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Ein Game-Changer?

Bitfocus Companion: Clevere Software für das Elgato Stream Deck

Nachdem wir uns in der 5|2019 mit der LCD-Tastatur Stream Deck von Elgato beschäftigt haben, wollen wir uns auch dem Hintergrund-Akteur – und vielleicht eigentlichem „Star“ der Verbindung? – widmen: Der Open-Source-Software Bitfocus Companion, die als Mediensteuerung Bühnenabläufe unterstützt

Elgato Stream Deck und Software Companion
Elgato Stream Deck und Software Companion (Bild: Alexander Heber)

In unserem Feature über das Elgato Stream Deck sind wir auf mögliche Anwendungen eingegangen, in denen sich die kleine LCD-Tastatur für unsere Zwecke auf Live-Produktionen als nützlich erweisen kann. Den Hersteller Elgato erreichten auch stetig E-Mails von Veranstaltungstechnikern, die auf unsere Branche und unseren Wunsch nach mehr Tasten aufmerksam machten. Ob dies tatsächlich einen Einfluss auf die Produktentwicklung bei Elgato hatte, ist unklar – aber der Grund zur Freude bleibt: Mit der zwischenzeitlichen Markteinführung des Stream Deck XL im Juni 2019 wurde der Ruf der Veranstaltungstechniker nach mehr Buttons erhört.

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Stream Deck XL

Neben dem ersten Stream Deck mit 15 LCD-Tasten und der „Mini“-Version mit sechs Tasten launchte Elgato im Juni 2019 auch eine XL-Variante mit 32 Tasten. Auf dem 182 × 112 × 34 mm großen Gerät lassen sich nun noch mehr Hotkeys auf einer Seite verwalten. Es wird mit einem magnetischen Ständer und einem Kabel von USB-C auf USB-A ausgeliefert und ist für 249,− € erhältlich.


Der weitreichende Erfolg des Stream Deck ist jedoch nicht nur dem cleveren Design des Stream Decks allein, sondern vermutlich mindestens genauso der Open-Source-Software Companion von Bitfocus zuzuschreiben. Doch was genau ist Companion und warum bezeichnen es einige Fans als echten „Game Changer“?

Companion: Software zum Elgato Stream Deck

Companion ist eine Open-Source-Software zur Steuerung des Stream Decks. So weit, so gut. Jetzt sind Mediensteuerungen an sich ja nichts Neues – hier denkt man zum Beispiel an den Widget Designer von Coolux oder Fridie Universe. Companion ist auch nicht die erste kostenlose Möglichkeit zur Steuerung von Medientechnik – das Mac-only-Tool mit dem passenden Namen Octopus gibt es schon ein paar Jahre. Vermutlich war es sogar eine Inspirationsquelle für Companion. Doch was dieses Tool so besonders macht, ist die Kombination der kleinen LCD-Tastatur Stream Deck zusammen mit der übersichtlichen Programmieroberfläche von Companion und vor allem: einer rasant wachsenden Geräteintegration (hier gehts zur Liste der aktuell unterstützter Geräte [Stand Juni 2019]).

Companion ist verfügbar für Windows, Mac und Linux. Die aktuelle Version 1.3.0 unterstützt das Stream Deck, das Stream Deck Mini und das iDisplay von Infinitton. Dabei ist Companion nicht auf ein Gerät limitiert, es können also mehrere Tastaturen gleichzeitig angeschlossen werden. Die Unterstützung für das Stream Deck XL ist in Form der „bleeding edge“-Version Companion 2.0 zu bekommen. Diese Version befindet sich zum aktuellen Zeitpunkt aber noch in Entwicklung und es wird entsprechend von der Nutzung in Produktionsumgebungen abgeraten. Zum Spielen und Entdecken lädt die Version aber allemal bereits ein. Auch wer kein Stream Deck hat, kann Companion ausprobieren und nutzen: Es gibt einen Stream-Deck-Simulator und ein Webinterface, mit dem man die Buttons auch bequem per Smartphone oder Tablet auslösen kann. Außerdem ist es möglich, die programmierten Buttons via OSC, TCP, UDP, HTTP, WebSocket und ArtNet zu starten.

Installation und Setup über Companion sind denkbar einfach: Zuerst fügt man die zu steuernden Geräte im Reiter „Instances“ hinzu, was entweder über Dropdownmenüs oder einfach per Suchmaske erledigt werden kann. Man gibt die entsprechenden IP-Adressen, Ports und Protokolle an und ist direkt startklar. Im Reiter „Buttons“ findet dann die eigentliche Programmierung statt: Man wählt einen Button des Stream Decks und kann nun festlegen, welche Befehle beim Drücken oder auch Loslassen des Buttons ausgeführt werden sollen. Ein Dropdownmenü stellt einem die möglichen Befehle der zuvor angelegten Geräte zur Verfügung, dabei kann auch zwischen Latch- und Toggle-Modus unterschieden werden. Nach Zuweisung der Befehle können dann noch Beschriftung, Hintergrundfarbe oder auch ein Bild für jeden Button festgelegt werden. Durch eine praktische Kopier- und Verschiebe-Funktion lassen sich so sehr schnell komplexe Ergebnisse erzielen.

