Streaming-Software

Test: Wirecast Pro 14.2

Wirecast schlägt als Streaming-Software von Telestream eine Brücke zwischen professionellem Broadcast und Endkunde: Besonders das Designen von Bildinhalten soll sie vereinfachen. Wir haben uns die neuste Version (14.2 von Ende April 2021) der Software für Prosumer angeschaut.

Wirecast Pro 14.2 Production Partner Test
Wirecast Pro 14.2 im PRODUCTION PARTNER-Test (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

Übersicht:

Herkunft aus der Medienauslieferung
Testsetup und Spezifikationen
Hardware: Wirecast Gear
Bedien-Interface
Quellen
Generierter Content & Content on Demand
Gäste einbinden: Wirecast Rendezvous
Output auf Portale
Live Compositing
Steuerung
Fazit


Mit den Besonderheiten digitaler Events sollten wir nach über einem Jahr Corona allmählich vertraut sein. Der Weg zu den Lösungen für die neuen Formate war jedoch nicht immer leicht. Während wir zu Beginn der Online-Welle noch mit den harten Fakten beschäftigt waren, wie man Content am zuverlässigsten in das Internet verschiebt, rückten kurz darauf die gestalterischen Ansprüche in den Fokus. Schnell wurde klar, dass wir mehr im Sinne von Broadcast denken müssen und unsere üblichen Planungen nicht mehr alle Aufgaben abdecken. Mit weniger Personal sollen immer attraktivere Streams entstehen. Der Anspruch an die Qualität eines Kamerabildes mag durch den Home-Office-Alltag gesunken sein, der Anspruch an die Bildgestaltung eines Livestreams ist dagegen höher denn je.

Eine Variante, mit der man diesen Anforderungen auch unter Kostendruck gerecht werden kann, ist die Software-basierte Bildgestaltung. Wo der Bildmischer für mehrere Tausend Euro ans Bild-im-Bild-Limit kommt, fangen viele Software-Lösungen noch nicht einmal an zu stottern. Dabei bieten Softwarelösungen auch einen guten Ort, um sich abzuschauen, welche gestalterischen Mittel überhaupt zum Einsatz kommen könnten. Mit Wirecast haben wir eine Software im Test, die das Design von Bildinhalten besonders einfach machen soll.

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Herkunft aus der Medienauslieferung

Wirecast ist eine Entwicklung von Telestream: Der 1998 gegründete US-Konzern ist auf Produkte zum professionellen Content-Management für Broadcast-Dienstleister spezialisiert. Telestream bietet Lösungen für Cloud-Transcoding, Archivierung, Analyse und Qualitätskontrolle von Videodaten. Automatisierungstools für Post-Produktions-Abläufe, Videoplayback- und Capture-Dienste sowie Render-Werkzeuge gehören ebenfalls zum Repertoire. Man kann sagen, dass Telestream alle Aspekte der Medienauslieferung mit Hardware, Software und Cloud-Diensten beliefert.

Seit über 15 Jahren bietet Telestream mit Wirecast eine Streaming-Software für Prosumer aus aller Welt an. Die Software schlägt dabei eine Brücke aus dem spezialisierten Broadcastbereich direkt ans Ufer von Endkunden. Wirecast sieht sich als leicht zu bedienende Software, die alle gestalterischen und technischen Aufgaben im Live-Streaming meistern kann. Inwieweit dieses hoch gesteckte Ziel unseren Anforderungen im professionellen Live-Event gerecht wird, wird dieser Test von Wirecast Pro 14.2 zeigen.

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Testsetup und Spezifikationen

Wirecast ist sowohl für MacOS als auch für Windows erhältlich. Damit ist das Programm eines der wenigen etablierten Streaming-Tools, welches Crossplattform-Unterstützung bietet. Beim Kauf von Wirecast soll man sich zwar für ein Betriebssystem entscheiden, die MacOS-Lizenz ließ sich bei unserem Versuch dennoch auch auf Windows aktivieren, nachdem die Lizenz vom Mac entfernt worden war. Getestet haben wir die Version 14.2 vom 28. 4. 2021. Mit diesem Update kamen einige Neuerungen: ein Framerate-getreuer Live-Display-Output, native Unterstützung für M1-Prozessoren, Platzhalter für Presets und einiges mehr. Der Zeitpunkt für einen genaueren Blick war daher denkbar günstig.

