Neues Pultkonzept aus Spanien

Work Pro LightShark LS-1 im Test

Ein neues Pultkonzept schickt sich an, die untere bis mittlere Pultklasse zu revolutionieren. Wir konnten die LightShark LS-1 mit der ersten Software-Version einem Hands-on unterziehen.

Anzeige

Spricht man von einem neuen Pultkonzept, gehen sofort die Antennen auf Empfang. Was wird hier anders gemacht, als bei den bisherigen Konzepten? Die Neuerung der LightShark Serie ist ein Rechnerkern mit Pultsoftware, der zur Benutzerschnittstelle einen beliebigen Webbrowser bedient. Ganz neu ist die Idee zwar auch nicht, so hatte man das Prinzip schon bei dem einen oder anderen W-LAN Core gesehen, aber dieses Prinzip als eine universelle Lichtsteuerung für acht DMX Universen umzusetzen – und das zu einem sehr attraktiven Preis – ist schon neu. Das Konzept, die Kommunikation mit dem Bediener über einen Webbrowser durchzuführen, ermöglicht interessante Systemkonfigurationen. So gibt es neben der uns im Test vorliegenden Konsole LS-1 auch noch eine ca. Zigarettenschachtel große Box, den LS-Core. Der LS Core verzichtet auf die Hardware-Oberfläche des LS-1, bietet aber die gleiche Lichtsteuerungssoftware, Prozessorleistung und ein auf Smartphone/Tablets basierendes Interface.

Aufbau des LS-1

Anhand des sehr hochwertig produzierten Gehäuses mit soliden Materialien, kann man direkt die Ernsthaftigkeit des Unterfangens LightShark erkennen. Nicht nur, dass es sehr formschön und edel aussieht, es integriert auch sehr praktische Funktionen mit der Formgebung: So ist der umlaufende Alurahmen gleichzeitig ein wirksamer Steckerschutz. Öffnet man das Gehäuse, zeigt sich ein aufgeräumtes Innenleben, in dessen Kern ein Einplatinencomputer arbeitet. Dieser beinhaltet die üblichen Anschlüsse für USB, I/O Board, LAN und W-LAN-Antenne. Zur Stromversorgung werden zwei Meanwell-Module eingesetzt. Lobenswert sind die abgesetzten Schnittstellenplatinen, die einen schnellen Austausch im Falle eines Falles erlauben. Denn in diesem Preissegment darf man keine aufwendig isolierten und geschützten Schnittstellen erwarten. Dies spiegelt sich auch bei den farbig hinterleuchteten Tasten und Potentiometern wieder: Sicher gibt es Tasten mit wohlgefälligerem Druckfeeling aber für dieses preisliche Segment ist das schon sehr ordentlich. Aus diesem Blickwinkel ist auch das Gehäuse überdurchschnittlich gut gelungen. Mit 3,7 kg, dem praktischen Tragegriff und mit Abmessungen von 430 × 100 × 330 mm ist es wirklich Transport-freundlich. Dies ist eine gute Überleitung für diejenigen, die gerne Offline-Preprogramming betreiben. Sicher wird es bei diesem Pultkonzept keine Offline PC-Variante geben, aber wenn man noch Platz für eine Zigarettenschachtel (den LS-Core) hat, dann ist man auch in der Lage ein „quasi“ Offline-Preprogramming zu betreiben. Auch an eventuelle Servicefälle wurde gedacht. Die Encoder besitzen eine abgesetzte Platine, welche über Steckverbinder mit der I/O-Platine verbunden ist – was für eine Langlebigkeit des Pultes spricht. Die Kräfte die auf die Encoder wirken, werden so auch nicht auf die übrige I/O-Platine übertragen, was für mehr Zuverlässigkeit des Systems spricht. Im Vergleich mit weit teureren Gehäusewannen könnte man hier eigentlich nur noch Löcher oder Schlitze vermissen, damit evtl. eingetretene Flüssigkeiten wieder ausfließen können, ohne dass sich im Inneren Wasser sammeln kann. Sehr praktisch ist die Ausführung eines USB-Power-Out, um ein eingesetztes Tablet gleich noch mit Strom zu versorgen – da hat jemand mitgedacht. Kleine Aufnahmen für Notebook-Schlösser sind ebenso vorhanden wie die Ausführung des Netzwerkanschlusses als EtherCON. Eine 3polige XLR-Stromversorgung für eine Pultlampe rundet das professionelle Bild ab. Einzig könnte man anmerken, dass anstatt jeweils zwei Ausgänge in 3- und 5-Pol zu realisieren, nicht besser vier z.B. 5-polige Outs vorgesehen werden sollten, um direkt vier Universen per DMX ausgeben zu können.

