AV Innovation Days der Lang AG

AV-Trends und Neuerungen

Vom 2. bis 3. Februar 2022 öffnete die Lang AG ihre Tore und stellte AV-Produktneuheiten im eigenen Fuhrpark und aus den Portfolios enger Partner vor.

AV-Innovation Days(Bild: Alexander Heber)

Mit den Verschiebungen von ISE und Hamburg Open wurde der Termin in Lindau für viele Besucher zum ersten Event für Videospezialisten seit langem. Wir waren vor Ort und heben eine Auswahl der Neuerungen hervor.

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Übersicht:

Neue Novastar-Software: Endlich!

Panasonic Kairos – keine Angst vor Computern

Panel Semi – LED-Roll-Leinwand?

Screen Noire – ach, das ist keine LED-Wand?

Warum gibts das nicht schon länger? Theatrixx-Mediaplayer

Cloudservices bei Barco

Ruhe, nicht Stillstand


Neue Novastar-Software: Endlich!

Der im Production Gear in Ausgabe 2|2022 präsentierte Led-Prozessor MX40 ist nur die notwendige Basis für die viel länger ersehnte Neuerung: eine neue Software-Version. Receiving Cards ab A5 aufwärts unterstützen die neue Version in Kombination mit dem Controller. Bei der Bedienoberfläche hat man – beinahe schamlos – vom Mitbewerber Brompton abgeguckt. Deren Oberfläche bleibt zwar uneingeholt, aber dennoch lässt der Blick auf die neue Version geplagte LCT-Mars-User voller Freude in die Zukunft schauen. Service-Menüs müssen nun nicht mehr aufgerufen werden, um die grundlegenden Funktionen zu erreichen. Die Software zeigt uns genau, welches Signal anliegt und gibt uns Möglichkeiten der Interpretation und umfangreiche Bearbeitungen. So lässt sich endlich auch der Schwarzwert mit wenigen Klicks anpassen, oder die Farben exakt kalibrieren und neu definieren, womit man das CI vom Kunden viel besser treffen kann. Beim Hardwaretausch würden die Cabinets nun auch automatisch ausgelesen und die Kalibrierung geladen. Ein Verklicken, was einen Kontakt mit dem Service zur Folge haben konnte, ist endlich keine Gefahr mehr.

AV-Innovation Days
Komplett erneuert: Die neue Softwareversion von Novastar soll viele Kritikpunkte aus der Welt schaffen und Zugriff auf alle wichtigen Funktionen geben, ohne in Service-Menüs abtauchen zu müssen. Die Version funktioniert mit dem neuen MX40 und Receiving Cards ab A5 aufwärts und vollumfänglich mit A10s Pro. (Bild: Alexander Heber)

Zudem wurde das gesamte Processing überarbeitet und mit dem MX40 nur noch Pixel prozessiert, die auch tatsächlich bespielt werden. Vorbei die Zeit, bei der Berechnung der maximalen Pixel pro Port in einem Rechteckraster gefangen zu sein, welches bei kreativen Designs schnell zum Frust werden konnte. Man kann nun so kreuz und quer planen und verkabeln, wie es eben am logischsten ist und nicht, wie es der Controller lieber hätte. Wenn nun die Dokumentation noch umfangreich und verständlich ausfällt, wird das neue System schnell Fuß fassen können.

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Panasonic Kairos – keine Angst vor Computern

Die Lang AG investierte in Kairos von Panasonic. Die Welt der GPU-gestützten Videoproduktion findet hier die vielleicht umfangreichste und professionellste Iteration bisher. Hier wird ein Schritt in die Richtung zukünftiger Signalverarbeitung gegangen. St 2110, SDI, HDMI, Displayport und auch ein wenig NDI – alles kein Problem und mit nur einem Frame Latenz bei einem getakteten Netzwerk über St 2110 oder SDI auch ohne weiteres für den Liveeinsatz und die Bespielung von LED-Wänden und Projektionen geeignet. Da nicht für FPGas programmiert wird, fällt auch die Integration von Funktionen, die wir sonst aus dem Multiscreen-Management oder von Medienservern kennen, leichter. So ist die Ausspielung auf LED-Streifen mit entsprechenden Lücken zwischen den einzelnen Säulen beispielsweise kein Problem für den Videomischer.

