Familienfreundliches Pop-Musical mit Ohrwurmgarantie

Bibi & Tina auf Tour mit d&b audiotechnik

Im Winter 2016/17 war „Bibi & Tina – Die große Show“ in 16 deutschen Hallen zu erleben. Das familienfreundliche Musical basiert auf einer überaus erfolgreichen Kinderhörspielserie, die bei Fans aller Altersgruppen Kultstatus genießt und inzwischen mehrfach den Weg auf die Kinoleinwand gefunden hat. Während der Shows wurden alle „Bibi & Tina“-Hits live aufgeführt – eingebettet in einen spannenden Plot rund um die Teilnahme an einem Musikwettbewerb, bei dem nach allerlei Rivalitäten und Hindernissen am Ende die Freundschaft siegt. Die Musik stammt aus der Feder von Peter Plate und Ulf Leo Sommer (Rosenstolz, Sarah Connor), die gemeinsam mit Daniel Faust auch die Soundtracks zu den „Bibi & Tina“-Kinofilmen geschrieben haben.

Bibi & Tina Show
“Bibi & Tina – Die große Show” Familienfreundliches Pop-Musical mit Ohrwurmgarantie (Bild: d&b audiotechnik)

Beschallung mit d&b J-Serie

Bei der Show in der Oberhausener König-Pilsener-Arena kamen am 20. Januar 2017 als Main-Hangs jeweils 16 Lautsprecher aus der d&b J-Serie zum Einsatz – dreizehn J8 im oberen Teil jedes Arrays wurden durch drei breiter abstrahlende J12 ergänzt. Die Länge der Main-Hangs wurde während der Tour wie üblich an die Gegebenheiten der einzelnen Venues angepasst. Neben den Main-Arrays wurden in Oberhausen je sechs V-SUBs geflogen, welche zu einer gleichmäßigen Verteilung der tiefen Frequenzen in der gesamten Halle beitrugen. Das mit Musik und Sprache bespielte Centercluster setzte sich aus sechs Y8 zusammen. Als Outfills befanden sich auf jeder Seite Arrays aus zwölf Y8 im Einsatz. In der König-Pilsener-Arena fand die mitgeführte Delay-Line aufgrund der Hallendimension keine Verwendung; zu beschallen war in Oberhausen eine Distanz von 55 Meter.

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Auf dem Boden vor dem Podium waren zehn als ARC betriebene J-SUBs hochkant aufgestellt. Derart positioniert besaßen die Subbässe eine ideale Höhe für die auf ihnen abgelegten Nearfills (in Oberhausen acht liegende d&b Y7P mit gedrehten Hörnern). Auf der Bühne vermittelten fünf d&b B6-SUBs den Musikern ein tieffrequentes Wohlgefühl, das mit In-Ear-Hörern alleine nicht in vergleichbarer Form zu erzielen gewesen wäre. Für die Verstärkung waren d&b D80-Endstufen zuständig, die sich rechts und links der Bühne auf zwei Amp-Cities verteilten.

Die Planung des Beschallungssystems übernahm im Auftrag der „HP2 high performance production GmbH“ (siehe Kasten) Michael Wirth, der gemeinsam mit Tim Ehrenfried die in Montabaur beheimatete 4Live Production GmbH & Co. KG führt. Ehrenfried betreute während der „Bibi & Tina“- Tournee den Monitorplatz. Als Systemtechniker trug Sven Waldheim Verantwortung, der bei seiner Arbeit durch Mathias Hölzel und Michi Hahn unterstützt wurde.

FOH: Organisation mittels Mischpult-Szenen

Die FOH-Mischung lag in den bewährten Händen von Tobias „Tobi“ Weiser, der virtuos eine Midas PRO X Konsole bediente – die Pulte dieses Herstellers bezeichnet der erfahrene Tontechniker als seine Favoriten bezüglich Sound und Handhabung. Die umfangreiche Ausstattung der Midas-Konsole wurde durch externe Effektgeräte ergänzt; zum Einsatz kam unter anderem ein Delay, dessen Tap-Funktion sich komfortabel per Fußschalter bedienen ließ. Ein Hallgerät im 19″-Format fand ebenso Verwendung wie ein in die Musiksumme eingeschleifter Waves MaxxBCL-Prozessor, der die musikalische Darbietung der Band als Ganzes verdichtete. Als „sehr hilfreiches Tool“ bezeichnete Tobi Weiser einen Cedar DNS 8 Live, der sich über ein rechts am Pult montiertes Apple iPad bedienen ließ. Der leistungsstarke DeNoiser kam vorrangig zum Einsatz, wenn auf der Bühne mehrere Mikrofone aktiv und störende Hintergrundgeräusche artefaktfrei zu verringern waren.

