Akku-betriebenes Moving Light

Im Test: Helios 7B – Akkuleuchte von Ehrgeiz

Es war schon ein Interesse weckendes Paket das uns von der Firma Ehrgeiz erreichte: Ein Moving Light komplett ohne Kabelzuleitungen, mit Strom aus dem Akku und Steuerdaten aus dem Äther. Endlich die große Freiheit bei der Positionierung – oder doch nur ein lustiger Spaß? Wir haben uns das flexible Gerät näher angesehen.

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Ein kleines Washlight mit sieben LED-Optiken steht da vor uns – gerade einmal 30 cm hoch. Mit einem Gewicht von ca. 4 kg ohne Akkus macht es einen nicht ganz leichten, dafür aber sehr soliden Eindruck. Der erste Blick fällt auf die Anschlussseite des Basements. Dort befinden sich der fünfpolige DMX-Ein- und Ausgang, ein „Designer“-Netzschalter aus Metall und ein Gewinde zur Montage der W-DMX-Antenne. Soweit alles eher unscheinbar. Da ist aber noch mehr: Batteriestandsanzeiger, ein vierpoliger Niedervoltspannungseingang und vor allem links und rechts, wo eigentlich Griffe zu vermuten wären, je ein großes Loch. Die Feststellung, dass der Helios 7B W-DMX aufweist, ist jetzt sicher nicht die große Neuigkeit, dass man in die zwei Öffnungen an den Seiten allerdings zwei 18-Volt-Akkus von Makita einschieben kann, sehr wohl. Die Akkus werden im Betrieb nacheinander entladen, sodass man einen leeren Stromspeicher einbruchsfrei wechseln kann. Dazu dienen also die Batteriestandanzeiger. Bei ruhigem „Ambient“-Einsatz sind Betriebszeiten bis acht Stunden oder mehr möglich. Wenn man mit dem Scheinwerfer richtig Gas geben muss – also z. B. großer, schneller Circle, wilde Farbeffekte über die vier Primärfarben – schrumpft die Leistung der Akkus auf unter zwei Stunden. Wem diese Zeiten nicht ausreichen oder wer keine Möglichkeit hat die Akkus zu wechseln, der kann mit Hilfe eines externen Netzteils eine konstante Stromversorgung herstellen. Das externe Netzteil ist jedoch nicht im Lieferumfang enthalten. Ebenfalls nicht im Lieferumfang sind die Akkus und ein dazu passendes Ladegerät. Ehrgeiz hat sich wohl deswegen als Partner für den sehr bekannten Elektrowerkzeughersteller Makita entschieden, weil dieser Name sicherlich vielen in der Veranstaltungstechnik bekannt sein dürfte. Die Wahrscheinlichkeit, dass schon das eine oder andere Makita-Produkt für Dekoarbeiten im Hause vorhanden ist, ist also recht groß. Die bekannte Makita-Infrastruktur macht hier auch dem Beleuchter Freude, weil ein 5-Ah-Akku in ca. 30 Minuten wieder voll aufgeladen ist. Alle Menüeinstellungen werden über ein kleines Zweizeilendisplay mit vier Tasten eingestellt. Display und Tasten sind im Scheinwerferkopf untergebracht und erinnern sehr an ein ähnlich kleines Washlight aus dem Norden. Hier beim Helios 7B muss man allerdings doppelt auf eine Taste drücken, um die Motoren spannungsfrei zu schalten. Die Menüführung ist klar und sofort verständlich. Neben den Standardeinstellungen wie Adresse, Mode, Testprogramme etc. gibt es hier auch die Einstellungen für W-DMX, ferngesteuerte DMX-Adressierung, „Stand Alone-Programme“ und vieles mehr.

