ChamSys MQ500 im Test

Kampfansage mit vollen Händen: ChamSys MagicQ MQ500 Stadium

Eingebauter Visualisierer, eingebauter Medienplayer, eingebauter 4-fach Netzwerkswitch,3D Pixelmapping, integrierter Filekonverter, bis zu 200 Universen onboard gerechnet – die neue ChamSys MQ500 ist eine echte Kampfansage an den Wettbewerb.

ChamSys MagicQ MQ500 Stadium
ChamSys MagicQ MQ500 Stadium (Bild: Focon Showtechnic)

 

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ChamSys, jeder kennt den Namen und viele Lichtdesigner sowie Operator schwören schon seit Jahren auf die Lichtpulte der MagicQ Serie. Trotzdem hatten die Briten es bisher schwer, aus dem Schatten ihrer zwei großen Konkurrenten hervor zu treten. 2003 war in Southhampton, Südengland, die Geburtsstunde der Firma ChamSys. Die zwei Firmengründer – selber Lichtdesigner und Operator – waren es leid mit Konsolen arbeiten zu müssen, die zwar bestimmt nicht schlecht waren, aber nicht ihrer Arbeitsweise entsprachen. Getreu dem Motto, was ich möchte gibt es nicht, also muss ich es selber entwickeln, stellten sie sich ein Team von Software- und Hardwareentwicklern zusammen. Ein wichtiges Einstellungskriterium war, dass die Ingenieure selber schon mit Licht gearbeitet haben mussten, als Lichtdesigner oder Pultleute. Denn erst wenn alle ganz genau wissen worum es geht und was die Kollegen für ihre Arbeit draußen brauchen, kann man ein Pult entwickeln, was die Essenz der vielen Erfahrungen aus der Praxis ist. Das Ziel war hoch gesteckt: eine Lichtpultserie mit einer einheitlichen Software zu entwickeln, die auf der einen Seite sehr einfach und intuitiv zu bedienen ist, auf der anderen Seite aber alle Funktionen zu bieten hat, die ein Pult der ersten Liga, das international Bestand haben will, bieten muss. Ein weiteres wichtiges Merkmal war ein moderates Preisgefüge. Es entstand die MagicQ-Reihe. Von kleinen „Flugpulten“, die von jeder Fluggesellschaft als Handgepäck anerkannt werden, bis hin zu den großen Tischen reichte bald das Angebot.

ChamSys MagicQ MQ500 Stadium
Hardwaredesign Ein aufgeräumtes und klar strukturiertes Hardwaredesign ermöglicht eine schnelle Bedienung des Pultes. Die nicht motorisierten Fader werden nicht jeden Benutzer glücklich stimmen, bieten dafür aber eine angenehme Haptik und entschädigen mit Leichtgängigkeit. (Bild: Focon Showtechnic)

 

Nach ca. zehn Jahren Entwicklung und Imagebildung kam der Wunsch auf, alles, was ein heutiges Lichtpult können muss, in einem Gehäuse und einer Software zu vereinen. Deshalb wurde zur Prolight + Sound vor vier Jahren eine Konzeptstudie vorgestellt. Sie sollte Denkanstöße liefern, Erfahrungstausch anregen und die geheimstenWünsche der User ans Licht bringen. Wer damals glaubte, dass sich hier bald ein neues tolles Pult ankündigt, musste leider vertröstet werden. Jetzt nach vier Jahren gibt es auf der Messe endlich wieder etwas wirklich Neues von ChamSys zu sehen. Diesmal fertig und bereit zur Auslieferung. Ein Lichtstellpult mit einigen Features, die man so noch nicht gesehen hat. Mit einer Geradlinigkeit zu Ende gedacht, wie es sich viele Operator wohl wünschen: die ChamSys MagicQ MQ500.

