Neue Freiheiten in der Beleuchtung

SGM G-1 Beam im Test

Kabellose Moving Lights: Mit der neuen G-1-Serie läutet SGM die nächste Phase der lichttechnischen Evolution ein – nach serienmäßig Wireless-ansteuerbaren Scheinwerfern und statischen Akku-Leuchten erzeugen mit dem G-1 Beam und Wash endlich auch die ersten professionellen, komplett kabellosen Moving Lights das Licht der Welt.

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Egal ob mit dem leistungsstarken, mittlerweile als Branchenstandard etablierten Fluter P5, dem X5 als echter LED-Alternative in Sachen Stroboskop oder dem G-Spot als erstem ernstzunehmenden Outdoor-Spotlight mit IP65-Klassifizierung – immer wieder überrascht das mittlerweile in Dänemark ansässige Unternehmen SGM mit neuartigen und innovativen LED-Produkten. Zur Prolight+Sound 2016 präsentierte die Mannschaft um CEO Peter Johansen nun mit der G-1 Serie die ersten vollständig vom Kupferzwang befreiten, professionellen und natürlich ebenfalls outdoorfähigen Moving Lights und erweitert damit kabellose und effiziente Lichtgestaltung um die zusätzliche Dimension der Bewegung.

Aufbau des G-1

Der G-1 soll das Leben leichter machen – und dies beginnt bereits bei Größe und Gewicht unseres Testgerätes, einem G-1 Beam: Mit gerade einmal gut 38 cm Höhe und knapp 9 kg Gewicht gestaltet sich auf jeden Fall schon einmal das Handling des Scheinwerfer-Zwerges äußerst angenehm. Das Design ist ansprechend und eine Verwandtschaft zur G-Serie nicht zu übersehen, die Verarbeitung dabei qualitativ hochwertig und robust – anders wäre wohl eine IP65-Klassifizierung auch nicht zu erreichen. Die Proportionen wirken nicht unästhetisch, verhalten sich aber umgekehrt zum gewohnten Erscheinungsbild: Beim G-1 sitzt ein extrem kleiner Kopf in einem etwas überdimensioniert wirkenden Bügel auf einem massiven Basement. Der Grund hierfür findet sich schlicht in den Lithium-Ionen-Akkumulatoren für den kabellosen Betrieb, von denen bis zu drei Stück im Basement untergebracht sind und die dementsprechend Platz benötigen.

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Große Akkus Einen großen Teil des Platzes im Basement nehmen die drei Lithium-Ionen-Akkumulatoren (links) ein. Die komplette Elektronik samt Motoren und Display sind im Bügel des G-1 untergebracht (Bild: Stefan Junker)

 

Auf der Unterseite finden sich neben zwei Camlock-Aufnahmen auch fünfpolige DMX-Anschlüsse, von denen DMX-In als Neutrik HD-Buchse, DMX-Out als Neutrik HD-Kabelstecker mit kurzem Kabel ausgeführt ist. Dies ermöglicht in „kurzgeschlossenem“, also verbundenem Zustand – und in Kombination mit dem seitlich am Basement angebrachten Power-Con True1-Anschluss für Akkuladung oder Feststrombetrieb – die Aufrechterhaltung der Staub- und Wasserdichte nach IP65 im sensiblen Bereich der Kabelverbindungen. Was im Wireless-Betrieb mittels serienmäßig implementiertem Lumen-Radio W-DMX-Modul ein aufgeräumtes System ohne lose baumelnde Anschlusskabel bietet, ist aufgrund der „versteckten“ Position der DMX-Anschlüsse im verkabelten Betrieb dann aber doch etwas fummelig. Ebenfalls auf der Unterseite befindet sich eine LED zum Ablesen des Batterie-Levels bei Laden des Scheinwerfers im Case.

 

Am auffälligsten aber dürften bereits beim ersten Blick auf die Leuchte die beiden „Butterfly-Verschlüsse“ ins Auge fallen, die den Kopf auf dem Basement fixieren. Hintergrund hierbei ist es, die aufgrund der Outdoorfähigkeit fest und versiegelt verbauten Akkus bei Bedarf als komplettes Basement möglichst unkompliziert tauschen zu können. Weiterhin soll in naher Zukunft auch der Betrieb mit dementsprechend kleineren und flacheren Feststrom-Modulen ermöglicht werden.