Im FOH-Pult hatte Tobias Weiser rund 60 Szenen hinterlegt, die zwischen einzelnen Songs und zum Teil sogar unhörbar innerhalb eines Titels umgeschaltet wurden. Die Arbeit mit Szenen ist im Musical-Kontext üblich und entlastet den Bediener spürbar. Im Fall von „Bibi & Tina – Die große Show“ wäre der Verzicht auf eine Szenenautomation kaum denkbar, da im Gegensatz zu vielen Musical- und Theaterproduktionen nicht mit separaten Pulten/Bedienern für Musik und Sprache gearbeitet wurde – Tobi Weiser war alleine für die sonst oft von zwei Personen separat gehandhabten Signale zuständig. Die Programmierung war derart angelegt, dass sich stets nur die in der jeweiligen Szene aktiven Signale auf der Mischpultoberfläche im direkten Zugriff befanden.

Mehrkanalige Konzertmitschnitte wurden via Dante-Protokoll in Nuendo Live aufgezeichnet; die Oberfläche der DAW war auf einem hochkant montierten Screen links am FOH-Pult zu sehen. Die Aufzeichnungen ließen sich für virtuelle Soundchecks heranziehen.

Monitor: In-Ears plus d&b B6-SUB

Der Monitorplatz war ebenfalls mit einer Midas PRO X Konsole ausgerüstet und wurde kompetent von Tim Ehrenfried bedient, der in anderen Zusammenhängen regelmäßig als Systemtechniker aktiv ist. „Aufgrund der Hallengrößen und wegen der Headset-Mikrofonierung haben wir uns bewusst dazu entschieden, keine konventionellen Bühnenmonitore einzusetzen“, erläuterte Ehrenfried. „Während der Proben haben wir noch mit Sidefills gearbeitet, auf die wir aber letztlich verzichtet haben, was den Geräuschpegel auf der Bühne deutlich verringert hat. Mehrere d&b B6-SUBs ergänzen dafür den über die In-Ear-Hörer vermittelten Klangeindruck: Körperschall ist für Musiker ein wichtiges Thema, und der Band macht es ganz einfach Spaß, die tieffrequenten Schwingungen zu spüren. Die Subwoofer sind dabei so eingestellt, dass sie keinen massiven Druck auf der Bühne erzeugen, sondern vielmehr das Klangempfinden der Musiker auf sehr angenehme Art auffüllen.“

Zur Midas PRO X Konsole merkte Tim Ehrenfried an, dass das Pult genügend Eingänge und Ausgangsbusse für die konkrete Aufgabenstellung bereitstellte; andere Midas-Modelle hätten bezüglich der verfügbaren Busse Grenzen für die zahlreichen stereo betriebenen In-Ear-Strecken aufgezeigt. Bei Bibi & Tina waren an der Monitorkonsole fast alle Aux-Wege belegt.

Zu den Vorteilen des Midas-Systems gehört der Umstand, dass die Stageboxen des Typs DL431 sowohl den FOH- als auch den Monitorplatz mit voneinander unabhängigen Headamps bedienen können. Die DL431 übernehmen die A/D-Wandlung (24 Bit, 96 kHz) und stellen darüber hinaus ergänzend zu den digitalen Anbindungsmöglichkeiten trafosymmetrierte Analogausgänge bereit. Anlässlich der Tourproduktion befanden sich zwei DL431 mit jeweils 24 Inputs im Einsatz, die durch eine DL231 (im Prinzip eine DL431 ohne zusätzliche trafosymmetrierte Analogausgänge) ergänzt wurden – mehr als 60 Inputs waren bei „Bibi & Tina – Die große Show“ insgesamt zu verwalten. Eine modular bestückbare Midas DL451 I/O-Box stellte u. a. die Outputs für die drahtgebundenen In- Ear-Strecken der Band bereit.