Zur Testumgebung: Wir testen die Software auf einem iMac mit 3,7 GHz 6-Core Intel Core i5 Prozessor, 32 GB RAM und Radeon Pro 580X mit 8 GB. Das Betriebssystem war MacOS Catalina 10.15.6. Für einen Langzeit-Stream auf YouTube nutzen wir einen AERO 15x mit i7-8750H Prozessor, 32 GB RAM und NVIDIA GTX1070. Für den wesentlichen Teil unserer Betrachtung sind wir also eher am unteren Ende der Anforderungen, da für intensive Aufgaben ein i7-Prozessor empfohlen wird.

Wirecast gibt es in zwei Versionen: Wirecast Studio und Wirecast Pro. Der Kontext, in dem wir uns bewegen, spricht eindeutig für die Pro-Version. Beispielsweise sind der NDI-Output, der separate Live-Display-Output, ISO-Recordings und die PTZ-Steuerung nur in der Pro-Version zu haben.


Hardware: Wirecast Gear

Telestream bietet neben der reinen Software als Wirecast Gear auch schlüsselfertige PC-Systeme in drei Ausbaustufen an.

Wirecast Gear
Wirecast Gear (Bild: Telestream / ComLine)

Die Custom-PCs sind in ansprechenden 2HE-/19″-Gehäusen verbaut und bieten neben der Wirecast-Lizenz noch zusätzlich eine Lizenz für NewBlue Titler Live Complete. Der Output der Software für dynamische Bauchbinden und 3D-Grafiken lässt sich direkt in Wirecast integrieren. Zudem sind Capture-Karten in den Geräten verbaut. Lediglich die größte Ausbaustufe, der Wirecast Gear 420, verfügt über eine dedizierte NVIDIA-Quadro-Grafikkarte und damit über vier Encoder NVENC x264. Der 420 hat zudem auch einen SDI-Output.

Die Geräte kosten zwischen rund 5.000 bis 8.000 EUR. Offizieller Distributionspartner in Deutschland ist die ComLine GmbH.


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Bedien-Interface

Videoswitching-Software leidet unter dem Fluch und Segen, dass es keine etablierte Norm gibt, wie die Bedienung aufgebaut sein sollte. Auch wenn bei Videomischern Konzepte allmählich infrage gestellt werden, so sind sich Hardware-Mischer in der Bedienung alle sehr ähnlich. Vergleicht man Software, sind die Unterschiede deutlich größer. Wirecast, MimoLive, vMix, OBS, TriCaster: alle gehen ihren eigenen Weg.

In Sachen Bedienoberfläche macht Wirecast aber einen sehr guten Job. Wenngleich die deutsche Übersetzung etwas holprig ist, bleibt das Interface intuitiv und übersichtlich. Wir haben unser System dennoch auf Englisch umgestellt, um einen besseren Bezug zum Handbuch herstellen zu können ‒ dieses gibt es nur auf Englisch. Man kann die Oberfläche in drei Bereiche unterteilen: Layer, Monitoring und Setup. Nur selten springt man von Pop-up-Fenster zu Pop-up-Fenster, um Änderungen vorzunehmen. Die Bearbeitung von Layern kann direkt im Preview-Fenster erfolgen. Größe, Rotation und Position lassen sich so schnell verändern. Dabei unterstützen Hilfslinien, an denen die Shot Layer einrasten. Man kann natürlich auch pixelgenau arbeiten und exakte Werte eintragen, aber in der Regel schiebt man den Content doch mit der Maus an seinen Platz.

