Neue Ideen zur Automatisierung der „Follows“

Followspot 2.0

Followspot
Followspot

Der klassische Verfolger war lange Zeit nur ein notwendiges, zudem oft kosten- und arbeitsintensives Übel. In modernen, um Steuerungen erweiterten Varianten – die wir hier vorstellen – erlebt er derzeit geradezu eine Renaissance.

Egal ob es darum geht, monströse Cases mit enormem Gewicht in Arena-Ränge zu schleppen oder sie mit schwerem Gerät auf die obersten Etagen der Festival-FOH-Tower zu heben, ganz zu schweigen von Truss-Follows, in deren Sitzen arme Techniker oft ab dem Einlassbeginn darauf hoffen, nicht vor dem Showende auf die Toilette zu müssen – der Followspot dürfte in der Lichttechnik sicherlich unter den Top 10 der unbeliebtesten Aufgaben ranken. Gerade die zuletzt genannten (geflogenen) Systeme sorgen kosten-, personal- und sicherheitsseitig oft bei allen Beteiligten für Kopfschmerzen. Ein auf den ersten Blick verwunderlicher Umstand: Werden doch im Showbereich bereits seit langer Zeit extrem leistungsstarke Moving Lights in großen Stückzahlen aus der Ferne kontrolliert und verwaltet, personalisiertes Führungslicht aber immer noch sehr stiefmütterlich mit der Hand an der Leuchte gesteuert.

Eine Erklärung dafür findet sich in den Anforderungen, die bei einer Lichtkonsole primär in komplexen Setup- und Programmiermöglichkeiten liegen, beim Remote-Follow eher in einer smoothen „Echtzeit-Kontrolle“ vorwiegend der Parameter für Pan und Tilt, wie sie mit Washlight im Rigg und Operator-Hand auf dem Trackball des Pultes auf keinen Fall professionell realisierbar ist. Was also lange Zeit fehlte, waren weder leistungsstarke Scheinwerfer noch die dementsprechende Remotefähigkeit – sondern geeignete Interfaces zur „gefühlsechten“ Kontrolle. Doch so langsam kommt sprichwörtlich Bewegung in das Thema, wenn auch mit verschiedensten Lösungsansätzen. Wir geben hier daher einen Überblick über aktuell angebotene Hard- und Software für manuell geführte Follow-Remote-Systeme.

Follow-Upgrade von Robert Juliat

Äußerst überraschend war auf der Prolight + Sound 2017 vor allem der renommierte Verfolger-Hersteller Robert Juliat mit einem eigenen Follow-Upgrade-Kit vertreten: „SpotMe“ soll aus verständlichen Gründen den klassischen Follow allerdings nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen, beispielsweise mit automatisch folgenden Spitzlichtern. Zu diesem Zweck wird der Führungs-Follow auf einem speziellen, mit diversen Sensoren für Dreh- und Kippbewegungen ausgestatteten Stativ montiert. In Kombination mit dem vorab mit Hilfe eines Lasermeters ermittelten Standort des Follows in Bezug zur Szenenfläche errechnet nun ein Server die genaue Position der anvisierten „Zielperson“ und gibt diese per Posi – StageNet-Daten (PSN) an geeignete Empfänger weiter. PSN ist ein offenes Protokoll zum Erfassen, Tracken und Weitergeben von Positionsdaten beweglicher Objekte auf Bühnen und wurde hauptsächlich als Kooperation des kanadischen Medienspezialisten VYV mit dem deutschen Konsolenhersteller MA Lighting entwickelt. Folgerichtig sind auch die grandMA2-Konsolen denk- und dankbare Empfänger der PSNDaten und können diese mit internen, separat im Setup zu patchenden Stage-Markern verknüpfen. Auf diese Weise lassen sich nun – wenn nötig sogar Cue-by-Cue – die jeweils gewünschten Scheinwerfer in beliebiger Stückzahl den jeweiligen Markern als Referenzpunkt zuordnen, um diesen anschließend völlig automatisch und höchst präzise zu folgen – vorausgesetzt, die XYZ-Daten für die angelegten Scheinwerfer entsprechen der Realität.