Rechnerbasierte Bildmischung: Mit der Basis des Mischers, dem Linux-System, kommt man zu keiner Zeit in Kontakt. Geräte wie der Kairos von Panasonic läuten das Zeitalter GPU-basierter Bildmischer auf Topniveau ein. Durch die Verwendung von Deltacast-Flex-Karten bleibt das System variabel und kann den Wandel zur IP-basierten Produktionswelt Schritt für Schritt begleiten. (Bild: Alexander Heber)

Die Signalverwaltung ist durch die Verwendung von Deltacast-Flex-Karten individuell gestaltet und wer noch nicht so weit ist, sich mit den anspruchsvollen Netzwerkgrundlagen, die es für ein St2110-basiertes System braucht, auseinanderzusetzen, kann dennoch schon ins Produktionsgeschehen einsteigen. Mehrere Nutzer können gleichzeitig auf ein System zugreifen und so die Aufgaben verteilen, um das Beste aus integrierten Clip-Playern, der internen CG-Engine und dem rein durch die Bandbreite beschränkten Layer-System herauszuholen. Kairos ist schon eine Weile auf dem Markt, mit verfügbaren Rental-Geräten und zu erwartenden Schulungen bei der Lang Academy findet das System den Einstieg in die Live-Entertainment-Welt.

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Panel Semi – LED-Roll-Leinwand?

Messen dienen hauptsächlich dazu, Trends zu erfassen und ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Technologien ausgereift und sich durchzusetzen imstande sind. Der Begriff der Innovation wird inflationär genutzt, doch nur selten hat man es wirklich mit etwas Neuem zu tun. Bei den AV Innovation Days hatten wir jedoch das Vergnügen, einen von zwei existierenden Prototypen einer tatsächlichen Neuerung zu sehen: Bei dem Display von Panel Semi werden LEDs auf ein flexibles Trägermaterial aufgebracht, was zu einem flexiblen, potenziell rollbaren LED-Screen führt. Der 55″ große Proof-of-Concept hat eine Auflösung von 960 × 540 Pixeln, konsumiert etwa 80 W Leistung und kann so bequem über zwei Messetage aus dem akkubetriebenen Standfuß versorgt werden. Im nächsten Schritt sei eine 110″-Variante in Full-HD denkbar.

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Auf der CES entdeckt und direkt eingeflogen: Der Bildschirm des Herstellers „Panel Semi“ ist einer von zwei Prototypen weltweit. LEDs werden auf ein flexibles Trägermaterial aufgebracht und sorgen für ein helles, potenziell rollbares Display. (Bild: Alexander Heber)

Der avisierte Biegeradius von 75 mm könnte zukünftig nicht nur für kreative Sonderlösungen dienen, sondern vor allem auch den Transport erleichtern. Schwere, riesige und mit teurer Hubmechanik versehene „Plug & Play“-LED-Screens sind in ein paar Jahren vielleicht durch Varianten ersetzt, die sich zu zweit durch ein Treppenhaus tragen lassen, ohne Gefahr zu laufen, anschließend den Chiropraktiker des Vertrauens aufsuchen zu müssen.
Wir können gespannt sein, wie sich diese Technologie entwickelt.

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Screen Noire – ach, das ist keine LED-Wand?

Heimlich – fast inkognito – präsentierte sich eine von Lang entwickelte Projektionsfolie im Foyer der Ausstellung. Trotz ungeheurem Schwarzwert erstrahlt die Projektion in vollem Glanz, was zu Kontrasten führt, wie man sie bei Aufprojektionen noch nicht gesehen hat. Zugegeben: Es wird auch nicht an Lichtleistung gespart beim Pixelwurf auf die rahmenlosen Projektionsflächen – mit immer
kompakter werdenden Hochleistungsprojektoren wird aber auch das eine lösbare Aufgabe und das Ergebnis spricht für sich. Das Foyer ist zudem an den zwei bedeckten Tagen nicht vor Tageslicht geschützt, der Raum heller als jeder normale Veranstaltungsraum und es war dennoch keine Verdunklung nötig, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

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Screen Noire: Der Name der Projektionsfolie ist Programm – trotz der dunklen Folie sind die Eigenschaften für das Projizieren bemerkenswert. Kontrastreicher Content gewinnt spürbar an Brillanz. Die linke 16:9-Projektion ist vier Meter breit und wird von einem Tandem aus zwei Espon EB-PU2220B bespielt, rechts, auf der drei Meter breiten Projektion, kommt ein einzelner Barco G100-W22 zum Einsatz. (Bild: Alexander Heber)

Die Folie ist in 16:9-Formaten in drei und vier Metern Breite für die Rahmensysteme AV Stumpfl Full White konfektioniert zu Demozwecken verfügbar. Diese und weitere Formate kann man sowohl zur Miete als auch zum Kauf bei Lang anfragen. Die maximale Höhe bei der Konfektion beträgt 2,80 m, da sich die Folie nicht schweißen lässt. In der Breite gibt es theoretisch kein fertigungstechnisches Limit. Für die Vermeidung von Hotspots wird die Projektion mit Optikfaktoren ab 0,6 aufwärts empfohlen. Für die tabellenlastige PowerPoint-Präsentation ist die Folie gewiss nicht die richtige Wahl, kontrastreiche, intensive und künstlerische Inhalte werden mit dem hohen Kontrast jedoch deutlich an Ausdrucksstärke gewinnen.

Schnell beginnt man sich vorzustellen, was man mit geometrischen Formen, die man mit dieser Folie bespannt, in Bühnensetups erreichen könnte.

