Live mischen

Mikrofone für den optimalen Band-Sound einsetzen

Mikrofonabnahme fürs Blech
Detlef Hoepfner
Mikrofonabnahme fürs Blech

Ob man nun ein Funkmikrofon, ein Lavalier Mikrofon oder ein Kondensatormikrofon auf der Bühne einsetzen möchte: Entscheidend für den optimalen Sound ist immer die richtige Anwendung eines Mikrofons im gesamten Bühnenumfeld. Eike Hillenkötter gibt in seinem Buch „Live mischen – Praxiswissen für Tontechniker und Musiker“ ganz praktische Anregungen aus dem Live-Sound-Alltag, wie man Mikrofone im Zusammenspiel von Band, Bühne, Monitoring und Beschallungsanlage optimal einsetzt.

Mikrofonierung

Die für die üblichen Rock-Instrumente verwendeten typischen Mikrofonierungsweisen ähneln sich und erfreuen sich wohl auch großer Bekanntheit. Meist heißt das Motto: Möglichst nah an die Schallquelle und mit dem Mikrofon auf die Schallquelle zielen, die man abbilden will. Der Griff bzw. die Rückseite des Korbs zeigt in Richtung der Schallereignisse, die man nicht in diesem Mikro haben will. Häufig handelt es sich bei typischen Bühnenmikros um dynamische Mikrofone mit Nierencharakteristik. Becken und akustische Instrumente und Gesang werden gern mit Kondensatormikrofonen abgenommen. Eine genaue Mikrofonierungsanleitung für jedes Instrument möchte ich an dieser Stelle nicht geben. Hier entscheidet im Wesentlichen der Geschmack – und natürlich vor allem auch der ursprüngliche Sound des abzunehmenden Instruments.

Wie bereits im Kapitel »Regeln und Methoden« [hier im Buch Live mischen] angesprochen, kann es sich manchmal wirklich lohnen, mit ungewöhnlichen oder zumindest ungewohnten Mikrofonierungstechniken herumzuprobieren. Dadurch lassen sich dann nicht nur ungewöhnliche und einzigartige Sounds erzeugen, manchmal erzielt man damit sogar genau die für diese Situation passenden Ergebnisse, die man auf einem anderen Weg gar nicht oder nur schwer erreichen kann.

Übersprechen

Den größten »Nachteil« von Livemusik stellt in diesem Zusammenhang die gemeine Tatsache dar, dass auf der Bühne während des Konzerts alles gleichzeitig passiert. Es gibt kaum oder nur in bestimmten Situationen die Möglichkeit, Schallquellen wirklich voneinander zu trennen. Natürlich lohnt es sich immer, schon beim Aufbau auf solche Aspekte zu achten. Leise akustische Instrumente platziert man dann wahrscheinlich nicht in der Nähe von lauten Schallereignissen wie einem Schlagzeug, Bühnenmonitoren oder der PA bzw. gar dem Subwoofer. Es lohnt sich auch, genau darauf zu achten, wie man Mikrofone positioniert und ausrichtet und wie deren Richtcharakteristik ausschaut. Es gibt natürlich theoretisch die Möglichkeit, beispielsweise Gitarrencabs hinter der Bühne zu platzieren oder gleich mit Direktsignalen zu arbeiten, was mittlerweile auch für Schlagzeug und Gitarren eine immer beliebtere Methode darstellt (was aber natürlich nur eine leisere Bühne bedeutet, wenn gleichzeitig In-Ears für Monitoring verwendet und nun nicht alle Direktsignale einfach auf alle Monitore geschickt werden). Eine hundertprozentige Trennung der Signale wird man mit akustischen bzw. auf der Bühne verstärkten und mikrofonierten Instrumenten trotzdem nicht erreichen. Letztendlich sollte man sich von dem zwangsläufigen Übersprechen aber auch nicht zu sehr ängstigen lassen – schließlich macht dies häufig auch den besonderen Charakter eben eines Livekonzerts aus, man muss diese Effekte aber einkalkulieren. Deshalb finde ich es schlau, bereits beim Soundcheck möglichst viele später benötigte Mikrofone bei realistischen Gain Settings offen zu lassen – der Gesamtsound der Band ergibt sich halt aus der Summe aller mikrofonierten Signale. Während der Show werden sich die Becken unweigerlich in das Gesangsmikro verirren, der Bass wird sich in der Bass Drum wiederfinden – also kann man das auch gleich beim Soundcheck passieren lassen, um gegebenenfalls in dieser relativ kontrollierten Situation sinnvolle Gegenmaßnahmen vornehmen zu können.

