Tipps zur Unwettervorsorge

Open Airs: Wetter vs. Veranstaltungstechnik

Wir alle kennen die Wetterkapriolen nicht nur in unserer Region und so manche Open-Air-Veranstaltung fällt buchstäblich ins Wasser. Dabei ist Regen noch nicht einmal das schlimmste Übel – viele werden die Bilder aus Amerika in Erinnerung haben, wo der Wind Traversen wie Streichhölzer knickte, den gesamten Bühnenbau verwüstete und viele verletzte Konzertbesucher hinterließ. Stellvertretend stellen wir hier einige Maßnahmen vor, die für das diesjährige Appletree Garden Festival getroffen wurden.

Probleme kann bei Festivals wie dem Appletree Garden beispielsweise in der Auf- und Abbauphase der Waldboden bereiten, der Nässe lange speichert. Durch den Einsatz von Radladern kam die Appletree-Garden-Crew jedoch gut zurecht. Besonders wichtig ist aber natürlich die Witterung während der Veranstaltung. Manuel Ohlemeyer, Meister für Veranstaltungstechnik bei der Lange & Ohlemeyer Veranstaltungstechnik: „Wir haben ja am Samstag mit Unwetter und Sturm in Böen bis 10 Bft gerechnet. In diesem Fall (ab Windstärke 8) haben wir uns zusammen mit dem Veranstalter entschieden, würden wir das Gelände räumen. Nicht nur wegen der Bühnen, die ab 8 Bft den Spielbetrieb hätten einstellen müssen, sondern auch aufgrund der Gefahr herunterfallender Äste usw. in diesem Waldgebiet. Im Zuge dessen gab es engen Kontakt mit Feuerwehr, Polizei, DRK und Sicherheitsdienst, am Samstagvormittag dazu noch ein Meeting, auf dem klar definiert wurde, wie die Abläufe im Falle eines Unwetters sind.“

Anzeige

Regen auf dem Appletree
Regen auf dem Appleetree Garden Festival 2015 (Bild: Andreas Hildebrand)

Generell arbeitet sich Manuel Ohlemeyer an einer bewährten Vorgehensweise entlang:

  • Wie halte ich mich über die Wettersituation auf dem
    Laufenden? (Wetterdienst/Internet)
  • Mit welchen Beteiligten muss eine Evakuierung
    abgestimmt werden?
  • Mit welchen Reaktionen des Publikums ist zu rechnen?
  • Wie kann der Platz schnell und ohne Panik geräumt
    werden?
  • Wie kann ich das Publikum steuern? (Anlage für
    Notdurchsagen auch bei Stromausfall)
  • Wohin kann ich entfluchten? (Freiflächen ohne Bäume/
    feste Gebäude)

Es empfiehlt sich, vorher einen Evakuierungsplan
aufzustellen. Besonders kritische Punkte sind:

  • WER entscheidet?
  • WANN wird entschieden?

„Wir hatten einen Windmesser installiert, und bei Windstärke 8 hätten wir den Spielbetrieb eingestellt. Einer der Veranstalter hätte eine Evakuierungsdurchsage gemacht. Im letzten Jahr war dies nötig. Es ist sehr vorteilhaft, wenn ein ‚Sympathieträger‘ diese Ansage macht, z. B. einer der Künstler, ein bekanntes Gesicht seitens der Veranstalter etc. Die Evakuierung letztes Jahr – wegen Unwetters und Starkregen, zum Glück nicht viel Wind – ging äußerst friedlich vonstatten“, so Manuel Ohlemeyer.

Windmesser Appletree
Windmesser: Wetter im Blick (Bild: Detlef Hoepfner)

Maßnahmen sind auch gegen den Regen wichtig: „Die Anbauten für Monitor-/Backlineplätze waren übergangslos in die Bühnen integriert, so dass dort kein Regen mehr eindringt. Bei schrägem Regen auf die Bühnenvorderseite kann es immer zu Problemen kommen. Wichtig sind hier beispielsweise spritzwassergeschützte Backline-Steckdosenleisten oder die Backline weiter zurückzuziehen. Abdeckplanen und Wasserschieber/Abzieher (‚Flitsche‘) sind Standardausrüstung auf den Bühnen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: