Lichttechnik - Hilfreiche Grundlagen der Lichtkomposition

Lichttechnik: Welche Auswirkung haben verschiedene Lichtpositionen?

Abhängig davon aus welcher Richtung das Licht auf das zu beleuchtende Objekt fällt, erscheint es natürlich oder verfremdet. Welche typischen Lichtrichtungen es gibt und welche Auswirkung diese erzielen, zeigen wir in unserer Serie „Praktische Veranstaltungskunde“.

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Je nachdem, ob unsere Sehgewohnheit aus der Natur heraus bedient wird, erkennen wir ein gewohntes und vertrautes Bild. Möchten wir jedoch eine Spannung aufbauen, etwas unheimlicher definieren, nur eine Andeutung geben, kann man sehr bewusst ungewohnte Lichtwurfrichtungen wählen, um eine besondere Wirkung auf den Betrachter zu erzielen. Dabei ist die Schattenbildung eines der zentralen Themen in der Lichtgestaltung. Eigentlich muss man gleichzeitig auch sagen, dass die Aufhebung von Schatten ebenso wichtig ist. Bevor wir jedoch zum Kombinieren verschiedener Scheinwerfer und Positionen für eine Lichtkomposition gehen, wollen wir uns nun mit den Standard-Lichtrichtungen näher beschäftigen. In der Grundlagenserie aus PRODUCTION PARTNER 09/13 „Flächen richtig ausleuchten“ haben wir bereits die 45° des natürlichen Lichtes kennengelernt und werden hier deshalb nicht weiter darauf eingehen. Deshalb wollen wir uns nun in der Sichtachse des Schauspielers, der frontal zum Publikum steht, von unten nach oben, mittig bis hinter das Objekt bewegen, um dann die seitlichen Einflüsse zu betrachten.

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Übersicht der Scheinwerferpositionen:

  • 1. Fußlicht
  • 2. Frontallicht
  • 3. Vorderlicht
  • 4. Oberlicht
  • 5. Rücksetzer
  • 6. Gegenlicht
  • 7. Seitenlicht
  • 8. Gassenlicht

Fußlicht

Das Fußlicht wird meist mittels einer Fußrampe realisiert. Dabei wird versucht von unten nach oben hin zu leuchten. Da die Sonne in der Regel nie etwas von unten anleuchtet, ist dies für uns eine sehr ungewohnte Beleuchtung. Deshalb wird diese Art der Beleuchtung gerne eingesetzt, um etwas unnatürlich wirken zu lassen. Paradebeispiel ist ein Dämon, der über die Lichtrichtung ein ungewohntes Schattenbild im Gesicht erhält. Die Augenhöhlen, die sonst immer abgedunkelt sind, werden nun mit die hellsten Stellen aufweisen, der Nasenrücken wird jedoch ungewohnt abgedunkelt sein.

 

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Fußlicht – Sicht von vorne rechts

Eine weitere Auswirkung bei dieser Beleuchtungsrichtung ist der resultierende Schattenwurf des beleuchteten Objektes. Je näher das Objekt sich an der Fußrampe befindet, umso größer wird der Schattenwurf auf die Rückwand, was den monsterhaften Ausdruck noch verstärkt und gewollt zum Ausdruck bringen kann, dass das bestrahlte Objekt eine größere Dimension erhält als es eigentlich darstellt. Es wird die unterschwellige Bedeutung des Objektes als Schatten hinzugefügt. In Kombination mit der üblichen Beleuchtung werden Fußrampen auch gerne genutzt, um Augenschatten aufzuhellen.

Fußlicht – Sicht von der Seite
Fußlicht – Sicht von der Seite

Frontallicht

Bewegen wir nun den Scheinwerfer von der Position unterhalb des Objektes hoch zur gleichen Höhe des zu bestrahlenden Objektes bzw. Künstlers, dann haben wir das Frontallicht. Das Licht fällt frontal in das Gesicht. Damit sind fast keine Schatten im Gesicht zu sehen und es verliert an Plastizität und wirkt flach. Viele der Kompaktkameras mit ihren eingebauten Blitzgeräten blitzen ebenso und erstellen ein Bild mit Frontallicht.

Frontallicht – Sicht von vorne rechts
Frontallicht – Sicht von vorne rechts

Den Vorteil der Kompaktkamera mit Blitz in nächster Nähe zum Objektiv haben wir auf der Bühne nicht, denn der Zuschauer wird selten in der gleichen Flucht sitzen wie der Scheinwerfer, der das Frontallicht verursacht. Folglich ist der Schatten, der durch das Frontallicht erzeugt wird, für den Zuschauer deutlich zu sehen. Da der Frontalscheinwerfer in der gleichen Höhe wie der bestrahlte Künstler ist, wird der Schatten 1:1 nach hinten bis auf die Rückwand geworfen.