Programmierung des Stream Decks über die Software Companion von Bitfocus
Programmierung Unter dem Reiter „Buttons“ kann festgelegt werden, welche Befehle beim Drücken oder auch Loslassen des Buttons ausgeführt werden sollen. Ein Dropdownmenü stellt die möglichen Befehle der zuvor angelegten Geräte zur Verfügung. (Bild: Alexander Heber)

Anwendung: Beispiele aus der Medientechnik

Durch die Möglichkeit, solche komplexen Einstellungen bereits im Vorfeld festzulegen, kann das Gespann aus Hardund Software den Veranstaltungsalltag erheblich vereinfachen. Ein Beispiel aus der Medientechnik: Man legt einen Button so fest, dass er ein Preset im Seamless Switch lädt und schaltet, und den gewünschten Film im PlaybackPro Plus startet. Ein weiterer Button stellt und startet die Redezeit, und springt auf die gewünschte Folie in PowerPoint. Ein Dritter könnte das Logo laden und alle laufenden Playbacks beenden. Denkbar wäre auch ein Button, der z. B. einen Auftritts-Jingle spielt, solange man den Knopf gedrückt hält. Recordings starten, Lichtstimmungen wechseln, durch Watchout-Timelines springen … Companion bietet eine schnelle und kostengünstige Lösung für eine Vielzahl an Szenarien. Diese Flexibilität sorgt nicht nur für schnelleres Arbeiten, sondern auch für sicherere Produktionsabläufe. Die Gewissheit, mit einem Knopfdruck den richtigen Film auf die richtigen Screens zu bringen, ist gerade in „spontaneren“ Arbeitsumgebungen einfach Gold wert.

Presets Companion
Presets Für einige Instanzen existieren bereits Presets, die man per Drag and Drop einfach auf den Button legen kann (Bild: Alexander Heber)

»Die Flexibilität, die durch Companion entsteht, sorgt nicht nur für schnelleres Arbeiten, sondern auch für sicherere Produktionsabläufe.«

resümiert Autor und Medientechniker Alex Heber


Doch nicht nur für Veranstaltungstechniker bieten sich vereinfachte Arbeitsweisen – auch den Kunden kann mehr Komfort geboten werden. Auch hierfür ein Beispiel: Auf Messeständen mit gelegentlichen Showeinlagen oder Filmvorführungen könnte mit dem Stream Deck und einer entsprechenden Programmierung über Companion auf Knopfdruck das Licht wechseln oder der Film starten. Oder die Mikrofonkanäle am Mischer werden freigegeben. Oder die Projektion wechselt auf die Powerpoint-Präsentation, und zwar exakt auf die Folie, um die es geht. Alle Szenarien können im Vorfeld festgelegt und bei Bedarf auf Knopfdruck vom eigenen Standpersonal abgefeuert werden.

Auch für Ablaufregisseure kann die Steuerung deutlich vereinfacht werden: So ist z. B. denkbar, durch entsprechende Voreinstellungen den eigenen Vorschaubildschirm auf andere Kameras zu schalten und Meldungen auf der Bühnenvorschau in der Hand zu haben. Da Companion Feedbacks erlaubt, können die verbundenen Geräte somit auch Einfluss auf die Buttondarstellung nehmen – man könnte so zum Beispiel die verbleibende Redezeit von Irisdown Countdown Timer direkt auf den Tasten des Stream Decks ablesen.

Warnleuchte für belegte Instanzen bei Companion
Nutzerfreundlich Eine kleine „Warnleuchte“ in der oberen rechten Ecke des Buttons signalisiert bereits bei der Programmierung, wenn eine Instanz nicht erreichbar ist (Bild: Alexander Heber)

Fazit

Das Besondere an Companion ist die hohe Geschwindigkeit, mit der man komplexe Steuerungen realisieren kann. Dabei kann man absolut fokussiert auf das Wesentliche bleiben, denn Companion ist einfach unkompliziert. Und on Top überzeugt schlichtweg einfach die Tatsache, dass das Tool kostenlos und somit auch jedem Techniker zugänglich ist. Andere Mediensteuerungen auf dem Markt sind sicher auch nützlich, aber im Regelfall eben doch nicht kostenlos – und damit ggf. auch einfach zu teuer, als dass man sie „mal eben“ am Schlüsselbund trägt. Oder sie brauchen eine gewisse Einarbeitungszeit, um sie sicher bedienen zu können – dank der Features von Companion und der hilfreichen Community kann sicher und komfortabel gearbeitet werden. Nachdem Licht- und Tontechniker zum Einrichten und Proben den FOH schon vor einiger Zeit mit dem Handy oder Tablet in der Hand verlassen konnten, dürfen sich nun auch die Medientechniker dazu gesellen und ihren Arbeitsplatz aus der Ferne bedienen.

