Design des Opel-Messestands

„Leuchtstoffröhren“ für den Opel GT

Autohersteller, Fahrzeugveredler und Karossiers beeindrucken mit über 120 Welt- und Europa-Premieren auf dem 86. Internationalen Automobil-Salon in Genf. Der Opel GT Concept war einer der Stars in Genf, aber auch der Opel-Messestand avancierte zum Star unter den veranstaltungstechnischen Präsentationen. Wir sprachen mit Joe Wippel, Technischer Produktionsleiter für Rigging und Beleuchtung bei der schoko pro GmbH aus Wiesbaden, über das Konzept und technische Details wie die effektvollen „Leuchtstoffröhren“.

OPEL_Geneve International Motor Show 2016 / BELLPRAT / EXPOTECHNIK
OPEL_Geneve International Motor Show 2016 / BELLPRAT / EXPOTECHNIK (Bild: Bellprat Associates AG / Olaf Becker)

Der Opel-Auftritt auf dem 86. Genfer Autosalon wurde nicht nur von den automobilinteressierten Besuchern, sondern auch von der Veranstaltungsbranche vor Ort bestaunt. Gerade – oder obwohl – er nicht so bombastisch daher kam wie in der Automotive-Branche inzwischen üblich?

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Grundsätzlich präsentiert sich Opel als ein Unternehmen, das den Kontakt zu seinen Kunden sucht, immer offene Ohren hat – und nicht als unnahbares Unternehmen. Die menschliche Ausrichtung ist – wenn man es so sagen kann – dem Unternehmen sehr wichtig. Man wollte eine sehr fokussierte Pressekonferenz mit nur zwei Rednern: dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann und dem Designer Mark Adams. Im Mittelpunkt standen ganz bewusst die Worte der Redner und selbstverständlich die neuen Produkte. Es gab keine aufwändigen Fahrshows, keine gigantischen LED-Walls und auch die Helligkeit auf dem Stand war – sagen wir – sehr maßvoll gewählt. Das Motto im Hause schoko Pro lautet ohnehin, mit wenig Material ein gutes Design umzusetzen. Somit kommt unsere Firmenphilosophie der grundlegenden Ausrichtung des Kunden sehr entgegen.

Joe Wippel
Joe Wippel (Bild: Schoko Pro)

Wer zeichnete für die Stand- Architektur und das Lichtdesign verantwortlich?

Die Agentur Bellprat Associates AG aus Zürich hatte das Stand- und Kommunikationskonzept entwickelt und umgesetzt. Das Lichtdesign stammte aus der erfahrenen Hand von Ralf Penkert vom Atelier Stromberg. schoko Pro war im Auftrag von Elektro Ehinger sowohl für die Licht- und Tontechnik als auch für das Rigging verantwortlich. Stage Kinetik sorgte für die Bewegung bzw. das Austauschen der LEDWand, die wiederum von PRG-XL geliefert wurde. PRG XL Video hatte die „Leuchtstoffröhren“-Idee der Agentur umgesetzt. Das Lichtkonzept für die einzelnen Fahrzeuge sieht jeweils acht ARRISun 5 vor. Die Räume zwischen den Fahrzeugen werden mit Robe Robin 1200 LED Wash gefüllt. Dies erfordert – wegen des schwarzen Glasbodens – entsprechendes Fingerspitzengefühl. Der Boden ist ein wiederkehrender Bestandteil des Standkonzepts, daher besitzen die betreuenden Lichttechniker auch die nötige Routine. Je nachdem, welche Farbe die gezeigten Fahrzeugmodelle aufweisen, arbeiten wir mit leichtem Farbshift – d. h. mit blauen oder roten Anteilen – den jeweiligen Look aus, sodass die Fahrzeuge immer optimal im Umfeld präsentiert sind.

Die hohe Aufmerksamkeit hatte sicherlich das innovative Design der Rückwand erzeugt?

Ja, das ist richtig. Wie schon gesagt: Auf LED-Flächen wie etwa auf alle seitlichen LED-Walls wurde verzichtet. Der Stand wirkte dadurch sehr offen und die Rückwand zog von allen Seiten die Blicke an. Opel wollte ein reduziertes Design; man wollte ganz bewusst „das Weniger“.

Sicherlich hat die Leuchtstoffröhren-Optik bei Laien und Profis für Interesse gesorgt?