Kleines Gerät, großer Output

Sieben 15 W RGBW-LEDs sorgen für eine ordentliche Helligkeit. Standardseitig hat der Lichtkegel einen Abstrahlwinkel von 8°. Einen Zoom besitzt der Helios 7B nicht, im Lieferumfang enthalten sind dafür eine Frost- und eine Diffusionsscheibe. Damit kann man den Abstrahlwinkel auf 18° bzw. 58° erweitern. Daraus ergeben sich drei Einsatzgebiete: Beam, Wash und Fluter. Die Streuscheiben sind kein optisches System, sondern nur dünne, flexible, passgenau gefertigte Kunststoff-Filter. Diese werden mit drei mitgelieferten Rändelschrauben auf den Moving-Light-Kopf auf – geschraubt. Dadurch, dass die Scheiben vollflächig sind und die einzelnen Pixel überdecken, verändert der Helios 7B sein allgemeines Erscheinungsbild nicht unbedingt zum Positiven. Wir könnten uns auch gut vorstellen, dass die durchaus griffigen Schräubchen schnell verloren gehen. Die Funktion der Filter ist aber vollkommen gegeben: Mit dem 58°-Diffusor wird aus dem Beam-Scheinwerfer ein positionierbarer Fluter. Die Leuchtkraft nimmt dabei aber erheblich ab, sodass der Abstand zum Objekt nicht mehr allzu groß sein sollte. Ein Vorteil dieses Streuverfahrens ist, dass man natürlich selber jeglichen Frost-, Diffusion-, Silk- oder Spunfilter zuschneiden und aufsetzen kann. Was uns wirklich überzeugt hat, ist die Farbmischung. Von den sattesten Rot-, Grün- und Blautönen bis zu superzarten Pastellnoten ist alles möglich. Auch „handgemischtes“ Amber ist kein Problem. Einzig das Gelb lässt ein wenig zu wünschen übrig. Da der Hersteller hier seine Ehrgeiz Steady-Color Technologie einsetzt, bleiben sämtliche Mischfarben beim Herunterdimmen in ihrer Farbigkeit erhalten. Die Karlsbader Lampenschmiede hat Logarithmen entwickelt, die ein fast gleichzeitiges „Ausfaden“ aller einzelner Farbkanäle gewährleistet. Erst bei unter einem Prozent Dimmeröffnung sahen wir im Testaufbau einen kleinen Sprung in den Farben. Die Farbmischung ist im Lichtstrahl schon sehr gleichmäßig. Die Abbildung auf einer Fläche besticht durch ihre Homogenität. Es entsteht keine unschöne Korona an den Rändern und keine schlierigen Schattierungen. Nur im Beam-Ansatz sieht man in den obligatorischen 40 cm, bevor aus den sieben separaten Kammern ein ganzer Beam wird, noch ein wenig die Einzelfarben. Abgerundet wird das Farbspektrum mit einem CTO-Kanal und einem „festen Farbrad“. Um eine Überhitzung des Kopfes zu vermeiden, hat Ehrgeiz ein aufwändiges Lüftersystem mit intelligenter Steuerung eingebaut. Die Lüfter können auch per Hand im Gerät oder über das Steuerpult geregelt werden. Droht doch eine Überhitzung, regelt das Gerät die Helligkeit automatisch herunter, um die Wärmeentwicklung einzudämmen. Trotzdem empfanden wir die Lüftergeräusche noch als hoch. Der Dimmer lässt sich dank der 16-Bit-Auflösung sehr feinfühlig steuern. Zwischen 0 und 1% sieht man aber einen deutlichen Sprung, da diese 1% noch relativ hell sind. Es gibt auch die Möglichkeit, zwischen vier Dimmerkurven zu wählen: Linear, Thatrical, Square, Inverse Square.

Ideal für Ambient- und Dekobeleuchtung

Der Helios 7B hat auch bei der Bewegung seine Stärke im Ambient-Bereich. Sehr langsame, ruckelfreie Moves stellen keine Herausforderung dar. Die maximale Geschwindigkeit bei Pan und Tilt ist allerdings nicht so hoch, wie man es von so einer kleinen Lampe erwarten würde. Ehrgeiz wollte hier aber schließlich auch keinen Sharpy-Ersatz bringen. Bei einem modernen, „mehräugigen“ Washlight darf natürlich ein Pixelmapping nicht fehlen. Es gibt fünf verschiedene DMX-Modi. Die zwei „Compressed Modes“ benötigen nur zehn und elf Kanäle, hier ist keine Patternsteuerung möglich. Der Standard Mode hat 16 Kanäle, der Advanced Mode benötigt schon 21. Und selbst dieses kleine Moving Light kann man im „Pixel Mapping Mode“ mit 58 DMX-Kanälen betreiben. Wir haben uns bei unserem Testmodell für den Mittelweg und somit für den „Advanced Mode“ entschieden. Hier ist schon einiges möglich. Der Helios 7B kann mit einem Pattern Select- und einem Pattern Speed-Kanal für viel Freude sorgen. Wer keine 58 Kanäle patchen kann, hat hier die Möglichkeit doch jedes Pixel auszuwählen und in seiner Show zu nutzen.

Um noch kreativer arbeiten zu können, gibt es auch Chaser aus mehreren Schritten, deren Geschwindigkeit über den Pattern-Speed Kanal regelbar ist. Es können ebenso zackige Chaser wie auch weiche Dimmer-Fades aufgerufen werden. Alle Pattern-Effekte sind natürlich auch noch farblich anpassbar. Im 54-Kanal-Mode hat jedes Pixel nicht nur eigene RGBW-Kanäle. Jede einzelne Kammer wird über eine eigene Dimmer- und Shutterfunktion angesteuert. Da sind der Kreativität kaum mehr Grenzen gesetzt.

Fazit: Freiheit und Flexibilität

Im Fazit haben wir es hier mit einem kompakten Farbwunder zu tun, dessen Leuchtkraft auch für mittlere Raumgrößen ausreichen sollte. Das Hauptanwendungsgebiet des Helios 7B sehen wir in der Deko- und Ambientbeleuchtung. Wer kennt nicht die Kundenwünsche: Noch einen Scheinwerfer neben die Tür und noch einen an den Blumenkübel – alles kein Problem mehr. Endlich können auch Säulen mitten im Raum oder Wände jenseits der Fluchttür szenisch richtig mit eingebunden werden. Wahrscheinlich wird man den Helios 7B eher selten in einem Rig antreffen, da das externe Netzteil einen Mehraufwand in der Anschaffung und der Montage mit sich bringt. Wer aber schon Brüder des 7B hat (Ehrgeiz Helios 7), kann damit seine kleinen Bühne bestücken und dann das Lichtdesign in gleicher Qualität mit dem akkugespeisten 7B weiter in den Raum hinein ziehen. Die Einsatzgebiete des kabellosen Multifunktionsscheinwerfers würden noch deutlich größer, wenn er spritzwassergeschützt und somit outdoor-tauglich wäre. Fassaden- oder Parkilluminationen wären schnell und flexibel realisiert. Für einen Listenpreis von ca. 1.500 Euro ist das Akku-Moving Light beim Vertrieb B&K Braun zu erstehen.

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