Mit Companion hat Bitfocus also ein mächtiges und leicht zu bedienendes Tool zur Verfügung gestellt. Bei der Nutzung spürt man die Leidenschaft für die Branche, die in die Programmierung geflossen ist und für eine extrem praxisnahe Umsetzung sorgt. Vermutlich wächst und gedeiht daher auch die Community rings um die kleine Software unaufhörlich. Übrigens: Wer mitreden und seine Companion-Einsätze zur Schau stellen möchte, kann sich in der Facebook Gruppe „Companion User Group“ beteiligen. Feature Requests und Bug Reports sind in der Github Community am richtigen Platz und auch bei Slack kann man der Diskussion beitreten. Wer Nutzen und Gefallen an der Software findet, kann die Entwicklung auch finanziell vorantreiben. Wir dürfen gespannt sein auf die weitere Entwicklung dieser jungen und dynamischen Software.


Aktuell unterstützte Geräte:

  • AMP (Grass Valley)
  • ATEM (Blackmagic Design)
  • AV-HS50 / AV-HS410 (Panasonic)
  • AV-Playback (if-else{Ware})
  • AVB (MOTU)
  • App (Octopus)
  • Arena (Resolume)
  • Countdown Timer (Irisdown)
  • DCS 100/200 (Barco)
  • Delta Media Server (7thSense Design)
  • EKS 500 (Analog Way)
  • Encore, Event Master, Event Master XML Version (Barco)
  • GrandMA2 (MA Lighting)
  • Helo (AJA)
  • Highlite (Digital Projection)
  • HTTP Requests (Generic)
  • Hog 4 (High End Systems)
  • Horae (Sononum)
  • Hyperdeck (Blackmagic Design)
  • ImagePro (Barco)
  • Ki Pro Ultra (AJA)
  • LW2, LW3 (Lightware)
  • Listener (Octopus)
  • LiveCore (Analog Way)
  • MRP / Multicon (Nevion)
  • MagicQ, MagicQ (UDP) (ChamSys)
  • Media Server (Modulo)
  • Midra, Eikos2, Saphyr, Pulse2, SmartMatriX2, QuickMatriX, QuickVu (Analog Way)
  • Millumin 2 (Anomes)
  • Mitti (Imimot)
  • Multi Transport Control (disguise)
  • Multiview 4 (Blackmagic Design)
  • OSC Control (disguise)
  • OSC (Generic)
  • PDS (Barco)
  • PLS 300 (Analog Way)
  • PVP 3 (Renewed Vision)
  • Photon (VYV)
  • PlaybackPro Plus (DT Videolabs)
  • ProPresenter (Renewed Vision)
  • Projector (Christie)
  • Projector (PJLink)
  • QLab (Figure 53)
  • Reaper (cockos)
  • Remote Show Control (Irisdown)
  • Rosstalk (Ross Video)
  • SCS (Show Cue Systems)
  • SS-CDR250N / SS-R250N (Tascam)
  • Sender (Art-Net)
  • Server (CasparCG)
  • SmartView/SmartScope (Blackmagic Design)
  • Spyder X20/X80 (Christie)
  • StageTimer2 (Neodarque)
  • Studio (OBS)
  • VIO 4K (Analog Way)
  • Visca (PTZoptics)
  • Visca (Sony)
  • VLC (VideoLAN)
  • VP-747 (Kramer)
  • Videohub (Blackmagic Design)
  • Watchout Production (Dataton)
  • X32/M32, XR/MR (Behringer/Midas)
  • iTach IP2CC, iTach IP2IR, iTach IP2SL (Global Cache)
  • vMix (StudioCoast)
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo,
    seit über einem Jahr im Einsatz (StreamDeck/Companion) auf kleinen und mittleren Produktionen zur Mediensteuerung und primär mit der Pulse2. Absolut zuverlässig, nie wieder ohne.

    LG

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Guten Tag,
    ich habe ein Problem mit der connection zwischen Companion und Stream Deck. Die Software erkennt das Deck nicht Software und ich sehe in der Hardware meine Buttons nicht. Unter der Stream Deck Software spielt das Deck. Vielleicht kann mir jemand helfen. PS ich habe eine Mac
    Vielen Dank!!

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Hallo Lukas.

      Beende doch einmal die Stream Deck Software und nutze nur Companion, starte Companion auch neu. Wenn du Funktionen von beiden brauchst, kannst du das Companion Plugin für Stream Deck benutzen. Companion braucht die Stream Deck Software gar nicht, ich empfehle diese ganz zu deinstallieren. Wenn du Tastenkombinationen nutzen möchtest, geht das auch mit der VICREO Instanz innerhalb von Companion.
      Im letzten Reiter in Companion werden deine angeschlossenen Stream Decks gelistet, dort kannst du auch die USB Ports neu scannen.

      Viele Grüße

      Auf diesen Kommentar antworten

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