Bedienkonzept

Wie Eingangs bereits erwähnt, wird zur Einrichtung des Pultes ein Browser benötigt – nur über einen Browser kann man einen Patch anlegen oder eine Show speichern. Das Anbinden eines Browsers ist jedoch sehr einfach über LAN wie auch W-LAN möglich. Wie jeder aus eigener Erfahrung schon mal feststellen musste, ist aber je nach Umgebung (wie z.B. auf der Messe) eine W-LAN Verbindung nicht immer optimal. Wenn man einen Laptop mit Touch sein Eigen nennt, ist man ganz weit vorne, aber auch die Bedienung über eine Mouse ist sicher zu nutzen. Je nachdem wie komfortabel man Gruppen der Fixtures gebildet hat, ist die anschließende Bedienung nur über die Konsole mehr oder weniger gut zu bewerkstelligen. Zur Programmierung selbst ist es dann vorteilhaft die Webbrowser zu nutzen, denn nur darüber hat man die Möglichkeit z. B. Ansichten der Cue-Listen oder den Inhalt des Programmers zu sehen. Sehr vorteilhaft und gelungen ist, dass man mit bis zu drei Browsern gleichzeitig auf den Core bzw. auf die Konsole zugreifen kann. Somit kann man unterschiedliche Bildschirmseiten gleichzeitig geöffnet haben – das ist so als ob man drei Monitore an eine Konsole anschließen würde. Die Umsetzung der Befehle ist für einen Webbrowser sehr flott und es ist sehr angenehm, wenn auf die Berührung des Touch entsprechend die Konsole reagiert, indem z. B. das Parameterdisplay gewechselt wird. Ist die Show durchprogrammiert, ist es auch alleine mit der Konsole möglich, die Show abzufeuern. Ideal ist das, z. B. auf Messen, kleinen Venues oder im Party-Bereich. Natürlich kann man weiterhin auch über sein Tablet und W-LAN die Show steuern und sich frei im Veranstaltungsort bewegen, um die Show zu fahren – wenn die W-LAN Verbindung stabil bleibt. Die grafische Fensteroberfläche ist stark für die Nutzung via Handy optimiert. So ist das Wischen auf dem Display um weitere Faderbänke zu erreichen ebenso üblich, wie die Darstellung der drei Punkte um in tiefere Menüstrukturen vorzudringen. Aufgrund dieses Bedienkonzepts ist es nicht verwunderlich, dass man bestimmte Befehlstasten oder eine Zehner-Tastatur auf der Konsole selbst vermisst, da diese Funktionen für das Setup und dem hauptsächlichen Programmieren die Bedienoberfläche eines Webbrowsers benötigt. Folglich ist die Bedienung für alte Hasen erstmal nicht intuitiv, da man wissen muss, unter welcher Ebene man zum Patch gelangt oder das es eben keine Taste für Time gibt. Aber hat man sich erst mal auf das Browserkonzept eingelassen, findet man sich nach kurzer Eingewöhnung auch hier gut zurecht.

Erste Software-Version

In unserem Test war die Software RC 1.0.2i aktiv. Festzustellen ist, dass der erste Wurf einer Software natürlich zeitweise ein wenig holperig und eben einfach noch nicht fertig ist. Aber Software kann man ja zum Glück anpassen, umschreiben und aktualisieren. Hier wird sich zeigen wie zeitnah und in welchem Umfang die Software ihre Kinderkrankheiten abstreifen kann. In der jetzigen Ausführung würde man damit zwar eine Party steuern und abfahren können, aber für größere Produktionen und Shows, müssten noch einige Bugs gelöst werden. So ist es eben zu zeitraubend bzw. ärgerlich, wenn man z.B. eine Sequenz programmiert hat und dann beim Umschalten auf den „Pong“-Mode sämtliche Änderungen der letzten Zeit einfach gelöscht werden.

