Ein Kommentar.

PLASA 2016 – ein Versuch, Altes zu reanimieren

Tageslicht im Olympia
Tageslichteinfall – Nicht ideal für Scheinwerfer, aber nette Atmossphäre (Bild: Marcel Courth)

 

Quo vadis PLASA? Was waren das wohl für Zeiten, als die PLASA Show noch zur weltweit zweitwichtigsten Messe gehörte? Als dort ebenso hochkarätige Neuheiten präsentiert wurden, wie in Frankfurt. Ich selbst habe bei meinem ersten Besuch in London im Jahr 2009 noch die Ausläufer dieser goldenen Zeit miterleben können. Tagsüber war in der Messehalle der Trubel groß, abends in den vielen Restaurants und Pubs in Kensington. Danach zogen die Hartgesottenen noch weiter auf eine der diversen Firmenpartys in den legendären Clubs von London. Aber schon zu dieser Zeit fingen viele Grundsatzgespräche über die Messe mit „Früher war das …“ an – ein klares Zeichen, dass die Messe schon damals mit Problemen zu kämpfen hatte. Viele sahen einen ähnlichen Weg, die die italienische SIB in Rimini Jahre zuvor durchgemacht hatte. Ich selbst kenne die Zeit der SIB nur aus vielen Gesprächen. Aber das Leuchten in den Augen derjenigen, die von den Partys und den vielen Attraktionen am Strand von Rimini erzählen, visualisiert den Flair, den die SIB so einzigartig machte.

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Mit der PLASA ging es nach meinem ersten Besuch jährlich rapide abwärts; in jedem Jahr wurden die abgehangenen Freiflächen größer, die Stände bis auf wenige Ausreißer kleiner. Als dann endgültig das Aus für den in die Jahre gekommenen Earls Court kam und auf der Fläche des Exhibition Centre neue Wohnungen entstehen sollten, zog die PLASA in das für die Olympischen Spiele gebaute ExCeL im Osten von London. Es sollte ein Neuanfang in einem modernen Messezentrum sein. Doch auch dort konnte die Show nicht mehr zünden. Fehlte es im Earls Court neben einem sich neuerfindenden Konzept an modernen Hallen und Logistik, so sorgte die karge Nachbarschaft in den verlassenen Royal Docks für freudlose Gemüter.

In diesem Jahr fand die PLASA wieder im beliebten Westen statt – genauer gesagt im Olympia im Stadtteil London Borough of Hammersmith and Fulham. Das Olympia zählt nicht zu den neusten Ausstellungshallen, liegt aber inmitten eines lebendigen Viertels und ist ebenso architektonisch schwierig wie der Earls Court. Also eigentlich eine komplette 180° Wendung zurück zum Alten … nur eben noch kleiner! Was auf den ersten Blick wie ein letztes Zucken vor dem Hissen der weißen Fahne wirkt – und in der Tat lässt sich das für die Internationalität der Besucher bejahen – ist dann doch differenzierter zu betrachten. Es ist richtig, dass gefühlt, und auch die Aussteller bestätigen dies, kaum noch Besucher aus Deutschland oder anderen Ländern nach London fahren. Die Lust scheint in den letzten Jahren verloren gegangen zu sein. Auch die Halle selbst ist durch enormen Tageslichteinfall nicht wirklich ideal für die Präsentation von Scheinwerfern. Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die diesjährige Ausgabe der PLASA einen gewissen Charme besaß. Das lag sowohl an der kompakten Größe der Ausstellung, am historischen und charmanten Olympia und am doch recht launigen, bisweilen feucht-fröhlichem Treiben der britischen Besucher. Auch der Einfall von Tageslicht, der zwar die Präsentation von Scheinwerfern erheblich erschwerte, sorgte für eine angenehmere Atmosphäre. Ebenfalls ein sinniges Konzept war das Seminarprogramm, das in mit Molton abgehangenen „Seminarräumen“ auf der Galerie zwischen Ausstellern stattfand. Der Themenmix von Pult-Trainings, Erfahrungsberichten von LDs über technische Seminare bis hin zu ganz grundsätzlichen Themen, wie Roadie Etikette, Steuerarten für Freelancer oder auch Tipps für den Karriere-Booster Social Media, konnte völlig überzeugen.

Was habe ich also vom Besuch der neuen alten PLASA aus London mitgenommen? Nachdem das Flair der PLASA schon im Earls Court verloren ging und im ExCeL seinen Tiefpunkt erreichte, war der Schritt hin in eine kleine Halle und zurück in ein lebendigeres Viertel sicherlich richtig. Ob man als Nicht-Brite noch zur PLASA muss: „Jein“. Unzählige technische Neuheiten erwarten einen nicht – aber man hat eben viel mehr Zeit, sich mit Kollegen und auch Herstellern auszutauschen. Im Gegensatz zu Frankfurt z.B. bietet London auch neben der Messe vielleicht noch Anreiz zum Besuch der Stadt. Wenn die PLASA es richtig macht und neben der technischen Ausstellung sowie des smarten Seminarprogramms noch etwas mehr „Drumherum“ auf die Beine gestellt bekommt, könnte die PLASA wieder eine interessante Veranstaltung im Jahreskalender werden.

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