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Warum gibts das nicht schon länger? Theatrixx-Mediaplayer

Theatrixx Media Player mit Bildschirmen
Der Mediaplayer von Theatrixx bietet den Bedienkomfort einer Software und die physischen Anschlüsse, die man von professioneller Hardware erwartet (Bild: Alexander Heber)
(Bild: Alexander Heber)

Am Stand der Gastgeber wurde auch der Mediaplayer Theatrixx xPressCue vorgestellt. Das 19″-Gerät füllt die Lücke zwischen Software-Lösungen und festplattenbasierten Abspielgeräten und bietet dabei umfangreiche Playlistoptionen. Der Player arbeitet mit H.264-komprimierten Dateien. Alle Videos, die man auf das Gerät überträgt, werden in dieses Format gewandelt. Die Beschränkung auf H.264 kann für einige zum Kritikpunkt werden, die Qualität der wiedergegebenen Videos war in den gezeigten Beispielen jedoch sehr gut. Der Player hat professionelle Anschlüsse: 2 × 12G/6G/3G/HD-SDI-Outputs, optionaler Tri-Level-Sync mit Loop-Through, ein verriegelbarer HDMI 2.0 Type A und ein DiplayPort 1.4 sorgen für einfache Integration in die meisten Produktionsumgebungen. Für den Ton sorgen zwei XLR-Ausgänge, denen auch Audiometer spendiert wurden, so sieht man am Gerät, wenn es clippt und kann die Fehlersuche beschleunigen. Die Steuerung per GUI, Netzwerk, DMX oder Frontpanel lässt kaum Wünsche offen. Für kurzentschlossene Contentabgaben gibt es einen USB-Anschluss an der Gerätefront für das sofortige Kopieren und Konvertieren von Dateien. Für etwa 3.400 Euro erhält man hier speziell an die Anforderungen des Eventbereichs angepasste Videoplayback-Hardware im Rackformat.

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Cloudservices App-Support bei Barco

Stacker: App zur Projektoreinrichtung
Stacker ist eine App zur Einrichtung von Tandemprojektionen: Für zeitkritische Installationen oder Backupszenarien sicher eine interessante Lösung (Bild: Alexander Heber)
(Bild: Alexander Heber)

Von Barco erfuhr man Pläne zur zukünftigen Plattformgestaltung. Per Cloudlösung sollen Lizenzen für Gerätefunktionen zukünftig für bestimmte Zeiträume vergeben werden können. Wer fast nie ein Warping-Modul braucht, könne dies in Zukunft einfach per Software für den seltenen Anwendungsfall freischalten. Insgesamt sollen die Geräte von Barco über die Cloud verwaltet werden können. Mit am Stand zu Gast waren auch Domeprojection, die mit „Stacker“ ein Tool zum Einrichten von Tandemprojektionen demonstrierten. Für Setups, bei denen es schnell gehen muss, oder heißes Backup gefragt ist, kann die App, die direkt mit dem Warping-Modul der Barcoprojektoren kommuniziert, wertvolle Zeit sparen. Die Projektoren projizieren eine Serie an Referenzbildern, wobei ein Projektor die Maßgabe für den anderen Projektor stellt. Die Kamera des Smartphones erkennt die Bilder und die App wertet anschließend die Aufnahmen aus und übersetzt dies in ein Warping für einen der Projektoren. Die Technologie ist nicht neu, die Anwendung in einer App zu verpacken jedoch schon. Pro einzurichtendem Projektor werden kostenpflichtige Credits in der App fällig.

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Ruhe, nicht Stillstand

Die letzten Jahre haben es uns schwer gemacht, ein Gefühl für die Entwicklung unserer Video- und Medienwelt zu behalten. Der Fokus auf Streaming und hybride Events ließ uns manches Mal vergessen, mit welchen Mitteln wir normalerweise für eindrucksvolle Effekte sorgen. Panasonic, Epson und Barco zeigten, dass 20.000 ANSI-Lumen auch aus Gehäusen von 10.000er-Geräten strahlen können. Absen, Brompton, Infiled und Roe erinnerten uns daran, dass LED-Wände nicht nur in AR-Umgebungen zum Einsatz kommen und 4K-Workflows bereit zur Anwendung sind. JOY event & media und Disguise lieferten weitere spezialisierte Medienzuspiel-Lösungen und Hersteller für Digital-Signage-Produkte, Displays, Kameratracking-KI und Studiokameras rundeten das Aufgebot ab.

Auf der Bühne, dem sogenannten Fireplace, konnten Aussteller sich und ihre Produkte zudem in Präsentationen vorstellen und auch kulinarisch sorgten die Gastgeber der Lang AG rundum für Zufriedenheit. Endlich wieder in einer losgelösten Atmosphäre mit Branchenkollegen über allgemeine und technische Themen sprechen: Die AV Innovation Days machten es möglich.

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