Hardware

Beginnen wir mit dem ersten Eindruck. Nachdem sich alle bisherigen MQ-Pulte in Blau darstellten, präsentiert sich die neue 500er in gedecktem Schwarz. Die Abmessungen sind noch handelbar und ergonomisch sinnvoll. Trotz einer integrierten USV bleibt das Gewicht mit 28 kg noch moderat und man kann die Konsole zur Not auch alleine aus dem Case herausheben. Werfen wir zunächst einen weiteren Blick auf die Rückseite zu den Anschlüssen. In klarer Struktur finden wir hier vier 5-pol DMX Outputs, vier Cat.5-Buchsen vom Netzwerkswitch, drei USB-Anschlüsse, eine RS232-Schnittstelle, ein Audio In, LTC In- Out, MIDI In/Out und einen Reset- Knopf. Für einen weiteren externen (Touch-) Screen gibt es auch eine DVI-Steckverbindung. Natürlich sind auch der Netzanschluss mittels PowerCon und zwei XLR-Buchsen für die Pultleuchten implementiert. Sehr interessant ist der baulich integrierte Schwenkarm für den Zusatzmonitor. Der Halter kann an der linken Seite des Gehäuses in eine dafür vorbereitete passgenaue Führung eingeschraubt werden. Es verbirgt sich aber noch ein – so noch nie gesehenes – Feature auf der Rückseite. Man kann nämlich durch einfaches Lösen von vier Rändelschrauben das gesamte Backpanel wie eine Schublade herausziehen und erhält somit Zugang zum Herzstück der MQ500. Das Motherboard mit all seinen Komponenten liegt sehr servicefreundlich und gut zugänglich vor einem. Alle Bauteile sind modular entwickelt und können somit im Schadensfall sehr schnell und ohne spezielle Werkzeuge ausgebaut und getauscht werden. Alle Steckverbindungen, die sich im Pultchassis befinden, sind hier auf der Hauptplatine zu erreichen. Falls sich also wirklich mal etwas beim Transport losgerappelt haben sollte, wird man hier auf einen Blick sehr schnell fündig. Den Herstellern ist es wichtig, eine maximale Performance und Zuverlässigkeit ihrer Hardware zu gewährleisten. Deshalb finden im Pult keine Standard-Computerbauteile Verwendung, sondern alle PC-relevanten Bauteile werden nicht nur in England von ChamSys entwickelt und geplant, sondern auch geätzt und bestückt. Um diese Philosophie konsequent zu Ende zu bringen, ist natürlich eine SSD-Platte verbaut. Bemerkenswert ist auch, dass es die Software für Windows, Linux und Mac gibt!

ChamSys MagicQ MQ500 Stadium
Interner Visualizer Die Möglichkeit sich 2D- und 3D-Ansichten seines Designs im Pult anzeigen zu lassen, machen das Auswählen von Gruppen und das Einleuchten sehr schnell und komfortabel (Bild: Focon Showtechnic)

 

Der nächste Blick geht zum Frontpanel. Dominierend sind hier natürlich die zwei 15″-Multitouchscreens. Je nachdem welcher Inhalt gerade in den Fenstern dargestellt wird, bietet die Multigestensteuerung verschiedene Funktionen. Die Vielfalt der Möglichkeiten ist momentan noch nicht ausgeschöpft, diese werden im Laufe der Zeit bei neuen Softwareaktualisierungen weiter ausgebaut. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der MQ500 sind die acht Encoder! Sie sind am unteren Rand und an der rechten Seite des rechten Screens angeordnet. Sie dienen der Einstellung der Parameter der Scheinwerferfunktionen. Mit acht Encodern hat man immer einen sehr guten Überblick auf die Features der gerade angewählten Funktionen und muss nicht noch in verschiedenen Ebenen hin und her wechseln. Natürlich wird jede Funktion und Wert pro Encoder im Bildschirm als Softkey dargestellt. Sehr schön ist hierbei, dass man den Softkey drücken kann und dann der Wert dieses Kanals um einen sinnvollen Wert weiter springt. Bei dem Feature „Gobo“ zum Beispiel kann man so sehr schnell von Gobo zu Gobo springen. Die blau hinterleuchteten Tasten an den Drehknöpfen sind für die gleiche Aufgabe vorgesehen. So kann jeder Benutzer nach seinen haptischen Vorlieben entweder einen echten oder einen virtuellen Drucktaster benutzen.

Die linke Hälfte wird von den Playbacks dominiert. Es stehen 15 Fader zur Verfügung – Playback 1 bis 15. Direkt darüber hat jeder Regler einen Select-Taster, um ihn selektieren zu können und seine Play- und Pause-Taste. Unterhalb ist, wie sich das gehört, ein dazu gehöriger Flashbutton. Über den Faderzügen mit ihren dazugehörigen Tasten gibt es noch 15 Taster, Playback 16 bis 30. Sie sind frei belegbar, auch die Funktion des Tasters kann beliebig gewählt werden. Wem diese Anzahl an Playbacks noch nicht genügt, kann im Setup die Playund Pause-Tasten auch noch zu Playbackbuttons umfunktionieren. Die Fader sind zwar nicht motorisiert, dadurch aber sehr leichtgängig. Durch diesen Komfort und den eher kurzen Regelweg wird ein feinfühliges Steuern mehrerer Fader mit den Fingerspitzen ermöglicht. Für die Puristen in den Theatern stehen natürlich noch zwei extra lange Crossfader zum Überblenden zur Verfügung.