Preview und Programm Wirecast Pro 14.2
Preview und Programm Der Bereich für das Monitoring ist klar und einfach. Buttons für das Abhören von Preview- und Programmton, Zugriff auf Start und Stop von Stream, Recording, ISO-Recording und Bildschirmoutput: die wichtigsten Funktionen erreicht man schnell per Mausklick. Achtung: Beim Stoppen von Recording oder Stream gibt es keine Sicherheitsabfrage! (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

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Quellen

Capture Quellen

Wirecast bietet viele Möglichkeiten, Content einzubinden und auch einige Möglichkeiten, Content direkt im Programm zu erstellen. Die Unterstützung von Webcams und Capture-Karten ist natürlich eine Selbstverständlichkeit. Ebenso sind Audio-Interfaces und der Desktop-Ton problemlos integrierbar.

Screen Captures lassen sich für komplette Monitore, AOI, einzelne Programmfenster oder Spiele konfigurieren. Der Mauszeiger kann auf Wunsch ausgeblendet werden. Mit Telestreams Remote Desktop Presenter können andere Desktops im Netzwerk geteilt und eingebunden werden, wir nutzten dafür dennoch lieber OBS mit NDI-Output.

Lokale Medien

Wirecast unterstützt das Einbinden von Bildern, animierten Gifs, Videos und Audiodateien. Alpha-Kanäle werden unterstützt, Videodateien wie ProRes 4444 üben aber eine nicht zu unterschätzende Prozessorlast aus. Einen integrierten Converter für nicht unterstützte Formate gibt es nicht, aber die Palette an unterstützten Codecs und Formaten ist angemessen. In- und Out-Points für Videos legt man einfach mit Slidern im Vorschaufenster fest.

Netzwerkquellen

Über Netzwerk sind weitere Quellen verfügbar. Die App „Wirecast Go“ lässt eine schnelle und einfache Anbindung von Handykameras zu. Mit einem iPhone SE von 2016 funktioniert das auch flüssiger als per NDICam. Wirecast Go scheint weniger ressourcenhungrig zu sein.

NDI-Quellen stehen natürlich auch zur Verfügung. Trotz i5-Prozessor konnten wir drei Full-NDI-Quellen problemlos miteinander mischen und nebenbei auf YouTube streamen, ohne dabei Frames zu droppen. In den Eigenschaften erkennt man die Auflösung, Bildwiederholfrequenz und den Audiostatus der NDI-Quelle. Außerdem kann man zwischen hoher und niedriger Bandbreite oder Audio Only wählen und die Decodierung auf die GPU verschieben. Derartige Optionen und Analysedaten vermisst man sonst in den meisten Softwarelösungen, in denen sich NDI einbinden lässt. Es gilt dennoch, das System den Anforderungen entsprechend zu dimensionieren und die Limits am eigenen Rechner zu testen.

Eine weitere Netzwerkquelle ist die Webseitenintegration. Dafür nutzt Wirecast einen integrierten Browser. Leider kann man nicht mit der Webseite interagieren. Das ist in Zeiten der DSGVO-Cookie-Fallen leider ein Muss. Dafür kann man eigene CSS-Anpassungen vornehmen. Ein Desktop Capture ist hier aktuell die bessere Lösung.

Wirecast kann auch Web-Streams aus dem Internet oder lokalen Netzwerk abgreifen. Der Empfang von SRT-Streams steht aber noch aus.

Quell-Eigenschaften Wirecast Pro 14.2
Quell-Eigenschaften Mit der Wahl des Layers wählt man gleichzeitig die darin reflektierte Quelle an, deren Eigenschaften erreicht man über den letzten Reiter im Einstellungsfenster. (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

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Generierter Content & Content on Demand

Da sich Telestream mit Wirecast schon lange an den Anforderungen von Endkunden orientiert, wurden praktische Tools direkt in die Quellen des Programms eingearbeitet: Es gibt einen Generator, mit dem man Farbflächen erzeugen oder auch einfache Bauchbinden und Overlays zusammenstapeln kann. Die Farbflächen können einfarbig sein oder mit einem zweifarbigen Gradienten gestaltet werden.