Monitor-Szenen: auch in der Garderobe Programm auf den Ohren

Ebenso wie Tobi Weiser am FOH-Platz arbeitete Tim Ehrenfried am Monitorpult mit Szenen, die er passend zum Bühnengeschehen abrufen konnte. „Tobi und ich schalten separat, haben die Programmierung während der Proben aber gemeinsam verwaltet“, berichtete Ehrenfried. „Bei mir ist es im Gegensatz zu Tobi so, dass die Arbeit bereits vor der Show beginnt, weil die Akteure schon früh in der Maske mit ihren Headsets und In-Ear-Hörern ausgerüstet werden. Die Darsteller müssen anschließend weiter miteinander kommunizieren – und zwar so, dass die Kollegen, die sich bereits auf der Bühne befinden, nichts von dem hören, was in der Garderobe gesprochen wird. Im Prinzip ist es so, dass jeder Protagonist zu jeder Zeit Programm auf den Ohren hat, was bei meiner Szenenautomation berücksichtigt werden musste.“

Auffällig war, dass die Darsteller nicht mit individuell gefertigten Otoplastiken ausgestattet waren, sondern auf diverse Standardhörer unterschiedlicher Hersteller zurückgriffen – vertreten waren unter anderem Produkte von Sennheiser, Shure und Vision Ears.

PA-Systemtechnik

Bei „Bibi & Tina – Die große Show“ wurde ein vollständig digitaler Audio-Workflow mit einer Abtastrate von 96 kHz realisiert. Neben der Bühne wurden die analogen Audiosignale zunächst über Midas DL-Stageboxen auf die digitale Ebene transferiert und anschließend an FOH- und Monitorplatz verteilt. Tobi Weiser sendete aus seinem FOH-Pult eine Stereosumme mit der Musikmischung sowie eine Monosumme mit Sprachsignalen an Systemtechniker Sven Waldheim. Da die meisten Künstler sowohl Gesangs- als auch Sprachbeiträge lieferten, hatte Tobi Weiser in seinem Pult unterschiedliche Routings konfiguriert, die passend zum jeweiligen Part aktiviert wurden.

Aus dem FOH-Pult wurden die Audiosignale (links/rechts/Sprachsumme) digital via AES/EBU in Lake LM44-Prozessoren geführt und mit diesen von Sven Waldheim bearbeitet – die Sprachsignale entzerrte der Systemtechniker deutlich anders als die Musik. Über einen Switch wurden die zunächst auf Kupferleitungen zur Verfügung stehenden Dante-Ausgangssignale in ein optisches Format umgesetzt und per Lichtwellenleiter zu den beiden Amp-Cities rechts und links der Bühne übertragen. Dort wurden die optischen Signale erneut auf Cat-Kupferkabel überführt und von zwei Lake LM44 auf die digitalen AES/EBU-Eingänge der d&b D80-Endstufen verteilt. Neben der ArrayProcessing-Software war auf den Laptops von Sven Waldheim die Oberfläche der d&b R1 Fernsteuer-Software zu sehen. Im Vorfeld der Tournee war die Beschallungssituation in den einzelnen Hallen mit d&b ArrayCalc simuliert worden.

Bezüglich der Lautstärke wurde darauf geachtet, die sensiblen Ohren der anwesenden (Klein-)Kinder nicht unnötig zu belasten. Während der Shows war ein vergleichsweise moderater Pegel zu vernehmen – die Sprachverständlichkeit war dennoch in allen Bereichen der Halle exzellent, und das Gesamtklangbild ließ dank ArrayProcessing auch auf entfernteren Sitzplätzen keine Wünsche offen. Vor Beginn der Show wurden in der Halle Gehörschutz-Stöpsel verteilt, und ein Pegelprotokoll wurde mit einem 10EaZy Sound-Level-Meter erstellt. An einzelnen Stellen der Show gewann man den Eindruck, dass der Applaus und die frenetischen Reaktionen der jungen Fans deutlich mehr Pegel in sensiblen Frequenzbereichen erzeugten als die Beschallungsanlage.

