Tipps für die optimale Scheinwerfer-Positionierung

Bühnenbeleuchtung: Wohin mit meinen Scheinwerfern?

„Mach mal hell …“, so lautet oft der lapidare Spruch auf Baustellen, wenn es um die Abteilung Licht geht. Doch vor dem Bedienen eines Faders oder Encoders und auch noch vor dem praktischen Befestigen von Scheinwerfern ist erst einmal eine Analyse der Gegebenheiten und des Ziels nötig: Wie viele Scheinwerfer benötige ich eigentlich zur Ausleuchtung einer Szenen- oder Bühnenfläche samt der Protagonisten und wie sollte man die Scheinwerfer am besten positionieren? Wie sieht die optimale Bühnenbeleuchtung aus?

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(Bild: Herbert Bernstädt)

Um ein Beleuchtungsset zusammenzustellen, kann man sich einer bewährten Methode bedienen: Man betrachtet die Bühnenbeleuchtung der Spielfläche zunächst einmal losgelöst von den verschiedenen später zu erstellenden Lichtszenen. Die Ausleuchtung des Schauspielers und der Spielfläche kann dann im Ganzen erst einmal nach bestimmten geometrischen Gesetzmäßigkeiten und Richtlinien erfolgen.

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Sehgewohnheit

Betrachten wir die Abbildung 1, so interpretieren viele aus unserem Kulturraum, dass hier einige Personen im Zimmer sitzen, wie z. B. in einem Wartezimmer beim Arzt. Eine Bevölkerungsschicht, die näher am Äquator beheimatet ist, wird dagegen die Gruppe vor einem Haus sitzend sehen, da bei ihnen das Leben mehr vor dem Haus stattfindet.

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Abb. 1: Sitzen die Personen vor dem Haus oder in einem Zimmer? (Bild: Herbert Bernstädt)

Dieses Beispiel soll verdeutlichen, dass wir aufgrund der täglich wiederholten Bilder, die wir wahrnehmen, ein entsprechendes Bild erwarten, um es als natürlich und nicht befremdlich zu empfinden. Natürlich können sich Sehgewohnheiten ändern, so wie sich auch Hörgewohnheiten ändern können.

Einen Umbruch erleben wir derzeit mit der neuen gesättigten Farbgebung, die mit den dichroitischen Filtern und den Farb-LED Scheinwerfern möglich ist. Aber zurück zum „natürlichen“ Licht: Die „Lichtszenen“, in denen wir unsere Umwelt meistens wahrnehmen, entstehen durch die Beleuchtung der Umwelt mit dem Sonnenlicht, das vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang einer Kreisbahn folgt. Dementsprechend empfinden wir ein Licht, welches durchschnittlich dieser Beleuchtung folgt, als natürlich.

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Gewohnter Beleuchtungsverlauf unserer Umwelt: im Mittel 45 von oben und meist von der Seite (Bild: Herbert Bernstädt)

Diese Erkenntnis ist auch direkt auf die praktische Beleuchtung anwendbar. Zum Beispiel sollen die Körper der Schauspieler, evtl. deren Muskelzeichnung und insbesondere das Gesicht nicht flach erscheinen oder womöglich Augen- bzw. Nasenschatten zu sehen sein, sondern sich schön natürlich abzeichnen. Betrachten wir uns das Beispiel in Abb. 2, so kann man erkennen, dass ein Scheinwerfer, der direkt von oben steil nach unten leuchtet, zwar die Fläche erhellt, die betrachtete Fläche aber vom Zuschauer als unbeleuchtet wahrgenommen wird.

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Hier ein Beispiel für eine senkrechte Beleuchtung. Die Redner erscheinen den Zuschauern als unbeleuchtet. (Bild: Herbert Bernstädt)

Verändert man die Scheinwerferposition innerhalb der Bühnenbeleuchtung zur halben Strecke von der senkrechten Position zur waagrechten hin, so sehen wir, dass die vom Betrachter gesehene Fläche deutlich besser ausgeleuchtet wird und dass das Licht vom Objekt zum Betrachter hin reflektiert wird.

Positioniert man den Scheinwerfer waagerecht – wie in der Abbildung 4 zu sehen – wird das Licht zwar sehr effektiv zum Betrachter zurück reflektiert, hat aber auch zwei erhebliche Nachteile: Auf der einen Seite würde das betrachtete Objekt sehr flach aussehen, da die Plastizität verloren geht und bei glänzenden Oberflächen die Reflexion sogar blenden könnte. Zum anderen würde das waagerechte Licht auf der Rückseite des beleuchteten Schauspielers oder Objektes einen entsprechenden Schatten werfen, der ebenfalls unnatürlich er – scheint. Ganz abgesehen davon, dass damit auch die restliche Bühne ungewollt beleuchtet bzw. das Lichtbild damit „aufgerissen“ wird.

Nimmt man nun die zweite Ebene dazu, also die Beleuchtung von außen, wird man weitere Vorteile erkennen können. Die Plastizität des beleuchteten Körpers wird noch deutlicher und zeitgleich wird die Blendgefahr durch totalreflektierende Flächen minimiert. So ergibt sich bei einer Anordnung von zwei Scheinwerfern (siehe Abb. 5), die im Winkel von ca. 45° von oben und 45° von beiden Seiten den Schauspieler beleuchten, eine optimale Ausleuchtung, die das Gesicht natürlich erscheinen lässt.

Das beleuchtete Objekt kann seine geometrischen bzw. räumlichen Formen mit einem gewohnt zu erwartenden Intensitätsverlauf zeigen. Das entstehende Bild entspricht unseren Sehgewohnheiten, das wir beim natürlichen leicht diffusen Tageslicht aus der Natur heraus gewohnt sind.