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Frontallicht – Sicht von der Seite

Natürlich bietet das Frontallicht genau wegen der Schattenbildung zusammen mit einem scharfen Rand das gewohnte Verfolgerbild. Das kann einmal gewollt sein, in der Regel jedoch ist der Frontalscheinwerfer als Führungslicht ungeeignet, sondern höchstens dazu, um leichte Aufhellarbeit zu leisten. Gerade wenn man mit unerfahrenen Akteuren auf der Bühne beleuchten will, ist das Frontallicht für die bestrahlte Person sehr unangenehm, da sie geblendet wird sobald sie in Richtung Zuschauer sehen will. Deshalb ist ein Verfolger von vorne Frontal nur für ausgesprochene Profis auf der Bühne anzuwenden, wenn man genau diesen Effekt hervorrufen will. Ansonsten sollte man auf die Seite hin ausweichen, um eine Blendwirkung des Künstlers zu vermeiden.

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Vorderlicht – Sicht von vorne rechts

Vorderlicht

Das Vorderlicht wird idealerweise in einem Winkel von 45° auf den Künstler oder Objekt gerichtet. Damit sind wir bei dem bekannten Muster, das wir von der Spielflächen- bzw. Flächenbeleuchtung bereits kennen.

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Vorderlicht – Sicht von der Seite, nach hinten hin abgeschattet

Hier hört der Schattenwurf hinter dem Künstler in akzeptabler Entfernung auf, sodass er nicht auf eine sichtbare Dekoration oder Horizont fallen muss. Je nach Steilheit sind mehr oder weniger ausgeprägte Augenschatten zu verzeichnen. In Kombination mit einer seitlichen Anordnung in ebenfalls 45° ist dies die Standard-Beleuchtungsform.

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Oberlicht – Sicht von vorne rechts

Oberlicht

über dem Künstler bzw. dem Objekt angeordnet. In der Regel verwendet man das Oberlicht hauptsächlich zum Beleuchten der Szenenfläche. Mit ihm ist es möglich die Schatten der anderen Scheinwerferpositionen, die sich am Boden abzeichnen, abzuschwächen bzw. zu beseitigen wenn nötig. Bei Beleuchtung einer Person mittels Oberlicht ist das Gesicht durch die über stehenden Haare oder alleine durch die Nase sehr schattig.

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Oberlicht – Sicht von Seite

Oftmals ist man aus den möglichen Hängepositionen heraus gezwungen mit Oberlicht zu arbeiten. Jedoch wird hier meist mit unterstützendem Seitenlicht der Schattenbildung im Gesicht entgegengewirkt.

Beispiel aus der Praxis: ein Interview beleuchtet ausschließlich mit Oberlicht
Beispiel aus der Praxis: ein Interview beleuchtet ausschließlich mit Oberlicht

Rücksetzer

Unter Rücksetzer verstehen wir einen Scheinwerfer der an einer Position hängt, die ein Gegenlicht hinter dem Akteur schräg von oben her kommend ermöglicht. Damit bleibt der Schatten des Akteurs bzw. Schauspielers auf der Bühne. Werden die Haare (soweit vorhanden) mit dem stärksten Lichtschwerpunkt bedacht, erscheint für den Betrachter im Zuschauerraum eine Art Korona um den Kopf bzw. eine Randbeleuchtung – Umriss um das Kostüm, um das Objekt.

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Rücksetzer – Sicht von vorne rechts

Dies ist extrem hilfreich, um eine Räumlichkeit auf der Bühne zu schaffen, da mit unseren Sehgewohnheiten die se Korona den Künstler vom Hintergrund räumlich abhebt. Wir empfinden eine größere Tiefe zum Hintergrund. Insbesondere im Fernsehstudio wird dieser Effekt ge – nutzt und verstärkt, indem man bläuliche Farben bzw. ein kälteres Weiß bzw. CTB wie z. B. Lee 202 im Rücksetzer anwendet.

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Rücksetzer – Sicht von der Seite, nach vorne hin abgeschattet, damit auch die erste Reihe nicht geblendet wird

Gegenlicht

Das Gegenlicht, das von hinten aus Höhe des Schauspielers oder sogar noch tiefer angewendet wird, ist eines der starken Ausdruckslichter, bei dem der Akteur nur als Schattenspiel agiert und damit die Handlung gezeigt wird, aber der unsichtbare Gesichtsausdruck die Befindlichkeit, die Stimmungslage des handelnden Schauspielers verschweigt. Insbesondere wenn man Dunst durch Nebel hinzufügt werden die Lichtstrahlen, die zum Zuschauer hin strahlen, das Schattenspiel um den Akteur als Nebelspiel zeigen.

