Peter Maffay Tour

Flugsicherheit für den Maffay-Trommler

Peter Maffay Niemals war es besser
„Plektrum“ in der Westfalenhalle (Bild: Harald Heckendorf)

Bei der „Niemals war es besser“-Tournee von Peter Maffay war Drummer Bertram Engel mit einer besonderen Showeinlage eingebunden. Zum Start der Show schwebte der Schlagzeuger von der Hallendecke hinab. Für die Kinetik und Automation war Steffen Boschert (SWL) federführend verantwortlich. Schon seit einigen Jahren setzt er als Steuerung auf den STC Navigator von Fülling & Partner. Diese Steuerung, die häufig im Theater Einsatz findet, wurde 2012 erstmals von SWL während Udo Lindenbergs „Ich mach mein Ding“-Tour zur Bewegung des Zeppelins eingesetzt und habe sich seither sehr bewährt. Als Kettenzüge dienten von SWL entsprechend den Anforderungen der DGUV V17 (früher BGV-C1) zu eigenen Produkten modifizierten EXE RISE Modelle von Litec. Während der Hallentournee waren über der Hauptbühne acht fliegende LED-Wände an C1-Kettenzügen positioniert. Auf der Bühnenbreite wurden drei identisch große LED-Module benötigt. An den beiden Seiten hing jeweils nur ein LED-Modul. Die Rückseite entsprach exakt der Vorderseite. Diese acht LED-Wände hingen an einer SWL-Spezialkonstruktion, denn die Bauhöhe gepaart mit dem ästhetischen Anspruch der Produktion ließen herkömmliche Traversen an dieser Position nicht zu. SWL entwickelte daher unter diesen Vorgaben eine Aluminiumträger-Spezialkonstruktion, die auf die Länge der Videomodule angepasst war. Die Konstruktion ermöglichte dank eines Bolzen-Systems den raschen Auf- und Abbau und kam wegen des leichten Gewichts überdies auch mit zwei statt der sonst benötigten drei Motoren an jedem Modul aus.

Peter Maffay Niemals war es besser
Eins der vier 6-mm-Stahlseile am Drum-Lift. Die Verwendung von Stahlseilen auf runden Seiltrommeln lief deutlich gleichmäßiger und war überdies auch optisch dezenter (Bild: Harald Heckendorf)

Bei Publikumseinlass befanden sich alle LED-Wände auf dem Bühnenboden und wurden erst kurz vor Showstart in die Position gefahren, in der sie sich dann während des gesamten Konzerts befanden. In dieser Parkposition konnte Schlagzeuger Bertram Engel sich unbemerkt hinter das Schlagzeug setzen und sich im Schutz der LED-Wände nach oben fahren lassen, ohne später den Zuschauern den gewünschten Überraschungseffekt zu nehmen, denn mit den ersten Takten des Konzerts schwebte er von der Hallendecke: ein groovender Deus ex Machina! Zum zweiten Teil des Konzerts fuhr das Set ohne den Musiker nach oben, um den Zuschauern durch das Drum-Set nicht den Blick auf den Laufsteg und die Drehbühne zu versperren. Bertram Engel spielte dann ein kleineres Stand-Set. Entscheidend war, dass der Drum Riser an speziell modifizierten Seilwinden und nicht etwa an Kettenzügen hing. Jeweils zwei Seilwinden mit je zwei Seilen waren hier im Einsatz. Der Schlagzeuger wurde bereits in der Planungsphase mit der Idee vertraut gemacht. Sein „Erstflug“ – noch aus geringer Höhe – erfolgte während der technischen Proben in Lingen. Dieser Test habe den Musiker sofort überzeugt. Fahrt und auch das Aufsetzen des Risers auf der Bühne entsprächen einer Aufzugsfahrt, so Steffen Boschert über die Einschätzung des Musikers. Auch nach der ersten Show in Hamburg, die dann erstmals aus 7 m Höhe startete, soll sich der Musiker wohlgefühlt haben. „Bei der Verwendung von Kettenzügen mit einer 5-Taschen-Kettennuss hätte man eine leichte Schwingung erzeugt, die dem Vorgang nicht dienlich gewesen wäre. Unter Umständen hätten durch Aufschwingungen Resonanzeffekte auftreten können“, erklärte Steffen Boschert. Die Verwendung von vier 6-mm-Stahlseilen auf runden Seiltrommeln lief deutlich gleichmäßiger und war überdies auch optisch dezenter. Auch die Bedenken, dass durch das Schlagzeugspiel die Konstruktion ins Schwingen geraten würde, waren völlig unberechtigt. Dafür sei, so schmunzelte Boschert, viel mehr die exzellente Schlagzeugtechnik des Musikers verantwortlich. Im Sinne der Unfallverhütungsvorschrift handelte es sich hier um ein Personenflugwerk. Der Sicherung und auch Evakuierung des Musikers – z. B. bei einem Stromausfall – musste daher mit einer entsprechenden Vorkehrung begegnet werden. Hier kam ein automatisches Abseilgerät zum Einsatz, welches bereits bei den Arena-Shows von Udo Lindenberg erprobt worden war – und zwar für das „Abspringen der Aliens“ aus dem UFO. Mit dieser Vorrichtung war ein kontrolliertes Ablassen möglich. Auch der Notfall sei bei den Proben durchgespielt worden. Die Kommunikation zum Musiker wäre dabei über die In-Ears erfolgt. Künstler und Techniker seien insgesamt sehr zufrieden mit der Konzeption dieser Show-Einlage gewesen. Das Schlagzeug-Set war in seinen Bestandteilen fest mit dem Riser verschraubt, um den täglichen Auf- und Abbau zu erleichtern, und wurde nach der Show in einer Art riesiger Überseekiste auf den Truck geladen. Die Seitenwände konnten mit wenigen Handgriffen aufgesteckt werden. Eine Plane schützte auf dem Weg zum Truck zusätzlich gegen die Witterung.

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