Firmenjubiläum

45 Jahre Safex: „Der Nebel ist mein Kind“

Er ist fester Bestandteil der Filmindustrie und auch aus der Veranstaltungsbranche kaum wegzudenken: der Nebel. Lange Zeit war seine Erzeugung nicht ungefährlich und die Dämpfe sogar gesundheitsschädlich. Vor über 45 Jahren nahm sich Günther Schaidt, Geschäftsführer von Safex aus Tangstedt bei Hamburg, diesem Problem an – und schrieb damit Geschichte.

Nebelszene im Theater
Auch für Theaterproduktionen produziert Safex verschiedenste Effekte. In diesem Fall waren rot leuchtende Nebelschwaden gefordert (Bild: Safex)

Entwicklung der Nebel-Erzeugung

Bis in die 1980er Jahre hinein wurde künstlicher Nebel durch Paraffine und das Erhitzen von Öl erzeugt. Heute ist das nicht mehr üblich und zwar aus gutem Grund: durch diese Prozedur entstanden gesundheitsschädliche Dämpfe, die die Lunge schädigen konnten. Außerdem stellte der Einsatz von heißem Öl eine potenzielle und permanente Brandgefahr dar und auch die Ablagerungen des Öls, die durch die Verdampfung entstanden, konnten erhebliche Schäden an Mensch und Requisite hervorrufen.

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Nebelsystem von Safex
Safex Nebelsystem besteht aus einer Verdampfer-Nebelmaschine und einem wasserlöslichen Fluid (Bild: Lena Voss)

Heute entsteht Effektnebel, indem eine Nebelmaschine ein spezielles Fluid (ein Gemisch aus Polyolen und demineralisiertem Wasser) zuerst ansaugt, dann durch ein vorher erwärmtes Heizelement auf ca. 330 Grad Celsius erhitzt und anschließend durch die Nebelaustrittsdüse ausstößt. An der Luft kondensiert das Gemisch und es entsteht die bekannte Nebelwolke. Durch diesen Verdampfungsprozess werden die Maschinen heute korrekterweise als Verdampfer-Nebelmaschinen bezeichnet. Dieser Vorgang ist gesundheitlich und brandschutztechnisch völlig ungefährlich und zählt heute zum Standard der Nebelerzeugung. Diese Entwicklung verdankt die Theater- und Filmindustrie dem Gründer der mittlerweile in Tangstedt bei Hamburg ansässigen Firma Safex, die Spezialeffekte für Bühne, Film und Fernsehen herstellt.

Stunt-Szene im Disneyland Resort Paris
Auch Explosionen für Stunt-Szenen gehören zum Angebots-Portfolio von Safex, wie hier bei einer Stunt-Show im Disneyland Paris (früher: Euro Disney Resort Paris) (Bild: Safex)

Firmengründung: Wie alles begann

Bereits seit seinem 6. Lebensjahr begleitet Günther Schaidt eine Leidenschaft fürs Zaubern, die ihn bis heute nicht losgelassen hat. Schon während seiner Schulzeit und Ausbildung entwickelte er nebenbei kleine chemische Zaubertricks und verdiente damit sein erstes Geld. Was damals noch eher ein Hobby war, machte er nach einer Ausbildung zum Chemietechniker zu seinem Beruf: im Frühjahr 1973 gründete er Safex, seine eigene Firma für Spezialeffekte. Heute feiert Safex nun also sein 45-jähriges Bestehen.

Wichtige Meilensteine in der Firmengeschichte lassen sich schnell feststellen: Die größten Erfolge feierte Safex mit besagter Entwicklung des ungefährlichen Nebelfluids. Erstmalig kam es an der Hamburger Staatsoper zum Einsatz, bei einer Abschiedsvorstellung des damaligen Intendanten Rolf Liebermann. „Es war eine verrückte Inszenierung, bei welcher unter anderem große Parfümwolken zum Einsatz kommen sollten“, erinnert sich Günther Schaidt. Die gerade erst entstandene Firma Safex machte diesen Wunsch möglich und lieferte ein komplettes Nebelsystem, welches ungefährlichen Nebel in unterschiedlicher Dichte und sogar mit dem angenehmen Geruch von Parfüm erzeugen konnte.