Hinzu kommt das Text-Tool, mit dem man direkt in Wirecast Text generieren und auch animieren kann. Der Text lässt sich in Wirecast eingeben, aus einer Datei auslesen oder per RSS-Feed einspeisen. Die Quelle für den Text kann aber auch aus Twitter kommen. Dafür gibt es ein Fenster, mit dem man Profile oder Hashtags moderieren kann und dann per Klick entscheidet, welcher Tweet eingebunden werden soll. Text lässt sich auch scrollen und damit zum Beispiel ein Newsticker erstellen oder eine Bauchbinde animieren. Man muss Bauchbinden oder PiP-Hintergründe aber nicht unbedingt selbst gestalten, sondern kann direkt auf vorgefertigte Overlays zugreifen. Die Bibliothek ist nicht riesig und auch wenn man die Grafiken nicht benutzen möchte, so sind die Textlayer dieser Bauchbinden und Overlays ein guter Startpunkt für eigene Designs, bei denen man lediglich die Hintergrundgrafik austauscht.

Zu den einsatzbereiten Overlays gehört auch eine Auswahl an Scoreboards, bei denen Farben und Beschriftungen angepasst werden können, oder auch eigene Tafeln zum Einsatz kommen können.

Wirecast verfügt über einen eigenen QR-Code-Generator. Das ist besonders für Umfragen praktisch, bei denen die Bauchbinde mit dem Link einfach um den QR-Code ergänzt werden kann.

Komplettiert wird das Portfolio an generativem Content durch die Uhr mit ihren verschiedenen Modi. Das Uhrentool kann als Zeitanzeige, Stoppuhr oder Countdown konfiguriert werden. Schriftart, Farbe, Größe und Schatten, sowie das Anzeigeformat lassen sich selbstverständlich einstellen und man muss keinen Key bemühen oder einen Timer aus PowerPoint neu konfigurieren, wenn die Pause doch kürzer wird als gedacht.

In der Pro-Lizenz sind drei virtuelle Hintergründe mit je drei Kameraperspektiven enthalten. Telestream bietet weitere Presets zum Kauf, durch das Layer-System und Shot-Design kann man aber auch andere Hintergründe dafür verwenden.

Weiterer Bestandteil der Lizenz ist der Zugriff auf eine Stockfootage-Bibliothek. Diese enthält Bilder, Video- und Audiodateien. Es lassen sich ganze Präsentationen mit dieser Bibliothek erstellen, Pausenmusik hinzufügen, Übergänge gestalten, PiP-Hintergründe bauen und mehr. Der Zugriff auf die Bibliothek ist nur mit einer aktiven Support-Lizenz möglich, diese gilt nach Erwerb ein Jahr und muss anschließend erneuert werden. Hier könnten die Filter für die Suche noch ausgereifter sein, trotzdem findet sich schnell der passende Content zum Schlagwort.

Keying Tab Wirecast Pro 14.2
Keying Tab Für jeden Layer lässt sich ein Key festlegen, dieser kann ein Chroma- oder Luma-Key oder einfacher Farbkey sein. (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

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Gäste einbinden: Wirecast Rendezvous

Für die Einbindung von Studiogästen über das Internet kommt Wirecast Rendezvous zum Einsatz. Bis zu acht Gäste lassen sich mit der Pro-Version verwalten. Gäste können per Firefox oder Chrome beitreten. Darüber lässt sich auch der Bildschirm von Gästen teilen. Für den mobilen Zugang benötigt man jedoch die App Wirecast Go. Mit der App kann man zwar auch Bilder zeigen und einen Shot aus drei Layern gestalten, eine Unterstützung für mobile Browser hätte trotzdem Sinn. Schließlich ist die Anbindung per 4G und Handy oft der letzte Notnagel, wenn alle anderen Versuche in einer Firewall stecken bleiben. Das sollte niedrigschwelliger sein.

Positiv ist der eigene Audio-Mix, den man speziell für das Rendezvous-Meeting anlegen kann. Damit landet das Talkback nie im Stream, sondern wirklich nur im Meeting-Raum. Auch für den Audioausgang kann man ein eigenes Interface wählen. Einen eigens kreierten Shot kann man den Teilnehmern leider nicht senden. Allerdings sehen sich die Teilnehmer ohnehin gegenseitig, wie in einem Konferenztool. Zusätzlich dazu kann man entweder den Livefeed oder eine Kameraquelle mit in den Meeting-Raum senden. Es ist also möglich, die Teilnehmer mit der Webcam zu begrüßen und zu briefen, und später den Programmausgang zu senden. Den Teilnehmern wird mit einem kleinen roten Punkt signalisiert, ob sie live sind.