ArrayProcessing

Für die Tournee war ursprünglich eine B-Stage vorgesehen, die mit Gedanken an das Budget ohne separate Beschallung auskommen sollte – benötigt wurde somit eine Lösung, mit welcher sich der Pegel an der Position der B-Stage geschickt beeinflussen ließ. „Unter dieser Prämisse stellte sich d&b ArrayProcessing bei unseren Überlegungen als das perfekte Werkzeug heraus“, berichtete Tobi Weiser in Oberhausen. Der erforderliche Mehraufwand bezüglich der Zahl der Endstufenkanäle wurde von den Produzenten wohlwollend beurteilt – man hatte sich bei einer zurückliegenden Tournee von Sarah Connor, die ebenfalls mit ArrayProcessing beschallt wurde, mit eigenen Ohren von der Klangqualität überzeugt.

Sven Waldheim nutzte bei „Bibi & Tina“ ArrayProcessing erstmals im Rahmen einer Tournee und begutachtete den Sound gemeinsam mit seinen Kollegen an diversen Zuschauerpositionen – mit einem Tablet-PC in der Hand auch während der laufenden Show. „Der große Vorteil von ArrayProcessing besteht aus meiner Sicht darin, dass man unabhängig von der Distanz zu den Lautsprechern einen gleichbleibenden Klang in der gesamten Halle erzeugen kann“, kommentierte der Systemspezialist. „Reflexionen, die durch Tribünen hervorgerufen werden, kann man mit ArrayProcessing gezielt angehen und die betreffenden Bereiche beispielsweise um 2 dB absenken – auf diese Weise erzielt man dann ein wesentlich besseres Ergebnis im gesamten Raum. Die Klangfarbe ist bei ArrayProcessing vorne und hinten in der Halle gleich, sofern man die Höhenkorrektur über die Distanz beachtet. Auf der aktuellen Tournee kommt mir ArrayProcessing sehr gelegen – es hilft mir dabei, die Stimmen in den Hallen bis weit nach hinten zu bringen. Die Bedienung über die Software-Oberfläche ist hervorragend gelöst. Ich bin absolut zufrieden und werde ArrayProcessing wenn möglich künftig immer einsetzen. ArrayProcessing ist ein großer Schritt nach vorne.“

Sven Waldheim hatte die König-Pilsener-Arena in drei Abschnitte unterteilt und Trennlinien bei 25 Meter und 41 Meter gezogen. Der Beschallungspegel im Bereich der Tribüne wurde um 1,5 dB gegenüber dem Parkett abgesenkt. Beim Gang durch die Halle war festzustellen, dass die Übergänge sehr homogen ohne merkliche Pegelsprünge ausfielen. Waldheim hatte sich für ein natürlich wirkendes Klangbild entschieden, bei dem am hinteren Ende der Arena für geschulte Ohren ein sanfter Abfall der hohen Frequenzen auszumachen war.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es bei „Bibi & Tina“ dank ArrayProcessing möglich war, ein Musical mit Rock/Pop-Content in großen Hallen von vorne bis hinten mit einem dem empfindlichen Gehör von Kindern gerecht werdenden Pegel zu beschallen, ohne dabei Klangkompromisse eingehen zu müssen. Als gegen Ende des zweiten Sets zahlreiche junge Gäste vor die Bühne stürmten, wurde der dort während des ersten Teils der Show gefahrene Pegel von Sven Waldheim merklich reduziert.

Band-Mikrofonierung

Für die Musik war während der Tournee eine fünfköpfige Band zuständig, die sich aus einem Schlagzeuger, einem Bassisten, zwei Gitarristen und einem Keyboarder zusammensetzte. Die live gespielten Parts wurden durch diverse Zuspielungen angereichert. Effektsounds triggerte ein Inspizient, der seinen Arbeitsplatz direkt neben der Bühne eingerichtet hatte und bei Bedarf auch als Souffleur aushalf.

