Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik

Veranstaltungstechniker – ein Beruf mit Zukunft?

Wer eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker machen möchte, sollte sich vorher ein genaues Berufsbild verschaffen. Der erfahrene Toningenieur Oliver Voges gibt hier zahlreiche Tipps rund um die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik.

Arbeitsplatz eines Veranstaltungstechnikers

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Veranstaltungstechniker haben ein sehr breit gefächertes Aufgabenfeld: Neben Einsätzen bei Veranstaltungen, Festivals oder in Clubs zählen auch Theater, Beschallungsfirmen, Event-Agenturen oder TV-Anstalten zu ihren möglichen Auftraggebern. Dabei bleibt die romantische Vorstellung mancher Berufsanfänger, direkt für ihren Lieblingsstar zu arbeiten und so die ganze Welt zu bereisen, ein oftmals unerfüllter Traum. Der ehemals typische Quereinsteiger-Job des FOH-Technikers – also ehemaligen Musikers – ist seit Jahren ein normaler Ausbildungsberuf geworden. Damit unterliegt er den Regeln des Marktes. Jedes Jahr beenden zig Veranstaltungstechnikerinnen und -Techniker ihre Ausbildung und sind dann auf der Suche nach ihrem Platz im Arbeitsalltag. Flexibilität ist hier eine wichtige Eigenschaft für Berufsanfänger. Wer immer nur stur mit dem Ziel an einem Pultplatz zu arbeiten, auf Jobsuche geht, lässt viele Möglichkeiten an sich vorbei ziehen.

Erfahrungen sammeln

Unabhängig von der Ausbildung, die man durchlaufen hat: Am Anfang der Karriere eines Veranstaltungstechnikers stehen immer erst zahlreiche Jahre der Kompetenzbildung. Erfahrung ist das Schlüsselwort in einem Markt, in dem es gilt, schnell Situationen einzuschätzen und immer wieder neu zu bewerten. Hierbei ist die praktische und selbst gemachte Erfahrung durch nichts zu ersetzen. Dieses Berufsbild ist ebenso vielfältig wie auch schnelllebig und verlangt von den Menschen die lebenslange Bereitschaft zum Lernen. Ich bin hierbei ein Vertreter der These, dass man sich in der Ausbildung orientiert und auf breiter Basis über die wichtigen Bereiche der Veranstaltungstechnik informiert werden soll. Beim Berufseintritt kommt man dann allerdings um eine Spezialisierung nicht umhin. Gerade in der heutigen Zeit, in der sich die Digitaltechnik mit großer Schnelligkeit entwickelt, ist dies eine Grundvoraussetzung, um erfolgreich zu sein. Nach meinem Abschluss an der SAE – den ich mit 23 Jahren machte – dauerte es noch weitere drei Jahre, bis ich von einer großen Beschallungsfirma einen Pultjob angeboten bekam. In der Zwischenzeit hatte ich zahlreiche Touren als Techniker oder System-Engineer für unterschiedliche Dienstleister absolviert. Ich habe kilometerweise Kabel verlegt und hunderte Boxen gestapelt oder geflogen. Auf vielen Festivalbühnen lernte ich Patch-Pläne zu erstellen und Umbaulogistiken zu entwickeln. Das Durchschnittsalter der Pultleute lag für mich gefühlt bei 50 Jahren! In Wirklichkeit lag es natürlich oftmals deutlich darunter; trotzdem war ich sehr froh, dass ich mit allen anderen Bereichen vertraut war, bevor ich selber die ersten Pultjobs für große Firmen machte. Ich spreche hier bewusst von großen Produktionen. Kleinere Pultjobs auf Stadtfesten oder kleine Studioproduktionen mit Newcomer-Bands habe ich schon als Schüler gemacht. Veranstaltungstechnik ist ein junges Gewerbe. Obwohl ich erst seit 20 Jahren dabei bin, habe ich heute beim Rückblick auf meine Anfänge das Gefühl, in die Steinzeit der Tontechnik zurück zu sehen.

Ohne Spezialisierung geht es nicht

Durch die immer komplexer werdende Technik haben sich im Laufe der letzten Jahre zwangsweise auch neue Berufe entwickelt. Benutzte früher nur der Sänger einer Band ein kabelloses Mikro, so hat sich spätestens mit dem Aufkommen von In- Ear-Systemen die Anzahl der Funkkanäle drastisch erhöht. Bei großen TV-Shows wie dem ESC oder der ECHO-Verleihung ist der Einsatz von Frequenzmanagern deshalb unumgänglich. Früher wurden auch die PA-Systeme vom FOH-Engineer eingerichtet, bei einer analogen Frequenzweiche war die Einflussnahme ja auch klar begrenzt. Seit dem Aufkommen von digitalen Systemcontrollern und mobilen Messsystemen ist der Job eines System-Engineers Standard geworden. Da heute Netzwerke zum Transport von Audio und Controller-Daten das analoge Multicore ablösen, ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis auf größeren Produktionen immer ein Netzwerktechniker vor Ort ist, um das Netzwerk aufzubauen und zu betreuen. Auch bei der Planung von Produktionen kann man durch die richtigen Tools Beschallungssysteme entwickeln und Frequenzgänge wie auch Pegelverläufe dieser Systeme vorhersagen. Heutzutage werden PAs nach genauen CAD-Plänen aufgebaut – präzise Positionen, Anzahl und Winkelung der Cabinets wurden bereits in der Planung auf das Venue zugeschnitten. Dadurch wird mit weniger Material ein besseres und vorhersagbares Ergebnis erreicht als mit herkömmlichen „Trial and Error“-Methoden.

Chance: die Branche mitgestalten

Die Chancen für Berufsanfänger, in der Veranstaltungstechnik erfolgreich zu sein, sind immer noch gut. Es sollte nur jedem klar sein, dass das wirkliche Lernen erst nach der Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik so richtig losgeht. Will man bei den technischen Innovationen immer am Ball bleiben, so ist eine Spezialisierung existenziell. Auch altgediente Sound-Gurus und Audio-Koryphäen können sich nicht ausschließlich auf langjährigen Erfahrungen ausruhen. In vielen Bereichen werden aktuell die Weichen für technische Innovationen gestellt. Diese Entwicklung zu begleiten und vielleicht sogar ein wenig mitzugestalten, halte ich für eine sehr interessante Aufgabe.

 

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Vielen Dank für den Beitrag. Schon seit lange interessiere ich mit für den Beruf als Bühnentechniker. Ich werde mich auf jeden Fall weiter mit dem Thema beschäftigen. Lg Wolfgang

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