Robert Juliat „SpotMe“
Stefan Junker
Robert Juliat „SpotMe“ soll aus verständlichen Gründen den klassischen Follow nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Zu diesem Zweck wird der Führungs-Follow auf einem speziellen, mit diversen Sensoren für Dreh- und Kippbewegungen ausgestatteten Stativ montiert und gibt diese per PosiStageNet-Daten an geeignete Empfänger weiter

 

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Abgesehen von der Positionsbestimmung des Follows benötigt das System kein weiteres Einmessen, keine Kamera und keine Sensoren im Rigg – allerdings nach wie vor ein geeignetes Plätzchen für den Verfolger, idealerweise auch dementsprechend erhöht, um nicht nur die X-Achse, sondern auch die Y-Achse – und damit die Bühnentiefe – erfassen zu können.

Ground Control System von PRG
Stefan Junker
Ground Control System von PRG ersetzt den klassischen Follow vollständig durch eine moderne, remote-gestützte Variante

 

Follow-Split von PRG

Einen komplett konträren Ansatz verfolgt PRG mit seinem Ground Control System: Hier soll der klassische Follow nicht nur ergänzt, sondern vollständig durch eine moderne, remote-gestützte Variante ersetzt werden. Dabei geht es nicht darum, vorhandene Moving Lights aus dem Rigg zu verwenden oder gar mehrere Scheinwerfer synchron einem Ziel zuzuordnen. Hier soll primär der Operator räumlich vom Scheinwerfer getrennt werden, um insbesondere praktikablere Truss-Follow-Lösungen anbieten zu können. Als Scheinwerfer fungieren bei diesem proprietären System je nach Distanz und Einsatzzweck ein PRG GC Bad Boy, GC Best Boy oder der neue GC Long Throw mit jeweils integrierten HD-SDI-Kameras, die mittels Glasfaser mit dem externen Bedienteil, der „Ground Control Unit“, verbunden sind. Aufgrund von Design und Haptik dieser Remotesteuerung lässt sich das System analog eines normalen Verfolgers nutzen und bedarf somit auch keinerlei Sensoren oder Kalibrierungen. Der Follow-Fahrer zielt lediglich mittels Bildschirm auf sein Objekt, darf dafür aber auch bequem „close-to-catering“ sitzen, anstatt mehrere Stunden durchgehend unter einer Traverse zu kleben.

Zwei Software-Lösungen

Als komplett eigenständige, rechnergestützte Systeme präsentieren sich „Spotrack“ aus Irland sowie „Follow-Me“ aus den Niederlanden. Beide Systeme unterstützen Verfolgungsfahrten mit multiplen Scheinwerfern nahezu aller Hersteller, müssen diese aber vorab im dreidimensionalen Raum über Messpunkte kalibrieren. Anschließend können die gewünschten Moving Lights mittels Maus oder Stift auf das Ziel ausgerichtet und synchron bewegt werden.

Autarke Systeme mit „Spotrack“
Stefan Junker
Autarke Systeme mit „Spotrack“ aus Irland

 

Die Unterhaltung zwischen Remote-System und Scheinwerfer basiert dabei auf DMX beziehungsweise ArtNet, wodurch eine sehr einfache Integration in bestehende Lichtsysteme möglich ist. Weiterhin ist so auch die Übernahme der vollen Kontrolle mittels Lichtkonsolen zu jeder Zeit möglich, um Scheinwerfer beispielsweise im Intro als Showlicht, später dann als Follow zu verwenden. Als Besonderheit lassen sich bei „Follow-Me“ mit nur einem System mehrere Ziele definieren und gleichzeitig verfolgen sowie die Bewegungen als PSN-Daten ausgeben, um diese in einer Lichtkonsole weiter zu verarbeiten.