Tatsächlich haben uns Menschen gefragt, wie so ein Look mit Leuchtstoffröhren funktionieren kann. Denn Leuchtstoffröhren besitzen dieses unkontrollierbare Flattern und haben eine Verzögerung beim Einschalten. Außerdem sind sie nicht wirklich dimmbar! Die Idee zu der Leuchtstoffröhren-Optik kam von der Agentur Bellprat. PRG XL Video und schoko pro waren gefragt, die entsprechenden Ideen zu entwickeln: Bei dem eingesetzten Material handelt es sich um Custom Made satinierte Plexiglas-Röhren, in denen sich jeweils ein weißer und ein roter LED-Streifen befinden. Von PRG-XL Video sind dafür auch entsprechende Endkappen, ebenso Kühlkörper und ein kleiner Ventilator gebaut worden. Mehrere Tests wurden im Vorfeld durchgeführt. Das Ergebnis war phantastisch, denn man hatte den Eindruck, dass es sich tatsächlich um Leuchtstoffröhren handle. Besucher waren regelrecht verwundert. Die 280 Einheiten, die in 20 Röhren horizontal mit jeweils 14 Stück vertikal angeordnet waren, wurden mit Haltern in einem Abstand von ungefähr einem Zentimeter auf der Wand befestigt, und bildeten eine äußerst gelungene Kombination aus architektonischem und optischem Eindruck.

Wurden die Netzteile auch extra angefertigt?

Nein. 280 Netzteile mit 0-24 Volt, zweikanalig DMX-ansteuerbar – das hätte einen enormen Arbeitsaufwand bedeutet. PRG-XL hat sich daher auf die Suche gemacht und ist bei der Firma Schnick Schnack Systems fündig geworden. Das Systemnetzteil 4e liefert bis 24 V und DMX-In. Somit war die Entscheidung gefallen. Dieses Schnick-Schnack-System bietet ja je Device drei Kanäle RGB. Wir benötigten lediglich einen weißen und einen roten Kanal, der dritte Kanal stand somit für den Lüfter zur Verfügung. Wir nutzen den roten Kanal für Rot, den Blauen für die weißen LEDs und den Grünen für die Lüftung.

Wie erfolgte die Ansteuerung und welche Inhalte wurden gezeigt? Sicherlich konnten nur sehr grafische Inhalte gezeigt werden?

Das ist richtig. Für die Einspielung von Videos und Live-Bildern, während der Pressekonferenz, konnte man aber den mittleren Teil der Wand kinetisch gegen eine LED-Wand austauschen. Dieses Austauschen wurde über ein Schienensystem der Firma Stage Kinetik realisiert. Dieser Teil war vier Röhren breit und entsprechend 14 Röhren hoch und wurde passgenau durch eine LED-Wand für die entsprechende Dauer ersetzt. Die 280 Röhren lieferten ausschließlich sehr grafische Looks, die an die Anzeigen eines überdimensionierten Audio-Analyzers erinnerten. Auch wellenförmige Bilder wurden hier gern verwendet. Für die Ansteuerung stand ein Grand-MA-System mit einer NPU zur Verfügung. Von dort wurden die Signale auf die Universen generiert. Ein Backup stand im Systemverbund bereit. Sämtliche Inhalte waren von der Agentur Bellprat entwickelt und als Filme geliefert worden. Dies erschien uns als die eindeutig praktikablere Lösung, statt die Pattern und Effekte vom Pult aus programmieren zu müssen. Via Pixel Mapping über die MA-VPU wurde das anliegende Videosignal gesteuert und rote und weiße Signale wurden über die 280 Röhren verteilt. Bei der Vorstellung des GT aber gab es einen besonderen Effekt: Nicht nur, dass hier ausschließlich die Farbe Rot eingesetzt wurde, sondern das Rot entsprang regelrecht aus der Mitte des Video-Elementes und verbreitete sich über die komplette Wand. Schon während des Autosalons haben wir viele gute Kritiken von Kollegen aus der Branche bekommen. Einige bescheinigten uns, die beste Pressekonferenz auf der Veranstaltung inszeniert zu haben. Es war – wie schon erwähnt – eine Präsentation weit weg vom üblichen Bombast der Automotive-Branche. Ein Fokus lag z. B. auf einem ausgewogenen Audio-Konzept mit nicht zu lauten Zuspielern und einer angemessenen Lautstärke für die beiden Redner. Der Kunde war sichtlich zufrieden und bescheinigte allen beteiligten Gewerken eine sehr gute Umsetzung.

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