Interessant ist dabei die Umsetzung der Sekundärsicherung. Da beide Einheiten ohne Werkzeug voneinander zu trennen sind, müssen folgerichtig auch Kopf und Basement über eine unabhängige Sekundärsicherung verfügen. Gelöst wurde das beim G-1 über ein U-förmiges Metallprofil am Kopf, das sich über das Basement legt und mit Teilen der Bodenplatte zur Deckung kommt. Passgenaue und großzügige Aussparungen erlauben es nun, mit nur einem Safety gleichzeitig Kopf und Base zu sichern – eine gleichermaßen durchdachte wie praxisgerechte Lösung.

Die komplette Elektronik samt Motoren und Display sind im Bügel des G-1 untergebracht und deshalb – in Kombination mit den ebenfalls hier angebrachten, großen Griffen – für die verhältnismäßig massive Dimensionierung verantwortlich. Der Kopf selbst ist sehr klein und kompakt, im Inneren sorgt eine 50 W starke Weißlicht LED-Lichtquelle für die optische Power. Die nachfolgenden Beambearbeitungen sind mit Farb- und Goborad sowie Fokuslinse sicherlich nicht gerade üppig – für filigrane Kundengobo-Projektionen ist der G-1 Beam aber auch nicht gemacht.

Praxis für Manual-Verweigerer

Beginnen wir zunächst mit den Standardfeatures des Moving Lights. Nach einem kurzen Reset fällt zunächst der extrem niedrige Geräuschpegel des – zumindest kopfseitig rein konvektionsgekühlten – Scheinwerfers auf. Lediglich ein minimales Lüftergeräusch aus dem Basement erzeugt ein zu vernachlässigendes Geräusch. Das Setup des G-1 ist für Betriebsmodi-Geschädigte, User-Setup-Verweigerer und Invertierungs-, Dimmerkurven- oder Farbraum-Verzweifler geradezu ein Fest: Die Adresse einstellen – fertig! Wer will, kann selbst diese erst im Nachhinein über RDM konfigurieren, wenn die Einheiten zumindest signaltechnisch per Kabel gespeist werden. Die Menüführung ist aufgrund der wenigen Parameter sehr übersichtlich und intuitiv bedienbar – vorausgesetzt, man kann die winzige Schrift im Mini-Display mit nicht mehr hundertprozentiger Sehkraft noch lesen. Um die Konfigurationen zu erleichtern, stoppt der Kopf bei Betätigung einer der vier Menütasten, bevor er nach zehn Sekunden Inaktivität seine Arbeit wiederaufnimmt. Der G-1 Beam hat exakt einen Betriebsmode mit zwölf Kanälen, Pan/Tilt wird dabei extern mit 16 Bit aufgelöst, der Dimmerchannel lediglich intern auf 16 Bit interpoliert.

 

Die Helligkeit des LED-Weißlichtclusters gibt SGM mit 62.000 lux in drei Metern Abstand an, die Farbtemperatur beträgt 6.500 K mit einem CRI von 80. Im direkten Vergleich zu konventionellen Beamlights liegt der G-1 merklich zurück, bietet aber dennoch ordentlich Power für zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten. Bei Movements überzeugt der Beam gleichermaßen mit sanften wie auch sehr schnellen Bewegungen, 540° Pan schafft er in ca. 2,16 Sekunden, für 240° Tilt benötigt er knapp eine Sekunde. Das Farbrad bietet mit 14 Farben plus Weiß eine solide Auswahl an Voll- und Halbfarben sowie Farbdurchlauf-Effekte. Lediglich die Farbe Rot kann hier in ihrer Sättigung nicht ganz überzeugen, ebenso wie auch die Unterschiede von zwei der jeweils dreifach vorhandenen Grün-, Blau- und Magentatöne etwas deutlicher hätten ausfallen dürfen.