Zur kabelgebundenen Abnahme der Band wurden Mikrofone unterschiedlicher Hersteller herangezogen, darunter auch eher spezielle Schallwandler wie ein Bändchenmikrofon von Beyerdynamic und ein Heil-Mikrofon vor den Speakern eines Gitarren-Amps. Einer der beiden Gitarristen spielte einen Kemper Profiler Head Guitar Amplifier, so dass eine Mikrofonabnahme für ihn nicht vonnöten war.

Wireless-Technik

Bei Bibi & Tina befanden sich zahlreiche Funkstrecken für Mikrofone und das drahtlose In-Ear-Monitoring im Einsatz. Entsprechend imposant fiel das Rack-Ensemble neben der Bühne aus, an dem Drahtlosspezialistin Svenja Dunkel ihren Arbeitsplatz eingerichtet hatte. Ins Auge sprang ein rollbarer Schubladenschrank, der Taschensender, Handsender und diverses Zubehör beinhaltete sowie darüber hinaus eine Ablagefläche in ergonomisch sinnvoller Höhe bereitstellte. Das mobile Rack befand sich an Tagen mit Soundchecks neben der Bühne, wurde zu einem späteren Zeitpunkt jedoch in den Schminkraum gerollt, was sich als überaus sinnvolle Maßnahme herausstellte – Maske, Garderobe und Mikrofonierung gingen vor Beginn der Show nahtlos ineinander über. Praktischerweise ließ sich der Case-Deckel des mobilen Racks als Tisch verwenden.

„Wegen der vielen Akteure und des straffen Zeitplans muss die Cast bei der Mikrofonierung mithelfen“, berichtete Svenja Dunkel. „Die Beteiligten packen ihre Headsets und In-Ear-Systeme eigenständig in der richtigen Form in die ihnen zugedachten Schubladen – während der Proben haben wir das geübt, und bereits bei der ersten Arenashow war allen klar, warum ein derart strukturiertes Vorgehen erforderlich ist.“

Als wichtigste Künstler mit Solo-Songs mussten die Figuren Bibi Blocksberg und Tina Martin, die männlichen Hauptdarsteller Holger Martin und Alexander von Falkenstein, Hans Kakmann sowie Sophia von Gelenberg als Anführerin der Shopping Queen-Gesangsgruppe aufwändig mikrofoniert werden. Hinzu kam die „Gesangskommissarin“ Anni-Frid, die im zweiten Teil der Show rollenbedingt viel Unmut der jungen Konzertbesucher auf sich zog und kräftig ausgebuht wurde. Zu integrieren war weiterhin ein achtköpfiges Ensemble („Shopping Queens und Omms“), das singend und tanzend ein wichtiger Bestandteil des Bühnengeschehens war.

Bibi & Tina
Hauptdarsteller der Show waren neben Bibi Blocksberg und Tina Martin die männlichen Rollen Holger Martin und Alexander von Falkenstein. (Bild: d&b audiotechnik)

Für alle Hauptrollen waren ein Taschensender mit Headset sowie ein In-Ear-Empfänger vorgesehen. Da sich die Handlung des Musicals um einen Gesangswettbewerb drehte, wurde bei diversen Songs zusätzlich auf Handsender zurückgegriffen. Das drahtlose In-Ear-Monitoring war einigen bei der Show auftretenden Schauspielern vor Beginn der Tournee noch nicht ganz geläufig, so dass dem Vernehmen nach zunächst ein wenig „Aufklärungsarbeit“ zu leisten war, was gelegentlich auch eine korrekte Handhabung der Handsender betraf. Schwierigkeiten bezüglich der Mikrofondisziplin traten bei der Headset-Mikrofonierung nicht auf, da sich die Kapseln hier prinzipbedingt stets an der gleichen Stelle vor dem Mund befinden.

An den Taschensendern wurden mechanisch modifizierte Headsets mit Kapseln von DPA (aus der d:fine-Serie, mit nierenförmiger Richtcharakteristik) betrieben. Die Bügel wurden so gut wie möglich an die Köpfe und die Intonationseigenarten ihrer Träger angepasst, wobei Drahtlosspezialistin Svenja Dunkel mit unterschiedlichen Pflastern und Klebebändern für eine perfekte Positionierung und einen sicheren Halt sorgte – mitunter kamen drei unterschiedliche Tape-Typen bei einem einzelnen Künstler zum Zuge. Auch Pflasterallergien mussten berücksichtigt werden. Insgesamt hatte Svenja Dunkel vier bewährte Klebebandtypen im Einsatz.