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Gegenlicht – Sicht von der Seite

In der Natur kennen wir das Licht nur von den frühen Morgenstunden, wenn im Wald der Dunst steht und die gerade aufgehende Sonne ein Schattenspiel mit den Bäumen bildet. Diese Faszination überträgt sich auch auf die Bühne, jedoch sollte man darauf achten, dass mit dem Gegenlicht kein Zuschauer geblendet wird, da ansonsten der Effekt für ihn leider nicht mehr wirken kann. Gerade bei Rock’n’Roll-Shows ist oft zu beobachten, dass die Gegenlichtscheinwerfer bzw. Rücksetzer in Form von Effektscheinwerfern, Moving Lights wie wild durch die Zuschauermassen leuchten. Abgesehen davon, dass man einige Zuschauer wirklich dabei blendet und durch die zeitliche langsame Adaption an die vorherrschende Helligkeit dem Zuschauer ein wenig Genuss genommen wird, ist bei den gerade aktuellen, extrem eng abstrahlenden Moving Lights, in deren Anleitung ein Mindestabstand von 15 m zur beleuchtenden Flächen angegeben wird, erhöhte Vorsicht geboten.

Gegenlichtanwendung bei einer Show
Beispiel aus der Praxis: eine Gegenlichtanwendung bei einer Show

Seitenlicht

Das klassische Seitenlicht kommt– wie der Name auch bereits verrät – aus Höhe des Schauspielers, jedoch von der linken bzw. rechten Seite her. Durch das seitliche Auftreffen auf das Gesicht erhält dieses oder das bestrahlte Objekt sehr plastische Züge. Der Schattenwurf ist nicht ausufernd und benötigt keine große Bühnentiefe.

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Seitenlicht – Sicht von vorne rechts

Somit ist das Seitenlicht eine sehr gut zu nutzende Beleuchtungsart. Haben wir bisher alle Scheinwerferpositionen um den Schauspieler aus der Zuschauer-Schauspielachse her betrachtet, so können wir mit dem Ausbrechen der gerade benötigten Höhenposition in die Seite heraus viele der Problematiken entschärfen. Denn damit verschieben wir die Schattenbildung in die Seite, was oftmals günstig ist, da dort mehr Raum zur Verfügung steht.

Seitenlicht – Sicht von der Seite, nach vorne hin abgeschattet
Seitenlicht – Sicht von der Seite, nach vorne hin abgeschattet
Seitenlicht von links und rechts
Seitenlicht von links und rechts – Sicht von vorne rechts

Gassenlicht

Versetzen wir den Scheinwerfer in die Höhe der Beine des Schauspielers, so reden wir nicht mehr vom Seitenlicht, sondern vom Gassenlicht. Jetzt fällt der Schattenwurf quer über die Bühne auf die Seitenwände. Im Theater sind die Seitenwände vom Zuschauer nicht zu sehen, weil diese durch die Gassen-Schals bzw. die Sichtlinie zur Seitenwand hin abgedeckt werden.

Gassenlicht – Sicht von vorne rechts
Gassenlicht – Sicht von vorne rechts

Gassenlicht wird sehr gerne angewendet, um die Muskelzeichnung und Beine von Tänzern zur Geltung kommen zu lassen. Gerade beim Ballett und dem oft getragenen Tutu würden die Beine bei einer Beleuchtung von oben her mehr im Schatten liegen – mit dem Gassenlicht kommen sie hingegen voll zur Geltung.

Gassenlicht – Sicht von der Seite,
Gassenlicht – Sicht von der Seite, nach vorne hin abgeschattet
Gassenlicht – Sicht von der Seite, nach vorne hin abgeschattet
Gassenlicht von links und rechts – Sicht von vorne rechts

 

Lesen Sie mehr zum Thema Be- und Ausleuchtung in unserem Artikel

Lichtkomposition: mit einem Scheinwerfer beleuchten

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Danke für den spannenden Artikel! Ich interessiere mich schon lange für Licht- und Bühnentechnik. Es ist unglaublich, was die richtige Lichttechnik alles ausmacht. Liebe Grüße, Wolfgang http://www.krause-buehnenbau.de/bhnentechnik

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  2. Auch von meiner Seite vielen dank für diese anschaulichen Ausführungen. Ich denke für unser Laienspiel viele Anregungen erhalten zu haben.

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