Die 19 statischen Gobos des Goborades lassen sich nicht einzeln, sondern lediglich im Ganzen auf Kundenwunsch tauschen. Auf der Scheibe zu finden sind hier neben einer guten Auswahl diverser Motive auch Pseudo-Iris-Blenden, die den fix auf 2,8° festgelegten Abstrahlwinkel mechanisch auf bis zu 0,3° abschatten können. Ein weiteres, sehr interessantes Feature sind zwei Effekt-Areas auf dem Rad, im Prinzip langgezogene Teile eines horizontalen und vertikalen Musters. Hier lassen sich nun Oszillations-Effekte (also in die Länge gezogene Gobo-Shake-Bewegungen) erzeugen, die bei langsamen Geschwindigkeiten ein Animationsrad imitieren – sieht man einmal davon ab, dass sich die Drehrichtung periodisch ändert und das Rad bei langsamster Rotation etwas zu ruckeln beginnt. Äußerst nette Gimmicks bot der G-1 im Test auch beim Shutter, erfahrungsgemäß nicht das Feature für Überraschungen. Hier lassen sich neben Open/Close und den üblichen Strobe- und Random-Effekten auch Lightning, Double- und Triple-Strobe sowie White Noise auswählen, wobei besonders Ersteres und Letzteres vor allem in größeren Stückzahlen interessante Looks ergeben. Zuletzt bietet auch noch ein Makrokanal eine große Auswahl vorgefertigter Muster, bei denen vor allem die Gobospielereien mit den verschiedenen Blendenöffnungen als Iris-Effekte zu gefallen wussten.

Highlights: Laufleistung, Endlosrotation, manuelle Positionsspeicherung …

Kommen wir aber nun zu den wirklich besonderen Merkmalen des G-1 Beam. Eines der markantesten ist dabei sicherlich, dass der Scheinwerfer nach Abziehen des Netzkabels weiterhin seinen Dienst verrichtet – und das in ordentlichem Umfang. Wir haben hier bei unserem Testgerät folgende Werte ermittelt: Im Hardcore-Test mit Dauer-Circle und 100 Prozent Helligkeit hielt der Scheinwerfer ganze sieben Stunden durch, als statischer Look immerhin gute acht Stunden! Einen Standby-Modus zur Überbrückung der Zeit zwischen Setup und Show gibt es leider nicht, ein per Konsole auf dem Control-Channel gesendeter OFF-Befehl mit Abschalten der Motoren lässt den Scheinwerfer leider nur durch die Betätigung einer Menütaste wieder aus dem Tiefschlaf holen und ist daher nur als Tiefentladungsschutz vor dem Abbau zu verwenden. Eine von uns gemessene Zeitspanne von 86 Stunden (!) im Pseudo-Standby, also motorischem Stillstand ohne Output, dürfte in der Praxis dabei aber mehr als ausreichend sein.

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Beambearbeitung: Das Goborad bietet neben einer guten Auswahl an Motiven auch Pseudo-Iris-Blenden, die den Abstrahlwinkel mechanisch auf bis zu 0,3 abschatten können. Die beiden Effekt-Areas imitieren mittels Oszillation bei langsamen Geschwindigkeiten ein Animationsrad. (Bild: SGM)

 

Für den Anwender wichtig ist dabei, diesen OFF-Befehl nicht irrtümlich auszulösen. Wird der Kopf beispielsweise verdreht, so kehrt er selbstverständlich wieder in seine Ausgangslage zurück – kann er das aber nicht, weil beispielsweise ein Case beim Aufbau den Kopf verdreht und blockiert, so schaltet der G-1 nach wenigen Sekunden ebenfalls ab. Dies ist eine implementierte Sicherheitsfunktion, um ein mögliches Bewegen im Case zu verhindern – akkubetriebene und somit autark arbeitende Einheiten verlangen eben auch in puncto Lagerung und Transport spezielle Denkweisen. Ist der Tank einmal leer, benötigt eine komplette Ladung laut SGM zwischen 12 bis 16 Stunden und ist dementsprechend durchaus zeitintensiv. Nach ca. 500 vollständigen Lade- und Entladezyklen sinkt die Kapazität nach Herstellerangaben dabei auf rund 85 % des Initialwertes. Eine weitere Besonderheit ist die Möglichkeit, über den Pan-Mode-Kanal die Bewegungseinschränkungen des Scheinwerfers aufzuheben.