Spielfläche

Jetzt können wir einen Schauspieler oder ein Objekt natürlich beleuchten. Wir haben aber auch noch eine Szenefläche, auf der die Show stattfindet bzw. auf der sich der oder die Künstler bewegen, diese muss natürlich ebenfalls beleuchtet werden. Dazu kann man ebenfalls sehr systematisch vorgehen. Ein Künstler, der „fast“ stehend agiert, benötigt eine Fläche von ungefähr 3–4 m im Durchmesser.

Natürlich hängt der genaue Aktionsradius von der Größe der Gruppe und ihren Bewegungen ab. Um aber jedoch hier eine einfache und allgemeine Vorgehensweise erörtern zu können, nehmen wir den vorher genannten Aktionsradius an. Ist die Lokalität bzw. die Bühne auf dem die Schauspieler agieren ca. 11 × 11 m groß, so unterteilt man die Szenenfläche entsprechend der 3–4 Meter großen Lichtflächen in neun Lichtzonen auf.

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Aufteilung der Szenenfläche in Lichtareale. Wie man an den seitlichen Scheinwerfern vor dem Portal erkennen kann, erlaubt die Portalöffnung nicht den optimalen Winkel (Bild: Herbert Bernstädt)

Nun werden für das Zentrum jeder Lichtzone, wie soeben erarbeitet, zwei Scheinwerfer seitlich und horizontal jeweils im 45° Winkel eingeplant. Sind verschiedene Farbtemperaturen gewünscht, müssen entweder die doppelte Anzahl mit kalt- und warmweiß bestückten Scheinwerfern oder farbwechselnde Leuchten eingesetzt werden.

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Nicht immer ist ein Lichtwinkel von 45 Steilheit möglich (Bild: Herbert Bernstädt)

Nun kommen die räumlichen Gegebenheiten der Location zum Tragen. Dabei sind entscheidende Faktoren wie breit z. B. das Bühnenportal ist oder welche Hängepunkte die Location bietet. So muss oftmals baubedingt von den idealen 45° abgewichen werden, wobei Beleuchtungswinkel von 30° bis 60° durchaus im normalen Bereich liegen. Aus den möglichen Hängepunkten heraus erfolgt wiederum der Abstand zur zugeteilten zu beleuchtenden Fläche der Bühnenbeleuchtung.

Aus dem Abstand wiederum errechnet sich der benötigte Abstrahlwinkel, den der Scheinwerfer können muss, welcher oft zwischen 10–30° zu finden ist. Weiter kann man aus dem Abstand zur beleuchteten Fläche und der benötigten Grundhelligkeit – man nimmt die übliche Beleuchtungsstärke von 300 bis 800 Lux an, die man für ein gut zu sehendes Objekt benötigt – die benötigten Candela des Scheinwerfers bestimmen und dementsprechend auf die Leistungsklasse des Leuchtmittels rückschließen. Um Objekte stärker vom Hintergrund abzulösen wird man Gegenlichter ebenfalls für diese Zonen vorsehen.

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Anhand der Beleuchtungsstärkeverteilungskurven nach DIN 5037 Blatt 3 und 4 können der passende Scheinwerfer für den benötigten Lichtkreis und der Abstand zur beleuchteten Fläche nebst Helligkeit schnell ausgewählt werden (Bild: Herbert Bernstädt)

Weiter kann man noch die Lücken, die zwischen den Zonen auftreten können, mit weich abstrahlenden Scheinwerfern auffüllen, um härtere Übergänge aufzuweichen. Man spricht hierbei auch von sekundärem Licht. Werden Oberlichter eingesetzt, so ist die horizontale Komponente sehr stark ausgeprägt. Dieses kann mit seitlichem Licht z. B. von Gassenleuchten ausgeglichen werden. Als letztes kommen noch Spezialscheinwerfer mit z. B. Fenster-, Wolken- oder Breakup-Gobos oder sonstige Leuchten hinzu.

Aus der Gesamtzahl der benötigten Scheinwerfer und ihrer Leistungsklasse sind der Strombedarf und auch alle weiteren Größen wie DMX-Adresse, Verteilung und Verkabelung abzuleiten.

Und nun – spannen wir den Bogen zum letzten Teil – kann das alles im Lichtplan festgehalten werden.


Quellenangaben: Niethammer EN-Katalog 83-725 Stage Lighting, Richard Pilbrow The Stage Lighting Handbook, Francis Ried

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Das ist ein sehr interessanter und aufschlussreicher Artikel zum Thema Scheinwerfer. Ich denke es ist immer sehr schwer festzulegen wo die Scheinwerfer hinleuchten sollen um den optimalen Effekt zu erzielen. Allgemein ist die Bühnentechnik ein sehr komplexes Thema und da sollte man sich beim Kauf auch lieber an einen Fachmann wenden (externer Link gelöscht – Anm.d.Red.)

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  2. Hallo zusammen,
    vielen lieben Dank für die zahlreichen Tipps zum Thema Bühnentechnik. Insbesondere das Thema Lichttechnik spielt in diesem Zusammenhang eine enorm große Rolle und ist von großer Bedeutung. Es gibt viele Dinge zu beachten.
    (externer Link gelöscht – Anm.d.Red.)

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  3. Danke für die guten Tipps zur Lichttechnik. Ein Bekannter arbeitet bei einem Dienstleister der für die Austattung bei Konzerten geordert wird. Jetzt verstehe ich etwas mehr zu diesem Thema.

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  1. DMX Steuerung: Grundlage der Lichtsteuerung › Production Partner

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