Der Erfolg des noch jungen Unternehmens sprach sich schnell rum. Bis nach Hollywood erfuhr man von dem verrückten Mann aus Hamburg, der so vieles möglich machte. Und so kam es, dass Safex mit seinem Nebelsystem bald bei Steven Spielberg vorstellig wurde und an Weltproduktionen wie James Bond – Der Morgen stirbt nie beteiligt war. Die Entwicklung war für die Branche so bedeutend, dass Günther Schaidt im Jahr 1984 von der Academy of Motion Pictures, Arts and Science der wissenschaftlich-technische Oscar für das Safex-Nebelsystem verliehen wurde. Überreicht wurde die hohe Auszeichnung von der Schauspielerin Janet Leigh, bekannt als Marion Crane aus dem Film Psycho. Heute ruht der goldene Mann in einem kleinen Koffer, denn Günther Schaidt stellt sich selbst nicht gern ins Rampenlicht sondern freut sich lieber über den Erfolg seiner Firma.

Kerngeschäft: Was macht Safex?

In der gesamten Firmengeschichte spiegelt sich Schaidts Leidenschaft für gute Effekte und realistische Wow-Momente wider. Befragt man ihn dazu, zieht er den Vergleich, pyrotechnische Spezialeffekte seien wie chemische Orgasmen: Man arbeite eine lange Zeit konzentriert an einer Sache und am Ende entlade sich alles in einem einzigen Wow-Moment. So bietet Safex mittlerweile die gesamte Palette der wichtigsten Spezialeffekte für Bühne, Film und Fernsehen an: Neben zahlreichen Nebelsystemen für jeden Bedarf inkl. verschiedenstem Zubehör wie Fernbedienungen oder DMX-Steuerung sind das vor allem Flammeneffektgeräte, verschiedene Bühnenpyrotechnik, Brandmassen und Pyrofluide, Bühnenblut und Crashglas. Aber auch kleinere Rand-Produkte wie Kunstschnee, Staub/Ruß/Schmutz, Water-Gel, Effekt-Sprays, Spinnweben und Konfetti + Shooter finden sich im Firmenportfolio.

Gerade bei Nebelgeräten legt Safex Wert darauf, dass seine Produktpalette nicht nur aus verschiedenen Nebelgeräten besteht, sondern dass diese Nebelgeräte zusammen mit dem Zubehör ein ausgefeiltes System bilden: Für jeden Anwendungszweck und Anspruch soll neben dem geeigneten Nebelgerät auch das entsprechende Zubehör zu Erweiterung der Funktionen, sozusagen maßgeschneidert auf den Anwender, zur Verfügung stehen.

Gerade wenn Nebel für verschiedene Anwendungsgebiete erzeugt werden muss, wie das bei Film- und großen Showproduktion häufig der Fall ist, ist ein maßgeschneidertes System sehr hilfreich. Safex liefert dafür Geräte, die für die Nebelerzeugung im Studio mit moderner DMX-Steuerung ausgestattet sind, jedoch mit wenigen Handgriffen zu einem äußerst robusten, elektronikfreien Nebelgerät umgewandelt werden kann, dass in unwirtlichem Freigelände eingesetzt und auch tropischen Bedingungen oder nordischer Kälte standhalten würde.

Praktisch alle Safex Nebelgeräte sind mit beheizten Nebelauslässen ausgestattet, sodass eine Vielzahl spezieller Nebeldüsen angebracht werden kann, die auch schwierige Effekte einfach möglich machen. Zum Beispiel können fast alle Nebelgeräte mit nur geringem Umbau-Aufwand mit einem senkrecht nach oben stehenden Nebelauslass versehen werden – so muss das Gerät nicht gekippt werden. Praktisch ist dies zum Beispiel bei der Anwendung in Theatern, wenn dort nur ein flacher Zwischenboden oder flaches Podium zur Verfügung steht und der Nebel oberhalb aus der Szenenfläche aus einer kleinen Öffnung austreten soll. Oder wenn der Nebel um die Ecke ausgestoßen werden soll. Auch hierfür liefert Safex den passenden Auslass.

Neben des Kerngeschäfts in der Filmbranche entwickelt Safex heute aber auch Hilfsmittel für Wissenschaft und Technik. Insbesondere sind dies ebenfalls bestimmte Nebelgeräte, die sich mittlerweile weltweit verkaufen.

Unternehmensphilosophie: Wofür steht Safex?

Safex steht heute international für erfahrene Mitarbeiter und hohe Qualität. Die firmeninternen Vorgaben sind klar kommuniziert: Effekte von Safex müssen sicher, so ausgefeilt wie möglich und realistisch sein, denn „Nichts ist peinlicher als ein Effekt, der nicht funktioniert!“ Aus diesem Grundsatz heraus formuliert sich ein Anspruch an höchste Qualität und Sorgfalt bei der Entwicklung von Effekten. Darum prüft Safex jede einzelne Komponente, bevor sie Einzug in die zukünftigen Produkte findet. Da werden auch schon mal Produkte zurückgewiesen oder umgebaut, wenn das Team von der Qualität nicht überzeugt ist. „Im Zweifel greifen wir zum höherpreisigen Produkt mit mindestens gleicher Qualität und passen dann (konsequenterweise) unsere eigenen Preise entsprechend an. Hauptsache die Qualität unseres Endproduktes ist gewährleistet. Sie ist konstant oder wird verbessert, darf aber nicht aus Kostengründen gemindert werden“, betont Günther Schaidt.