 

Einfluss der Richtcharakteristik und Position

Die Richtcharakteristik der Gesangsmikrofone im Besonderen findet manchmal zu wenig Beachtung. Oft liest und hört man über den Frequenzgang eines bestimmten Mikros, die tolle Auflösung, den Sound an sich, die geringe Feedbackanfälligkeit. Hierbei handelt es sich natürlich um essentielle Punkte, allerdings gibt es einige praktische Aspekte, die in diesem Zusammenhang manchmal vernachlässigt werden. Dabei geht es zum einen um den Zusammenhang zwischen Richtcharakteristik und Monitorplatzierung. Fast alle Bühnengesangsmikrofone gehören zu einem von zwei Typen: Niere oder Hyper-/Superniere. Manchmal sieht man, dass die Mikrofone zwischen zwei Acts getauscht werden – ohne allerdings die Positionierung der Monitore zu verändern. Nun befindet sich die unempfindlichste Seite eines Nierenmikros direkt entgegengesetzt zur Einsprechrichtung, der Mikrofonschaft bzw. der Stecker zeigt praktisch direkt dorthin. Das wäre auch die optimale Position für den Monitorlautsprecher im Hinblick auf maximale Feedbacksicherheit.

Bei einem Mikrofon mit Hyper- oder Supernierencharakteristik befindet sich die unempfindlichste Seite aber etwa im 45–60-Grad-Winkel von hinten gesehen. Direkt hinter dem Mikrofon zeigt es sich also immer noch einigermaßen empfindlich. Dies sollte man bei der Positionierung der Monitore berücksichtigen – insbesondere dann, wenn das Mikrofon sich fest auf einem Stativ befindet. Hier kann es sich auch als ratsam erweisen, den Künstler gegebenenfalls auf diesen Aspekt hinzuweisen, falls dieser sich darüber bisher keine Gedanken gemacht hat.

Auch die Position des Mikrofons auf der Bühne kann sich als entscheidend für den Sound bzw. die Feedbacksicherheit herausstellen. Befindet es sich beispielsweise in einem Bereich, in welchem sich bestimmte Raummoden besonders ausgeprägt zeigen, kann es sehr viel bringen, das Mikrofon auf der Bühne zu bewegen, um diese Effekte zu minimieren, ohne einen EQ hierfür einsetzen zu müssen. Hier reicht es manchmal, das Mikro nur eine kurze Distanz zu bewegen und es dort neu zu positionieren, um eine dramatische Verbesserung zu erreichen – die häufig dann auch mit einer deutlichen Verbesserung der Monitorsituation einhergeht.

Ein weiterer, nur manchmal berücksichtigter, aber für das Ergebnis noch essentiellerer Punkt: Mikrofone mit Hypernierencharakteristik haben zum Teil einen sehr engen Einsprechwinkel. Darauf zielt das Design ab, dies stellt praktisch die Idee hinter dem Mikrofon dar. Dafür zeigen sie sich fokussierter, wodurch weniger Schall von den Seiten in das Mikrofon gerät, was dabei hilft, das Einsprechen anderer Signale zu reduzieren und damit auch die Feedbackgefahr zu mindern.

Für Sänger ergibt sich dadurch allerdings auch die Herausforderung, möglichst gerade in das Mikrofon zu singen. Bei Mikrofonen, die in der Hand gehalten werden, geschieht dies bei einer halbwegs ausgeprägten Sicherheit im Umgang mit Mikrofonen praktisch automatisch, befindet sich das Mikro allerdings auf einem Stativ und spielt der Sänger gleichzeitig ein Instrument, kann dies unter Umständen schon dazu führen, dass (unabsichtlich) am Mikro vorbeigesungen wird: eine kleine Drehung des Kopfes beim Blick aufs Griffbrett und schon geht der Gesang am Mikro vorbei und klingt auf einmal zu leise und dünn. Deshalb gerne schon beim Soundcheck darauf achten, wie oder ob das Mikro zur Technik des Sängers passt. Ich habe in meinem Koffer richtig schön klingende Kondensatormikrofone, die ich gegebenenfalls gerne gegen ein eigentlich nicht so schön tönendes dynamisches Nierenmikrofon austausche, um den Gesamtsound unterm Strich und über die Zeit besser zu machen. In der Regel führt der oben angesprochene Aspekt nämlich außerdem dazu, dass dem Sänger das Mikrofon als insgesamt »zu leise« vorkommt, und er deshalb mehr Gesang im Monitor fordert als eigentlich nötig wäre. Hier hilft es natürlich enorm, wenn der Sänger das verwendete Mikrofon gut kennt – und gegebenenfalls ein eigenes besitzt.

Soundcheck

Wie gut die Mikrofone im Zusammenspiel mit Band und Bühne funktionieren, zeigt sich spätestens beim Soundcheck – die Tipps dazu dient Ihr in dieser Soundcheck-Folge!

Ausschnitt aus dem Buch „Live mischen – Praxiswissen für Tontechniker und Musiker“ von Eike Hillenkötter.
Erschienen im mitp-Verlag, zu beziehen – wie viele weitere Bücher zum Thema Veranstaltungstechnik – hier in unserem PRODUCTION PARTNER Shop!

 

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