Patch

Wie bereits erwähnt, ist der Patch nur über den Webbrowser erreichbar. Die Fixture-ID wird hier chronologisch vergeben, so dass der Nutzer nicht die Möglichkeit hat, für sich sinnige Nummer-Gruppierungen festzulegen. Besonders bei anschließender Direktanwahl über das Tastenfeld ist es von Nachteil, dass man nicht seine gewohnten Zahlenblöcke nutzen kann. Ebenso muss man erst über den Advanced Button weitere Einstellmöglichkeiten öffnen, über die man dann das DMX-Universum und die DMX-Adresse eingeben kann. Man kann zwar im Patch Pan und Tilt invertieren, schön wäre aber noch, wenn man z. B. die Positionen eingeben könnte, die mit dem „Find“-Befehl angefahren werden sollen, denn hier werden nur die Standardwerte aus der Fixture Library herausgenommen. Legt man reine Farbfixture, wie z.B. RGB-Strahler an, welche von sich aus keinen Dimmerkanal haben, so vermisst man im Patch, dass die RGB-Strahler einen virtuellen Dimmerkanal spendiert bekommen. Denn drückt man Black Out, dann bleiben die RGB-Kreise unberücksichtigt und auf der Bühne bleibt es farbig hell. Beim jetzigen Softwarestand ist es nicht möglich eigene Fixture anzulegen. Dies soll jedoch laut Hersteller schon im nächsten Update in Kürze möglich sein.

Anwahl

Nach dem Anlegen von Fixtures wird der Programmierer meist Gruppen und Presets erstellen wollen. Hier hat die LightShark-Software einen praxisnahen Weg gefunden: Auf der linken Seite des Screens hat man die Möglichkeit, die gewünschten Fixtures oder Gruppen anzuwählen während man auf der rechten Seite Zugriff auf die Parameter bzw. die Presets (hier als Paletten bezeichnet) hat. Bei der Gruppenbildung wird mit dem Patch automatisch aus den gleichzeitig gepatchten Scheinwerfern eine Gruppe gebildet. Daneben bleibt es aber dem Anwender überlassen, sich aus den Fixtures seine Gruppen wie ODD und EVEN selbst zusammen zu stellen. Während man zur Anwahl nur über die Browserfensterfläche eine Zehnertastatur zur Direktanwahl verwenden kann, hat man an der LS-1 Konsole selbst für die Anwahl sehr praktische Tasten links neben dem Display angeordnet. Dort kann gewählt werden, ob man die nächste Gruppe oder das nächste Fixture anwählen möchte. Die Anordnung links vom Display erscheint sehr sinnig, da rechts neben dem Display die Parametergruppenumschaltung erfolgt – so kann man sehr konzentriert die Auswahl und die Parameterwahl gegenüberstehend ausführen. Während man zur Parametereingabe im Webbrowser Sliderfelder nutzen muss, kann man an der Konsole selbst die über dem Display angeordneten Encoder nutzen – sehr praktisch und vorteilhaft! Pan und Tilt ist nur über Encoder sicher und schnell zu bedienen, zumal man die Encoder auch auf 16 Bit Fine-Auflösung umstellen kann. Gespeichert werden alle Werte, die in dem Programmer stehen. Dabei arbeitet das Pult nach der Tracking-Methode: Um eine Blockstimmung, also alle Parameter der angewählten Fixture abzuspeichern, um so einen definierten Ausgangspunkt zu bilden, muss man den Befehl „Find“ benutzen, wodurch aber alle angewählten Lampen auf ihre Homeposition fahren. Dies sollte man also wohlweislich immer voranstellen, bevor man seine Szene zusammenbaut. Für den Programmerinhalt wird ebenfalls eine vollflächige Seite spendiert, was ein sehr übersichtliches Arbeiten erlaubt. An dieser Stelle zeigt sich, dass es durchaus vorteilhaft ist, mehrere Tablets gleichzeitig zu nutzen. So kann man z.B. im Palettenfenster anwählen und Parameter eingeben, während man auf dem zweiten Tablet die Programmerinhalte in der Übersicht behält. Möchte man einen Farbverlauf programmieren, denkt man oft an die Aligne- bzw. Fan-Funktion. Die hier genannte Fan-Funktion ist aber nicht auf RGB-Farben anwendbar, sondern nur auf Pan und Tilt. Dafür kann die Effekt-Engine, die als zusätzliche Parametergruppe angeordnet wurde, immerhin die Bereiche Intensität, Position, Beam und Farben anwenden. Leider sind z.B. bei den Farben die Effekte sehr stark vorgefertigt, so dass man für die Umsetzung eigener Vorstellungen nur wenige Gestaltungsmöglichkeiten hat – sei es in der Farbauswahl, noch im eigentlichen Effektverlauf. Der Vorteil ist natürlich, dass auch der Ungeübte sehr schnell zu einem interessanten Ergebnis kommen kann, was auch die Zielgruppe dieses Pultkonzeptes auf jeden Fall miteinschließen wird.