Die voluminösen und durchaus gewichtigen Shure Beltpacks wurden für die Aufführung in speziell angefertigten Gurt-Harnischen untergebracht, welche von den Darstellern unter dem Kostüm getragen wurden. Die an den Harnischen befestigten Bodypack-Taschen befanden sich dabei nicht selten auf den Rücken der Darsteller – es galt darauf zu achten, dass sich die beiden Bodypacks nicht zu nahe aneinander befanden, um keine unerwünschten Störungen zu provozieren. Ein Kompromiss zwischen Kostümgegebenheiten und technischen Anforderungen musste gefunden werden, denn Antennen, die direkt an der Haut anliegen und an denen eventuell noch Schweiß hinunterläuft, verursachen potentiell Probleme.

Für Außenstehende bemerkenswert ist die Praxis, ein Kondom über Bodypacks zu streifen – die flexible Latexhülle sorgt dafür, dass Schweiß nicht an elektronisch sensible Stellen gelangt, was je nach Anbringungsposition und Transpirationsstärke des Darstellers durchaus ein Thema sein kann. Die Kabel wurden zwecks Zugentlastung von Svenja Dunkel oft mit Klebeband an den Bodypacks fixiert.

Die Drahtlosstrecken stammten hier durchweg aus dem Portfolio des US-amerikanischen Herstellers Shure. In prall gefüllten Racks neben der Bühne waren unter anderem fünf UR4D+ Doppelempfänger zu entdecken, welche die Signale der Handsender (Shure UR2 mit Beta58A-Kapseln) empfingen. Insgesamt neun netzwerkfähige ULXD4D Dual-Funkempfänger kommunizierten mit den Taschensendern der Headsets. „Zu den Vorteilen digitaler Drahtlossysteme gehört die Möglichkeit, Lücken im Frequenzspektrum besser als mit analogen Lösungen besetzen zu können“, erklärte Svenja Dunkel zu den ULXD4D. „Somit lassen sich mehr Strecken in einem kleineren Frequenzfenster unterbringen.“ Die digitalen Doppelempfänger waren mit einem UA845-Antennensplitter verbunden. Da die Receiver nicht über Kopfhörerausgänge verfügen, nutzte Svenja Dunkel zum Abhören der einzelnen Strecken ein kompaktes Yamaha QL1 Digitalmischpult. Auch die UR4D+ Receiver waren mit einem UA845-Splitter verbunden. Als In-Ear-Doppelsendeeinheiten kamen sieben Shure PSM1000 zum Einsatz, an die zwei PA821A Antennen-Combiner angeschlossen waren. Als Antennen fanden vier „Paddel“ von Shure (Diversity analog/digital) sowie eine einzelne zirkular polarisierte Sennheiser Wendelantenne des Typs A 5000-CP (für die In-Ear-Strecken) Verwendung.

Zwecks Fernüberwachung und Remote-Steuerung nutzte Svenja Dunkel die Wireless Workbench-Software von Shure, die in Kombination mit einem AXT600 Axient Spectrum Manager betrieben wurde. Während der Tournee musste die Frequenzsituation in jeder Stadt unter Berücksichtigung von DVB-T und aktuellen LTE-Feldversuchen neu analysiert werden, wobei auch Einstreuungen der auf der Bühne aufgestellten LED-Wände zu beobachten waren. „Es gab auf der Tour sogar eine Stadt, in der ich nach der Frequenzanalyse alle Einstellungen sämtlicher Drahtlosstrecken korrigieren musste“, berichtete Svenja Dunkel, während sie vor der Show mit dem Wechsel von etwa 200 Akkus beschäftigt war.