Tripod-Remote

Eine Hardwarelösung bietet „Spotdrive“ des dänischen Herstellers Litecom. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um eine Art Kamera-Tripod-Stativ ohne Kamera, dafür aber mit zwei Kontrolleinheiten an den Handgriffen, einem Bildschirm zur Übertragung des First-Person-Views der „Follow-Kamera“ sowie einem DMX-Umsetzer zur Wandlung und Ausgabe der Datensignale von Stativ und Controller. Die Bewegung des Stativs ist dabei extrem weich und ruckelfrei, was dem Operator ein sehr sicheres und direktes Feedback bei der Fernsteuerung des Follow-Scheinwerfers gibt.

Ebenfalls komplett eigenständig, rechnergestützt „Follow-Me“
Stefan Junker
Ebenfalls komplett eigenständig, rechnergestützt „Follow-Me“aus den Niederlanden

 

Die Ausgabe per DMX ermöglicht die direkte Steuerung eines einzelnen Scheinwerfers oder aber auch die Steuerung eines bereits erwähnten Stage-Markers in einer grandMA2- Konsole, was einen wesentlich erweiterten Spielraum in puncto Anzahl und Funktionen der eingesetzten Scheinwerfer ermöglicht.

„Spotdrive“ Beim dänischen Hersteller Litecom handelt es sich im Wesentlichen um ein Tripod-Stativ mit zwei Kontrolleinheiten an den Handgriffen, einem Bildschirm zur Übertragung der FirstPerson-View der „Follow-Kamera“
Stefan Junker
„Spotdrive“ Beim dänischen Hersteller Litecom handelt es sich im Wesentlichen um ein Tripod-Stativ mit zwei Kontrolleinheiten an den Handgriffen, einem Bildschirm zur Übertragung der FirstPerson-View der „Follow-Kamera“ sowie einem DMX-Umsetzer zur Wandlung und Ausgabe der Datensignale von Stativ und Controller

 

Auch der tschechische Hersteller Robe will ab Mitte des Jahres in den Markt des manuellen Trackings einsteigen und präsentierte bereits „Lightmaster“ und „Robospot“. Ersteres ist dabei ein konfigurierbares Bedienpanel mit Touchscreen, vier Encodern, zehn Preset-Tasten sowie zwei Fadern zur seitlichen oder rückwärtigen Montage direkt an BMFL Spot, Blade, WashBeam oder dem neue Followspot-Modell.

 

Bei dieser BMFL-Variante wurden alle für einen Verfolgerscheinwerfer irrelevanten Funktionen wie Gobo- und Animationsräder entfernt, dafür aber eine Anschlussmöglichkeit für eine Kamera geschaffen, wie sie bei Verwendung des Robospot zum Einsatz kommt. Beim Robospot wird das Lightmaster-Bedienteil zusammen mit einem Bildschirm auf ein Sensor-Stativ montiert und ermöglicht so die Remote-Steuerung des BMFL sowie bei Bedarf zusätzlicher BMFLs, die dann mittels Offset in das System eingebunden werden können. Die Bildübertragung der Bühnensituation wird entweder über die Kamera, die am BMFL montiert ist oder über eine separate „Robospot Motion Camera“ erfolgen. Auch bei Robe soll durch Integration in bestehende DMX-Umgebungen ein wahlweiser Zugriff über Konsole oder Remote-System jederzeit möglich sein.

Fazit

Es gibt mittlerweile eine Menge Möglichkeiten, seinen „Verfolgungswahn“ auszuleben. Tatsächlich ist heutzutage für nahezu jede Art der Anwendung – von klein bis groß, hardware- oder softwaregestützt, proprietär mit exklusiven Scheinwerfern oder offen für multiple Fixtures diverser Hersteller – ein System am Markt erhältlich. Verbindendes Element ist in den meisten Fällen aber nach wie vor ein gehobener Preis, der einer flächenbrandähnlichen Verbreitung im Wege stehen dürfte – auch wenn man immer noch weit entfernt von den Preiskategorien vollautomatischer, sensorgesteuerter Trackingsysteme ist.

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