Die dadurch ermöglichte Endlos-Rotation bietet äußerst interessante Leuchtturm-Effekte in unterschiedlichen Richtungen und Geschwindigkeiten – eigentlich ein „must-have“-Feature für jedes Beamlight. Bereits einige Male erwähnt wurde die IP65-Klassifizierung des G-1, die dank des gekapselten Systems aber nicht nur uneingeschränkte Outdoorfähigkeit, sondern auch maximale Servicefreundlichkeit und minimalen Wartungsaufwand zur Folge hat – gerade in Kombination mit einer LED-Lichtquelle und deren Lebensdauer von 50.000 Stunden. Verschmutzungen von internen Linsen und Goborädern gehören damit der Vergangenheit an und sind somit auch indoor ein klarer Vorteil.

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Praxisgerechte Sekundärsicherung da Kopf und Base ohne Werkzeug voneinander zu trennen sind, müssen beide über eine zweite Sicherung verfügen – hier über ein U-förmiges Metallprofil am Kopf, das sich über das Basement legt und mit Teilen der Bodenplatte zur Deckung kommt. Aussparungen erlauben, mit einem Safety gleichzeitig Kopf und Base zu sichern. (Bild: Stefan Junker)

 

SGM G-1 Beam

Ein letztes Schmankerl findet man im Stand-Alone-Modus des Beamlights. Auch hier versuchten die Entwickler, es dem Anwender so einfach wie möglich zu machen und beschreiten einen neuen, zum Patent angemeldeten Weg der „Programmierung“. Das Erstellen von Pan/Tilt-Positionen erfolgt beim G-1 einfach durch Anwahl des Menüpunktes „Manual/Store Position“ und anschließendem Positionieren des Kopfes per Hand. Das Drücken der Enter-Taste und ein kurzzeitiger Farbwechsel auf Grün bestätigen daraufhin die Übernahme des Presets. So können extrem schnell bis zu neun Positionen gespeichert werden, die anschließend über acht interne Programme in unterschiedlicher Weise abgefahren werden – leider bisher nahezu ausschließlich in Weiß und ohne Gobo, hier sollen in den nächsten Updates weitere Möglichkeiten hinzukommen.

Fazit

Neuartiges und Innovatives birgt immer auch das Risiko, den Unmut derer auf sich zu ziehen, die dabei Althergebrachtes vermissen. Folgerichtig kann man auch beim G-1 von all dem sprechen, was er nicht hat – der Scheinwerfer liegt ohne Farbmischung, Zoom, Iris und Prisma weitab der nahezu vollumfänglichen Ausstattung eines G-Spot. Wenn man umgekehrt davon spricht, was er bietet: Neben einem kräftigen Output, einem facettenreichen Farbrad, einem Goborad mit interessanten Oszillations-Effekten und einer endlosen Pan-Rotation in erster Linie die Tatsache, mit dem SGM G-1 Beam ein großes Stück Freiheit in Sachen Lichtgestaltung zu erwerben. Insgesamt also ein in Kombination mit Akku, W-DMX und IP65-Klassifizierung nahezu wartungsfreies System für eine Vielzahl von Anwendungen, egal ob im Indoor- oder Outdoorbetrieb.

Ganz gleich ob der G-1 in großen Stückzahlen geordert und somit wirtschaftlich erfolgreich oder es sich eher um einen Vordenker in Sachen Lichttechnik 2.0 handeln wird – der G-1 Beam hat auf jeden Fall seine Berechtigung am Markt. Der SGM G-1 Beam ist seit der Prolight+Sound 2016 lieferbar, der Netto-Listenpreis beträgt 2.850,− €, die drei Akkumulatoren schlagen noch einmal mit 300,− € netto zusätzlich zu Buche.

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