Bibi & Tina – ein emotionales Erlebnis

Für Fans ganz unterschiedlicher Altersgruppen war der Besuch bei „Bibi & Tina – Die große Show“ ein freudiges Fest, und aufrichtige Begeisterung spiegelte sich in zahllosen Kindergesichtern wider. Bemerkenswert waren die unmittelbaren Reaktionen auf das Bühnengeschehen, welche erwartungsgemäß besonders kräftig ausfielen, sobald Bibi Blocksberg und ihre beste Freundin Tina in Aktion traten. Nach einer halbstündigen Pause gab es im zweiten Set kein Halten mehr, und zahlreiche junge Gäste stürmten vor die Bühne, um aus vollem Hals in Ohrwürmer wie „Up, up, up“ und „Mädchen gegen Jungs“ einzustimmen. Für viele Kinder mag Bibi & Tina das erste Konzerterlebnis ihres jungen Lebens gewesen sein, und die aufrichtige, sich spontan Bahn brechende Emotionalität ließ selbst gestandene Rock’n’Roller in der Tour-Crew wohl nicht ganz ungerührt. Zum Klangergebnis darf man der Ton-Crew auf ganzer Linie gratulieren: In allen Bereichen der Oberhausener König-Pilsener-Arena war der Sound nicht zuletzt dank ArrayProcessing ausnehmend gut, und die Sprachverständlichkeit ließ keine Wünsche offen – sogar auf den oberen Rangplätzen war es möglich, leiseren Dialogen anstrengungslos zu folgen.


Tobi Weiser

Tobias „Tobi“ Weiser ist Gründer und Geschäftsführer der „HP2 high performance production GmbH“ mit Sitz im rheinland-pfälzischen Diez. Der passionierte Motorradfahrer kann auf einen langjährigen Background in der Proaudio-Branche verweisen und war in jungen Jahren musikalisch als Bassist aktiv.

Tobias “Tobi” Weiser, verantwortlicher Tontechniker für die FoH-Mischung der Produktion, arbeitet mit einer Midas PRO X Konsole – sein Favorit bezüglich Sound und Handhabe. (Bild: d&b audiotechnik)

Weiser absolvierte eine Ausbildung als Energieanlagenelektroniker und machte sich direkt nach einem erfolgreichen Abschluss selbstständig. „Die Ausbildung war rückblickend betrachtet eine solide Grundlage für das, was ich heute mache“, sagt Weiser. „Ich stehe eben nicht nur am Pult und drehe an Knöpfen, sondern ich weiß, was unter der Haube passiert.“

Gemeinsam mit einem Kollegen gründete Tobi Weiser eine Veranstaltungstechnikfirma, mit der er viele Jahre Events jeder Größe und Couleur begleitete. Sein eigenes Unternehmen hat Weiser 2014 in Form der „HP2 high performance production GmbH“ ins Leben gerufen. Die Arbeit der Production Company basiert auf Weisers Know-how und wird durch ein projektbezogen aktiviertes Netzwerk versierter Veranstaltungstechnikspezialisten unterstützt.

Bei Tourneen ist Tobi Weiser je nach Konstellation sowohl als FOH-Engineer wie auch als Monitormischer oder als Systemtechniker aktiv. „Jeder Aufgabenbereich hat seinen eigenen Reiz!“, weiß Weiser. In den vergangenen Jahren war der Tonspezialist regelmäßig mit Sarah Connor unterwegs, begleitete aber auch viele andere bekannte Künstler. Eines der vielen Highlights war die Arbeit für Herbert Grönemeyer, mit dem er als FOH-Mischer auch eine Amerika-Tournee bestritt.

„Der Systemgedanke hat mich immer schon interessiert“, sagt Tobi Weiser über d&b audiotechnik und erinnert sich an erste Berührungspunkte in den Jahren 2004 und 2005. „Ein Kunde wollte seinerzeit unbedingt mit Material von d&b arbeiten – ich habe dabei rasch gemerkt, dass das „LEGO- System“ ganz wunderbar funktioniert! Über die Jahre habe ich das System lieben gelernt, zumal es mir persönlich tonal sehr liegt – wenn ich eine Mischung mache, passt die Beschallung mit Komponenten von d&b audiotechnik immer wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Mit ArrayProcessing besitzt d&b nun einen weiteren technologischen Vorteil, der meine Arbeit deutlich vereinfacht.“

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