Günther Schaidt
Günther Schaidt In ihm stecken ein Chemiker und ein Grafiker, aber auch eine Leidenschaft für Zauberei. (Bild: Safex)

Neben der Produktqualität bildet das Thema Sicherheit eine nicht minder wichtige Säule der Unternehmensphilosophie. „Wenn der Kunde ein anspruchsvolles Produkt braucht, für das er sich international nicht schämen muss und bei dem sicher ist, dass es sicher ist – und nicht einfach nur „Sicherheit“ drauf gedruckt ist, wie das leider häufig der Fall ist – dann kriegt er das von uns.“ Günther Schaidt hat schon viele haarsträubende Produkte gesehen, und stellt darum höchste Ansprüche an sich, seine Firma und seine Produkte, was das Thema Sicherheit betrifft. Darum entsprechen alle Produkte den aktuellen DIN-Normen und werden regelmäßig geprüft. Safex ist überzeugt von der eigenen Qualität und hat darum auch die Herstellergarantie von den gesetzlich vorgeschriebenen zwei Jahren auf drei Jahre angehoben. Sollte doch mal etwas kaputt gehen oder nicht richtig funktionieren, steht der hauseigene Reparaturservice zur Verfügung. Außerdem werden Safex-Produkte grundsätzlich so hergestellt, dass sämtliche Ersatzteile erhältlich sind – auch für Geräte, die bereits vor 20 oder 30 Jahren produziert wurden.

Die große Leidenschaft für Zaubereien lässt sich auch im Kundenservice erkennen: Getreu dem Motto „Nichts ist unmöglich“ versucht das Team von Safex, sämtliche Aufgabenstellungen und Kundenwünsche zu erfüllen. „Wenn der Kunde zum Beispiel karierten Nebel haben möchte und wir eine Möglichkeit sehen, diesen Effekt unter Berücksichtigung unserer eigenen Qualitätsansprüche herzustellen, dann machen wir das!“, versichert Schaidt. Auch hierbei spiegelt sich der bewusste Umgang des Teams mit der potenziell gefährlichen Thematik wieder, denn Safex gibt seine Produkte nur an berufsmäßige Verwender weiter.

Lager von Safex in Tangstedt
Safex brauchte als wachsendes Unternehmen mehr Platz und zog 2016 in ein größeres Gebäude in den Heidehofweg 24 in Tangstedt/Kreis Pinneberg um (Bild: Lena Voss)

Inhouse-Grafik

Nicht nur die Zauberei begleitet Günther Schaidt seit seiner Kindheit, auch das Zeichnen spielte bei ihm immer eine große Rolle. Als Kind begann er damit, den Zeichnungen von Loriot nachzueifern. Nach seiner ersten Ausbildung zum Chemietechniker lernte er zusätzlich noch den Beruf des grafischen Zeichners und arbeitete zwei Jahre lang als Grafiker in einer Werbeagentur. Nach einem Unfall im Jahre 1980, in dessen Folge er seine rechte Hand verlor, erlernte er das Zeichnen nochmal neu – nun halt mit links. Die Zeichnung der Topfpflanze, die er damals noch im Krankenhaus anfertigte, bewahrt er auch heute noch in seiner Zeichenmappe auf.

Und auch diese Leidenschaft fand Einzug in seinen beruflichen Alltag: „Wenn sie ein interessantes Produkt haben, dann sollte es doch auch entsprechend attraktiv aussehen, oder nicht?“, erklärt Schaidt. Und wer könnte ein Etikett besser gestalten, als der Erfinder des Produktes selbst? Also entwirft und fertigt Günther Schaidt bis heute sämtliche Grafiken und Etiketten für die Safex-Produkte selbst.

Spinnenweben-Spraydose von Safex
Grafik Sämtliche Etiketten der Safex-Produkte hat Schaidt selbst entworfen (Bild: Lena Voss)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Super Bericht, den ich sehr gerne unterstreichen und weiterleiten möchte.

    Alles Gute und Erfolg Herrn Schaidt

    Ihre Nebelmaschinen sind einfach unschlagbar und Ihr Kundenservice auch.

    Viele Grüße aus Hong Kong

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