Ein Blick hinter die Kulissen mit Soundengineer Gisèle Clark

Abbey Road Studios: Vom Klassik-Aufnahmestudio zur Musikgeschichte

Die Abbey Road Studios in London sind weit mehr als nur ein Aufnahmestudio. Sie sind ein Stück Musikgeschichte – das weiß auch Gisèle Clark, Soundengineer am Abbey Road Institute.

Beatles_Klavier(Bild: Pixabay/Ralf Ruppert)

Von klassischen Klängen bis hin zu den legendären Beatles haben die Abbey Road Studios im Londoner Stadtteil Westminster Generationen von Musiker:innen und Fans geprägt. Gisèle Clark gewährt uns im Interview einen Einblick in die Geschichte des Klanglabors, moderne Recording-Techniken und persönliche Erinnerungen – darunter auch ihre Begegnung mit dem berühmten Zebrastreifen, den schon die Beatles überquerten. Und nicht zu vergessen: ihre erste Gitarre.

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Was macht die Abbey Road Studios zu einem so besonderen Ort für Sie? Und welche Rolle spielen die Beatles dabei?

Gisèle Clark: Die Abbey Road Studios, die ursprünglich EMI (Electrical & Musical Industries) hießen, waren außerhalb Englands nicht bekannt. Es war ein etwas strenger, fast klinischer Ort (die Techniker trugen weiße Kittel), an dem klassische Musik und Musik der damaligen Zeit aufgenommen wurde.

Die Ankunft von Popkünstlern wie Cliff Richard & the Shadows und vor allem den Beatles und später Pink Floyd katapultierte die Studios zu dem Erfolg, den wir kennen, denn die Beatles, Pink Floyd und andere Künstler haben in hohem Maße zur Weiterentwicklung der Techniken beigetragen und die Tontechniker dazu gebracht, sich selbst zu übertreffen!

Würden Sie sagen, dass die Toningenieur:innen der Abbey Road Studios einen bedeutenden Einfluss auf die Technologie und die kreative Art der Musikproduktion von heute hatten?

Clark: EMI stellte seine eigene Ausrüstung her und die Toningenieure gaben ihre Wünsche an die Techniker von R&D weiter. Toningenieure wie Alan Blumlein, Ken Townsend, Norman Smith, Geoff Emerick, Alan Parsons (um nur einige zu nennen) haben ihre Spuren für die Nachwelt hinterlassen, ich spreche in meiner Präsentation über sie.


Gisele Clark_LEaT con Speaker

Gisèle Clark live auf der LEaT con

Einen kurzen Einblick in die Geschichte der Abbey Road Studios liefert Gisèle Clark auch auf der LEaT con in Hamburg. Am 19. Oktober 2023 nimmt sie die Teilnehmenden von 10:45 bis 11:45 Uhr live auf der Main Stage mit auf eine Reise durch Klang und Zeit.

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Glauben Sie, dass man immer noch große Studios wie Abbey Road braucht, um Musik aufzunehmen und zu produzieren?

Clark: Natürlich kann man gute Musik in Projektstudios produzieren, sogar auf dem Küchentisch. Heutzutage ist die Ausrüstung sehr leistungsfähig und das Wichtigste sind Talent und Kreativität. Aber wenn man zum Beispiel ein philharmonisches Orchester für den Star-Wars-Soundtrack aufnehmen möchte, braucht man große Studios. Fragen Sie John Williams oder Hans Zimmer nach ihrer Meinung!

Wie oft haben Sie den Zebrastreifen überquert, um ein Foto zu machen?

Clark: Das erste Mal war 1965, ich war 18 und schon im Musikgeschäft, aber noch nicht im Tonbereich. Unser Musikverlag vertrieb die Partituren der Kinks in Frankreich. Erst durch diese Band habe ich mich in England verliebt … Ein weiteres Foto habe ich 2012 mit einigen Freunden gemacht, damals gab es eine permanente Webcam, und man konnte die Sequenz je nach Uhrzeit finden und herunterladen. Aber seit ich mit dem Abbey Road Institute zusammenarbeite und oft nach London fahre, meide ich den berühmten Zebrastreifen, weil er den Autofahrern auf die Nerven geht!

Welches war das erste Lied, das Sie auf Ihrer Gitarre gespielt haben?

Clark: Abgesehen von einer sehr minderwertigen Akustikgitarre, die meine Mutter auf einem Flohmarkt gekauft hatte und die nicht lange hielt (der Hals verbog sich, weil ich Saiten mit zu viel Spannung verwendete), gönnte ich mir 1963 meine erste elektrische Gitarre. Es war eine Egmond Lucky 7, grün mit weißem Schlagbrett, die ich mit 250 FrF (d.h. 40 €) von meinem eigenen Taschengeld bezahlte, und da ich mir keinen Verstärker leisten konnte, baute ich mir einen aus einem Schuhkarton und einer Auto-HP. Kein toller Klang! Das erste Lied, das ich zu spielen lernte, war Apache von The Shadows. Vielleicht eine Vorahnung? Ich hätte nie gedacht, dass ich Jahrzehnte später im Unterricht die Geschichte der Shadows unterrichten würde!

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