Playback

Werden die Inhalte des Programmers gespeichert, so erfolgt – bei Speicherung einer Cue auf einer Speicherstelle, die schon eine Cue beherbergt – als eine weitere Cue, wodurch eben eine Cue-Liste bzw. Sequenz entsteht. Die Speicherverwaltung erlaubt 1.200 Cues und 1.200 Cue-Listen. Wenn man die Cues nicht direkt auf Playback oder Executor gespeichert hat, kann man sie anschließend noch an die gewünschten Positionen kopieren. Eine Filterung, welche Inhalte in das Tracking gespeichert werden, ist nicht vorhanden. Man muss schon genau seinen Programmer im Auge behalten, damit man dementsprechend nur die Parameter anfasst, welche man auch abspeichern möchte. So zwingt das Pult dazu, strukturiert und überlegt zu agieren. Sehr vorteilhaft gelöst ist, dass eine Sequenzliste einmal als Cue-Liste oder als Chaser-Liste im Playback durch einfaches Umschalten wiedergegeben werden kann. Nur ist die derzeitige Umsetzung in der Software noch verbesserungswürdig: Zunächst wird alles als Chaser angelegt. Man muss erst in den Stepmode wechseln und dann für jede einzelne Cue noch die Waitzeit auf 0 ändern. Dass wir im Test oft Mühe hatten, wenn man bestimmte Befehle ausführen wollte, lag mitunter bestimmt auch daran, dass die Eingabestringens drei verschiedenen Logiken unterworfen war: Einmal muss man „Set“ drücken, um einen Wert zu ändern, ein anderes Mal braucht man nur auf den Wert zu klicken und beim dritten Mal muss für zwei Sekunden auf den Wert gehalten werden, damit sich ein Editorfenster öffnet. Erschwert wird das Ganze noch, wenn bestimmte Funktionen noch nicht implementiert sind, aber auch nicht ausgegraut werden oder ein Hinweis darauf erfolgt.

Cue-Liste

Die Übersichtlichkeit der Cue-Listen ist gelungen. Auch die Inhalte, was in einer Szene getrackt wurde, ist hier deutlich übersichtlicher als bei manch anderen teureren Pulten. Die Cue-Listen werden durchnummeriert und stehen in der Cue- Übersicht bereit, um auf Executor oder Playbacks kopiert zu werden. Doch wie bereits schon erwähnt, ist die LightShark in der aktuellen Software-Version mehr in Richtung Event unterwegs. So kann man unter Chaser die Richtungen vorgeben, die Anzahl der Loops bestimmen und auch das Blocken von Effekten anderer Playbacks ist ein richtig gutes Feature. Aber die eine Überblendzeit (bzw. ein- oder auslaufende Zeit) einer Cue kann aktuell nicht länger als 2 Sekunden lang erfolgen. Das sollte in einem zukünftigen Release auch noch einmal angegangen werden.

Kontaktfreudig?

Für eine so kleine Konsole sind acht DMX-Universen schon eine Ansage. Jedoch stehen diese acht Universen nur im sACN Mode zur Verfügung, im ArtNet Mode sind es noch vier Universen. Am direkten DMX-Ausgang sind es noch zwei. Leider konnten wir im Test kein ArtNet-Output aufzeichnen. Leider wird RDM von der LightShark nicht unterstützt. Ebenso fehlt eine Sound-to-light-Funktion und -Anbindung, vor allem im Hinblick auf die Ausrichtung der Konsole. Zwar spricht man in der Anleitung von MIDI Mapping für die Playbacks, jedoch ist in der Software weder etwas über Midi zu finden, noch besitzt die Konsole einen Midi Anschluss. Außerdem wollte unser Tablet nur in aufrechter Stellung ein Screenbild anzeigen, welches dann aber von den Seiten her beschnitten wurde. Dafür funktionierte aber die Laptopanbindung fehlerfrei.

Fazit

Das LS-1 von Work Pro bietet ein gelungenes Pultkonzept. Externe Browser und pultseitige Encoder sollten fürs Programmieren im Vorfeld genutzt werden, für die Show reicht es, wenn nur noch der Kern bzw. die Konsole verwendet wird – mit der Möglichkeit, für alle showrelevanten Funktionen den Zugriff mittels realer Tasten und Potis zu haben. Dazu stehen viele DMX-Kreise bzw. 2-8 Universen zur Verfügung – und das zu einem unglaublich günstigen Kurs. Die Haptik und das Konsolendesign sind gelungen. Wenn nun noch die Software zeitnah für zuverlässiges arbeiten optimiert wird, dann wird diese Pultfamilie sicherlich eine Menge Anhänger gewinnen. Das Pult ist für 1.429 € inkl. MwSt. beim deutschen Vertrieb LMP zu beziehen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: