sind die verbundenen Teile nicht sauber verlötet worden, z. B. durch zu geringe oder zu hohe Löttemperatur, oder durch eine Bewegung/Erschütterung beim Abkühlen der Lötstelle. Zu Zeiten von bleihaltigem Lot war die kalte Lötstelle einfach zu erkennen, denn zumeist waren diese einfach matt. Durch die RoHS-Gesetzgebung werden heutzutage eigentlich fast ausschließlich bleifreie Lote verwendet, die immer matt auskühlen − somit kann die Fehlersuche durchaus spannend werden. Dementsprechend kann ich nur empfehlen, mit einer geregelten Lötstation zu arbeiten, welche schnell die richtige Temperatur erreicht (die Leistungsfähigkeit der Lötstation wird dabei gerne überschätzt). Dazu dann ein hochwertiges Lot und ein wenig praktische Erfahrung und schon hat man eine gute Lötstelle.

Kann man an der Verpackung oder Aufmachung eines Kabels dessen Qualität erkennen, oder auf welche Kürzel und Benennungen muss man achten?

Die verwendeten Steckverbinder sind ja zumeist auf den ersten Blick erkennbar, auch kann man die Leitung mal auf Flexibilität und gutes Gefühl testen. Ansonsten ist die Auswahl an verfüg baren Kabel im Markt einfach zu groß, um hier eine Pauschalaussage zu treffen.

Was für ein »Standardsatz« an Kabeln empfiehlt sich, um für die gängigen Situationen gewappnet zu sein?

Das ist ja grundsätzlich erst mal von dem Setup abhängig. Wie ist die Band besetzt? Wird z .B. das Drumset komplett abgenommen? Es empfiehlt sich schon, mit guten Leitungslängen zu arbeiten, um einen großen »Kabelsalat« auf der Bühne zu vermeiden.

In welchen Längen empfiehlst Du, die Kabel anzuschaffen?

Dazu kann ich nur empfehlen, den Bedarf zu prüfen. Ich würde schon verschiedene Längen anschaffen, um Stückelungen oder viel zu lange Kabel zu vermeiden. Die üblichen − sofort ab Lager verfügbaren − Längen bei Sommer Cable sind z. B. 1/3/6/10/20 m.

Auch viele günstigere Digitalpulte nutzen mittlerweile Netzwerktechnik. Welche Kabeltypen empfehlen sich hier?

Die Schwierigkeit hierbei ist, dass die verschiedenen Pulthersteller auf komplett verschiedene Übertragungsprotokolle setzen. Daher ist es nahezu unmöglich hier eine perfekte Leitungsempfehlung auszusprechen. Es gibt jedoch Netzwerkleitungen, welche mit einem robusten Polyurethan-Mantelmaterial und einem mechanisch optimierten Innenaufbau ausgestattet sind. Dies, in Kombination mit Industrie-RJ45- Steckverbindern oder Steckverbindern in einer Schutzhülse (wie z. B. bei Neutrik EtherCON oder Hicon HI-RJ45-HD), macht daraus echte tourtaugliche Kabel.

Zu beachten sind die Querschnitte und somit auch maximale Lauflänge der Leitungen. Auch gibt es sogenannte Hybridleitungen, welche Netzwerk und Strom oder auch noch zusätzliche Audio-Adern in einem Mantel enthalten.

Kabelsalat
Beim Aufwickeln der Kabel sollte man den Eigendrall der Leitung immer beachten, also auf keinen Fall die verbreitete Aufrollmethode zwischen Ellbogen und Handballen anwenden. (Bild: Detlef Hoepfner)

 

Wie rolle, lagere und transportiere ich meine Kabel am besten, sodass mir möglichst selten im Konzert der plötzliche Blackout droht?

Der Transport sollte möglichst in Boxen, Koffern oder Cases erfolgen. Beim Aufwickeln der Kabel sollte man den Eigendrall der Leitung immer beachten, also auf keinen Fall die verbreitete Aufrollmethode zwischen Ellbogen und Handballen anwenden.

Welche Ratschläge kann man noch jenseits der Modellauswahl befolgen, um den Kabeln und Steckern in der Praxis ein langes Leben zu bescheren?

Wenn hochwertige Komponenten angeschafft werden, dazu die Kabel immer schonend gewickelt und sicher transportiert werden, kann ein Mikrofon- oder auch ein Instrumentenkabel locker zehn Jahre oder älter werden und immer noch hervorragend funktionieren.

Und natürlich die wichtigste Frage zum Schluss: wie gut oder schlecht klingen denn nun die diversen Kabelsorten?

Bei dieser Frage muss ich ein wenig schmunzeln. Sicher, ein Gitarrenkabel hat immer Einfluss auf den Klang, denn hierbei handelt es sich meist um ein hochohmiges Gesamtsystem, bei dem das Kabel mit in die Betrachtung einfließt. Somit kommen auch die unterschiedlichen Klangeindrücke zu Stande.

Dazu kann ich den Saitenspielern auch nur empfehlen zu testen − das Superkabel zu Kombi A kann in Kombi B enttäuschende Ergebnisse bringen. Bei symmetrischen (also Mikrofon- oder Line-Ausgangs-) Signalen nimmt die Leitung so gut wie keinen Einfluss auf den Sound. Diese minimalistischen Unterschiede wird man auf jeden Fall in einer Live-Situation nicht hören können − das passt eher ins High-End-Studio mit einer präzisen Abhörtechnik.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. wer kennt das nicht ,aufrollen von Kabeln und dann das abrollen, Knoten ohne Ende. Auftrommeln bringt die Gefahr das die Kabel am Stecker stark geknickt werden(vorteil ich kann mit einmal messen ob alle in Ordnung sind) besser so mache ich es einmal Links und die nächste Rechts rum wickeln geht mit der 2 Finger methode ganz einfach .wenn du dann das kabel auswirfts keine Knoten probierts aus mfg JO

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