Die rechte Hälfte ist hauptsächlich die Programmiersektion. Hier finden sich alle Tasten, die man zum schnellen Bedienen des Pultes benötigt. Auch hier sieht man die Firmenphilosophie: Wenig Schnickschnack, viele Tasten für Direktzugriffe und so gut wie keine Doppelbelegungen mit Tastenkombinationen. Das erhöht die Arbeitsgeschwindigkeit enorm und hält den Kopf frei. So
gibt es zum Beispiel 17 Tasten, die direkt auf diverse Bildschirminhalte zugreifen. Jede mögliche Funktion eines Scheinwerfers hat eine direkte Taste. Drei Tasten können von den Programmierern selber frei belegt werden. Linker Hand der Programmiereinheit wurden noch zwölf weitere frei belegbare Taster und Executer untergebracht. Diese können entweder wie Playbacks genutzt oder mit Macros, Groups oder Paletten belegt werden. So ergeben sich drei Arten von Playbacks: Fader, Buttons und Executer. Bei allen drei Wegen können die Pages unabhängig voneinander gewechselt werden. Alle Tasten sind nicht hinterleuchtet – nur die Taster der Flash, Button und Executer haben eine RGB-LED eingebaut. Sie zeigen an, ob sie belegt sind. Diese LEDFarben können einzeln eingestellt werden und sorgen so für noch mehr Übersichtlichkeit.

Neues in der Software

Eines der Highlights der MQ500 ist der integrierte MagicVis Visualisierer. Damit können im Pult ganz einfach der 2D-Plan sowie eine 3D-Ansicht des Stage Plots in den Views dargestellt werden. Verschiedene Sortier- und Selektionsmöglichkeiten der Scheinwerfer erleichtern und beschleunigen das Arbeiten. Die Scheinwerfer, die man sich hier auswählt, werden in den Programmer geladen und können somit direkt eingestellt werden. Um das Einleuchten von Moving Lights noch schneller zu gestalten, gibt es in der Software noch ein paar nette Hilfsfunktionen. Der Follow-Mode richtet alle Lampen auf einen Punkt aus, den man in der 3D-View festlegt. Beim Follow-Line-Mode werden alle Lampen entlang einer Linie aufgereiht. Diese Linie kann man natürlich frei in den 3D-Raum legen, so wie man es benötigt. Sehr schön ist auch, dass der Blindmodus im MagicVis nicht funktioniert. Das heißt, dass man in einer Livesituation den Output seines Programmers zwar mit Blind unterdrücken kann, er im 3DVisualisierer allerdings als Vorschau dargestellt wird, so dass man im Verborgenen weiter arbeiten kann. Sehr charmant ist auch die Möglichkeit, lange auf die S-Taste eines Playbackfaders zu drücken. Dadurch wird nämlich der Inhalt des Cue im 3D dargestellt, der hier gespeichert wurde. Eine perfekte Preview!

ChamSys MagicQ MQ500 Stadium
Pre-Programming Mit dem implementierten Visualisierer kann man jeder Zeit – auch ohne Zusatzhardware – weiter an der Show arbeiten. Praktisch, dass das auch im Blindmodus geht. (Bild: Focon Showtechnic)

 

Man kann in der MagicQ-Software komplett 2D und 3D zeichnen. Das Ergebnis ist wohl nicht dazu geeignet Präsentationen für den Kunden zu generieren, stellt aber dem Operator das Licht- und Mediensystem im Set sehr anschaulich dar. Das ist unerlässlich beim Pre-Programming und sehr hilfreich auf Tour und in Festivalsituationen. Man kann in dem Plan auch verschiedene Fixture-Informationen ein- oder ausblenden. Das können Fixture-Nummern, Patch-Adressen oder andere Informationen sein, die im Setup des Showfiles für das jeweilige Gerät festgelegt wurden. Auch hier wurde bis zum Ende gedacht, denn diese Pläne und Sheets können aus dem Showfile als PDF auf einen USB-Stick exportiert und mit einem PC ausgedruckt werden.

Ein weiteres neues Feature in der MQ500 ist der implementierte Medienplayer MagicHD. Er dient zum Abspielen von Filmen und Bildern oder zum Ansteuern von bis zu 50 Medienservern. Seine interne Stärke spielt er aber beim Pixelmapping aus. Das ist erst mal nichts Außergewöhnliches, allerdings denkt dieser Pixelmapper in drei Dimensionen.

Wenn man also in seinem Design viele LED-Ketten oder -Sticks in räumlicher Anordnung geplant hat, kann man ohne Probleme die dadurch entstandene Tiefe bespielen und seine Inhalte dreidimensional wirken lassen. Mit Hilfe des Live Feed-Support können auch Kamerasignale direkt ins Pult eingespeist und weiter verarbeitet werden. Natürlich können alle Medieninhalte auch im MagicVis dargestellt und vorprogrammiert werden. Ein sehr schönes Tool ist der CMV Converter. Mit seiner Hilfe kann man fast jedes beliebige Dateiformat in seine Show einlesen. Das Pult konvertiert das Format dann automatisch in ein für das Pult lesbares Dateiformat und rechnet es gleichzeitig auf die Größe der gepatchten Pixelmatrix um.

Natürlich könnte man jetzt noch vieles mehr über die Magic- Q-Software schreiben, da die Basics davon aber schon länger in den ChamSys-Pulten eingesetzt werden, haben wir uns hier auf die Neuigkeiten beschränkt. Doch für die neuen Freunde von ChamSys wollen wir hier noch ein paar weitereMerkmale dieser User-orientierten Software erwähnen. Es sind gerade die kleinen Features, die die Pulte der MQ-Reihe so detailverliebt erscheinen lassen. Der MagicQ Multiwindows Client zum Beispiel ist eine App für einen PC, der, wenn er im Netzwerk eingebunden ist, zu einem zusätzlichen Monitor sowie zu einer externen Tastatur wird. Natürlich gibt es auch einen DMX Viewer. Bei bis zu 200 Universen macht es schließlich auch Sinn, wenn man stets den Überblick über die tatsächlichen Aktivitäten in seinem Netzwerk hat.

ChamSys MagicQ MQ500 Stadium
Netzwerkswitch Nicht neu, aber immer noch ein Alleinstellungsmerkmal, ist der eingebaute 4-fach-Netzwerkswitch (Bild: Focon Showtechnic)

 

Apropos Netzwerk. Die MQ500 gibt selber vier DMX-Universen aus. Alle weiteren werden entweder als ArtNet. I-III, Pathport oder sACN ausgespielt. Die gesamte Rechenleistung sitzt in der Konsole, es werden keine weiteren externen Prozessoren benötigt. Je nach Endgerät versteht der Scheinwerfer selber schon eines dieser Protokolle oder man nutzt einen entsprechenden Knoten, der das Ethernetsignal auf DMX512 auflöst. Zum Thema Netzwerk gehört natürlich auch die Frage nach den verschiedenen Modi, also wie ein modernes Lichtpult im Netzwerk integriert sein kann. Hier ist alles möglich, was man so brauchen kann. Es gibt den Playback Sync Mode, in dem alle Pulte identisch sind – also ein Full Backup-Mode. Es gibt den Playback Sync Multi Control Mode; in dieser Konfiguration können mehrere Pulte an einem Showfile arbeiten, ohne sich gegenseitig zu stören. Und es gibt noch den Inhibit Sync Mode, in dem nur die Playbacksektionen von Pult zu Pult getrennt sind. Mehrere Operator können von mehreren Pulten über unterschiedliche Pages die gleiche Show steuern.

Fazit

Die Magic Q500 ist ein Lichtpult für den rauen Alltag in der Veranstaltungsbranche. Es ist übersichtlich angelegt und kann von den Operatoren sehr schnell, auch ohne Informatikstudium bedient werden. Das ist im Touring und vor allem bei Festivals ein großes Plus. Mit dem Konzept alles in einem Pult zu vereinigen, was ein heutiges, modernes Lichtpult alles steuern können muss, bringt sich ChamSys erst mal ganz nach vorne. Die selbstverständlich geforderte Netzwerkfähigkeit mit all ihren Features ist genauso fertig entwickelt und stabil wie die große Anzahl an Universen, die ausgespielt werden können und nur von einer großen CPU gerechnet werden. Dass dafür keine weiteren externen Prozessoren gebraucht werden, macht die ChamSys-Familie auch kaufmännisch betrachtet sehr interessant.

Die MQ500 wird es in drei Versionen geben: zum einen mit 64 und mit 127 Universen. Um alle 200 Universen nutzen zu können reicht es, seine Hardware mit einem USB-Dongle aufzurüsten. Dieses Jahr wird auf der Prolight + Sound zu der ohnehin schon neuen Konsole auch noch ein Faderwing vorgestellt. Dieses wird zusätzliche 15 Fader liefern und einen weiteren Touchscreen haben. Alle älteren Wings aus dem Hause ChamSys können natürlich auch an die MQ 500 angeschlossen werden. Die aktuell erhältliche Konsole mit 64 Universen ist für einen Listenpreis von 15.480 Euro zzgl. MwSt. bei Focon Showtechnic erhältlich.

 

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