Entwicklung bei SGM

SGM G-1 – Besuch in den Entwicklungshallen

G1 freigestellt
SGM G-1 (Bild: Marcel Courth)

Die Einladung in die heiligen Hallen von Unternehmen ist immer etwas Besonderes. Meist werden die Entwicklungsabteilungen vor unseren neugierigen Blicken und Kameras abgeschirmt. Umso mehr haben wir uns über die Einladung 2015 von SGM gefreut, uns als erstes Fachmagazin weltweit den neuen G-1 vor Ort in Dänemark anzusehen – am Ende haben wir sogar zu unserem großen Spaß damit „spielen“ dürfen. Aber noch einmal von vorne: Seit SGM von Peter Johansen übernommen und in ein dänisches Unternehmen umgewandelt worden ist, hat sich einiges getan. Produzierte SGM früher in Fernost und bot günstige Produkte mit zum Teil geringerem Qualitätsanspruch an, glänzen die SGM-Produkte heute mit hoher Innovationskraft, perfekter Verarbeitung und einem neuen Anspruch an Service und Support. Das Werk ist mittlerweile in Aarhus ansässig – vor einem Jahr wurde zudem der Umzug in ein neues Headquarter angegangen, das ausreichend Kapazitäten und logistische Möglichkeiten für Assembling, Entwicklung, Service, Qualitätsmanagement, Sales und natürlich die allgemeine Verwaltung bietet. Die ersten Geräte, u. a. P-5, die unter Peter Johansens Führungen entstanden, konnten sich innerhalb kürzester Zeit als regelrechte Branchenstandards positionieren. Mit Hilfe eines neuen und service-orientierten deutschen Vertriebs – SGM Deutschland – stiegen die Verkaufszahlen im deutschsprachigen Raum stetig an – das Konzept, LED mit IP-geschützten Gehäusen anzubieten, schlug ein. Es folgte die Q-Serie, die eine ganz neue Flexibilität mit sich brachte, und mit dem X-5 das erste LED-Stroboskop, welches sich erstmals als wirkliche Alternative zu den arrivierten Atomics darstellen konnte. Der nächste Paukenschlag ließ dann nicht lange auf sich warten. Peter Johansen präsentierte auf der PLASA mit dem G-Spot ein IP-65 geschütztes Moving Head, das nicht unter die Kategorie „Spielzeug“ oder „wilde Idee“ fiel, sondern ein amtliches und vollumfänglich einzusetzendes Werkzeug ist. Für diese Entwicklung forschte die dänische Entwicklungsabteilung nochmals detaillierter am Wärmemanagement, auf dessen Basis zukünftig die weiteren Produkte entstehen und daran partizipieren werden … ganz nach dem Motto: „Hast du die Wärmeentwicklung im Griff, hast du die LED im Griff.“

Warum der G-1 der nächste SGM Meilenstein werden kann?

Zurück zum Thema unseres eigentlichen Besuchs im Headquarter in Dänemark. Der Grund für den Trip bestand in der Möglichkeit, Einsichten in die Entwicklungsarbeit von SGM zu bekommen. Speziell ging es um die neuste Entwicklung – den SGM G-1. Vor dem Antritt unserer Reise erhielten wir ein paar technische Daten, die uns erst einmal nur wie eine grobe Auswahl vorkamen, weil so übersichtlich. In unserer Vorstellung sollte ein „kleiner G-Spot“ auf uns warten, vollgestopft mit Motoren, Platinen, Modulen, Kabeln, Linsen – sowie LED und IP65-geschützt. Was dann aber im Dunkelraum auf uns wartete, überraschte uns doch. Der erste Gedanke war: „doch ein Spielzeug?“ Denn anstatt eines Mid-range-Moving Lights, guckte uns ein kleiner Kopf auf einem recht großen Basement an. Warum so unförmig – warum so klein? Dann kam die Erklärung: Das, was wir sahen, war ein Akku-basiertes Moving Light mit einer 50 Watt starken LED-Lichtquelle, natürlich IP-65 geschützt – das für einen „normalen Wackeleimer“ viel zu groß geratene Basement entpuppte sich als ein Lithium Ionen-Akku. Und als wäre „Optimus Prime“ himself gerade vom Himmel gefallen, wandelte sich der G-1 und sah auf einmal schon viel cooler aus … Aber es geht ja in erster Linie gar nicht darum, ob uns der G-1 optisch gefällt, vielmehr stellt sich die Frage, was kann er überhaupt? Der G-1 ist als Beamlight mit einem festen Abstrahlwinkel von 2,8° konzipiert und soll das erste Akku-betriebene Moving Head einer Serie sein. Weil der G-1 als ganz einfaches und solo einzusetzendes Gerät entwickelt worden ist, besitzt er standesgemäße Funktionen nicht, wie eine Farbmischung, Zoom, Iris, ganz zu schweigen von DMX-Modi – da bietet der G-1 nämlich genau einen Mode mit 12 Kanälen. Auch ein Display wird man vergebens suchen. Die Herangehensweise an diesen Typ „Lampe“ ist eine andere. Wenn der G-1 sprechen könnte, würde er vermutlich rufen: „Nehmt mich mit und stellt mich überall hin, wo ihr wollt, ich mache es euch leicht!“ Genau nach diesem Motto sind dann eben andere entscheidendere Funktionen implementiert worden oder als Sidekick erhältlich, wie die kostenlose C-5 Steuerungssoftware, die (momentan noch nur) auf Microsoft-Systemen läuft – also auch auf MS-Tablets und Smartphones.

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Auch die Software läuft übrigens ganz nach dem Motto „keep it simple“ mit einer sehr übersichtlichen Benutzerebene. Um die Software überhaupt nutzen zu können, haben die SGM-Entwickler dem G-1 einen Lumen Radio Wireless DMX-Empfänger spendiert. So lässt sich das Moving Head ohne Kabel einrichten und steuern. Aber jetzt kommt es: Die SGM-Entwicklungsabteilung geht da noch einen deutlichen Schritt weiter Der Scheinwerfer soll ja – wie bereits erwähnt – möglichst flexibel und einfach einzusetzen sein. Deshalb spielen die manuellen Steuerungsmöglichkeiten eine große Rolle. Den G-1 kann man per Hand positionieren und die Positionen per simplem Knopfdruck abspeichern! Bis zu neun einzelne Steps lassen sich damit programmieren. Mehr Handbetrieb geht schon fast nicht mehr … Die Laufzeit beim Batteriebetrieb soll trotz des großen Outputs unter Dauerbetrieb bei 6,5 Stunden liegen. SGM gibt die Laufzeit bei „typical use“ mit 10 bis 12 Stunden an. Sollten diese Zahlen wirklich erreicht werden, ist das eine mehr als ordentliche Leistung. Eine weitere Funktion ist bemerkenswert: Der G-1 hat einen endlosen Pan-Antrieb. Vor allem Leuchtturm-Effekte outdoor werden damit zum Traum. Damit er auch außen zur Geltung kommt, entwickelt der Scheinwerfer für seine Größe ein bemerkenswertes „Lichtschwert“, welches SGM mit 61.910 Lux auf drei Meter Entfernung angibt. Bei dunklen Farben, die auf dem mit 14 Farben plus Open bestückten Farbrad liegen, kommt der G-1 aber etwas an seine Grenzen. Das Farbrad und auch das Goborad mit 19 festen Metallgobos sind so klein, dass auch Halbfarben gut dargestellt werden können. Die Qualität des Farbrads war aber bei unserem Besuch noch nicht serienreif, so dass hier noch Potenzial nach oben bleibt. Für zusätzliche Beam-Verformungen gibt es Gobo-Shake und Oscillation-Effekte. Weitere Specs sind automatisierter Focus, RDM per DMX, 16-Bit Ansteuerung von Dimmer und Pan/Tilt, Gewicht von ca. 9 Kilogramm und maximale Leistungsaufnahme von 60 Watt. Den G-1 wird es neben der Akku-basierten Version auch als reine Feststrom- Variante geben, dann auch mit einem kleinen, kompakten Base. Zurück zur Eingangsfrage „Warum der G-1 der nächste SGM-Meilenstein werden kann?“ Ganz einfach, weil der G-1 eine neue Herangehensweise an die Frage darstellt: Wie kann ich auch an ungünstigen Orten mit wenig Aufwand Beleuchtungseffekte erzielen, wo man vielleicht keine Kabel oder nur mit großem Aufwand ziehen kann. Passend dazu soll das Akku-Moving Head auch noch für einen günstigen Listenpreis von 1.990 € netto am Markt positioniert werden. Ob der G-1 oder der bereits angekündigte Washer den gleichen großen Erfolg, wie z. B. der P-5 haben werden, ist dabei gar nicht so relevant. Der Ansatz wird bestimmt neue kreative Möglichkeiten schaffen und Gestaltungsideen in den Köpfen erzielen. Peter Johansen hatte bei der Übernahme von SGM ganz unbescheiden verkündet, er würde nur Produkte entwickeln, die innovativ und unique sind. Was damals noch keck klang, bestätigt er jedoch bisher nahezu vollständig.

Peter Johansen (CEO SGM) und Michael Herweg (CEO SGM Deutschland) zum neuen SGM G-1

Johansen

Peter Johansen: Grundsätzlich haben wir sehr viele kreative Köpfe hier im Unternehmen und eine große Menge an Ideen für Entwicklungen. Natürlich muss man aber genau schauen, was macht Sinn und was vielleicht in der aktuellen Zeit nicht. Aber wie schon erwähnt, haben wir viel Zeit damit verbracht, wie wir aus verhältnismä- ßig kleinen LEDs viel Leistung herausbekommen. Diese Voraussetzungen zusammen mit einer Anfrage eines unserer größten Kunden in Middle-East führte im Grunde zum G-1. Der Kunde hatte nämlich eine Problemstellung: Veranstaltungen am Strand oder in der Wüste gehören zu seinem Tagesgeschäft. Und jedes Mal, wenn er dort Scheinwerfer positionieren wollte, musste er Kabel verlegen und hatte somit logistischen und zeitlichen Aufwand. Was das Unternehmen brauchte, war ein Scheinwerfer, der klein, leicht, kabellos arbeiten kann und trotzdem in der Lage ist, eine anständige Show zu garantieren. Wir haben dann viele Versuche angestellt, konnten aber bis letztes Jahr keine Lösungen dafür anbieten, weil die technologischen Voraussetzungen noch nicht gegeben waren. Dann haben wir uns aber von Tesla inspirieren lassen, was die Thematik eines funktionierenden Akkus betrifft. Und um es kurz zu machen, sind wir jetzt in der Lage, alle Anforderungen zu erfüllen. Dem Beam, den ihr hier sehen konntet, wird in naher Zukunft noch ein Wash folgen.

Michael Herweg

Michael Herweg: Wir sind der Überzeugung, dass wir hier wieder ein flexibles Gerät geschaffen haben – das ist kein Gadget nur für den Beach. Der G-1 ist auch in der Lage, bei Shows auf der Bühne oder Rigg zu arbeiten. Man muss sich keine Gedanken mehr über Kabellogistik machen, stell es dahin, wo du es brauchst.

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