Zum Einwählen wird ein Link generiert, dieser endet in einer komplexen Zahlen- und Buchstabenfolge und eignet sich eher schlecht zur mündlichen Kommunikation, zum Beispiel per Telefon. Wie bei fast jeder Liveschalte, empfehlen wir hier Tests im Vorfeld. Bei einem Kollegen wurde der Return Feed in einem Browser gelegentlich zum Standbild, mal war ein Telefon zu schwach für die Übertragung per App, Ad-blocker waren anfangs im Weg und all die anderen Stolperfallen beim Einsatz von WebRTC-basierten Tools sind auch hier nicht aus der Welt.

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Output auf Portale

Wirecast kann parallel auf mehrere Portale streamen. Dabei lassen sich Auflösung und Audiobusse nach Belieben variieren. Limitiert ist man hier lediglich durch die Performance des Rechners. Wir haben auf YouTube, Wowza und DaCast gestreamt. Bei YouTube und DaCast nutzten wir einen normalen RTMP-Stream und nicht die Möglichkeit, unser Konto zu verknüpfen. Die Option zur Anbindung eines Accounts steht für viele Portale zur Verfügung, ist aber eher etwas für Nutzer, die regelmäßig auf die gleichen Kanäle streamen und diese auch aus Wirecast verwalten wollen. Lediglich für Wowza nutzten wir das Preset, um dort die XML aus dem Wowza-Backend importieren zu können.

Es gibt nur einen Programm-Feed und keine Video-Submixe oder die Möglichkeit, einzelne Shots als Streamingquelle festzulegen. Es gibt aber acht Audiobusse, die man mit dem Audio-Mapper routen kann. Beim Streaming kann man dann einen der acht Tracks für den Stream auswählen. Parallel einen deutschen und englischen Stream auf zwei verschiedene Facebook-Seiten zu senden, ist also kein Problem. Neben voreingestellten Portalen und RTMP-Streams kann man auch RTP-Streams als Unicast oder Multicast konfigurieren.

Multi-Track Audio-Mapper Wirecast Pro 14.2
Multi-Track Audio-Mapper Alle Audioquellen lassen sich auf einen oder mehrere Tracks routen, welche wiederum den Streams und Recordings zugewiesen werden können. (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

Encoderseitig ist die Wahl abhängig von der Hardware und vom Betriebssystem. Auf dem Mac haben wir die Wahl zwischen x264 und Apple (GPU-unterstützt) als H.264-Encoder. Bei dem Windows-Gerät haben wir die Wahl zwischen MainConcept H.264, x264 und Nvidia NVENC. Es gibt zahlreiche Encoder-Presets, welche sich auch als Grundlage für eigene Presets nutzen lassen.

NDI- und SRT-Outputs sind auch vorhanden, werden allerdings an unterschiedlichen Stellen im Programm gemanagt, damit NDI unabhängig vom Streaming agiert. Der NDI-Output ist skalierbar und nicht an die Projektauflösung gebunden. Gleiches gilt auch für den virtuellen Webcam-Output.

Angeschlossene Anzeigen können als Multiviewer oder Framerate-getreue Ausgabe für den Programmfeed genutzt werden. Im Live-Output-Modus wird das Bildsignal zum Vollbild auf das angeschlossene Display gestreckt. Dieses sollte also das gleiche Seitenverhältnis haben wie das Projekt.

Die Programmsumme lässt sich in verschiedenen Formaten mitschneiden und auch für Replays bereitstellen. Die Konfiguration der ISO-Recordings kann eine Auswahl der Quellen oder einzelne Shots mitschneiden ‒ mit anderen Worten: man kann hier frei entscheiden.

Multiview Wirecast Pro 14.2
Multiview Man kann zwischen verschiedenen Multiview-Layouts wählen und entscheiden, ob der Multiview nur dann zu sehen ist, wenn das Programmfenster von Wirecast im Fokus ist, oder nicht. (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

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Live Compositing

In den fünf Layern von Wirecast lassen sich beliebig viele Shots ablegen. Shots können aus einer oder mehreren Quellen bestehen. Ein Design mit Hintergrund, vier PiPs, Bauchbinden, Sendelogo, Hintergrundmusik und Mikrofonquellen lässt sich in einem Shot verbinden und nimmt nur einen Platz in einem Layer ein. Innerhalb eines Shots spricht man von Shot-Layern. Sollte es eine Grenze für die Anzahl von Shot-Layern geben, haben wir sie nicht gefunden: So lange der Rechner nicht ins Straucheln kommt, kann man nach Belieben Quellen stapeln.

Shot Layers Wirecast Pro 14.2
Shot-Layers In diesem Fenster werden die Layer für die Shots hinzugefügt und arrangiert. Ein Shot kann auch Audioplayer enthalten, das macht das Mixing sehr einfach. (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

Quellen können in mehreren Shots gleichzeitig verwendet werden. Änderungen, die man dann an der Quelle durchführt, werden für alle Shots übernommen. Ein Untermenü zum Duplizieren von Shots gibt einem die Entscheidungsgewalt darüber, ob das Duplikat die gleichen Quellen enthalten soll, oder ob neue Quellen angelegt werden sollen. Ein Sendelogo möchte man vielleicht nicht neu anlegen, Textfelder aber schon. Innerhalb der Shots können auch die Audioquellen abgelegt werden. Damit lässt sich einfach sicherstellen, dass beim Video nur das Video zu hören ist und bei den Kamerasignalen wieder die Quelle vom Audio-Interface.

Audio Tab Wirecast Pro 14.2
Audio-Tab Die Audiofunktionen für einen Shot-Layer sind simpel, über dieses Fenster erreicht man auch jederzeit den Audio-Mapper. Effekte, wie Kompression und EQ werden nicht hier, sondern in einem zusätzlichen Audiomixer geregelt. (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

Wenn man eine Show im Vorfeld programmieren möchte, kann man sich Presets und Platzhalter zu Nutze machen. Damit lassen sich mehrere PiP-Szenarien gestalten und dann mit nur einem Klick die Platzhalter für alle Shots gleichzeitig aktualisieren.

Ein Feature, welches man auch den Quellen zuordnen könnte, ist das „Bilderkarussell“. Hiermit lässt sich innerhalb eines Shot-Layers eine einfache Slideshow aus Bildern erzeugen.

Shot Layer Eigenschaften Wirecast Pro 14.2
Shot-Layer-Eigenschaften Für die Shot-Layer gibt es typische Design-Funktionen, es fehlt lediglich die Möglichkeit eines Border rings um den Layer. Eine Umrandung kann man mit einem Extra-Layer erzeugen, aber das macht das Handling unpraktischer. (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

Das Umschalten zwischen Shots kann entweder im AutoLive-Modus oder im Preview-Take-Modus passieren. Im AutoLive-Modus werden Shots aus Layern sofort beim Anklicken eingeblendet. Bei der Alternative legt man zuerst die zu schaltenden Shots in jedem Layer fest und blendet anschließend. Für die Überblendung gibt es Cut und Smooth, sowie mehrere Effekte. Auch individuelle Stinger lassen sich einbinden und anpassen.

Die Playlist-Funktion muss ebenfalls Erwähnung finden: Playlisten in Wirecast sind intuitiv und schnell erstellt. Man legt fest, welche Shots, Videos, Bilder oder sonstige Quellen enthalten sein sollen. Die Reihenfolge ist, wie überall im Interface, per Drag and Drop zu ändern. Wie lange ein einzelner Shot zu sehen sein soll, welche Überblendung zwischen den Shots genutzt wird und was am Ende der Playlist passieren soll, lässt sich alles definieren, ohne durch zu viele Menüs klicken zu müssen. Die Shuffle-Funktion könnte aber ein Update vertragen. Anstatt randomisiert aus den Shots in der Playlist zu wählen, wird bei Klick auf den Button nur die Reihenfolge der Clips geändert.

Für die Steuerung von PTZ-Kameras gibt es ein eigenes Bedienfenster. Die Einstellungen lassen sich mit Shots verknüpfen und das Vorschaubild des Shots kann ein Snapshot der Kameraposition sein anstelle der Live-Vorschau. Die Auswahl unterstützter Protokolle wird Stück für Stück erweitert. Ob das gewünschte PTZ-Modell bereits von Wirecast bedient werden kann, sollte man recherchieren und probieren.

Layer Wirecast Pro 14.2
Layer Wirecast bietet maximal fünf Layer, in denen Shots arrangiert werden können. Ungenutzt Layer können ausgeblendet werden. In den allgemeinen Optionen kann eines von drei Farblayouts zur besseren Orientierung gewählt werden. (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

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Steuerung

Die Programmierung von Wirecast erfolgt per Tastatur und Maus, zum Umschalten zwischen Quellen und für das Mischen von Audioquellen gibt es aber zusätzliche Möglichkeiten. Es lassen sich Tastatur-Shortcuts anlegen und mit Shots verknüpfen. Leider können Optionen und Eigenschaften von Layern nicht mit Shortcuts verknüpft werden und es muss viel geklickt werden: beispielsweise für Start und Stopp des Countdowns.

Telestream hat ein eigenes Plugin für das Stream Deck geschrieben, welches im Downloadbereich der Stream-Deck-Software hinzugefügt werden kann. Damit kann man direkt auf Shots zugreifen, Überblenden, Recording und Streaming starten und stoppen und Presets für eine Auswahl von Shots über alle Layer anlegen. Diese Möglichkeiten sind nicht schlecht, wären in Form von TCP- oder OSC-Befehlen jedoch deutlich hilfreicher. Ein Companion-Modul ist aufgrund der fehlenden Steuermöglichkeiten über Netzwerk auch nicht vorhanden.

Übergangseinstellungen Wirecast Pro 14.2
Übergangseinstellungen Für jeden Layer lässt sich im kleinen Rahmen festlegen, wie er sich bei der gleichmäßigen (smoothen) Blende verhalten soll. (Bild: Alexander Heber / Wirecast)

Wirecast unterstützt jedoch eine Hand voll Controller: XKeys 128, APC Mini, APC40 MKII und das Launchpad MK 2. Aber auch hier wäre eine frei belegbare MIDI-Steuerung hilfreicher. Schließlich liegt in irgendeiner Ecke immer noch ein älteres MIDI-Pult herum, welches einen zweiten Frühling erleben könnte.

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Fazit

Wirecast ist eine runde Streaming-Software mit einer intuitiven Bedienoberfläche. Die Lernkurve ist sehr flach und Learning by Doing ist definitiv auch für technisch weniger versierte Nutzer möglich. Nur selten muss man sich durch Pop-Ups klicken, um bei der gewünschten Option zu landen und die meisten Dinge findet man genau dort, wo man sie sucht.

Wirecast ist kein Schweizer Taschenmesser für Technik-Nerds, die schnell noch einen Extra-NDI-Feed zusammenbauen müssen. Vielmehr liegt der Fokus auf der klaren Aufgabe, einen einzelnen, ansprechenden Stream zu erzeugen. Im letzten Jahr hat sich Telestream dem Wirecast-Projekt intensiver gewidmet. Wenn dieses Momentum aufrechterhalten wird und weiter kontinuierlich Innovation und Energie in diese Software investiert werden, können wir noch mehr Features und weitere Verbesserungen erwarten.

Damit Wirecast noch besser in unsere Workflows passt, sollte ein Fokus auf die Steuermöglichkeiten gelegt werden. Es gibt nichts, was wir nicht gern fernsteuern oder an andere Knöpfe und Hebel knüpfen wollen. Wer ein Tool zum schnellen, unkomplizierten Erstellen von Live-Streams sucht, sollte Wirecast auf jeden Fall probieren und auf dem geplanten System testen. Es gibt eine 30-tägige Testversion und wer zufrieden ist, erhält Wirecast für rund 660 Euro netto als Download auf www.telestream.net.

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